Urban Gardening – selbst geerntete Tomaten mitten in der Stadt

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Für Hobbygärtner auf Eigenheimsuche ist es nicht leicht, ein zentral gelegenes Haus oder eine Wohnung mit Garten zu finden. Häufig bleibt der Wunsch nach einem Stück Land für den Anbau von Obst und Gemüse auf der Strecke. Doch Großstadtleben und Gemüseanbau schließen einander nicht aus. Unter den Schlagworten Urban Gardening und Urban Farming entstehen in immer mehr Städten Nachbarschaftsgärten, in denen Hobby- und Gelegenheitsgärtner herzlich willkommen sind.

Blick auf den Nürnberger stadtgarten. Foto: stadtgarten-nuernberg.de
Urban Gardening in Nürnberg. Foto: stadtgarten-nuernberg.de Foto: stadtgarten-nuernberg.de

Nachbarschaftsgärten sind gemeinschaftlich betriebene Gärten, in denen jeder mithelfen und Radieschen, Salat sowie weitere Nutzpflanzen und Blumen anbauen darf. So können auch diejenigen, die keinen eigenen Garten oder Balkon haben, ihre Leidenschaft fürs Gärtnern ausleben. Ziel ist, Stadtbewohner unterschiedlicher sozialer Schichten zusammenzubringen, um die Städte gemeinsam grüner zu machen. Bürgerschaftliches Engagement spielt hierbei eine ebenso große Rolle wie nachhaltige Stadtentwicklung, Sortenvielfalt und eine gesunde Ernährung. 

Vorreiter USA

Urban Gardening ist nicht neu. Bereits in den 1970er Jahren kam es in New York zur grünen Protestbewegung der Guerilla-Gärtner. Mit Saat-Bomben – kleinen Kugeln aus Erde, Ton und Pflanzensamen – bewaffnet, zogen die Guerilleros los und warfen diese auf städtische Freiflächen, um das heruntergekommene Stadtbild zu verschönern. Nachdem sich die Samenbomben mit Regenwasser vollgesogen hatten, begannen sie zu keimen. So sprossen auf den Freiflächen Blumen.

Urban Gardening, Saat-Bombe. Foto: Heike Rau / fotolia.com
Solche Samenkugeln verwendeten die Guerilleros als Saat-Bombe. Foto: Heike Rau / fotolia.com Foto: Heike Rau / fotolia.com

Darüber hinaus entstanden in New York die ersten Gemeinschaftsgärten, auch Community Gardens genannt. Engagierte Bürger schlossen sich zusammen und bewirtschafteten die innerstädtischen Brachen. Sie verschönerten die Freiflächen mit Blumen und bauten Obst und Gemüse an.

Auch in Detroit wurde urbanes Gärtnern großgeschrieben: Nachdem die Einwohnerzahl der Metropole mit dem Niedergang der Automobilindustrie um über 60 Prozent gesunken war, gab es genug Brachflächen für den urbanen Gartenbau. Mittlerweile bestehen bereits über 1.400 Community Gardens, die von der Organisation „Keep Growing Detroit“ mit Saatgut und Setzlingen versorgt werden.

Um die Jahrtausendwende wurde Urban Gardening auch in Deutschland zum Modebegriff. Zahlreiche Magazine bezeichneten Stadtgärtnern als neuen Trend und Berlin als die Hochburg des Urban Farmings. Inzwischen gibt es in der deutschen Hauptstadt etwa 200 Gartenprojekte. Das bekannteste befindet sich in Kreuzberg: der Prinzessinnengarten von Marco Clausen und Robert Shaw. Doch auch in anderen deutschen Städten findet Urban Farming einen steigenden Zulauf. bauen.de stellt vier Gartenprojekte vor.

Der Prinzessinnengarten – ein mobiler Nachbarschaftsgarten im Herzen Berlins

Prinzessinnengarten, Berlin, Urban Farming. Foto: prinzessinnengarten.net
Der Berliner Prinzessinnengarten gilt als Vorreiter des Urban Gardenings in Deutschland. Foto: prinzessinnengarten.net Foto: prinzessinnengarten.net

Vorbild für den Prinzessinnengarten am Moritzplatz in Berlin-Kreuzberg sind die Stadtäcker in Kuba. Diese entstanden mit dem Ende der Sowjetunion und ermöglichten den Stadtbewohnern, sich selbst mit Nahrung zu versorgen. Sie liefern 90 Prozent der frischen Lebensmittel in Kuba.

