Hausbau, Haus bauen

Hausplanung: Tipps für angehende Bauherrn

Damit der Hausbau reibungslos verlaufen kann, müssen tausend Dinge durchdacht werden, von der Lage des Grundstücks bis hin zum Anschluss für den Fernseher. Mit den folgenden Tipps zur Hausplanung gelingt das Bauvorhaben.
 
 
Hausplanung, Bautipps, Foto: Reiner Wellmann / fotolia.com Bei der Hausplanung sind viele Dinge zu beachten. Foto: Reiner Wellmann / fotolia.com

Meist dauert es ein knappes halbes Jahr, bis aus dem Traum vom Eigenheim Realität wird. Zumindest ist das der Zeitraum, in dem sich ein massiv gebautes Einfamilienhaus errichten lässt. Voraus gehen jedoch unzählige Wochen, in denen angehende Bauherren ein Grundstück suchen, die Baufinanzierung abklären und sich mit der eigentlichen Hausplanung befassen müssen.

Vor der Hausplanung

Bevor der Grundstein gelegt wird, muss der Bauherr sich klar werden, wo er überhaupt bauen will und wie er sein Bauvorhaben finanzieren kann. Dabei müssen Bebauungspläne berücksichtigt und Prozentsätze gegeneinander abgewogen werden.

Grundstück auswählen

Ist ein potentieller Bauplatz gefunden, sollten sich Bauherren von der Gemeinde oder Stadt den Bebauungsplan besorgen. Wer bereits bei der Planung, alle Vorgaben berücksichtigt, hat später keine Probleme mit der Genehmigung. Vor dem Unterzeichnen des Kaufvertrags sollten die baldigen Landbesitzer auch einen Blick in Nachbarschaft und Umgebung werfen und prüfen, ob sich Einkaufsmöglichkeiten, Schulen und Kindergärten sowie eine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr in Grundstücksnähe befinden.

Experten-Tipp

Besichtigen Sie das Baugrundstück nicht nur am Wochenende, sondern auch zu verschiedenen Tageszeiten unter der Woche. Dann sind nicht nur die Gerüche von der Werkstatt drei Häuser weiter intensiver, sondern auch das Verkehrsaufkommen höher.

Bei der Grundstücksauswahl sollten angehende Bauherren jedoch nicht nur bauliche Vorgaben oder die spätere Nachbarschaft im Blick haben, sondern beispielsweise auch den Wettereinfluss: In ungeschützten Lagen kühlt ein Haus leichter aus und muss eventuell stärker beheizt und besser gedämmt werden. Wer am Hang baut, sollte den Stand der Sonne im Lauf des Tages im Blick behalten.

Hausplanung, Grundstück, Sonnenstand, Grafik: bauen.de Diese Grafik stellt vereinfacht dar, in welcher Hanglage zu welcher Uhrzeit die Sonne scheint. Vor allem auf der Sonnenseite sind Jalousien besonders wichtig. Grafik: bauen.de

Baufinanzierung: Reserven und Nebenkosten einplanen

„Viele sind beim Thema Baufinanzierung verunsichert“, verrät Andreas Patla, Sachverständiger des Verbands Privater Bauherrn (VPB), „die meisten denken, dass nach dem Kauf des Grundstücks und der Verpflichtung eines Bauträgers keine Kosten mehr dazu kommen.“ Ein Trugschluss, denn wer ein Grundstück erwirbt, muss Kaufnebenkosten einkalkulieren. Das sind beispielsweise Aufwendungen für Grundbucheintrag, die Grunderwerbssteuer oder Notarkosten. Das künftige Eigenheim muss zudem an Kanal, Wasser, Gas und Strom angeschlossen werden, es werden folglich noch Erschließungskosten fällig. In jedem Fall sollten Bauherren Reserven einplanen.

Die Baufinanzierung sollten angehende Hausbesitzer bereits vor dem Grundstückskauf durchdenken und die verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten, wie Volltilger-, variable oder Kombi-Darlehen gegeneinander abwägen. Meist können außerdem staatliche Förderungen und Darlehen in Anspruch genommen werden – deren finanziellen Nutzen sollten Bauherrn aber nicht überschätzen.

