Dachbegrünung – Oase im Asphalt-Dschungel

Grünflächen sind mitten in der Stadt oftmals rar. Umso schöner ist es, selbst eine grüne Oase zu schaffen. Doch das muss nicht unbedingt ein Garten sein: Ein begrüntes Dach tut es auch.

Mithilfe von Dachbegrünung lassen sich Dächer – vor allem Flachdächer – vielseitig nutzen: Manche Hausbesitzer errichten einen pflegeleichten Blickfang, der Pflanzen und Tieren im Asphalt-Dschungel Lebensraum bietet. Andere erfüllen sich durch das Bepflanzen ihres Daches den Traum vom eigenen Dachgarten mit Terrasse, Gehölzen, Blumen- und Gemüsebeeten. Reichen Statik und Geld aus, sind der Ausgestaltung keine Grenzen gesetzt.

Arten der Dachbegrünung

intensive Dachbegrünung, Foto: Optigrün
Wohnhaus mit intensiver Dachbegrünung. Foto: Optigrün Foto: Optigrün
Dachbegrünung, Foto: Optigrün
Haus mit extensiv begrüntem Dach. Foto: Optigrün Foto: Optigrün
Dachgarten, Foto: ZinCo GmbH
Ein begehbarer Dachgarten. Foto: ZinCo GmbH Foto: ZinCo GmbH

Insgesamt gibt es drei Formen der Dachbegrünung. Die kostengünstigste und pflegeleichteste Variante bezeichnen Fachleute als extensive Dachbegrünung. Sie besteht aus Moosen, Kräutern, Sukkulenten und Gräsern, die schnell einen geschlossenen Pflanzenteppich auf dem Dach bilden und sich selbst erhalten. Die Pflanzen zeichnen sich dadurch aus, dass sie anspruchslos und robust sind. Schließlich müssen sie mit extremen Umweltbedingungen wie Sonne, Wind und Trockenheit zurechtkommen. Der Pflegebedarf ist dementsprechend gering. Es reicht, ein bis zwei Mal im Jahr Unkraut und Fremdwuchs zu entfernen. Extensive Dachbegrünungen eignen sich für Dächer mit geringen Lastreserven, da die mineralische Substratschicht lediglich sechs bis 20 Zentimeter hoch sein muss, damit die Pflanzen gedeihen können.

Das Gegenteil der extensiven Begrünungsart ist die intensive Dachbegrünung. In der Regel handelt es sich bei intensiv begrünten Dächern um begehbare Dachgärten. Ähnlich wie bei normalen Gärten sind den Gestaltungswünschen kaum Grenzen gesetzt. Es lassen sich nicht nur Terrassen, Rasenflächen, Gartenwege und Teiche realisieren, auch die Wahl der Pflanzen bietet nahezu jegliche Freiheit. Sofern es die Statik des Daches erlaubt, können neben Niedriggewächsen auch Stauden, Sträucher und Bäume angepflanzt werden. In Sachen Pflege ist die Intensivbegrünung aufwendig: Sie muss regelmäßig bewässert und von Unkraut befreit werden. Zudem benötigt man für Dachgärten meist eine Baugenehmigung.

Die dritte Form der Dachbegrünung ist eine Mischform aus Extensiv- und Intensivbegrünung. Man bezeichnet sie als einfache Intensivbegrünung. Sie ist zwar etwas pflegeintensiver als die extensive Variante, aber deutlich pflegeleichter als ein Dachgarten. Da bei der einfachen Intensivbegrünung das Substrat höher aufgeschüttet wird als beim extensiv begrünten Dach, können neben der Wiesenvegetation auch Stauden angepflanzt werden. Sträucher und Bäume sind jedoch nicht möglich.