Im Berliner Prinzessinnengarten spielt Selbstversorgung eine untergeordnete Rolle. Das gemeinsame Säen, Bewässern und Ernten soll vor allem das Zusammengehörigkeitsgefühl der Nachbarschaft stärken und Personen verschiedener Generationen und Kulturkreise vernetzen. Dort, wo vor etwa sechs Jahren noch Brachland mit rund zwei Tonnen Müll war, ist heute eine grüne Oase in der städtischen Betonwüste. Robert Shaw und Marco Clausen, Gründer der gemeinnützigen GmbH Nomadisch Grün, beseitigten 2009 mit mehreren Helfern aus dem Multi-Kulti-Kiez den Unrat und bepflanzten die ersten 100 Beete. Daraufhin wuchs der Garten schnell. Heute gibt es über 300 Beete, vier Bienenvölker und ein Gartencafé.

Das Besondere am Prinzessinnengarten ist seine Mobilität. Radieschen, Salat und Fenchel wachsen nicht aus dem Boden, sondern in alten Plastik-Brotkisten. Des Weiteren dienen Plastikflaschen als Mini-Treibhäuser für Setzlinge. Diese Art des Anbaus hat den Vorteil, dass das Urban-Gardening-Projekt nicht von der Bodenqualität des Standorts abhängt und der Prinzessinnengarten schnell umziehen kann. Mobilität ist für den Prinzessinnengarten sehr wichtig, denn die Berliner Stadtverwaltung möchte das 6.000 Quadratmeter große Grundstück zu einem unbestimmten Zeitpunkt verkaufen.

 

Der Prinzessinnengarten ist zwischen April und Oktober geöffnet. Jede Saison gestalten bis zu 1.000 Freiwillige den Nachbarschaftsgarten. Private Beete gibt es keine. Ob Gartenprofi oder Anfänger – jeder ist willkommen, um die Beete gemeinschaftlich zu pflegen. Darüber hinaus bietet der Prinzessinnengarten informelle Bildungs- und Beteiligungsmöglichkeiten, die über das Säen und Ernten hinausgehen. Interessierte lernen etwas über Saatgutgewinnung, das Konservieren von Gemüse, Bienenhaltung, Kompostierung, Stadtökologie, Recycling und neue Formen des städtischen Lebens. Dabei sind weder die Betreiber noch die Besucher des Gartens Experten. Gelernt wird durch Ausprobieren und Erfahrungsaustausch.

Da das Urban-Gardening-Projekt nicht direkt gefördert wird, ist der Prinzessinnengarten auf freiwillige Helfer und Spendengelder angewiesen. Mit Vorträgen, Führungen sowie Buch- und Bildverkäufen finanziert der Prinzessinnengarten Samen und Werkzeuge sowie die Beteiligungs- und Bildungsangebote des Nachbarschaftsgartens. Ein Teil der angebauten Nahrungsmittel wird für die Gartengastronomie verwendet. Diese hilft ebenfalls das Projekt zu finanzieren. Die restlichen Nahrungsmittel werden an Besucher verkauft. Nomadisch Grün etabliert und betreut darüber hinaus Nutzgärten für Schulen, Kindergärten und weitere Einrichtungen. Die Einnahmen kommen auch hierbei dem Prinzessinnengarten zugute. 

