Schimmel, Asbest und Co: Diese Schadstoffe lauern in den eigenen vier Wänden

Wer einmal damit angefangen hat, sich mit Wohngesundheit zu befassen, wird schnell feststellen, wie umfangreich dieses Thema ist. Allein die Zahl möglicher giftiger oder zumindest belastender Stoffe in Baumaterialien ist sehr groß. Einige Gefahrenstoffe aus der Vergangenheit wie Asbest oder Lindan sind vermutlich allen geläufig. Aber neben diesen Wohngift-Klassikern, die zwar in heutigen Baumaterialien verboten sind, im Altbau aber nach wie vor auftauchen, muss sich der menschliche Organismus noch mit einer Vielzahl weiterer Schadstoffe auseinandersetzen.
 
 
Schadstoffe, Wohngifte, Asbest, Foto: Bernard Maurin/fotolia.comAsbestfasern wurden in Deutschland noch bis 1993 hergestellt. An Haus und Dach ist der Schadstoff eine Gefahr für die Gesundheit und sollte von Fachleuten entfernt werden. Foto: Bernard Maurin/fotolia.com

Schadstoffe, Schimmel, Foto: RioPatuca Images/fotolia.comDie gesundheitliche Gefahr von Schimmel wird oft unterschätzt. Foto: RioPatuca Images/fotolia.com

Atembeschwerden, Kopfschmerzen, Reizungen von Schleimhäuten, Augen oder der Haut – die Liste möglicher Symptome, die durch Schadstoffe in der Wohnung entstehen können, ist lang und selten eindeutig einer Ursache zuzuordnen. Treten diese Beschwerden allerdings immer in den eigenen vier Wänden auf und verbessern sich, sobald die Wohnung verlassen wird, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Quelle der Beschwerden in einem Bauteil verborgen liegt, relativ hoch. Eine dauerhafte Belastung kann zu bleibenden Gesundheitsschäden führen. Viele Schadstoffe können Allergien auslösen, andere greifen das Immunsystem an und können sich sogar fruchtschädigend auswirken, wieder andere gelten gar als Krebs erregend.

Bauherren, die den Verdacht haben, dass in ihrem Haus Schadstoffe die Wohngesundheit belasten, sollten daher Expertenrat einholen. Innenraumanalytiker oder Baubiologen können sich vor Ort ein Bild von der Situation machen und die mögliche Gefahrenquelle feststellen. Wer selbst bereits einen Verdacht hat, kann auch eine Material- oder Hausstaubprobe gezielt im Labor auf einen bestimmten Schadstoff hin untersuchen lassen. Aber um welche Schadstoffe könnte es sich überhaupt handeln?

Lösemittel und Formaldehyd

Das Kürzel VOC steht für Volatile Organic Compounds, auf Deutsch: flüchtige organische Verbindungen und bezeichnet beispielsweise Lösemittel, die in Klebern, Farben, Lacken, Bodenbelägen oder auch Möbeln vorkommen können. Kopfschmerzen, Übelkeit, Unwohlsein und sogar Schlafstörungen sind typische Symptome, die in den ersten Tagen, nachdem beispielsweise frisch tapeziert worden ist, am stärksten auftreten können. In der Regel sind VOCs bereits am Geruch erkennbar. Die schädlichen Stoffe lassen sich relativ schnell herauslüften, treten aber immer wieder aufs Neue auf, wenn die Gefahrenquelle nicht beseitigt wird. Besonders gefährlich wird die Mischung verschiedener VOCs in der Raumluft eingeschätzt. Zu VOCs gehören übrigens auch natürliche Terpene, wie sie beispielsweise in ätherischen Ölen vorkommen.

Besonders bekannt ist das Wohngift Formaldehyd, das vor allen Dingen durch Kleber in Span- oder einigen Presskorkplatten, in Versiegelungen, in Mineralfaserdämmstoffen oder in Fertigparkett der 1970er Jahre in die Häuser eingebracht wurde. Formaldehyd steht im Verdacht, Krebs erregend zu sein.