Vor- und Nachteile eines Gründachs

Dach, Dachbegrünung, Kiosk, Foto: Optigrün/www.dachbegruenung24.de
Ein grünes Dach wirkt wie eine Klimaanlage. Der darunter liegende Raum heizt sich nicht so schnell auf. Foto: Optigrün/www.dachbegruenung24.de Foto: Optigrün/www.dachbegruenung24.de

Wer über eine Dachbegrünung nachdenkt, sollte sich vorab über die Vor- und Nachteile informieren. In erster Linie ergeben sich bei einer fachgerechten Durchführung hauptsächlich Vorteile. Beispielsweise schützt ein Gründach die Dachabdichtung vor Sonneneinstrahlung, Wind, Hagel und den Temperaturschwankungen im Tages- und Jahresverlauf. Da die Dachabdichtung in einem gleichmäßig temperierten Bereich geschützt liegt, altert sie langsamer. Aus diesem Grund kommt es nicht so schnell zu Rissbildungen, Schrumpfungsprozessen und zu undichten Stellen wie bei einem unbegrünten Dach. Während ein nacktes Flachdach im Durchschnitt etwa 15 bis 25 Jahre hält, ist die Lebensdauer eines Gründachs mindestens doppelt so hoch. Darüber hinaus verbessert die Bepflanzung die Energiebilanz des Gebäudes: Im Winter geht weniger Wärme über das Dach verloren und im Sommer schirmt die Dachbegrünung Hitze ab. Zudem haben grüne Dächer einen großen Nutzen für Gesellschaft und Umwelt. Sie halten abhängig von Bauart und Substratmaterial 50 bis 90 Prozent der Niederschläge zurück. Ein großer Teil des Wassers wird durch die Transpiration der Pflanzen wieder in den Wasserkreislauf zurückgeführt. Das Restwasser fließt zeitlich stark verzögert vom Dach ab, sodass das Kanalsystem besonders bei Starkregen durch Dachbegrünungen erheblich entlastet wird. Des Weiteren bieten begrünte Dächer Lebensraum für Flora, Fauna, Tiere und Pflanzen. Vor allem in großen Städten können Dachbepflanzungen Grünflächen, die durch Baumaßnahmen verloren gegangen sind, teilweise kompensieren und so zum Artenschutz beitragen.

Neben diesen Vorteilen fallen die Nachteile der Dachbegrünung eher gering aus. Laut dem Deutschen Dachgärtner Verband e.V. (DDV) ist für eine extensive Dachbegrünung mit durchschnittlichen Kosten von 25 bis 35 Euro pro Quadratmeter zu rechnen. Die finanziellen Aufwände für Intensivbegrünungen variieren sehr stark, da sie von den individuellen Gestaltungswünschen abhängen. Je anspruchsvoller die Begrünung und je steiler das Dach, desto höher ist der Preis. Des Weiteren ist ein Gründach mit Pflege verbunden. Bei einem extensiv begrünten Dach ist der Pflegebedarf gering. Eine Intensivbegrünung, hingegen, kann ähnlich viel Zeit wie ein Garten beanspruchen.

Voraussetzungen für Dachbegrünung

Schrägdach, Extensivbegrünung, Dachbegrünung, Foto: Fachvereinigung Bauwerksbegrünung / www.fbb.de
Schrägdach mit Extensivbegrünung. Foto: Fachvereinigung Bauwerksbegrünung / www.fbb.de Foto: Fachvereinigung Bauwerksbegrünung

Prinzipiell lassen sich alle Dachtypen bepflanzen. Da hinsichtlich der Statik, der Dachneigung, des Dachaufbaus und der Abdichtung viele Dinge zu beachten sind, sollte stets ein Statiker oder ein Architekt in die Planung mit einbezogen werden. Der Fachmann prüft, ob das Dach dem zusätzlichen Gewicht standhält. Schließlich hat die Konstruktion eines begrünten Daches schwer zu tragen: Sie fängt nicht nur das Gewicht der Pflanzen ab, sondern trägt auch die Last des gespeicherten Wassers. Im Winter kommt häufig noch die Schneelast hinzu.