Adresse

Prinzessinnengarten Berlin
Prinzenstraße 35-38
10969 Berlin-Kreuzberg

Haltestelle: Moritzplatz (U-Bahnlinie 8)
Webseite: prinzessinnengarten.net

Der stadtgarten – Urban Gardening in Nürnberg

stadtgarten, Nürnberg, Urban Gardening. Foto: stadtgarten-nuernberg.de
In einer verkehrsreichen Gegend erblüht in Nürnberg die grüne Idylle des stadtgartens. Foto: stadtgarten-nuernberg.de Foto: stadtgarten-nuernberg.de

Blühende Blumen, summende Bienen und fleißige Gärtner, die Beete umgraben, Pflanzen säen und Gemüse ernten: Das ist an sich nichts Besonderes, wenn es nicht auf einem Parkplatz mitten in Nürnberg geschähe. Auf dem Gelände der ehemaligen Quelle AG zelebriert der stadtgarten bereits seit 2012 von Frühjahr bis Spätherbst die Gartensaison. Initiator und Träger ist der gemeinnützige Verein Bluepingu e.V., der mit dem Urban-Farming-Projekt eine ökologisch-regionale Stadtentwicklung fördern möchte. Die ehrenamtliche Initiative finanziert sich über Spendengelder sowie Fördermittel der Stiftung Interkultur und Stiftungsgemeinschaft Anstiftung & Ertomis.

Der Gemeinschaftsgarten im Stadtteil Eberhardshof steht allen Interessierten offen. Hier kommen alte und junge Menschen, Erwachsene und Kinder sowie Menschen unterschiedlichster Ethnien zusammen, um sich aktiv beim Urban Gardening einzubringen. „In der ersten Gartensaison hatten wir rund 3.000 Besucher. Es gab ein großes Medien-Interesse, außerdem wussten viele Menschen noch nicht, was Urban Gardening ist“, erklärt Manja Rupprecht, die den Nachbarschaftsgarten 2011 zusammen mit Miriam Breuning, Joanna Nogly und Roland Brücher von Bluepingu e.V. gegründet hat. Mit der Zeit pendelte sich das Niveau jedoch auf 1.500 bis 2.000 Besucher pro Saison ein. „Die Leute kommen gerne hierher, um an der Gemeinschaft im stadtgarten teilzuhaben. Die einen, um vom Alltagsstress abzuschalten, die anderen, um zu gärtnern, gemeinsam zu kochen oder zu essen“, sagt Rupprecht. 

Urban Farming, Urban Gardening, stadtgarten, Nürnberg. Foto: stadtgarten-nuernberg.de
Kräuter, Sonnenblumen und Gemüsepflanzen werden mit Wasser aus Regentonnen gegossen. Foto: stadtgarten-nuernberg.de Foto: stadtgarten-nuernberg.de
Urban Gardening, Bohnen-Tipi, Nürnberg, stadtgarten. Foto: stadtgarten-nuernberg.de
Ein Tipi aus Bohnenranken. Foto: stadtgarten-nuernberg.de Foto: stadtgarten-nuernberg.de

 

Das Grundprinzip des Nachbarschaftsgartens ist Offenheit. Wer vorbeischauen oder mitmachen möchte, muss nicht dem Trägerverein beitreten. „Wir verzichten hier bewusst auf Barrieren. Jeder darf den Garten besuchen, die Ruhe genießen oder mithelfen“, erzählt Rupprecht. Mittlerweile gibt es etwa 40 Helfer, die regelmäßig kommen. Diese organisieren Workshops und andere Veranstaltungen. Zudem stehen sie den Besuchern mit einem offenen Ohr und einer helfenden Hand zur Seite. Ziel des Urban-Gardening-Projekts ist, Nürnberg gemeinsam grüner zu machen, Bio-Lebensmittel anzubauen und einen Raum der Begegnung zu schaffen. Im stadtgarten gärtnert man nicht nur zusammen, sondern  lässt sich auch die Früchte der Arbeit schmecken. „Jeden Samstag bereiten wir aus der Ernte leckere, vegane Gerichte zu und essen zusammen. Besucher dürfen ebenfalls gerne zugreifen. Natürlich freuen wir uns dann über eine kleine Spende“, sagt Rupprecht.

Kulinarisch sind auch die Workshops des stadtgartens. Köchin Xenia bietet zahlreiche Kurse rund um Kochen, haltbar machen, Resteverwertung und Würzen an. Die Rezepte veröffentlicht sie anschließend im Blog des stadtgartens. Dort kann sie jeder downloaden und selbst ausprobieren. 