Bebauungsplan einsehen

Bebauungsplan, Hausplanung, Foto: Stadt Buxtehude Ein Bebauungsplan der Stadt Buxtehude mit Erklärungen. Den Bebauungsplan für ihr Grundstück sollten Bauherren bereits vor dem Grundstückskauf einsehen. Foto: Stadt Buxtehude

Ein Grundstückskauf ist Privatsache, bei der Bebauung hat die örtliche Behörde aber ein Wörtchen mitzureden. Sowohl Flächennutzungsplan als auch Bebauungsplan beeinflussen das Bauvorhaben. Liegt ein Bebauungsplan vor, so gibt dieser verbindlich Auskunft, auf welche Art und Weise in einem Wohngebiet gebaut werden darf. Dadurch soll nicht nur ein einheitlicher Siedlungscharakter entstehen. Auch Einzelinteressen werden geschützt: Der Bebauungsplan gewährleistet zum Beispiel, dass der Nachbar nicht einfach so sein Haus aufstocken kann und dem eigenen Grundstück damit die Sonne nimmt.

Verfügt die Gemeinde über keinen Bebauungsplan, gilt Paragraf 34 des Baugesetzbuchs. „Das heißt im Normalfall, man baut so, wie im Umkreis von 50 Metern gebaut wurde“, erklärtPatla vom VPB. „Das hängt aber etwas von der zu genehmigenden Behörde ab.“

Auch der Generalverkehrsplan sollte zu Rate gezogen werden. Er weist aus, wo neue Gewerbegebiete oder Straßen entstehen sollen. Soll direkt neben dem Grundstück eine große Straße gebaut werden, kann das störend sein – aber auch ein gutes Argument beim Feilschen um den Grundstückpreis.

Hausplanung: Darauf müssen Häuslebauer achten

Das Grundstück ist ausgewählt, die Finanzierung steht, nun geht es an die eigentliche Hausplanung. Spätestens jetzt müssen sich Bauherren für eine Bauweise entscheiden und einen passenden Baupartner finden.

Richtigen Haustyp festlegen

Reihenhaus oder freistehendes Haus, Fertighaus oder Massivhaus: Einen bestimmten Haustyp und eine bestimmte Bauweise auszuwählen, ist eine weitreichende Entscheidung. Das zukünftige Haus sollte die gestellten Ansprüche ja schließlich über Jahre erfüllen. Bauherren sollten überlegen, was sie von ihrem Traumhaus erwarten und sich dann gezielt Informationen einholen. Wer sich bei der Bauweise noch nicht sicher ist, kann Hauskataloge anfordern und verschiedene Fertighäuser vor Ort in einem Musterhauspark besichtigen. 

Experten-Tipp

Nehmen Sie sich die Zeit und fahren Sie mehrmals in den Musterhauspark. Die vollverglaste Gartenfassade mag Ihnen heute gefallen, nach einem Fensterputzmarathon könnten Sie die Entscheidung eventuell bereuen.

Musterhauspark, Hausplanung, Foto: Ausstellung Eigenheim und Garten Ein Musterhauspark gibt angehenden Bauherren die Möglichkeit, verschiedene Häuser direkt miteinander zu vergleichen – und schon einmal probezuwohnen. Foto: Ausstellung Eigenheim und Garten Hausplanung, Fertighaus, schlüsselfertig bauen, Foto: blickwinkel/imago Wer mit einem Fertighaushersteller baut, bekommt das Haus für gewöhnlich „schlüsselfertig“ auf sein Grundstück gestellt. Foto: blickwinkel/imago

Richtigen Baupartner auswählen

Haben sich die baldigen Häuslebauer für eine Bauweise und einen Haustyp entschieden, gilt es, einen geeigneten Baupartner zu finden. Ein Bauherr kann beispielsweise „schlüsselfertig bauen“. Damit hält er sich das Organisieren und Planen vom Leib und kauft das Haus von einem Bauträger oder Fertighaushersteller. Der Unterschied zwischen den beiden: Ein Bauträger kümmert sich in der Regel auch um das Grundstück und mauert für gewöhnlich vor Ort. Ein Fertighaushersteller hingegen beschäftigt sich nicht mit der Suche nach einem passenden Stück Land; Er baut in einer Produktionshalle vor und fügt die Teile erst auf dem bereits erschlossenen Grundstück zusammen.

