Instandhaltung - Dach schützen, erhalten und sanieren
Die Idee der Dachbegrünung ist uralt. Am bekanntesten sind wohl die Hängenden Gärten der Semiramis, einer Königin aus dem alten Babylon. Heutzutage muss man nicht blaublütig sein, um sich ein solches Dach leisten zu können, doch einige Besonderheiten sind schon zu beachten, wenn man die Schönheit eines Gründaches dauerhaft genießen will.
von Steffen MalyszczykNachbars Ziegeldach ruht gewissermaßen in sich und sieht stets gleich aus. Doch ein Gründach lebt und zeigt zu jeder Jahreszeit ein anderes Gesicht. Inmitten der Stadt bildet es eine grüne Insel und ein wertvolles Biotop. Zusätzlich zu diesen Vorzügen kann es im Winter die Kälte und im Sommer die Hitze mildern. Im Vergleich zu Abdichtungen von Flachdächern mit Kies als Schutzschicht, kann sich deren Lebensdauer durch Dachbegrünung laut Deutscher Dachgärtner Verband (DDV) ohne weiteres verdoppeln.
Die tragende Konstruktion eines Gründaches hat einiges auszuhalten: sie muss das Gewicht der verschiedenen Schichten abfangen und bei Regen auch die Last des gespeicherten Wassers aushalten. Laut DDV muss man bei extensiver Dachbegrünung (also ohne Sträucher oder höher wachsende Pflanzen) je nach Schichtdicke mit einem Gewicht von 60 bis 150 Kilogramm pro Quadratmeter rechnen.
Im Winter kommt die Schneelast hinzu. Wer neu baut, braucht sowieso einen Statiker; wer dagegen ein altes Dach mit viel Grün dekorieren will, muss einen Statiker oder Architekten entscheiden lassen, ob die Konstruktion das aushält oder verstärkt werden muss. Besonders oft werden in der Praxis Gartenhäuser, Carports, Garagen und Flachdächer von Wohnhäusern mit einer Dachbegrünung bestückt. Dafür sind auch Selbstbausätze erhältlich. Schrägdächer ab 20 Grad Neigung benötigen Abrutschsicherungen; hier sollte der Fachmann Hand anlegen.
Der prinzipielle Aufbau einer Dachbegrünung ist vergleichsweise schlicht: auf die tragende Dachhaut (Holzschalung, Beton, Dachpappe) kommt eine Schutzfolie. Das muss eine wurzelfeste Dachabdichtung sein. Dafür gibt es ein Prüfzeugnis mit dem Prädikat "Wurzelfest nach FLL" (ein Prüfverfahren der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau). Dachpappe würde nicht genügen, denn es gibt Pflanzen, deren Wurzeln sie durchdringen können.
Je nach Dachneigung folgt dann eine Dränageschicht. Sie soll überschüssiges Wasser schnell ableiten, damit die Pflanzen - insbesondere bei Flachdächern - nicht unter Staunässe leiden und die Dachunterkonstruktion nicht gefährdet wird. Bisweilen kann die Dränageschicht weggelassen werden: Dazu muss das Dach nur steil genug sein oder unter die Wachstumsschicht werden Zuschlagstoffe gemischt, so dass Regenwasser leicht durchsickern kann. Zwischen die Drainage- und die Vegetationsschicht kommt noch eine Filterschicht. Diese sorgt für einen geschlossenen Nährstoffkreislauf und verhindert das Verschlämmen der Abläufe.
Bevor gepflanzt wird, muss so genanntes Substrat aufgetragen werden. Bei einer extensiven Dachbegrünung ist diese Schicht zehn bis 15 Zentimeter dick, bei Verwendung vorgefertigter Vegetationsmatten auch dünner. Diese Wachstums- oder Durchwurzelungsschicht soll keine Unkrautsamen beherbergen und muss vergleichsweise nährstoffarm sein, schließlich würde zu üppig gewachsenes Grün bei der nächsten Trockenperiode verdorren.
Die oberste Schicht bilden ausgewählte Pflanzen. Sie müssen außerordentlich robust sein: insbesondere Trockenheit darf ihnen nichts ausmachen. Darüber hinaus sollten sie ein möglichst dichtes Polster bilden, das den Anfeindungen von Wind und Wetter standhaft trotzt und obendrein auch noch schön aussehen. Dafür eignen sich beispielsweise viele Sedum-Arten, (Fetthenne, Mauerpfeffer), Moose und diverse Gräser. Der Fachhandel hat spezielle Pflanzen-Sortimente für die Dachbegrünung im Angebot.
Insgesamt muss für eine Dachbegrünung laut DDV mit durchschnittlichen Kosten von 25 bis 30 Euro pro Quadratmeter rechnen. Je steiler das Dach und je anspruchsvoller die Begrünung, desto höher der finanzielle Aufwand; er kann die genannte Spanne auch deutlich überschreiten. Es empfiehlt sich, bei der jeweiligen Kommune nachzufragen, ob sie für Dachbegrünung zinsgünstige Kredite oder sogar Zuschüsse bereitstellt.
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