„Das schönste unserer drei Gartenjahre war das letzte“, schwärmt Maja Rupprecht. „2014 sind wir endgültig im Stadtteil angekommen. Nun weiß jeder, wer wir sind und was wir tun. Zudem haben wir unseren Rhythmus gefunden.“ Das merkt man auch am Kurs- und Veranstaltungsangebot des Nachbarschaftsgartens. Neben den Koch-Workshops gibt es wechselnde Veranstaltungen sowie Projekttage für Kindergärten und Schulklassen. Hierfür wurde der Sozialpädagoge Oliver Kuntze engagiert. Er erklärt den Kindern und Jugendlichen, wie man Gemüse anbaut, was ökologisches Gärtnern bedeutet und wie das Ökosystem funktioniert. Grundprinzip der Projekttage ist spielerisches Lernen: Die Kinder kosten verschiedene Kräuter und dürfen selbst mit anpacken und sich am Umtopfen, Säen und Wässern beteiligen. So lernen auch die Jüngsten, woher das Essen kommt und welche Rolle eine gesunde Ernährung spielt.

stadtgarten, Urban Gardening, Nürnberg. Foto: stadtgarten-nuernberg.de
Der stadtgarten zieht auf einen anderen Parkplatz des Quelle-Areals. Foto: stadtgarten-nuernberg.de Foto: stadtgarten-nuernberg.de

„Es ist schade, dass wir im November 2014 umziehen mussten“, sagt Rupprecht. Vorher befand sich der Gemeinschaftsgarten zwar ebenfalls auf dem ehemaligen Quelle-Gelände in Eberhardshof, doch auf einem anderen Parkplatz. Da ein Bauunternehmen das Grundstück gekauft hat, verlängerte der Insolvenzverwalter der Quelle AG den Pachtvertrag für den stadtgarten nicht mehr. Glücklicherweise durfte der urbane Garten einen anderen Parkplatz auf dem Quelle-Gelände beziehen. Dieser befindet sich in der Wandererstraße 44. 

Da die Pachtverträge von Anfang an jeweils für nur ein Jahr galten, wurde der Gemeinschaftsgarten mobil gehalten. Wie der Berliner Prinzessinnengarten erblüht auch der Nürnberger stadtgarten in Kisten auf Holzpaletten. „Momentan erarbeiten wir zusammen mit unserer Landschaftsarchitektin einen Plan, wie wir die neue Fläche optimal nutzen können. Gerne möchten wir kleine Erdwälle errichten, die mit Früchten bepflanzt werden. Eine Art essbarer Zaun sozusagen“, erklärt Rupprecht. Wie dieser aussehen wird, zeigt sich in der kommenden Gartensaison.

Adresse

stadtgarten Nürnberg
Wandererstraße 44
90431 Nürnberg

Haltestelle: Eberhardshof (U-Bahnlinie 1)
Webseite: stadtgarten-nuernberg.de

O’pflanzt is! – Urban Farming in der Bayernmetropole

In der bayerischen Hauptstadt München hat Urban Gardening längst Fuß gefasst. Aktuell gibt es im Stadtgebiet 13 Gemeinschafts- und interkulturelle Gärten. Der bekannteste von ihnen ist o‘pflanzt is!. 2011 gründete die Sozialpädagogin Vanessa Blind den Nachbarschaftsgarten, um einen Ort der Begegnung, eine grüne Oase der Entschleunigung zu schaffen. Nicht nur Menschen sollen dort zusammenkommen und sich selbst verwirklichen, der Garten ist auch als Lebensraum für Vögel, Insekten und Pflanzen gedacht. Träger des Projekts ist der gleichnamige Verein o’pflanzt is! e.V. 