Gemeinsam haben beide, dass der Bauherr nur einen Vertragspartner hat und sein Heim zum Festpreis erwirbt. In beiden Fällen sollten Häuslebauer nach Referenzobjekten fragen und sich im Falle einer Insolvenz des Baupartners vertraglich absichern. 

Die Alternative zum schlüsselfertigen Bauen: in Eigenregie Handwerker suchen. Der persönliche Aufwand ist dabei viel höher, seine eigenen Vorstellungen kann der Bauherr so aber vielleicht besser umsetzen. Auch hier sollte er sich in den einzelnen Verträgen absichern. Für was sich der zukünftige Hauseigentümer entscheidet, hängt stark von der verfügbaren Zeit und dem Wunsch des Bauherrn ab, sein Zuhause selbst zu gestalten.

Energieeffizienz sichern und Bauschäden vorbeugen

Hausplanung, Dachkonstruktion, Dachdecken, Foto: roofer/fotolia.com Bei der Hausplanung spielt auch die Dachform eine wesentliche Rolle: Von ihr hängt ab, wie viel Wohnraum später unter dem Dach entstehen kann. Foto: roofer/fotolia.com

Je kompakter ein Haus gebaut ist, desto niedriger ist sein Energieverbrauch. Schließlich stellt jeder Erker, jeder Mauervorsprung, jedes Türmchen eine potentielle Wärmebrücke dar.

Dasselbe gilt für kompliziertere Dachkonstruktionen. Deswegen sollten Bauherren auf eine möglichst kompakte Hausform bei der Planung achten, denn: Je mehr Platz und weniger Außenfläche, desto niedriger der Energieverbrauch. 

Außerdem gilt: Sind die zu bauenden Formen einfach, wird auch das Baubudget weniger belastet.

Ein besonderes Augenmerk sollte man auf die Dachform legen: Ob Satteldach, Pultdach, Mansarddach oder Walmdach hängt auch davon ab, ob unter dem Dach Wohnraum entstehen soll oder nicht. 

Experten-Tipp

Teilen Sie das umbaute Volumen (m³) durch die Wohnfläche (m²); ist das Ergebnis unter dem Wert 4, ist das Haus energieeffizient, ein Quotient über 5 bedeutet hohe Bau- und Heizkosten.

Sinnvolle Raumaufteilung und Raumgrößen festlegen

Bereits beim Entwurf eines Grundrisses sollte sich der Bauherr darüber Gedanken machen, wie er die entsprechenden Räume später nutzen möchte und auf was er besonders viel Wert legt. Soll das Wohnzimmer nicht vollgestellt sein und dennoch ein großer Esstisch darin Platz finden, reichen 20 Quadratmeter nicht aus. Für ein Wohn-Esszimmer werden besser rund 50 Quadratmeter eingeplant. Ein normales Schlafzimmer misst üblicherweise 16, ein Kinderzimmer zehn Quadratmeter. Auch hier gilt: Wer im Schlafzimmer einen großen, begehbaren Kleiderschrank haben will, sollte mit mehr Stauraum planen; am besten mit 20 Quadratmetern aufwärts. Je älter Kinder werden, desto mehr Platz fordern sie auch ein: Im Kinderzimmer sollte daher auch noch Platz für einen Schreibtisch und ein breites Bett sein.

Grundsätzlich ist es sinnvoll, die Küche, den Essbereich und das Wohnzimmer miteinander zu verbinden, zum Beispiel im Erdgeschoss. Schlafräume und Bad können dann im ersten Obergeschoss liegen.

