Do-it-yourself Zwischensparrendämmung: Nachträgliche Dachdämmung selbst gemacht

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Sei es um die Vorgaben der Energieeinsparverordnung zu erfüllen, oder um unter dem Dach neuen Wohnraum zu schaffen: Wer sein Dachgeschoss nachträglich dämmen will, entscheidet sich üblicherweise für die Zwischensparrendämmung. Vom Aufdoppeln der Dachsparren über das Einziehen der Unterspannfolie bis hin zur tatsächlichen Dämmung – vieles kann der Heimwerker selbst erledigen.

Zwischensparrendämmung, Dachdämmung, Foto: KfW-Bildarchiv / Fotoagentur: photothek.net
Sorgfältiges Arbeiten ist bei Zwischensparrendämmung Pflicht – und zu zweit arbeitet es sich leichter. Foto: KfW-Bildarchiv / Fotoagentur: photothek.net Foto: KfW/photothek.net

Mit dem Ausbau des Dachgeschosses kann zusätzlicher Wohnraum gewonnen werden. Dabei können geübte Heimwerker eine Menge Geld sparen, wenn sie beispielsweise die Dachdämmung selbst vornehmen. Hier gilt: Die Arbeiten an sich sind nicht allzu schwer, müssen aber ausgesprochen sorgfältig ausgeführt werden, um spätere Bauschäden zu verhindern.

Do-it-yourself: Aufdopplung der Dachsparren

Sollen die vom Gesetzgeber vorgegebenen Dämmwerte erfüllt werden, müssen bei der nachträglichen Dachdämmung von innen für gewöhnlich die Dachsparren aufgedoppelt werden.

Die meisten Dachsparren sind nur etwa 14 bis 16 Zentimeter dick, in Altbauten wie zum Beispiel auch in Fachwerkhäusern gelegentlich sogar nur 10 oder 12 Zentimeter. Da viele Dämmstoffe der Wärmeleitgruppe (WLG) 035 bis 040 angehören, müssen sie jedoch mit einer Dicke von 20 bis 24 Zentimetern verbaut werden, um die geforderte Dämmwirkung zu erreichen. Mit einer Aufdopplung der Dachsparren lässt sich die nötige Tiefe erreichen.

Info

Abhängig von ihrer Wärmeleitfähigkeit und ihrem Wärmedurchgangskoeffizienten werden Dämmstoffe in verschiedene Gruppen klassifiziert. Je kleiner der Wert, desto besser die Dämmwirkung.

Heimwerkern kann der Wert als Kaufhilfe dienen: Die meisten Produkte sind damit gekennzeichnet.

Dabei können sich Heimwerker zwischen zwei Varianten entscheiden:

  • Die einfache Lösung ist, direkt auf den Sparren ein Kantholz (6 mal 8 Zentimeter) aufzuschrauben und so die nötige Sparrentiefe zu erreichen.
  • Die aufwendigere Variante ist es, links und rechts neben dem Sparren jeweils ein Brett zu befestigen und dieses sorgfältig auszurichten.

Experten-Tipp

Dämmdicke lieber größer dimensionieren: Wenn nicht nur 24 Zentimeter sondern 30 möglich sind, bauen Sie lieber die 30 Zentimeter ein – oder entscheiden Sie sich gleich für eine bessere WLG/WLS.

Schematischer Aufbau der Zwischensparrendämmung

Zwischensparrendämmung, Dachdämmung, Grafik: I. Haag
Grafik: I. Haag

Von außen nach innen ist eine Zwischensparrendämmung wie folgt aufgebaut:

1. Dacheindeckung
2. Dachlatten und Konterlatten
3. diffusionsoffene Unterspannbahn – bei nachträglicher Dämmung meist nicht vorhanden
4. Dämmstoffe
5. Dachsparren und gegebenenfalls aufgedoppelte Kanthölzer
6. diffusionsoffene Dampfbremsfolie
7. Installationsebene – oder bei gewünschter Dämmkombination Untersparrendämmung
8. Innenverkleidung zum Beispiel mit OSB- oder Gipskartonplatten

Unterspannbahn – ja oder nein?

Eine diffusionsoffene Unterspannfolie verhindert, dass Feuchtigkeit zum Beispiel durch Flugschnee von außen nach innen gelangt und die Dämmung durchfeuchtet. Gleichzeitig transportiert sie feuchte Luft aus dem Inneren und der Dämmung nach außen. Die Folie liegt über den Dachsparren und unter den Ziegeln – und ist bei Altbauten häufig nicht vorhanden.

Die Unterspannbahn nachträglich anzubringen, ist durchaus möglich. Dies ist allerdings mit etwas Aufwand verbunden. Dafür die Folie passgenau zuschneiden und einen Überstand von circa zehn Zentimetern einplanen. Mithilfe schmaler Leisten wird dieser Überstand dann am Sparren befestigt.