o’pflanzt is!, München, Urban Gardening. Foto: Thomas Degen / o-pflanzt-is.de
Idyllisches Grün mitten in München: In der Nähe des Olympiaparks erblüht der Gemeinschaftsgarten o’pflanzt is!. Foto: Thomas Degen / o-pflanzt-is.de Foto: Thomas Degen / o-pflanzt-is.de
o’pflanzt is!, München, Urban Gardening, Bienen. Foto: Martin Rasper / o-pflanzt-is.de
Zwölf Bienenvölker leben im Gemeinschaftsgarten o’pflanzt is!. Foto: Martin Rasper / o-pflanzt-is.de Foto: Martin Rasper / o-pflanzt-is.de
o’pflanzt is!, München, Urban Gardening, Auszeichnung. Foto: Thomas Degen / o-pflanzt-is.de
Das Netzwerk Nachbarschaft zeichnete o’pflanzt is! als „Schönste Straße Deutschlands“ aus. Foto: Thomas Degen / o-pflanzt-is.de Foto: Thomas Degen / o-pflanzt-is.de

Der beliebte Gemeinschaftsgarten befindet sich an der Emma-Ihrer-Straße auf einem 3.300 Quadratmeter großen, brachliegenden Gelände. In Sichtweite ist der Olympiaturm. „Die Leute kommen gern hierher, weil die Lage sehr schön ist. Vom Garten aus sind kaum Gebäude zu sehen, sondern hauptsächlich Bäume und Gebüsch“, sagt Martin Rasper, der Vorsitzende des Trägervereins. Über 2.000 Besucher lockte der Nachbarschaftsgarten in der Saison von 2014 an. Davon erschienen rund 800 Personen, um tatkräftig mitzuhelfen. Es gibt drei große und rund 30 kleine Hochbeete sowie mehrere Pflanzbehälter, in denen Salate, Gurken, Tomaten, Kräuter, Beeren und vieles mehr wachsen. „Das Besondere an unserem Garten ist, dass die Pflanzen nicht in Plastikkisten gedeihen, sondern überwiegend in Beeten aus Holz. Diese bauen wir aus recycelten Materialien selbst“, so Rasper. Unter den regelmäßigen Helfern gibt es eine Infrastrukturgruppe, die sich um den Bau der Hochbeete und um Reparaturen kümmert. Sie errichtete auch das vielgenutzte Gewächshaus des Gemeinschaftsgartens. Es besteht aus einem Holzgestell mit Folien und Planen.

„Des Weiteren spielen Bienen eine große Rolle für unser Urban-Gardening-Projekt, weil sie beim Bestäuben der Pflanzen einen wichtigen ökologischen Beitrag leisten“, betont Martin Rasper. Unter der Leitung des Imkers Sebastian Wendlandt eignete sich im letzten Jahr eine Gruppe aktiver Mitglieder die Haltung von Honigbienen an. Langfristiges Ziel ist, das Wissen um die Bienenhaltung eines Tages an Interessierte weitergeben zu können.

2013 bekam o’pflanzt is! zusammen mit neun weiteren Projekten die Auszeichnung „Schönste Straße Deutschlands“ vom Netzwerk Nachbarschaft verliehen. Bei aller Idylle und Gemeinschaft geht es den Vereinsmitgliedern aber auch um ein politisches Statement. o’pflanzt is! ist streng ökologisch ausgerichtet. Ausschließlich biologisches Saatgut kommt in die Pflanzkübel des Vereins. Des Weiteren verzichten die Betreiber auf chemische Düngemittel und Pestizide. „Uns ist es wichtig, eine Mischkultur nach natürlichem Vorbild zu schaffen. Die Pflanzen sollen sich gegenseitig beim Wachstum unterstützen. Aus diesem Grund verwenden wir unter anderem alte, regionale Pflanzensorten, die samenfest sind“, erklärt Rasper. „Diese haben eine größere genetische Vielfalt und sind anpassungsfähiger als die Hochleistungssorten der Agrarindustrie.“ Dass Gärtnern auch ein politisches Statement sein kann, zeigen einzelne Mitglieder mit ihrem selbst gebauten, mobilen Fahrradanhänger-Gewächshaus. Sie bekleben es mit Plakaten und nehmen es zu Veranstaltungen rund um Stadtraumgestaltung, städtisches Gärtnern und autofreie Mobilität mit.