Weitere Voraussetzungen für die Dachbegrünung sind eine Aufkantung beziehungsweise eine Schubsicherung. Die Aufkantung ist für die Flachdachbegrünung wichtig. Sie sorgt dafür, dass die Substrat- und Vegetationsschicht nicht durch Wind oder Regen vom Dach fällt. Wer jedoch ein Schrägdach mit einer Neigung von mehr als zehn Grad bepflanzen möchte, benötigt Sicherungen, um die Schubkräfte abzuleiten. Hierfür werden Schubschwellen und grobmaschige Erosionsschutzgewebe eingebaut. Diese verhindern das Abrutschen der Dachbegrünung.

Ebenso wichtig für die Dachbegrünung ist ein ausreichendes Dachgefälle, damit Regenwasser ungehindert abfließen kann. Für einen kontrollierten Abfluss sollten Wasserabläufe in die Dachfläche eingelassen sein. Falls überschüssiges Wasser über Dachrinnen ablaufen soll, sind besondere bauliche Maßnahmen bei der Aufkantung zu ergreifen. Zudem ist eine wurzelfeste Dachabdichtung eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Dachbegrünung. Ist sie nicht vorhanden, bietet eine Wurzelschutzfolie oder Wurzelschutzbahn Ersatz. Generell ist es sinnvoll, sich vorab beraten zu lassen. Gründach-Fachbetriebe und Hinweise zur Förderung begrünter Dächer gibt es auf den Internetseiten des Deutschen Dachgärtner Verbandes.

Schicht für Schicht zum perfekten Gründach

Dachbegrünung, Aufbauschichten, Foto: ZinCo GmbH
Die Aufbauschichten der Dachbegrünung. Foto: ZinCo GmbH Foto: ZinCo GmbH

Auf dem Markt gibt es Gründach-Systeme verschiedenster Hersteller in unterschiedlichen Materialien und Formen. Doch alle haben eines gemeinsam: Sie orientieren sich am natürlichen Aufbau des Ökosystems. Da die Pflanzenwurzeln auf dem Dach nicht in die Tiefe dringen können, um sich mit Wasser und Nährstoffen zu versorgen, müssen die Dachbegrünungssysteme diesen Mangel ausgleichen. Dies geschieht mit aufeinander abgestimmten Komponenten, welche in Schichten angeordnet werden:

  1. Wurzelschutzfolie: Die erste Schicht ist die Wurzelschutzfolie (siehe Bild). Man benötigt sie nur, wenn der Dachaufbau nicht wurzelfest ist. In diesem Fall werden die Dachhaut sowie die Dachabdichtung mit einer Folie vor den Pflanzenwurzeln geschützt. Diese Folie sollte das Prädikat "Wurzelfest nach FLL" tragen, das auf ein Prüfverfahren der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau beruht. Für Intensivbegrünungen verwendet man Wurzelschutzbahnen.
  2. Schutzmatte: Auf die Wurzelschutzfolie verlegt man eine Schutzmatte. Diese schützt die Folie beispielsweise vor Beschädigungen durch Hagel und speichert Nährstoffe und Wasser.
  3. Dränageschicht: Die Dränageschicht hält Wasser in ihren Vertiefungen fest und leitet überschüssiges Wasser ab. Zudem sorgt sie für eine ausreichende Belüftung der Pflanzenwurzeln.
  4. Filterschicht: Zwischen die Dränage- und Vegetationsschicht kommt eine Filterschicht. Diese sorgt für einen geschlossenen Nährstoffkreislauf und verhindert das Verschlämmen der Abläufe.
  5. Substratschicht: Das Substrat dient der Verankerung der Pflanzenwurzeln und versorgt die Gewächse mit Wasser und Nährstoffen. Darüber hinaus führt es zusammen mit der Dränageschicht überschüssiges Wasser sicher ab. Aus diesem Grund muss die Substratschicht strukturstabil und witterungsbeständig sein.
  6. Pflanzenschicht: Die oberste Schicht der Dachbegrünung ist die Vegetationsschicht. Sie durchwurzelt und festigt den Gründach-Aufbau und macht aus dem Dach einen echten Hingucker.

Welche Pflanzen eignen sich für Dachbegrünung?

