Dämmen mit Styropor: Vor- und Nachteile einer EPS-Dämmung

Der als Styropor bekannte Dämmstoff EPS ist kostengünstig, flexibel und für viele Einsatzgebiete geeignet. Am häufigsten werden Dämmstoffplatten aus EPS für die Fassadendämmung innerhalb eines Wärmedämmverbundsystems (WDVS) eingesetzt. Doch die EPS-Dämmung hat neben ihren vielen Vorteile auch einige klare Nachteile.

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Was ist EPS?

EPS-Dämmung, Styropor, dämmen mit Styropor, Foto: peuceta/fotolia.com
Vielseitig einsetzbar und kostengünstig: Die EPS-Dämmung, besser bekannt als Styropor. Foto: peuceta/fotolia.com Foto: peuceta/fotolia.com

EPS ist die Bezeichnung für einen offenporigen Dämmstoff aus expandiertem Polystyrol. Bekannter sind Hartschaumplatten aus EPS unter dem Markennamen Styropor. Die kostengünstige Dämmung ist in vielen Bereichen einsetzbar, aber auch umstritten und immer wieder Mittelpunkt von Diskussionen. Bevor sich Bauherren und Sanierer für eine EPS-Dämmung entscheiden, sollten sie alle Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen.


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Das Video zeigt die Herstellung von URSA XPS Dämmstoffen.

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Vorteile der EPS-Dämmung

EPS-Dämmplatten werden vornehmlich für die Fassadendämmung eingesetzt, häufig im Rahmen eines Wärmedämmverbundsystems. Dass diese Dämmart so weit verbreitet ist, hat gute Gründe:

Kostengünstig:

EPS-Dämmplatten im WDVS gehören zu den kostengünstigsten Möglichkeiten der Fassadendämmung. Bei einfachen Fassaden ohne viele Kanten oder Winkel belaufen sich die Materialkosten auf 15 bis 20 Euro pro Quadratmeter. Das beinhaltet neben den Platten auch Zusatzmaterialien wie Kleber, Sockelprofile oder Fugendichtband.

Gute Wärmedämmeigenschaften:

Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,035-0,045 W/(mK) verfügt der Dämmstoff über ein gutes Wärmedämmvermögen. Ähnlich gute Dämmwerte weisen Mineralwolle oder Zellulose auf. Prinzipiell gilt immer: Je niedriger der Wert, desto besser eignet sich ein Stoff zur Wärmedämmung.

Die geringste Wärmeleitfähigkeit besitzt Vakuum, also materiefreier Raum, der auch komplett von Gasen befreit ist. Aber auch das Gegenteil, also mit Gas gefüllter Raum, gibt Wärme nur schlecht weiter. Und genau nach diesem Prinzip funktionieren EPS-Platten: In winzigen Kunststoffbläschen ist ein Gas – zum Beispiel CO2 – eingeschlossen. Es kann nicht entweichen und die Wärme wird schlecht weitergeleitet.

Einfache Anwendung:

Die Dämmplatten sind relativ einfach zu verarbeiten, sie können direkt auf die Wand geklebt oder mit Dübeln befestigt werden. Eine Arbeit, die auch Laien bewerkstelligen können. Dennoch: Fehler bei der Montage können die Wirkungsweise beeinträchtigen, Schimmelbildung begünstigen und die Haltbarkeit verringern. Das gilt insbesondere bei der Anwendung im Innenbereich.

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Wie eine EPS-Dämmung geklebt wird, zeigt das folgende Video.

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Geringe Umwelt- und Gesundheitsbelastung:

EPS-Platten setzen keine gesundheitsschädlichen Stoffe frei – zumindest dann, wenn sie ohne das Brandschutzmittel HBCD auskommen. Ab August 2015 ist das Mittel verboten, viele Hersteller verzichten schon länger darauf. Dennoch: „Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass durch die Herstellung, Installation und Entsorgung von Wärmedämmplatten gewisse Umweltbelastungen entstehen. Diese sind aber weitaus geringer als die, die durch den verringerten Heizenergiebedarf vermieden werden können“, erklärt Dr. Rüdiger Paschotta, promovierter Physiker und Energieberater.