Um Leitungen zu sparen, können Bad und Küche noch unter- beziehungsweise nebeneinander gebaut werden. Auch die grundsätzliche Ausrichtung der Räume sollten Bauherren berücksichtigen: Ein Wohnzimmer, das nicht nach Osten, sondern nach Südwesten zeigt, wird abends sonnig erhellt.

Experten-Tipp

Machen Sie sich bereits bei der Hausplanung Gedanken über die spätere Einrichtung. Wenn Sie große Wandregale oder Schränke haben, brauchen Sie dafür auch entsprechende Stellfläche.

Geeignetes Material verwenden

Dämmung, Hausplanung, Foto: Ingo Bartussek / fotolia.com Bei Dämmstoffen und Dämmsystemen ist die Auswahl groß. Foto: Ingo Bartussek / fotolia.com

Die Frage, welches Material für die Außen- und Innenwände, die Dachkonstruktion oder den Keller benutzt werden soll, wird am besten mit einem Experten besprochen. Schließlich gibt es viele Kombinationsmöglichkeiten, nicht alle wirken aber stimmig zusammen. Neben den Materialien für die einzelnen Bauteile, sollten auch Dämmstoffe und Abdichtung aufeinander abgestimmt werden.Bauherren sollten sich daher gut beraten lassen und sich selbst ausgiebig informieren.

Bauvertrag: auf genaue Ausführungen achten

Das wichtigste Dokument beim Hausbau ist der Bauvertrag. Darin ist alles exakt geregelt – sollte man meinen. Doch auch bei der Bau- und Leistungsbeschreibung kommt es auf die Details an.

Bau- und Leistungsbeschreibung: präzise Regeln aufstellen

Die Bau- und Leistungsbeschreibung ist elementarer Teil eines Bauvertrags. Sie regelt die Bauausführung bis ins Detail. Damit es später nicht zu Konflikten zwischen Bauherr und ausführender Firma kommt, sollten die verbauten Materialien und Ausstattungsdetails möglichst präzise und verständlich beschrieben sein. Es erspart oftmals viel Ärger, wenn für Treppe, Türen, Fliesen, Bodenbeläge sowie Armaturen, Fabrikat, Material und Farbe genau festgelegt werden.

Außerdem sollte klar zu erkennen sein, wer dem Bauherren für Umfang und Qualität der vereinbarten Bauleistung haftet. „Je konkreter und verständlicher Leistungsumfang, Art und Qualität der Baustoffe und Materialien sowie Ausstattungsgrad beschrieben sind, umso geringer ist das Vertragsrisiko“, sagt Andreas Raschke, unabhängiger Bauherrenberater vom Bauherren-Schutzbund (BSB).Neben dem Firmennamen und der genauen Anschrift sollte diese Beschreibung auch die Geschäftsführung oder einen verantwortlichen Ansprechpartner festhalten.

Daneben sollten die Vertragsstrafen bei Leistungsverzögerung so genau wie möglich geregelt sein. Diese werden nur fällig, wenn der Bauunternehmer Schuld an der Verzögerung hat. Bei höherer Gewalt wie Stürmen und Gewittern kann der Dienstleister nicht belangt werden. Dafür sollte der Bauherr andere Versicherungen abschließen, wie zum Beispiel eine Bauleistungsversicherung. Diese kommt für Elementarschäden ebenso auf wie für Vandalismus, Diebstahl oder Glasbruch. Auch Folgeschäden von Konstruktions- und Materialfehlern können mitversichert werden.

Zahlungsplan an Baufortschritt koppeln

Bauablauf, Rohbau, Hausplanung, Foto: Superingo / fotolia.com Richten sich Bauherren nach einem Zahlungsplan, binden sie ihre Ausgaben an eine bestimmte Baustufe: beispielsweise an die Eindeckung des Rohbaus. Foto: Superingo / fotolia.com

Im Bauvertrag selbst sollte auch ein Zahlungsplan vereinbart werden. Dabei werden für gewöhnlich die Überweisungen an den Bauträger gestaffelt und an den Baufortschritt gebunden. Das heißt: Gezahlt wird erst dann, wenn die jeweils vorgesehene Baustufe erreicht wurde, also beispielsweise die Bodenplatte, der Rohbau oder der Dachstuhl fertig gestellt sind. Die Höchstbeträge dieser Raten sind im Paragraf 3 der Makler- und Bauträgerverordnung (MaBV) geregelt.