Eine Unterspannfolie ist ein Kann, aber kein Muss: Wer auf sie verzichtet, sollte jedoch zwei bis drei Zentimeter Raum zwischen Dämmstoff und Dach lassen. Nur so kann die Luft zirkulieren und das Dach wird hinterlüftet.

Experten-Tipp

Ohne Unterspannbahn immer einen Spalt für die Hinterlüftung lassen und die Dämmung nie bis an die Eindeckung drücken.

Do-it-yourself: nachträgliche Zwischensparrendämmung einbauen

Bei der folgenden Dämmanleitung wird eine vorhandene Unterspannfolie vorausgesetzt.

  • Bei Bedarf Dachsparren wie oben beschrieben aufdoppeln.
  • Dämmmatten oder -keile zuschneiden: Um zu gewährleisten, dass der Dämmstoff fest zwischen den Sparren sitzt, das Material etwa ein bis zwei Zentimeter breiter zuschneiden als der Zwischenraum zwischen den Sparren. Sauber arbeiten: Vor allem bei Anschlüssen und Ecken ist Sorgfalt gefragt, nirgends dürfen Lücken oder Schlitze bleiben.
    Wer keine Unterspannfolie angebracht hat, sollte zwischen Dämmung und Dach zwei bis drei Zentimeter Luft lassen.

Experten-Tipp

Zwischensparrendämmung in zwei Lagen mit versetzten Fugen einbringen. So lassen sich Unregelmäßigkeiten zum Beispiel bei ungleichen Dachsparren ausgleichen.

Zwischensparrendämmung, Dachdämmung, Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG
Dämmstoff immer mit ein paar Zentimetern Überstandzuschneiden. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL
Zwischensparrendämmung, Dachdämmung, Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG
Dämmmatten dicht zwischen die Sparren klemmen. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL
Zwischensparrendämmung, Dachdämmung, Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG
Was nicht passt, wird passend gemacht. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL

  • Auf die Sparren und unter die Dampfbremsfolie kann nun ein Dichtband aufgeklebt werden. Dieses verbindet sich mit der Folie und verhindert, dass sie undicht wird, falls sie doch durch eine Schraube beschädigt wird.
  • Dampfbremsfolie anbringen: Die diffusionsoffene Folie wird einfach auf die Sparren getackert. Dabei sollte die untere Bahne die obere circa zehn Zentimeter überlappen. Auch an Wand und Boden sollten zehn Zentimeter überstehen. Anschließend alle Kanten, Überlappungen und Anschlüsse luftdicht mit Spezialklebeband verkleben. An Wand und Boden – also auf Putz oder Beton – wird die Dampfbremse mit speziellem Dichtkleber befestigt. Achtung: Die Folie darf nicht unter Spannung stehen. Sorgfältiges Arbeiten ist Pflicht: Ist die Dampfbremse zum Beispiel an den Steckdosenöffnungen undicht, kann das zu Schimmel und Bauschäden führen.
Zwischensparrendämmung, Dachdämmung, Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG
Auf den Sparren Dichtband anbringen. Das Band verhindert, dass die Folie beim Verschrauben beschädigt wird. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL
Zwischensparrendämmung, Dachdämmung, Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG
Die Dampfbremsfolie kann entweder festgetackert werden. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL
Zwischensparrendämmung, Dachdämmung, Foto: SAINT-GOBAIN ISOVER G+H AG
Allerdings lässt sich die Dampfbremse auch mit Klettband montieren. Dabei wird die Membran nicht beschädigt. Foto: SAINT-GOBAIN ISOVER G+H AG Foto: SAINT-GOBAIN ISOVER G+H AG
Zwischensparrendämmung, Dachdämmung, Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG
Ist die Folie spannungsfrei befestigt, müssen alle Übergänge abgedichtet werden. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL

Praxis-Tipp

Lichtspots anbringen:

Wer Lampen oder Lichtspots in der Dachschräge einbauen möchte, muss besonders sorgfältig arbeiten und darauf achten, dass er Lampen einbaut, die nicht heiß werden! Die Dampfbremsfolie darf nicht beschädigt werden.

  • Gegebenenfalls nun Lattung für die Untersparrendämmung beziehungsweise die Installationsebene montieren. Entsprechende Leitungen verlegen und die zusätzliche Dämmung einbringen.
  • Abschließend die Innenverkleidung montieren: Querlatten auf die Dachsparren schrauben und darauf Gipskartonplatten oder OSB-Platten befestigen. Dabei unbedingt darauf achten, dass nur auf die Sparren geschraubt und die Dampfbremsfolie nicht beschädigt wird. Vor dem Befestigen der Platten sollten Heimwerker Aussparungen für Rohre und Steckdosen sägen. Schlussendlich die Gipskartonplatten verkleben oder verfugen.
Zwischensparrendämmung, Dachdämmung, Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG
Anschließend auf der Folie Querlatten montieren. Dabei immer nur auf den Sparren schrauben. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL
Zwischensparrendämmung, Dachdämmung, Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG
Auf den Querlatten werden OSB- oder Rigipsplatten angebracht und verputzt. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL

Praxis-Tipp

Gipskartonplatten zuschneiden:

Platten aufeinander stapeln. Schnittlinie markieren, mit Cutter oder Stichsäge einschneiden. Platte über Kante schieben und am Schnitt abknicken. Umdrehen und am Knick auftrennen. Kanten mit Schleifpapier glätten und anschrägen.