Viele Gewächse kommen für die Begrünung eines Daches in Frage. Die gewünschte Art der Dachbegrünung entscheidet letztlich darüber, welche Pflanzen in die engere Auswahl kommen. Wer einen Dachgarten realisieren möchte, kann fast alle Pflanzen verwenden, die auch in normalen Gärten gedeihen. Ob Sträucher, Gemüsesorten, Rasen oder Bäume – den Gestaltungmöglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt. Im Vergleich dazu stellt eine extensive Dachbegrünung größere Ansprüche an die Pflanzen. Die Vegetation muss Trockenheit, extreme Sonneneinstrahlung, Wind, Frost und Nährstoffarmut aushalten – und das mit nur wenig Wurzelraum. Aus diesem Grund verwendet man hierfür ausschließlich Arten, die auf humusarmen Hängen, Mauern und in Felsspalten wachsen. Dazu gehören beispielsweise Sedum-Arten wie Mauerpfeffer und Nelkenarten wie Heide- und Kartäusernelken. Die nachfolgende Bildergalerie stellt einige Pflanzen für die extensive Dachbegrünung vor.

Hinweise zur Pflege

Wer sein grünes Dach dauerhaft ansprechend und funktionstüchtig halten möchte, muss es regelmäßig pflegen. Der Pflegeaufwand fällt am Anfang deutlich höher aus. Es ist wichtig, die Pflanzen vor allem in den niederschlagsarmen Monaten regelmäßig zu gießen, damit sie im ersten Jahr nach der Aussaat gut gedeihen. Des Weiteren gilt es, freie Stellen zu bepflanzen sowie Fremdwuchs und Unkraut zu entfernen. Es ist besonders darauf zu achten, dass sich keine Pflanzen mit tiefgehenden Wurzeln, beispielsweise Bäume, ansiedeln. Diese könnten beim Gedeihen die Wurzelschutzfolie beziehungsweise die Dachabdichtung beschädigen.

Während die Pflegeintensität bei Intensivbegrünungen gleichbleibend hoch ist, nimmt sie bei Extensivbegrünungen stark ab, sobald sich ein geschlossener Pflanzenteppich gebildet hat. Es sind dann lediglich ein bis zwei Kontrollgänge im Jahr nötig, um Unkraut und Fremdwuchs zu beseitigen sowie um die Entwässerungseinrichtung und die An- und Abschlüsse des Daches zu prüfen.

Staatliche Zuschüsse für die Dachbegrünung

Ein Gründach wirkt wie eine natürliche Klimaanlage und senkt den Energiebedarf von Gebäuden. Aus diesem Grund bezuschusst die KfW-Förderbank seit dem 01.Juni 2014 Dachbegrünungen als Maßnahme im Zuge einer energetischen Haussanierung. Voraussetzung ist laut KfW-Sprecherin Sybille Bauernfeind, dass Bauherren das Dach vor der Begrünung entsprechend den technischen Mindestanforderungen für eine Einzelmaßnahme oder ein Effizienzhaus dämmen lassen. Falls der Kreditrahmen bis dahin nicht ausgeschöpft ist, kann das Gründach mitfinanziert werden.

Die KfW-Bank gibt im Rahmen ihres Programms „Energieeffizient Sanieren“ für jede Wohneinheit in einem KfW-Effizienzhaus bis zu 75.000 Euro Kredit bei einem Zinssatz von einem Prozent im Jahr. Einzelmaßnahmen können Bauherren mit bis zu 50.000 Euro bei einem jährlichen Zinssatz von einem Prozent fördern lassen. Darüber hinaus ist ein Tilgungszuschuss möglich, der das Darlehen verringert und die Laufzeit verkürzt. Auf diese Weise lassen sich bis zu 13.125 Euro sparen.

Link-Tipp

Hier erfahren Sie, welche Förderprogramme die KFW-Bank anbietet.

Die KfW-Förderung ist auch mit städtischen Subventionsmodellen kombinierbar, so Michael Henze vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL). In vielen Regionen bezahlen Gründach-Besitzer deutlich weniger Niederschlagswassergebühren. Zudem bezuschussen einige Städte Dachbegrünungen finanziell mit etwa zehn bis 20 Euro pro Quadratmeter.


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