„In solchen Zahlungsplänen verbergen sich jedoch häufig versteckte Vorauszahlungspflichten für den Bauherren“, warnt Raschke vom BSB. Er rät dazu, Sicherheiten in Form einer Fertigstellungsbürgschaft, eines Sicherheitseinbehalts oder einer Fertigstellungsversicherung zu verhandeln und vertraglich festzulegen.

Bauablauf und Termine: Pufferzeit einplanen

Es klingt lapidar, ist es aber oft nicht: Der Bauvertrag sollte Baubeginn, maximale Bauzeit und den Zeitpunkt der Endabnahme explizit regeln. Spätestens am Umzugstag würden Bauherren sonst feststellen, wie wichtig solche Terminvereinbarungen sein können.

„Bauzeitenpläne erstellt in der Regel der planende Architekt oder bei größeren Bauvorhaben der Projektsteuerer. Diese sind gegenüber dem Bauherrn für die Einhaltung der vertraglich vereinbarten Termine verantwortlich. Durch feste Termine können die am Bau beteiligten Fachfirmen koordiniert werden. Deswegen sind Änderungswünsche während des Bauprozesses problematisch und meist sehr teuer“, erläutert Hans Joachim Betko vom TÜV SÜD. Hat man dennoch einen Änderungwunsch, können Kettenreaktionen entstehen: Eine Verzögerung betrifft nicht nur den Bauherren, sondern auch den Dienstleister. Dieser muss seine Arbeitskräfte dann länger an einer Baustelle einsetzen. Die Folge: Nicht nur die Zeit-, sondern auch die Kostenplanung wird gesprengt. Bauherren sollten also am besten Pufferzeit einplanen, um zusätzlichen Spielraum bei der Fertigstellung ihres Hauses zu haben.

Auf der Baustelle

Von Baustellenzufahrt über Dixie-Toilette hin zur Unfallversicherung für den Malerkumpel: Damit später auch auf der Baustelle alles reibungslos vonstattengeht, sollten Bauherren auch an solche Details denken.

Baugrundgutachten erstellen

Baugrund, Gutachten, Foto: Verband Privater Bauherren Ein Baugrundgutachten liefert Aufschluss über die Bodenbeschaffenheit und bewahrt den Bauherrn vielleicht vor späteren Schäden. Foto: Verband Privater Bauherren

Wer beim Hausbau auf Nummer sicher gehen möchte, lässt vor Baubeginn eine Baugrunduntersuchung durchführen. Diese gibt Auskunft über die Beschaffenheit des Bodens. Ein Gutachter untersucht die Tragfähigkeit und weist auf Schichten- oder Grundwasser sowie auf eventuelle Bodenverunreinigungen hin. Hierzu wird an den geplanten Gebäudeecken mit einem Kernbohrgerät mehrere Meter tief in den Boden gebohrt und Proben entnommen. Ein solches Gutachten sichert das Bauvorhaben ab, denn „der Baugrund in Deutschland ist Bauherrenrisiko. Gibt es kein Baugrundgutachten und es treten Baumängel auf, können hohe Kosten entstehen“, erklärt Betko vom TÜV SÜD. Für Bauherren, die einen Keller errichten möchten, ist ein Bodengutachten unverzichtbar, nicht zuletzt wegen der erforderlichen Abdichtungsmaßnahmen.

Wie tief der Bauherr dafür in die Tasche greifen muss, lässt sich nicht pauschalisieren: Abhängig sind die Kosten nicht nur von der Größe des Hauses und der Menge der Bohrungen, sondern auch von der Region. Ein Gutachten im ländlichen Bereich kostet weniger als in München oder Hamburg. Häuslebauer sollten sich aber durchaus auf einen niedrigen vierstelligen Betrag einstellen.

