Haus selber bauen: Das können Bauherren in Eigenleistung übernehmen

Mit einem Hausbau in Eigenleistung kann man viel Geld sparen. Doch auch wer sein Haus selbst bauen will, sollte manche Gewerke dem Fachmann überlassen. Ein Überblick, was ein Bauherr leicht selber machen kann und was nur für geübte Heimwerker geeignet ist.
 
 
Haus selber bauen, Rohbau, Hausbau, Neubau, Foto: Jeanette Dietl/fotolia.comBauherren, die ihr Haus selber bauen wollen, können viel Geld sparen. Doch manche Arbeiten sollte man dennoch dem Fachmann überlassen.  Foto: Jeanette Dietl/fotolia.com

Wer ein Haus selber bauen will, macht das vor allem, um Geld zu sparen. Laut dem Verband privater Bauherren können bei einem durchschnittlichen Haus mit 140 Quadratmeter Wohnfläche auf drei Etagen und Keller 25.000 Euro der reinen Baukosten von 275.000 Euro eingespart werden. Der Bauherr sollte sich allerdings nicht überschätzen und von manchen Gewerken besser ganz die Finger lassen. Denn ein Hausbau in Eigenleistung kann immens viel Zeit in Anspruch nehmen und manche Arbeiten sind nur für Profis geeignet.

Übrigens erkennen auch viele Banken diese Eigenleistung an: Bei der Darlehensvergabe berücksichtigen sie die "Muskelhypothek".

 

 

 

Was ist die Muskelhypothek?

Viele Banken erkennen Eigenleistung beim Hausbau als Teil des Eigenkapitals an, was wiederum zu besseren Kreditkonditionen führen kann. Im Baugesetzbuch ist festgehalten, wie der Geldwert der Eigenleistung ermittelt wird: „Der Wert der Selbsthilfe ist mit dem Betrag als Eigenleistung anzuerkennen, der gegenüber den üblichen Kosten der Unternehmerleistung erspart wird“ (§ 36 Absatz 3 II WoBauGe).

Für jede Arbeit, die der Bauherr also selbst leistet, kann der Arbeitslohn angerechnet werden, den ein Bauunternehmer veranschlagen würde. Der Zeitfaktor spielt erst einmal keine Rolle. Allerdings wird die Höhe der Muskelhypothek oft überschätzt. In der Regel erkennen Banken zwischen zehn und 15 Prozent der gesamten Bausumme als Eigenleistung an.

Gewerke für weniger geübte Heimwerker

  • Maler- und Tapezierarbeiten: Hier liegt das Sparpotenzial zwischen 60 und 80 Prozent.
  • Laminatboden legen: Ein guter Laminatboden kostet etwa 15 bis 20 Euro pro Quadratmeter. Handwerker verlangen inklusive Verlegen etwa 30 bis 40 Euro pro Quadratmeter.
  • Fliesen verlegen: Qualitätsfliesen kosten ab zehn bis 20 Euro pro Quadratmeter. Wird ein Handwerker beauftragt, sind noch mal rund 30 Euro Lohnanteil pro Quadratmeter fällig.
  • Trockenbau: Das eigenhändige Verlegen, Spachteln und Schleifen von Rigips-Platten ist arbeitsintensiv, kann aber einiges an Geld sparen: etwa 60 bis 70 Prozent.
  • Außenanlagen: Außenanlagen sind ein weites Feld, je nach Ausführung und Material kann man hier mit wenig Geld auskommen oder ein kleines Vermögen investieren. Die meisten Arbeiten können Heimwerker allerdings selbst erledigen.

Gewerke für geübte Heimwerker

  • Rohbauarbeiten: Die Rohbauarbeiten nehmen viel Zeit in Anspruch und sind demzufolge sehr lohnintensiv. Der Rohbau allein macht oft knapp die Hälfte der Baukosten aus, wovon wiederum ungefähr 40 Prozent Materialkosten sind. Wer also viel Zeit und Übung hat, kann hier zumindest mit anpacken und durch diese Eigenleistung viel Geld einsparen.
  • Fenster, Türen und Treppen: Geübte Heimwerker können zwar auch hier sparen, doch der Lohnanteil dieser Gewerke ist eher gering: Er macht rund 10 bis 30 Prozent der Gesamtkosten aus.
  • Putz: Wände zu verputzen ist arbeitsintensiv, dafür aber mit hohem Sparpotenzial verbunden. Etwa 70 bis 80 Prozent können eingespart werden.