Kombination aus Zwischen- und Untersparrendämmung

Zwischensparrendämmung, Dachdämmung, Foto: SAINT-GOBAIN ISOVER G+H AG
Zwiebelprinzip: Wer zwischen den Sparren gedämmt hat, kann auch noch ergänzend eine Untersparrendämmung anbringen. Foto: SAINT-GOBAIN ISOVER G+H AG Foto: SAINT-GOBAIN ISOVER G+H AG

Eine vom Dachdecker angebrachte Aufsparrendämmung hält Wärme zwar besser im Hausinneren, jedoch kann eine Zwischensparrendämmung vom Heimwerker selbst montiert werden. Um dabei tatsächlich ein luftdichtes Dach zu bekommen, wird diese Dämmart häufig mit der Untersparrendämmung kombiniert.

Vorteil dieser Kombination ist, dass die Dampfbremse nicht verletzt wird. Schließlich können alle elektrischen Leitungen innerhalb der Untersparrendämmung verlegt werden. Dadurch sind keine Leitungsauslässe in der Folie nötig und das Befestigungsmaterial der Innenverkleidung hat keinen direkten Kontakt mit der Dampfbremse.

Der Aufwand hält sich dabei in Grenzen: Meist muss für die Zwischensparrendämmung eh aufgedoppelt werden.

Link-Tipp

Hier erfahren Sie, wie Heimwerker selbst eine Untersparrendämmung anbringen: Do-it-yourself: Untersparrendämmung

Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV)

Wer sein Dach nachträglich dämmt, muss die Auflagen der Energieeinsparverordnung (EnEV) zwingend einhalten. Für Außenwände von Wohngebäuden sowie alle Dachflächen ohne Abdichtung schreibt sie einen U-Wert von 0,24 W/(m²K) vor. Dieser Wärmedurchgangskoeffizient wird zum Beispiel durch das Einbringen eines passenden Dämmstoffs in der entsprechenden Dämmstoffdicke erreicht.

Dabei berücksichtigt das Gesetz den begrenzten Platz bei der Zwischensparrendämmung: „Ist die Dämmschichtdicke wegen einer innenseitigen Bekleidung oder der Sparrenhöhe begrenzt, so gilt die Anforderung als erfüllt, wenn die nach anerkannten Regeln der Technik höchstmögliche Dämmschichtdicke (bei einem Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit λ = 0,035 W/(m•K)) eingebaut wird.“ (EnEV §9 Anlage 3)

Für denkmalgeschützte Häuser gelten dabei stets Ausnahmeregelungen.

Ökologische Dämmstoffe oder Dachdämmung aus Mineralwolle?

Heimwerker können sich einerseits für eine Dämmung mit organischen Materialien wie Hanf, Schafwolle oder Kokosfaser entscheiden; andererseits stehen ihnen aber zum Beispiel auch Glaswolle, EPS oder Steinwolle zur Verfügung. Welcher Dämmstoff letzten Endes verbaut werden kann, hängt nicht nur von persönlichen Vorlieben, sondern auch von baulichen Gegebenheiten ab.

Link-Tipp

Hier finden Renovierer einen Überblick über die verschiedenen Dämmstoffe: Trittschall- und Wärmedämmung: Verschiedene Dämmstoffe in der Übersicht


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27 Kommentare

Redaktion bauen.de am 06.05.2016 10:21

Hallo Marc,

da sind Sie mit Ihrer Frage ja genau beim richtigen Text gelandet. Welchen Dämmstoff Sie verwenden, hängt von Ihren Ansprüchen ab: Wollen Sie den besten U-Wert, soll es möglichst günstig sein, haben Sie Ansprüche an... mehr

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Marc am 03.05.2016 23:20

Hallo,

Wie muss ich bei dem Dämmen vorgehen?

1.

Aufbau wie folgt:

-Frankfurter Pfanne

-Dachlatten

-14cm Sparren, Anfang von der Dachschräge, nach ca. 30cm ist der Sparren 16cm.

-Sparreabstand ist unterschiedlich, zwischen 50... mehr

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Redaktion bauen.de am 28.04.2016 14:18

Liebe Maren,

diese Frage sollten Sie mit einem Energieberater besprechen. Wenn Sie das Dach nicht ausbauen, gäbe es auch noch die Möglichkeit, die oberste Geschossdecke zu dämmen. Also nicht das Dach an sich, sondern den Dachboden. Zwei... mehr

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