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Nachteile der EPS-Dämmung

Den Vorteilen des Dämmmaterials EPS stehen allerdings auch einige Nachteile gegenüber:

Brennbarkeit:

Der Dämmstoff wird in der Baustoffklasse B1 geführt, gilt also als schwer entflammbar. Bisher wurde das giftige Brandschutzmittel HBCD verwendet, das inzwischen verboten wurde. Im August 2015 endet die Übergangsfrist, dann dürfen keine Dämmplatten mit HBCD mehr verkauft werden. Nachfolger ist das Flammschutzmittel Polymer-FR, das schon jetzt häufig verwendet wird.

Brennen können EPS-Platten aber trotzdem. In der Vergangenheit gerieten Dämmplatten etwa bei Schweißarbeiten, durch eine brennende Mülltonne an der Fassade oder durch die Flammen eines Wohnungsbrandes in Brand. Dabei schmilzt das Polystyrol und tropft brennend an der Fassade herunter. Die Flammen breiten sich so aus und sind nur schwer zu löschen. Dann kann es passieren, dass das gesamte Wärmedämmverbundsystem an der Fassade abbrennt. Dabei entstehen immer auch giftige Gase, besonders gefährlich ist das besagte Brandschutzmittel HBCD.

Fossile Rohstoffe:

Polystyrol ist ein Erdölprodukt. Die Rohstoffe für die Herstellung sind also fossilen Ursprungs und deshalb nur begrenzt verfügbar. Die Energie, die beim Herstellungsprozess aufgewendet werden muss, nennt man Graue Energie. Sofern ein Baustoff mehr Energie einspart, als er selbst verbraucht hat, rechnet er sich energetisch. „Die energetische Amortisationszeit ist in der Regel weitaus kürzer als die Lebensdauer des Dämmstoffes“, erklärt Dr. Paschotta. Das heißt: Der Energieeinsatz bei der Herstellung von EPS-Platten gleicht sich aus, da im wärmegedämmten Haus weniger Heizenergie verbraucht wird. Allerdings gibt es auch Dämmstoffe, die aus Recyclingprodukten hergestellt werden, etwa Zellulose.

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Hier wird erklärt, was graue Energie ist.

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Haltbarkeit:

EPS-Dämmplatten sind nicht UV-beständig, die Oberfläche kann bei extremer oder andauernder Sonneneinstrahlung mit der Zeit vergilben und spröde werden. Entstehen dabei Fugen und Risse, wird die Dämmwirkung beeinträchtigt.

Wie lange EPS-Dämmplatten tatsächlich halten, ist umstritten. Die ersten Platten wurden bereits in den 1960er-Jahren verbaut, einige dieser Platten hängen immer noch. Manche Kritiker rechnen mit lediglich 20 Jahren Haltbarkeit. Hersteller geben weit längere Zeiträume an.

Entsorgung:

Muss die Fassadenverkleidung tatsächlich runter, muss der Immobilienbesitzer auch für die Entsorgung aufkommen. Das ist aufwändig und auch teuer. Die Wiederverwertbarkeit ist stark eingeschränkt. „Das ist ein Verbundsystem. Der Dämmstoff ist also mit dem Bauwerk verbunden. Das kann man nicht mehr ohne weiteres trennen und deswegen auch nicht so einfach entsorgen“, erklärt Mark Linnemann, der mit seinem Architekturbüro europaweit tätig ist und die Verwendung von EPS-Dämmung kritisch beobachtet.

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Einsatzgebiete der EPS-Dämmung

Wie ein Wärmedämmstoff eingesetzt werden darf, regelt DIN 4108-10 Wärmeschutz und Energie-Einsparung in Gebäuden. Demnach ist eine EPS-Dämmung für viele Einbauvarianten als Dämmstoff erlaubt.

Die bevorzugten Einsatzgebiete der Dämmstoffplatten aus Polystyrol sind zum Beispiel:

  • Außendämmung mittels Wärmedämmverbundsystem
  • Kerndämmung in zweischaligen Wänden
  • Perimeterdämmung, also die Dämmung erdberührter Bauteile an der Außenseite, beispielsweise der Bodenplatte oder des Kellers. Eventuell müssen spezielle EPS-Platten mit Wabenstruktur verwendet werden, die auch auf Beton gut haften.