Gewerke für Heimwerker-Profis

  • Sanitärinstallation: Wer die Heizungs- und Sanitärinstallation komplett selbst erledigen will, sollte vom Fach sein, ansonsten: Finger weg. Möglich ist aber unter Umständen die Mithilfe, das Einsparpotenzial ist dann allerdings eher gering.
  • Elektroinstallation: Auch bei der Elektroinstallation gilt: Das ist Sache für Profis. Mithelfen kann man unter Umständen aber schon.

 

 

Haus selbst bauen, Eigenleistung, Infografik, Grafik: bauen.de

Haus selber bauen: Eigenleistung bringt viele Belastungen

Wer selber mit anpacken will, sollte sich schon im Vorfeld mit den eigenen Belastungsgrenzen auseinandersetzen. Ein Hausbau in Eigenleistung, bei dem fast alles selbst gemacht wird, dauert meist länger als ein Jahr. Und das bedeutet: Keine Zeit für die Familie, keinen Urlaub, keine Freizeit  –  daran sind schon Ehen zerbrochen. Für die meisten Häuslebauer ist es deshalb sinnvoll, sich auf die typischen und überschaubaren Heimwerker-Arbeiten zu beschränken. Dann beträgt das Einsparpotenzial zwar oft nur rund zehn Prozent - doch auch das ist angesichts der Gesamtkosten schon eine ordentliche Summe Geld.

Wer beim Hausbau Geld durch Eigenleistung sparen möchte, sich aber nicht traut, die meisten Arbeiten völlig auf sich alleine gestellt durchzuführen, kann alternativ auch auf ein Ausbau- oder Selbstbau-Haus zurückgreifen.

Verschiedene Bauweisen im Überblick:

Definition Vorteile Nachteile
Schlüsselfertig bauen Alle Arbeiten werden von Beginn bis zur Fertigstellung von einem Generalunternehmer übernommen
  • Häuser werden oft zu einem Pauschalpreis angeboten
  • Gezahlt wird meist in Teilbeträgen, je nach Baufortschritt
  • Bauherren erfahren recht früh, wann das Haus fertig ist
  • Die Definition von „schlüsselfertig“ kann schwanken. Manche Anbieter meinen damit die Rohbaumaßnahmen, andere auch den gesamten Innenausbau
  • Gibt es Probleme mit dem Unternehmer, ist der gesamte Hausbau gefährdet
Ausbau-Haus Fertighaus, dessen Innenausbau der Bauherr ganz oder zum Teil selbst vornimmt. Der Rohbau wird in der Regel von der Baufirma hingestellt
  • Baufinanzierung: die selbst geleistete Arbeit kann dem Eigenkapital zugeschlagen werden (Muskelhypothek)
  • Bauherr erhält und bezhalt nur, was er für den jeweiligen Bauabschnitt braucht
  • Ausbauhersteller liefert Komponenten, die aufeinander abgestimmt sind
  • Montageservice wird angeboten
  • Oft überschätzen sich Bauherren selbst
  • Fehlende Kontrolle durch ein Bauunternehmen
  • Bauherr muss diverse Handwerker koordinieren
  • Bauherr haftet bei Baumängeln, die er selbst verursacht hat, mit seinem eigenen Vermögen
  • Eingespartes Geld muss teilweise für Handwerker ausgegeben werden
Selbstbau-Haus Der Bauherr baut sein Haus selbst und erhält eine Rundumbetreuung von der Baufirma
  • Auf Baumaterial und Bauweise ist man nicht festgelegt
  • Alles wird in einem kompletten Bausatz für den Rohbau auf die Baustelle geliefert
  • Kostenersparnis durch Eigenleistung
  • Man braucht viel Zeit. Neun bis 12 Monate kann es dauern bis ein Selbstbau-Haus steht
  • Gefahr, dass bei Selbstüberschätzung nachträglich Firmen beauftragt werden müssen, die den Bau zu Ende führen. Der Einspareffekt ist dann schnell weg
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