Schlüsselfertig bauen - Pro und Kontra

Man sollte meinen, der Begriff schlüsselfertig bauen sei doch eindeutig. Aber weit gefehlt, unter den Anbietern scheint babylonische Sprachverwirrung zu herrschen. Bauherren sollten deshalb schon bei der Bauplanung genau hinschauen und im Zweifelsfall auch nachbohren.

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Schlüsselfertig klingt vielversprechend und verheißt entspanntes Bauen. Foto: WeberHaus

Schlüsselfertig bauen ist meist teuer. Wer sich deshalb für ein Bausatzhaus interessiert, kalkuliert bewusst ein, dass ihn ein gehöriges Maß an Eigenleistungen erwartet, weil er im Wesentlichen nur das erforderliche Material auf die Baustelle geliefert bekommt. Ist der Bauherr weniger tatendurstig, aber dennoch auf deutliche Einsparungen mittels Eigenleistungen aus, wird er sich für ein Ausbauhaus entscheiden.

Schlüsselfertig bauen - ein dehnbarer Begriff

Es gibt jedoch Bauherren, die haben gar nicht die Zeit oder bisweilen auch nicht die Fertigkeiten, um nach Feierabend mitzuhelfen, dass das neu entstehende Haus fertig wird. Deshalb liegt der Gedanke nahe, über einen Bauträger oder eine Hausbaufirma ein Heim schlüsselfertig bauen zulassen. Schließlich meint der vorurteilsfreie Kunde, etwas Fertiges sei auch vollendet und er brauche nur noch den Hausschlüssel in Empfang zu nehmen und einzuziehen.

Doch manche Anbieter legen den Begriff schlüsselfertig bauen sehr großzügig aus. Im extremen Fall steht nur die bauliche Hülle; das Haus sei doch, so der Unternehmer - zumindest von außen gesehen - fertig und abschließbar, in seinem Sinne eben schlüsselfertig. Eindeutige gesetzliche Bestimmungen oder wenigstens eine allgemein anerkannte Definition kann man ihm leider nicht entgegenhalten, denn es gibt sie schlichtweg nicht.

Eigenleistungen - nein danke?

Heute hat es sich auf dem Markt der Hausanbieter weitgehend eingebürgert, Häuser bereits dann als schlüsselfertig zu bezeichnen, wenn nur noch die Maler- und Teppicharbeiten fehlen. Dahinter steckt ein unausgesprochener Kompromiss zwischen Anbietern und Käufern. Die meisten Bauherren wollen oder müssen heutzutage Eigenleistungen einbringen und das gelingt am besten beim letzten Schliff am Haus, dem Malern oder Tapezieren und dem Verlegen des Bodenbelages. Dem Bauträger oder Generalübernehmer ist das recht, schließlich erntet er bei diesen Arbeiten oft viel Kritik bei wenig Gewinn.

Bauherren sind also gut beraten, wenn sie sich die Baubeschreibung für ihr künftiges Eigenheim in Ruhe vornehmen und genau nachsehen, ob das schlüsselfertig gelieferte Haus auch tatsächlich bezugsfertig ist, sie also ohne Wenn und Aber mit den Möbeln anrücken und einziehen können - und das, ohne selbst Hand anlegen zu müssen.

Fester Endpreis und fixer Fertigstellungstermin

Wer sich entscheidet, schlüsselfertig zu bauen, hat ein Endprodukt im Auge, das zwei wesentliche Vorteile bieten soll: Zum ersten wird für ein solches Haus im Bauträger- oder Werkvertrag ein fester Preis vereinbart. Es ist üblich, um nicht zu sagen unabdingbar, diesen nach Baufortschritt zu untergliedern. Ein entsprechender Zahlungsplan, der auch der Bank vorzulegen ist, sichert, dass der Bauherr in Teilschritten bezahlt, was nach und nach gebaut wurde. Der wichtigste Vorteil des schlüssel- oder bezugsfertigen Hauses besteht also darin, dass man sich ein Fertig- oder Endprodukt liefern lässt und deshalb die Baukosten vertraglich fest vereinbart sind. Das kann sich nur ändern, wenn die Bauherren nachträglich Änderungswünsche oder Zusatzleistungen anmelden. Dann muss der Endpreis neu verhandelt werden. Und wenn der Hausverkäufer noch so nett ist, es versteht sich von selbst, darüber schriftliche Vereinbarungen zu schließen. Der zweite Vorteil: Schlüsselfertig bauen heißt, bereits bei Vertragsabschluss den Fertigstellungstermin zu kennen. 


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