Schadstoffe im Haus: Richtig sanieren

Umweltgifte und Schadstoffe im Haus können eine gesundheitliche Gefahr darstellen. Asbest, Radon und Co. sollte man deshalb durch Sanierung beseitigen.
Frank Kemter
Schimmel
Spezielle Labortests helfen dabei, Schimmel in der Wohnung zu identifizieren. Foto: Verband privater Bauherren

Schadstoffe und Umweltgifte im Haus - etwa Schimmel, Asbest oder Radon - können die Gesundheit erheblich belasten. Eine Sanierung ist oft nötig.

Asbest: Sanierung nur vom Fachmann

Die gute Nachricht zuerst: Nicht alle Häuser, in denen Asbest verbaut wurde, müssen dringend saniert werden. Denn das Material ist nur dann gefährlich, wenn feine Asbestpartikel in die Atemluft gelangen können. Manches alte Baumaterial ist zwar mit Asbest belastet, es emittiert jedoch keine Fasern. Allerdings ist Vorsicht geboten: So darf man zum Beispiel in solches Material nicht bohren, weil dann sofort Partikel freigesetzt werden.

Asbestsanierung oft kostspielig

Bisweilen ist aber doch eine Asbestsanierung erforderlich. Und eine solche ist teuer und darf unter keinen Umständen vom Heimwerker selbst vorgenommen werden. Denn Asbestpartikel können Krebs verursachen, auch wenn die Erkrankung oft erst Jahrzehnte später eintritt. Asbestsanierungen werden von spezialisierten und entsprechend ausgerüsteten Firmen angeboten. Unter bestimmten Umständen können die Kosten einer solchen Sanierung als außergewöhnliche Belastung steuerlich geltend gemacht werden. Dies ist jedoch nur unter der Voraussetzung möglich, dass eine gesundheitliche Gefährdung der Bewohner auch tatsächlich vorliegt. Und dies ist vielfach nicht der Fall, wenn zum Beispiel die Fassade mit asbesthaltigen Platten verkleidet ist.

Spezialfall: Asbest-Nachtspeicheröfen

Manche Nachtspeicheröfen älteren Baujahrs enthalten asbesthaltiges Dämmmaterial. Solange die Öfen verschlossen bleiben, sind sie zwar ungefährlich, da keine Asbestfasern austreten können. Eine Entsorgung ist allerdings kostspielig, da die schweren Geräte nicht einfach in der Wohnung in ihre Einzelteile zerlegt werden können.

Unsichtbare Gefahr: Radon

Radon ist ein radioaktives Edelgas, das als Zerfallsprodukt langsam von der Erdkruste Richtung Erdoberfläche gelangt und dort austritt. In manchen Gegenden ist die Belastung sehr gering, in anderen infolge bestimmter geologischer Gegebenheiten höher. Im Freien erreichen die Radonwerte keine für den Menschen kritischen Werte. Gelangt das Edelgas aber über den Keller ins Haus, können unter Umständen zu hohe Konzentrationen erreicht werden, das Lungenkrebs-Risiko steigt signifikant.

In Gegenden mit erhöhter Radon-Konzentration sollte deshalb beim Neubau auf eine radondichte Konstruktion Wert gelegt werden. Die jeweiligen Landesämter für Umwelt oder die Gemeinden können hier Auskunft geben. Bei der Altbausanierung kann die Belastung durch Abdichten kritischer Stellen minimiert werden. Auch durch künstlichen Über- oder Unterdruck sowie durch häufigeres Lüften kann die Belastung gesenkt werden. Auch Radon hemmende Beschichtungen schaffen Abhilfe. Lediglich bei sehr hohen Belastungen sind in der Regel umfangreiche Sanierungsmaßnahmen erforderlich.

Schimmel

Es gibt zigtausend verschiedene Schimmelpilzarten und einige davon können in Wohnräumen eine erhebliche Gesundheitsgefahr darstellen. Genauer gesagt sind es nicht die Schimmelpilze selbst, sondern deren Sporen. In machen Fällen ist der Schimmelbefall gar nicht sichtbar. Ob und mit welcher Gattung eine Wohnung belastet ist, lässt sich mithilfe spezieller Labortests feststellen. Dabei müssen nur einige Petrischalen mit Nährlösungen einige Stunden in den Räumen aufgestellt und zur Analyse in spezialisierte Labore geschickt werden.

Auch bei sichtbarem Schimmelbefall gilt: Einfaches Wegwischen hilft nur für kurze Zeit. Auch das Besprühen betroffener Stellen mit Anti-Schimmel-Mitteln sorgt nur kurzzeitig für Linderung. Die Ursache muss beseitigt werden. Und die lautet in der Regel: zu viel Feuchtigkeit. Diese ist in Verbindung mit organischen Baustoffen wie Tapeten und Dispersionsfarben sowie Temperaturen, die typischerweise in Wohnungen vorherrschen, ein guter Nährboden für Schimmel.

Die Vorgehensweise bei der Schimmelsanierung lautet daher immer: Erst die Ursache ermitteln, dann die schadhaften Stellen sanieren. Diese sind großflächig zu entfernen, einfaches abwischen und drüber streichen reicht nicht aus.

Weichmacher, Lösungs- und Holzschutzmittel

Insbesondere PVC-Böden können Weichmacher enthalten, die die Gesundheit schädigen können. Auch Holz kann gesundheitsschädigende Holzschutzmittel enthalten - dies gilt vor allem für ältere Einbauten, denn Pentachlorphenol (PCP) wurde zum Beispiel erst 1989 verboten. Da sowohl PVC als auch belastetes Holz noch nach vielen Jahren die Schadstoffe in den Innenraum abgeben, sollten diese entfernt werden. Auch beim Umgang mit Lösungsmitteln sollte vorsichtig vorgegangen werden: So sollten Lacke am besten bei geöffneten Fenstern verarbeitet werden. Bei Kauf sind schadstoffarme Produkte mit entsprechender Kennzeichnung zu bevorzugen.

Alte Bleirohre

Bleirohre finden sich noch in vielen alten Häusern, sie wurden in manchen Teilen Deutschlands erst 1973 verboten, in Süddeutschland schon vor mehr als 100 Jahren. Gefahr droht, weil bei in solchen Rohren stehenden Wassers Blei mit ausgespült werden kann. Dieses kann das Nervensystem schädigen und die Blutbildung beeinträchtigen. Der Austausch alter Bleirohre gegen bleifreie ist deshalb anzuraten. Für die Bleikonzentration im Trinkwasser gelten Grenzwerte, die 2013 weiter verschärft werden. Werden diese Werte überschritten, ist der Hauseigentümer gesetzlich verpflichtet, die Rohre zu sanieren.

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