Nicht geeignet ist der Dämmstoff dagegen in folgenden Fällen:

  • Zwischensparrendämmung: Holz bewegt sich, Polystyrol aber nicht. Dadurch können Fugen entstehen, die die Dämmwirkung beeinträchtigen oder zu Nichte machen.
  • Dämmebenen, an die besondere Schallschutzanforderungen gestellt werden, wie bei Haus- oder Raumtrennwänden.
  • Bei der Flachdachdämmung wird häufig Bitumen aufgeklebt. Die Anbringung ist mit großer Hitze verbunden, was EPS-Platten schadet.
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Kennzahlen der EPS-Dämmung

Die wichtigsten Kennzahlen einer Dämmung sind ihre Dämmfähigkeit, die im sogenannten U-Wert oder auch mit Hilfe der Wärmeleitfähigkeit ausgedrückt wird. Natürlich sind auch die Kosten ein entscheidender Faktor.

Wärmeleitfähigkeit: λ = 0,035–0,050 W/mK

Der Wert gibt an, wie gut ein Stoff in der Lage ist, Wärme weiter zu leiten. Das heißt, Je niedriger der Wert, desto besser eignet sich ein Stoff zur Wärmedämmung.

Zum Vergleich: Ziegelmauerwerk besitzt eine Wärmeleitfähigkeit von 0,5–1,4 W/mK, kann Wärme also besser weiterleiten und ist damit ein schlechter Dämmstoff.

U-Wert:

Der U-Wert, auch Wärmedurchgangskoeffizient genannt, hängt eng mit der Wärmeleitfähigkeit zusammen. Es gilt auch hier: Je niedriger, desto besser ist er. Der maximale U-Wert der Außenwand eines Passivhauses liegt bei 0,15 W/m²K.

Brandverhalten: B1 – schwer entflammbar

Baustoffe werden nach ihrem Brandverhalten in verschiedene Klassen eingestuft. Geregelt werden diese Baustoffklassen oder auch Brandschutzklassen in DIN 4102 (Deutschland) beziehungsweise DIN EN 13501 (Europa).

Ein Baustoff der Klasse B1 gilt als schwer entflammbar und darf nach Entfernen der externen Brandquelle nicht selbstständig weiterbrennen.

Kosten:

Die reinen Materialkosten für Dämmplatten können, je nach Anbieter, stark variieren Hinzu kommen weitere Kosten zum Beispiel für Dübel, Kleber und Putz. Wer die Platten nicht selbst anbringen will, muss außerdem Handwerker beauftragen.

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Fazit: Günstig dämmen mit EPS-Platten

EPS-Dämmplatten als WDVS vereinen zwei starke Argumente auf sich: Sie sind günstig und einfach anzubringen, wodurch im Endeffekt ebenfalls Kosten eingespart werden. Ein Energieberater kann außerdem dabei helfen, die Sanierungsmaßnahme so zu gestalten, dass sie sich finanziell und energetisch möglichst schnell amortisiert. Sollte die WDVS-Dämmung dann tatsächlich beschädigt werden und ausgetauscht werden müssen, wäre das zumindest kein finanzieller Verlust.

Was bleibt, sind Bedenken in Bezug auf die Entsorgung und eventuell beigemischte giftige Brandschutzstoffe. Einigen Bauherren missfällt außerdem der Gedanke, in einem Haus zu wohnen, das komplett in Plastik eingepackt ist.

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Kommentare (2)

schneehuhn | 05.05.2015 23:12

Unsere altes bauernhaus hat eine Wanddicke von 24 cm. Wärmetechnisch zu wenig. Doch die schönen alten Ziegel wollen wir nicht mit häßlichen Platten zukleben. Allerdings ist eine Innedämmung nicht möglich, weil wir unser Haus ja bereits fertig saniert haben. So blieb uns nur, wenigstens die decke zum kalten Dachboden zu dämmen, was schon viel gebracht hat.


buhad | 12.05.2015 12:11

In Deutschland geht der Dämmwahn um!

Wie sinnvoll sind die Maßnahmen nach Energiesparverordnung (EnEV). Um das Klima zu retten, werden Deutschlands Häuser in Styropor eingepackt ­- mit zweifelhaftem Nutzen. Politik, Industrie und Wissenschaft wollen es so. Energiesparen, weniger CO2, mehr Umwelt - auf dieses Ziel können sich alle einigen. Schnell soll es gehen, billig muss es sein, und weil nirgendwo so viel Energie verbraucht und verschwendet wird wie im Wohnbereich, ist die Stoßrichtung klar: Im deutschen Reihenhaus soll das Weltklima gerettet werden - den Schaden hat der Hauseigentümer.