Sich um die Baustelleneinrichtung kümmern

Noch vor Baubeginn kann es zu ersten Reibungen kommen – insbesondere dann, wenn der baldige Eigenheimbesitzer etwas übersehen hat, was ihm und nicht der Baufirma obliegt. Wer also bereinigt das Grundstück und lässt störende Bäume fällen, errichtet den Bauzaun, beschafft den Schuttcontainer, stellt die Miettoilette auf, schließt den Baustrom an, beantragt die Genehmigung öffentliche Stellflächen zu nutzen oder richtet den Wasseranschluss ein? All diese Details sollten Bauherren mit ihrem Baupartner abstimmen. „Vertraglich sollte vereinbart sein, dass die Kosten für den Verbrauch von Baustrom und Bauwasser für den Auftraggeber begrenzt werden. Am besten besichtigt man mit einem Vertreter des Baupartners vor der Vertragsunterzeichnung das Baugrundstück und fertigt ein Baustellenprotokoll an“, rät Raschke vom Bauherren-Schutzbund.

Baustelleneinrichtung, Bautipps, Foto: Reiner Zensen/imago Die Baustelleneinrichtung erfordert Planung bis ins kleinste Detail: Ein Toilettenhäuschen muss nicht nur aufgestellt werden, sondern auch gereinigt und wieder abtransportiert. Foto: Reiner Zensen/imago Baustelle, Zufahrt, Foto: spuno / fotolia.com Die Baustellenzufahrt führt meistens über öffentlichen Grund. Wer diesen beschädigt, muss für die Reparaturkosten aufkommen. Foto: spuno / fotolia.com

Genehmigung für Baustellenzufahrt einholen

In einigen Fällen müssen Baufahrzeuge einen öffentlichen Fußweg überqueren, um die Baustelle zu erreichen. Damit die schweren Baustellenfahrzeuge Gehwegplatten, Pflasterungen oder tiefer liegende Leitungen nicht beschädigen, muss vorübergehend ein Schutzbelag aufgebracht werden. „Dazu holt man in der Regel eine Überfahrtsgenehmigung der Stadt ein, deren Vorgaben es zu erfüllen gilt. Meistens werden dann große Stahlplatten auf den Gehsteig gelegt“, erklärt Patla. Die Kosten für solche Schutzvorkehrungen sind meistens nicht im Hauspreis enthalten, schlagen also in den Baunebenkosten zu Buche.Auch auf dem Baugrund sollte der Boden abgesichert werden – eine Lkw-Ladung Schotter verhindert, dass der Boden sich bei starkem Regen in einen Sumpf verwandelt.

Bausachverständigen einsetzen

Sachverständiger, Hausbau, Foto: Verband Privater Bauherren Ein Bausachverständiger kontrolliert die Vorgänge auf der Baustelle unabhängig von den Baufirmen. Foto: Verband Privater Bauherren

Viele Bauherren sind sich unsicher, wie sie den Baufortschritt auf ihrer Baustelle einschätzen sollen oder haben gar berechtigte Zweifel an der Bauausführung. Für sie  kann es sich lohnen, einen unabhängigen Experten ins Boot zu holen. Ein Bausachverständiger berät den Bauherren vor Beginn des Baus, begleitet ihn währenddessen und überwacht den Baufortschritt. „Durch regelmäßige Kontrollen während des Bauablaufs wird Mängeln vorgebeugt. Frühzeitig erkannte Mängel können außerdem unverzüglich beseitigt werden“, sagt Andreas Raschke vom Bauherren-Schutzbund (BSB). Schließlich will der Bauträger immer erfolgreich wirtschaften. „Die Interessen von ihm und dem Bauherrn sind daher manchmal nicht die gleichen“, ergänzt Patla vom VPB.

