Vorfälligkeitsentschädigung
Risiken (6 Artikel):
Wer in Deutschland sein Baudarlehen vor Ablauf der Zinsfestschreibung vorzeitig zurückzahlen will, muss der Bank in der Regel eine Vorfälligkeitsentschädigung für entgangene Zinsgewinne zahlen. Die Zulässigkeit einer solchen Strafzahlung regelt das Bürgerliche Gesetzbuch (§ 490). Die Vorfälligkeitsentschädigung ist hierzulande allerdings höher als in anderen europäischen Ländern, ergab eine Untersuchung des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) im Auftrag des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv). Die Studie vergleicht insgesamt neun europäische Länder.
Beispielrechnung
Ausgegangen wurde beispielhaft von einem tilgungsfreien Darlehen über 100.000 Euro mit sechs Prozent Verzinsung und einer Festschreibung von zehn Jahren. Die Fragestellung lautete: Wie viel Vorfälligkeitsentschädigung müssen Verbraucher an ihre Bank zahlen, wenn sie das Darlehen nach fünf Jahren vorzeitig ablösen.
Vorzeitige Rückzahler berappen in Deutschland laut Studie über 10.000 Euro. Das ist mehr als doppelt so viel wie im zweitteuersten untersuchten Land Österreich: Dort sind es durchschnittlich rund 5.000 Euro. Am billigsten kommen portugiesische Verbraucher weg. Im Schnitt füllen diese nur rund 1.400 Euro in die Bank-Kasse.
Allerdings dürfen Banken nicht beliebig zu ihren Gunsten rechnen, urteilte vor einiger Zeit der Bundesgerichtshof (Az.: XI ZR 285/03). Bei der Berechnung der Vorfälligkeitsentschädigung müssen demnach die aktuellen Renditen von Pfandbriefen gemäß der Kapitalmarktstatistik der Deutschen Bundesbank herangezogen werden. Zuvor war es bei vielen Kreditinstituten üblich, den für Verbraucher ungünstigeren bankinternen PEX-Index heranzuziehen. Dies hatte regelmäßig höhere Forderungen der Banken zur Folge.
Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung
Demnach berechnet sich die Hohe der Vorfälligkeitsentschädigung vereinfacht dargestellt wie folgt:
Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung =
- Verlust, der sich aufgrund nicht eingenommener Zinsen bei vorzeitiger Vertragsauflösung des Darlehens für die Bank ergibt (für den Zeitraum der restlichen Zinsbindung)
abzüglich:
- ersparte Verwaltungskosten der Bank
- ersparte Kosten des Bank-Risikos (Zahlungsausfall des Kreditnehmers)
- Zinsen, die ein Hypothekenpfandbrief im entsprechenden Zeitraum abwerfen würde (diese sind in der Regel deutlich niedriger als die der Bank entgangenen Darlehenszinsen)
Da die Darlehenszinsen in der Regel deutlich höher sind als die angenommenen Zinsgewinne, die die Bank bei einer Wiederanlage des vorzeitig zurückgezahlten Geldes hätte, ergibt sich eine hohe Forderung der Bank.
Die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung in Deutschland sei "rechtmäßig und fachgerichtlich bestätigt", sagt Oliver Wolfrum vom Bundesverband deutscher Banken. Er betont zudem, dass Deutschland bei den Zinsen auf einem sehr günstigen Niveau ist. Ein Eingreifen in die Preisautonomie der Banken hielte der Bankenmann für ordnungspolitisch nicht hinnehmbar.
Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hingegen kritisiert, dass die Bank-Berechnungen für den Verbraucher meist überhaupt nicht transparent seien, und drängt auf eine verbraucherfreundlichere Gesetzgebung: Die Kreditinstitute berechnen demnach eine Vorfälligkeitsentschädigung selbst dann, wenn es zu keinerlei Zinsschwankungen kommt. "Die absurd hohen Kosten für eine Kreditablösung in Deutschland zeigen, dass der Markt hier nicht funktioniert", wettert Verbraucherschützerin Edda Müller.
Verzicht kostet Aufschlag
Doch es geht auch ganz ohne. Einige Banken bieten inzwischen Darlehen an, bei denen in bestimmten Fällen keine Entschädigungszahlung fällig wird, etwa bei einem berufsbedingten Umzug. Allerdings verlangen die Kreditinstitute hierfür einen Aufpreis.
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