Architektenhaus – für Individualisten und Problemlöser

Individuell geplant und perfekt an Bauherrenwünsche und Grundstück angepasst – das ist das Architektenhaus. Doch die individuelle Planung erfordert nicht nur vom Architekten selbst eine Menge Engagement. Um das eigene Häuschen genau den Wünschen und Bedürfnissen anzupassen, muss auch der Bauherr eine Menge Kreativität und Mitarbeit einfließen lassen. Und er sollte wissen, welche Arbeiten er selber machen kann – und welches Honorar der Architekt verlangen darf.

Wer ein Architektenhaus bauen möchte, entscheidet sich nicht für eine bestimmte Bauweise, sondern eher für einen Baupartner: einen Architekten. Keinesfalls sind Bauherren auf massiv gemauerte Häuser festgelegt, denn Architekten entwerfen auch Fertighäuser in Holzständerbauweise. Sie bauen kleine Singlehäuser oder entwerfen pompöse Villen – und das alles in den verschiedenen Baustilen von Landhaus über mediterran bis hin zum typischen Bauhaus. 

Der größte Vorteil eines Architektenhauses: Es ist frei und flexibel planbar. Das heißt, dass ein Architekt auf Bedürfnisse und Ansprüche des Bauherrn sowie die Grundstücksgegebenheiten reagieren kann. Der größte Nachteil: Der Bauherr sollte wissen, was er will – auch wenn der Architekt natürlich mit Rat, Fachwissen und Erfahrung beiseite steht. So mancher Bauherr ist durch die Fülle an Möglichkeiten schnell überfordert, machbar ist schließlich (fast) alles.

Architektenhaus heißt: individuelle Planung

Künftige Eigenheimbesitzer, die ein rechteckiges, ebenes Grundstück mit 400 Quadratmetern Fläche mitten in einem Neubaugebiet kaufen, Können darauf fast jedes Typenhaus bauen. Wenn das Grundstück aber an einem Hang liegt und dreieckig oder gar wie ein L geschnitten ist, wird es schwieriger. Wenn zudem der nahe Wald oder die unmittelbare Nachbarschaft zum gewachsenen Stadtkern berücksichtigt werden soll, wenn eine Baulücke zwischen denkmalgeschützten Altbauten geschlossen werden muss, kommen Bauherren kaum um die Planung mit einem Architekten herum. Das Endergebnis ist ein individuelles Haus – ob massiv oder in Fertigbauweise –, das in jeglicher Hinsicht auf die Gegebenheiten und auf Bedürfnisse seiner Bewohner abgestimmt ist.

Hausbau mit dem Architekten: So läuft’s ab

Am Anfang stehen der Traum und ein verfügbares Budget. Mit diesen Informationen gehen Bauherren zu einem Architekten und nähern beides im Gespräch aneinander an. Hier ist unter Umständen Flexibilität gefragt. Auch brauchen Bauherren womöglich etwas Zeit, um sich darüber klar zu werden, was sie wirklich brauchen und wollen. Ihre Traumlösung ist vielleicht teurer als gedacht und der Architekt bietet deswegen verschiedene günstigere Ersatzlösungen an.

Am Ende kann es aber nur von Vorteil sein, sich intensiv Gedanken darüber machen, was man wirklich braucht und will. Es nützt nichts, ganz schnell eine günstige und große Lösung aufzubauen, wenn sich nach einem halben Jahr Wohnen herausstellt, dass die Wohnbedürfnisse ganz andere Lösungen erfordert hätten.

Nach und nach entsteht der Bauplan. Wenn sich Architekt und Bauherr einig sind, muss dieser genehmigt werden. Die damit verbundene Bürokratie erledigt ebenfalls der Architekt. Ist das Vorhaben genehmigt, vergibt der Architekt einzelne Arbeiten an Handwerker und Bauunternehmen. Er selbst übernimmt im besten Fall die Rolle des Bauleiters, überprüft also die Handwerker und nimmt deren Gewerke ab.

Der Bauherr muss nur soviel tun und vor Ort sein, wie er es selbst möchte. Er kann alle Arbeiten komplett an den Architekten abgeben und ein schlüssel- und bezugsfertiges Haus beauftragen. Er kann aber auch ein Ausbauhaus bestellen und dann einzelne handwerkliche Leistungen ausführen. Passionierte Heimwerker packen sogar schon beim Rohbau mit an. Eine andere Möglichkeit wäre, den Architekten nur mit der Planung zu beauftragen und selber Bau- und Handwerkerunternehmen zu beauftragen.

Das kostengünstige Architektenhaus

Wie teuer ein Architektenhaus wird, hängt maßgeblich von den Wünschen und der Eigenleistung des Bauherrn ab. Schwierige Bedingungen und hohe Ansprüche machen Bauen teuer. Wer sich dagegen mit weniger zufrieden gibt, bekommt auch vom Architekten ein günstiges Bauwerk. Schließlich ist das Architektenhaus frei und flexibel planbar. Übrigens kann auch ein Architekt einen Festpreis anbieten. Dann obliegt es seiner Verantwortung, diesen auch einzuhalten.

So können Bauherren sparen:

Eigenleistung einbringen. Wer mitanpackt, kann zumindest Handwerkerlohn sparen. Dabei sollten sich Bauherren aber nicht überschätzen und bedenken, dass ein Hausbau in Eigenregie und am Feierabend deutlich länger dauert. Dennoch: Fliesen legen oder Tapezieren können viele selber machen. Manche Elektriker lassen Bauherren Leerrohre verlegen und ihre Kabel selbst ziehen, der Profi übernimmt nur den Anschluss – diese Arbeit dürfen Laien gar nicht verrichten.