Adresse

o’pflanzt is! München
Emma-Ihrer-Straße / Ecke Schwere-Reiter-Straße
80637 München

Haltestelle: Leonrodplatz (Trambahn 21)
Webseite: o-pflanzt-is.de

Gartendeck in Hamburg – ein Gemeinschaftsgarten auf dem Dach einer Tiefgarage

Urban Gardening, Hamburg, Gartendeck. Foto: Gartendeck 2012
Der Nachbarschaftsgarten Gartendeck befindet sich auf einem Tiefgaragendach. Foto: gartendeck.de Foto: Gartendeck 2012

Auch in Hamburg wird kräftig gebuddelt, gesät und geerntet. 2011 eröffnete in St. Pauli das Gartendeck auf dem Dach einer Tiefgarage. Das Internationale Sommerfestival Hamburg initiierte das Urban-Gardening-Projekt und setzte es zusammen mit der Initiative Nomadisch Grün um. Ähnlich wie der Berliner Prinzessinnengarten ist das Gartendeck ein mobiler Gemeinschaftsgarten.

Rüben, Thymian, Bohnen und Salate bauen die findigen Nachbarschaftsgärtner in lebensmittelechten Gefäßen wie Bäckerkisten und Pflanzenkübel an. Für das Anpflanzen von Kräutern verwenden sie leere Tetrapak-Hüllen. So kann der Garten bei Bedarf an einen anderen Ort ziehen.

Das ist sehr wichtig, denn Gartendeck ist ein Projekt auf Zeit. Die Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft steg Hamburg stellt das Parkgaragen-Dach an der großen Freiheit jedes Jahr aufs Neue für jeweils ein Jahr zur Verfügung. Aus diesem Grund sind langfristige Planungen nicht möglich. Das hält die Hamburger jedoch nicht vom gemeinsamen Gärtnern auf der 1.100 Quadratmeter großen Dachfläche ab. Rund 650 Bäckerkisten beherbergen verschiedene Pflanzensorten wie Rucola, Kürbisse, Gurken oder Blumen. Darüber hinaus sorgen drei fleißige Bienenvölker für die Bestäubung der Pflanzen. 

 

Mitmachen darf bei dem Urban-Farming-Projekt jeder. Schubkarren und Gartengeräte gibt es vor Ort. Lediglich Handschuhe müssen sich die Hobbygärtner selbst mitbringen. Auf einer großen Tafel steht, welche Arbeiten zu erledigen sind. Davon kann sich jeder eine aussuchen. Eigene Beete gibt es auf dem Dachgarten nicht, denn hier steht gemeinsames Gärtnern und voneinander Lernen an der Tagesordnung. Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl in der großen, oft als anonym empfundenen Hansestadt. Des Weiteren soll das Gartendeck ein Ort abseits kommerzieller Interessen sein: Die Früchte der Arbeit gehören allen, die den Nachbarschaftsgarten nutzen. Nach der Ernte bereiten die urbanen Gärtner ihr Gemüse gemeinsam zu und veranstalten ein Festessen für die Helfer. 

Adresse
Gartendeck Hamburg
Große Freiheit 62-68
22767 Hamburg

Haltestelle: Reeperbahn (S1, S2, S3, U-Bahnlinie 3)
Webseite: gartendeck.de

Urban-Gardening-Projekte in der Nähe finden

In immer mehr deutschen Städten entstehen Gärten für die Allgemeinheit. Meist initiieren Vereine diese Projekte, um sich für mehr Grün in der Stadt und für einen bewussteren Umgang mit Nahrungsmitteln einzusetzen.

Einen guten Überblick über die Urban-Farming-Projekte in Deutschland gibt die interaktive Karte der Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis. Sie bietet Garten-Interessierten die Möglichkeit, ein Urban-Gardening-Projekt in der Nähe ihres Zuhauses zu finden. Ähnlich wie bei einer Suchmaschine gibt man seinen Heimatort in das Suchfeld ein und wählt einen Suchradius. Anschließend zeigt die Karte an, wo und welche Gartenprojekte es in der Umgebung gibt. Unterhalb der Karte erscheinen zu jedem Gemeinschaftsgarten eine kurze Beschreibung, sowie die Adresse und eine Kontaktmöglichkeit.


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