Pestizide und Weichmacher

Neben den leichtflüchtigen gibt es auch schwerflüchtige organische Verbindungen, die so genannten SVOCs, die die Wohngesundheit beeinträchtigen. Zu ihnen zählen unter anderem Pestizide, also beispielsweise die Holzschutzmittel PCP und Lindan, Flammschutzmittel oder Weichmacher. Sie treten über einen sehr langen Zeitraum aus und können starke gesundheitliche Schäden nach sich ziehen. So steht der Weichmacher DEHP stark im Verdacht, Krebs erregend zu sein. Relativ erfolgreich konnten Hersteller Alternativen für Weichmacher ohne DEHP entwickeln, beispielsweise auf Basis von Zitronensäure oder Rizinusöl. Das Holzschutzmittel PCP ist nachgewiesenermaßen Krebs erregend und seit 1990 verboten.

SVOCs können in einer ganzen Reihe von Bauteilen verborgen sein. Weichmacher findet man in PVC-Böden oder als Bestandteile von Wandfarben, Lacken, Klebstoffen oder in Türdichtungen. Pestizide und Flammschutzmittel können in Wärmedämmungen stecken. Sehr dunkel gestrichene Dachbalken aus den 1950er oder 60er Jahren sind sehr wahrscheinlich mit Lindan oder PCP belastet.

Auch teerhaltige Parkettkleber wurden in dieser Zeit verwendet und zeichnen sich ebenfalls durch eine sehr dunkle, fast schwarze Einfärbung aus. Giftig daran sind die so genannten polyaromatischen Kohlenwasserstoffe (PAKs).

Gefährliche Fasern

Neben Gasen und flüchtigen Verbindungen, können auch bestimmte Fasern dem menschlichen Organismus schaden. Dach- und Fassadenplatten aus Asbestfasern wurden noch bis 1993 hergestellt. Aber auch in Nachtspeicheröfen, Dichtungen, Klebemassen, Fliesenkitten oder in Lüftungskanälen wurde Asbest verarbeitet. Da es nicht riecht und sich Schäden erst nach Jahren einstellen, blieb der lungengängige Feinstaub jahrelang als Gefahrenquelle unerkannt. Asbest ist heute als Krebs erregend klassifiziert.

Ebenfalls zu den problematischen Fasern gehören künstliche Mineralfaserplatten (KMF), die vor 2000 als Lärm- und Wärmedämmung eingebaut wurden. Heute unterscheidet man zwischen alten Mineralfaserplatten (Einbau bis 1995), die als krebserregend eingestuft werden und neuen Platten (Einbau ab 1996), die die gesetzlich vorgeschriebene Kriterien erfüllen müssen. Zwischen 1995 und 2000 wurden beide Sorten verbaut.

Schädlicher Schimmel

Unterschätzt wird immer wieder die gesundheitliche Gefahr, die von Schimmel ausgeht. Eine dauerhafte Belastung des menschlichen Organismus durch Schimmelsporen kann bei zu hoher Konzentration das Immunsystem der Bewohner so stark angreifen, das diese fortan unter chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma leiden. Sie können auch Allergien oder entzündliche Organerkrankungen auslösen. Ursache für Schimmelbildung ist Feuchtigkeit. Die warme Luft im Raum, trifft auf die kühlere Innenoberfläche der Außenwand, kühlt ab, das Wasser kondensiert und die Wand wird feucht. Daher sollte nicht nur regelmäßig überschüssige Feuchtigkeit herausgelüftet, sondern alle Räume gleichmäßig beheizt werden. Die Türen zu weniger warmen Räumen müssen dann geschlossen bleiben. Auch eine mangelhafte Wärmedämmung sowie Schäden am Dach oder an der Fassade begünstigen die Bildung von Schimmel. Bei Schimmelbefall muss immer die Ursache geklärt und behoben werden. Für größere Schäden sollte eine Fachfirma mit der Schimmelsanierung beauftragt werden.

Weitere Schadstoffe: Schwermetalle, Radon und Fogging

Auch Schwermetalle gehören zu den Schadstoffen, die in den eigenen vier Wänden auftreten können. Allerdings in der Regel im Altbau. Sie können in Farbpigmenten oder älteren Holzschutzmitteln, in Fehlbodenschüttungen oder Bodenbelägen auftreten. Vorsicht geboten ist bei Renovierungsarbeiten im Altbau. So kann beispielsweise das Abbeizen schwermetallhaltiger Farben zu Vergiftungen führen.