Wer eher organisatorisch begabt ist, kann den Architekten lediglich mit der Planung beauftragen und die Bauleitung eigenhändig übernehmen. Hier ist die Herausforderung, die Arbeiten der einzelnen Gewerke aufeinander abzustimmen. Elektriker, Zimmerleute und Maler können schließlich nicht gleichzeitig loslegen, sondern erst dann, wenn bestimmte bauliche Voraussetzungen geschaffen wurden. Eine unerfahrene Bauleitung verkalkuliert sich dabei schnell.

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Auf Quadratmeter verzichten. Ein kleineres Haus kostet weniger. Dabei kann ein Architekt gleich Konzepte mitentwickeln, wie der geringere Platz möglichst gut genutzt werden kann. Außerdem kann er das Haus so planen, dass zu einem späteren Zeitpunkt bei Bedarf möglichst einfach an- oder ausgebaut werden kann.

Keller und Dachboden weglassen. Ein Keller ist oftmals verhältnismäßig teuer, weil er nicht als echter Wohnraum, sondern hauptsächlich als Stauraum genutzt werden kann. Leider kann man den Keller nicht nachrüsten. Die Frage, ob er gebraucht wird, sollte also gut durchdacht sein. Den Dachboden dagegen kann man zunächst roh belassen und erst bei Bedarf ausbauen.

Einfache Linien wählen. Einfache, gerade Linien ohne Schnörkel bedeuten wenig Planungsaufwand, wenig Baumaterial und geringe Kosten. Erker, Gauben, Balkone kosten extra.

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Bei der Ausstattung sparen. Auch einfache Materialien können gut in Szene gesetzt werden und dann hochwertig wirken. Materialpreis, Gebäudegröße und die Komplexität der Baulinien stehen in direktem Verhältnis zueinander und beeinflussen den Preis eines Gebäudes maßgeblich.

Der Lohn für die Arbeit: die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI)

Neben den Kosten für das Haus an sich müssen Bauherren auch den Architekten bezahlen. Wie teuer dessen Leistungen sind, regelt die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). Das Honorar orientiert sich grundsätzlich an den Baukosten, der Komplexität des Bauvorhabens, sowie den Leistungsphasen, mit denen der Architekt beauftragt wurde. Dazu zählen beispielsweise die Entwurfsplanung oder die Bauüberwachung.

So setzt sich das Architektenhonorar nach der HOAI zusammen:

  • Ausgangspunkt sind die Kosten des Gebäudes. Dazu gehört der Bau an sich, technische Gebäudeinstallationen wie Heizung und Elektrik, Fenster, Türen sowie Wand- und Bodenbeläge. Küche und Bad gehören nicht dazu, ebenso wenig die Umsatzsteuer.
  • Je nach Komplexität des Gebäudes wird die Arbeit des Architekten in verschiedene Honorarzonen eingeteilt. Maßgeblich sind beispielsweise die Einbindung in die Umgebung, die Anzahl der Funktionsräume oder technische Anforderungen. Eine Scheune zählt in die Honorarzone I, ein Krankenhaus in Honorarzone V. Ein Einfamilienhaus üblicherweise zur Honorarstufe III.
  • Anhand dieser Daten kann über eine Honorartabelle, die in Paragraf 35 der HOAI aufgeführt wird, das Basishonorar ermittelt werden. In der Tabelle sind die Baukosten allerdings schrittweise aufgeführt, beispielsweise für Baukosten von 300.000 Euro, der nächste Wert liegt bei 500.000 Euro. Das Basishonorar für Baukosten, die zwischen diesen Werten liegen, müssen anhand einer komplizierten Formel errechnet werden. Außerdem gibt die Tabelle einen Spielraum an. Wie hoch das Honorar genau liegt, wird im Vertrag geregelt, üblich ist zum Beispiel der Mindestsatz, der Höchstsatz oder der Mittelwert.
  • Die abrechenbaren Leistungen sind in neun Stufen unterteilt. Ein Architekt, der lediglich die Grundlagen ermittelt, darf zwei Prozent des Basishonorars abrechnen. Wer alle Pläne inklusive des Ausführungsplanes erstellt, 52 Prozent. Wer lediglich den Bau überwacht, abnimmt und sich um die Dokumentation kümmert, darf 32 Prozent abrechnen. 100 Prozent darf nur abrechnen, wer alle Pläne erstellt, die einzelnen Bauaufträge vergibt, das Objekt überwacht, den Bau dokumentiert und anschließend sogar noch betreut, bis die Verjährungsfristen für Gewährleistungsansprüche abgelaufen sind.
  • Theoretisch können sich Bauherr und Architekt auf einen Zuschlag einigen, etwa bei besonders anspruchsvollen Leistungen im Denkmalschutzbereich. 

Neben den Baukosten und dem Architektenhonorar müssen Bauherren noch einige weitere Posten einplanen: zum Beispiel für das Grundstück, Grunderwerbssteuer, Notar und eventuell für den Makler, der das Grundstück vermittelt. Möglicherweise müssen auch ein Bodengutachter oder ein Baustatiker hinzugezogen werden, die ebenfalls Honorar verlangen.

Das Ergebnis: ein vom Profi geplantes Designhaus

Das Ergebnis ist mehr als das profane Wort Architektenhaus ausdrückt. Es ist im Optimalfall ein individuelles Haus, das es so kein zweites Mal gibt. Angepasst sowohl an die Bedürfnisse seiner Bewohner, als auch an die das Haus umgebende Natur und Nachbarschaft. Das alles mit weder zu viel noch zu wenig Details, zu viel noch zu wenig Luxus. Mit exakt so viel Teilhabe oder Bequemlichkeit, wie es der Bauherr wünscht.