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) ist ein Teil des deutschen Wirtschaftsverwaltungsrechtes.

In ihr werden vom Verordnungsgeber auf der rechtlichen Grundlage der Ermächtigung durch das Energieeinsparungsgesetz (EnEG) Bauherren bautechnische Standardanforderungen zum effizienten Betriebsenergiebedarf ihres Gebäudes oder Bauprojektes vorgeschrieben. Sie gilt für Wohngebäude, Bürogebäude und gewisse Betriebsgebäude.

Dabei wurde durch Untersuchungen festgestellt, dass die Energieeinsparungen, die vor der Einführungen der EnEv von „Experten“ errechnet wurden, kaum oder gar nicht bei den realen Verbrauchswerten in der Praxis erreicht werden. So wurden bei Untersuchungen der Universität Cambridge am Architektur-Institut an 3.400 Gebäuden in Deutschland nachgewiesen, dass die errechneten Verbrauchswerte bis über ein Drittel über den realen Energieverbrauchswerte lagen. Da aber die Energieeinsparungen an den errechneten Verbrauchswerten angegeben werden, sie sind generell zu hoch. Viele Sanierungsarbeiten nach EnEv sind daher überflüssig und reine Abzocke des Bauherren.

 

Der deutschen Dämmstoffindustrie ist es mit Hilfe der Politik und der Administration gelungen, den DÄMMWAHN zu verkünden und umzusetzen!

 

Nach der Dämmung treten häufig Baumängel auf Grund von Planungs- und Ausführungsfehlern auf. Durch nachträglich installierte Außenwanddämmung, treten häufig an den Übergangsflächen zwischen kalt und warm Feuchtigkeitserscheinungen durch Kondensation auf.. Auf Grund der Durchfeuchtung ist Schimmelbildung meist vorprogrammiert. Zusätzlich wird über Schäden nach Errichtung der Dämmfassaden in den zuständigen Baugewerken nicht gesprochen. Das sind Schäden - wie Feuchtigkeit, Algenbewuchs, Schäden durch Vögel und Nagetiere sowie der erhöhte Brandgefahr durch den eingesetzten Dämmstoff kaum gesprochen Weitere Ursachen für Bauschäden durch Feuchtebelastung und Schimmel an Baukonstruktionen können sein:

 

- Hohe Einbaufeuchte von Baustoffen

- Feuchtebelastung durch Diffusion

- Feuchtebelastung durch Konvektion

- Konstruktiv bedingte Feuchtigkeit durch Flankendiffusion

- Eindringendes Wasser von außen

 

Generell entstehen Bauschäden und Schimmel, wenn die Feuchtigkeitsbelastung höher ist als das Trocknungsvermögen der Baukonstruktion, da durch die Dämmung das Diffusionsverhalten der Wand behindert wir. Zur Vermeidung von feuchtebedingten Bauschäden sind daher mehrere Kriterien zu berücksichtigen:

 

- Reduktion der Feuchtebelastung, die durch Tauwasserbildung, mangelnde Diffusion, Konvektion, Baumängel und hohe Einbaufeuchten entstehen.

- in hohes Trocknungsvermögen der Konstruktion durch nach außen diffusionsoffener werdende Bauteilschichten.

 

Diese Fakten habe ich schon als Projektleiter der öffentlichen Energie- und Bauberatung IBASOLAR in Köpenick von 1996 – 2003 in unseren Bauherren-Seminaren den Hauseigentümern vermittelt, die unsere Beratung aufgesucht hatten. Unser Maxime lautete damals schon: Nur so viel dämmen wie NÖTIG – nicht so viel wie MÖGLICH! Da das CO2 nachgewiesenermaßen, weder „Luftschadstoff“ noch „Klimakiller“ ist, kann auch durch Energieeinsparungen kein Klimaschutz erfolgen. Das dürfte sich hoffentlich in der Baupraxis und bei den Hausbesitzern inzwischen auch herumgesprochen haben!

 

© - buhad 01/ 2014


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