Radon ist ein chemisches, radioaktives Element, das in manchen Gebieten in gasförmigem Zustand aus dem Erdreich in die Hauskeller eindringen kann und sich hier zu ungesunden Konzentrationen anreichert. Soll ein Grundstück neu bebaut werden und befindet es sich in einem Radongebiet, sollte der Radongehalt unbedingt geprüft werden. Im Bestand ist es mit relativ geringem Aufwand möglich, eine Radon-Sanierung durchzuführen.

Fogging ist ein noch recht junges und noch nicht gänzlich erklärbares Phänomen, bei dem gerade zu Beginn der Heizperiode und nach Renovierungsmaßnahmen die Wände schwarz werden. Hierbei handelt es sich nicht um Schimmel, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach um Ausgasungen von Baumaterialien, die Lösemittel und Weichmacher enthalten, die sich nun wie ein Film auf die Oberflächen legen und so Feinstaubpartikel binden. Wer auf synthetische Baustoffe verzichtet, ist hier auf der sicheren Seite.

Mehr Wohngesundheit

Wer neu baut, hat den großen Vorteil, über jedes Baumaterial selbst zu entscheiden. Hier gilt es, sich im Vorfeld über einen Fachberater, den Baustoffhandel und Hersteller genau zu informieren. Auch Öko-Siegel geben hier eine Orientierung.

Im Altbau hingegen müssen Bauherren in Absprache mit Fachleuten entscheiden, welche Sanierungsmaßnahme sinnvoll ist. Farben, Tapeten, Kleber oder Holvertäfelungen werden in der Regel entfernt, sachgemäß entsorgt und durch unbedenkliche Baustoffe ersetzt. Tragende oder konstruktive Bauteile können jedoch nicht immer entfernt oder ausgetauscht werden. Sie müssen, beispielsweise durch eine nachträgliche Beschichtung oder ein so genanntes Absorbervlies isoliert werden. Entscheidend ist, dass jede Sanierungsmaßnahme ausgesprochen sorgfältig ausgeführt wird. Im Anschluss an die Maßnahme sollte, beispielsweise durch eine Staubuntersuchung, geprüft werden, ob die Sanierung erfolgreich war.

Die häufigsten Schadstoffe auf einen Blick:

Mögliche Vorkommen Symptome Verbot seit
VOCs Kleber, Lacke, Farben, Bodenbeläge, Möbel Kopfschmerzen, Übelkeit, Unwohlsein, Schlafstörungen
speziell
Formaldehyd
Spanplatten, Presskorkplatten, Sperrholzplatten, Fertigparkett (70er Jahre), Säurehärtende Lacke Reizungen von Augen und Atemwegen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Verdacht auf Krebs erregendes Potential, im Tierversuch fruchtschädigend 1977
Reduzierung
SVOCs
Holzschutzmittel
(insbesondere PCP und Lindan)
Tragende Holzteile, insbesondere Dachstühle der 50er / 60er Jahre Allergien, Schädigung des Immunsystems, Störungen der Leber- und Nierenfunktion, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Schleimhautreizungen
PCP eindeutig Krebs erregend
Lindan
2006;
PCP
1986
Weichmacher Bodenbeläge (PVC), Wandfarben, Lacke, Klebstoffe, Türdichtungen Weichmacher DEHP als wahrscheinlich Krebs erregend eingestuft, steht im Verdacht, Störungen des Immunsystems und Fortpflanzungsstörungen hervorzurufen DEHP in Kleinkinderspielzeug verboten
PAK
(Polyaromatische Kohlenwasserstoffe)
Parkettkleber, Teerpappe
(50er / 60er Jahre)
Einige PAKs Krebs erregend 1970
Fasern
Asbestfaser Dach-, Fassadenplatten, Bodenbeläge, Lüftungskanäle, Nachtspeicheröfen, Kleber, Fensterbänke Spätschäden der Lunge, an Bauch- und Rippenfell, Lungenkrebs 1993
Mineralfaser Außenwände, Kleber, Bitumenabdichtungen, Lüftungsanlagen, Wärmedämmung, Schalldämmung 2000 (KMF ohne RAL-Gütezeichen)
Schimmel Außenwände, Keller, Wärmebrücken Atembeschwerden, Husten, Schnupfen, Neurodermitis, kann Allergien auslösen

 

 

 

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