In der Regel zahlt der Bauherr für den Bausachverständigen einen vierstelligen Betrag: „Eine Anfangsberatung dauert zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Stunden, die Kosten betragen etwa 400 Euro. Hier erarbeiten wir mit dem Bauherrn zusammen Ergänzungen und Änderungsvorschläge. Vier bis fünf Begehungen der Baustelle kosten in der Regel zwischen 1300 und 1500 Euro“, erklärt Patla. Auch Vereinigungen wie der Bauherren-Schutzbund bieten eine solche Baubegleitung an. Die Geldanlage lohnt sich laut Raschke: „Zwischen 11.000 und 12.000 Euro Kosten für Schäden und deren Beseitigung sparen Bauherren im Durchschnitt beim Hausbau, wenn sie eine baugleitende Qualitätskontrolle in Anspruch nehmen.“

Eigenleistungen: sich selbst nicht überschätzen

Parkett verlegen, Eigenleistung, Foto: McPHOTO/imago Das Parkett können Häuslebauer auch in Eigenleistung verlegen. Foto: McPHOTO/imago

Handwerklich begabte Bauherren wollen häufig gerne selbst Hand anlegen. Dazu müssen sie aber vor Baubeginn mit dem Bauträger genau klären, zu welchem Zeitpunkt ihre Eigenleistungen anfangen und wann sie enden. Ganz wichtig bei selbst erbrachten Leistungen: Häuslebauer sollten ihr eigenes handwerkliches Können nicht überschätzen. Denn wenn der Bauherr selbst Verzögerungen verursacht, kann er die beauftragten Bauunternehmen in keinem Fall haftbar machen. Um teuren Konsequenzen vorzubeugen, sollte der Bauherr, die eigenen Tätigkeiten hintan zu stellen: „Eigenleistungen führt man am besten dann aus, wenn die Baufirma ihre Leistungen fertiggestellt hat: Das sind dann Sachen wie das tapezieren, das Verlegen der Böden oder Fliesen“, sagt Patla.

Nicht nur termintechnisch können Eigenleistungen zu Problemen führen, eventuell verliert der Bauherr gar einige Gewährleistungsrechte. Denn die wenigsten Baufirmen übernehmen für diese Fremdleistungen Garantie. Wer dennoch nicht aufs Anpacken verzichten möchte, sollte seine Tätigkeiten klar von denen der Baufirma abgrenzen. Sind die Grenzen nicht klar gezogen, kann auch für vorherige oder nachfolgende Arbeiten die Gewährleistung verloren gehen – und das den Bauherren dann teurer zu stehen kommen, als das Engagement eines Profis. „Nicht selbst sollte man zum Beispiel Leistungen erledigen, die im normalen Bereich des Bauunternehmers liegen – wie Elektroarbeiten“, warnt daher auch der Sachverständige des VPB.

Selbst wenn der beste Kumpel Elektriker ist und nach Feierabend auf der Baustelle aushilft: Gegenüber Helfern kann der Häuslebauer keine Regressansprüche geltend machen. Noch dazu müssen etwaige Helfer bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) gemeldet werden, auch wenn sie umsonst mit anpacken. „Gemeldete Helfer haben dafür dann automatisch eine Unfallversicherung“, erklärt Patla. Zusätzlich kann auch eine private Bauhelfer-Unfallversicherung abgeschlossen werden.

Wie viel Bauherren durch Eigenleistungen sparen können, zeigt Ihnen diese Grafik:

Grafik: bauen.de, Symbolbilder: andròmina / fotolia.com

Zu guter Letzt: Unterlagen aufbewahren

Mit einem Bauvorhaben gehen unzählige Entscheidungen einher, von der Grundstücksauswahl über die Finanzierung hin zur tatsächlichen Hausplanung. Hat der Hausbau dann begonnen, könnten sich Bauherren eigentlich entspannt zurücklehnen. Doch es lohnt sich, während des Baus regelmäßig auf die Baustelle zu gehen und Fotos zu schießen. So kann beispielsweise der Verlauf von Rohren und Leitungen anschaulich dokumentiert und später besser nachvollzogen werden.

Legen Sie also zu Ihren persönlichen Unterlagen nicht nur sämtliche Vertragspapiere mit den beauftragten Firmen, sondern auch datierte Fotos.

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