Zehn Tipps für angehende Solarstromer

Solarstrom ist umweltfreundlich und Hauseigentümer können dank Förderungen mit einer Photovoltaikanlage auch Geld verdienen - nicht nur bei maximaler Einspeisevergütung. bauen.de erläutert, worauf angehende Solarstromerzeuger achten sollten.
Frank Kemter
Photovoltaikanlage, Photovoltaik-Anlage, Sonnenkraftwerk, Einspeisevergütung
Sonnenkraftwerk auf dem Dach: Durch die Einspeisevergütung refinanziert sich die eigene Photovoltaikanlage. Foto: BSW-Solar/SunTechnics

1. Dach begutachten: Zustand, Ausrichtung, Sonneneinstrahlung

Nicht jedes Dach ist für eine Solaranlage gleich gut geeignet. Ideal sind Dächer mit einer Südausrichtung und einer Neigung von rund 30 Grad - und das am besten in einer sonnenreichen Gegend. Doch auch bei Abweichungen der Ausrichtung nach Osten oder Westen erlauben Solaranlagen noch ordentliche Erträge. Experten halten es bei einer Abweichung von 45 Grad in die eine oder andere Himmelsrichtung immer noch für realistisch, dass 90 bis 95 Prozent der Strommenge gegenüber der optimalen Ausrichtung produziert werden können.

Wichtig für die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage ist auch die regionale Sonneneinstrahlung. Sie ist in Deutschland sehr unterschiedlich, die Differenzen sind beileibe nicht so klein, dass sie keinen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit hätten. Auch hier gilt: Im Norden Deutschlands sind die Erträge geringer als im Süden.

2. Angebote einholen

Auch bei einer Photovoltaikanlage gibt es große Preis- und Qualitätsunterschiede. Für den Laien ist das Angebot oft unübersichtlich - übermäßig optimistische Versprechungen sollten deshalb zunächst misstrauisch machen. Da eine Photovoltaikanlage nicht gerade billig sind, lohnt es sich allemal, mehrere Angebote einzuholen. Außerdem sollte man sich in seiner Umgebung nach anderen Häusern mit Solaranlagen umsehen und deren Bewohner nach ihren Erfahrungen fragen.

3. Angebote gezielt vergleichen und beurteilen

Ob ein Angebot günstig oder teuer ist, kann ein Laie ebenfalls nur schwer abschätzen. Doch spezielle Seiten im Internet helfen, Klarheit zu schaffen. In dem Forum www.photovoltaikforum.com diskutieren Solarbegeisterte und Fachleute rege. Hier ist es unter anderem auch möglich, erhaltene Angebote für eine Photovoltaikanlage einzustellen und von anderen Nutzern hinsichtlich Qualität und Preis-/Leistungsverhältnis beurteilen zu lassen. >> zum Photovoltaik-Forum 

Eine grobe Faustformel für die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage haben die Nutzer dieses Forums übrigens auch aufgestellt. Demnach darf eine Anlage maximal so viel kosten, wie die Einspeisevergütung für den Solarstrom innerhalb von zehn Jahren einbringt. 

Derzeit (2013) kann man von Preisen zwischen rund 1.500 bis 2.500 Euro pro installiertem kWp (Kilowatt/Peak = maximale Leistung unter standardisierten Bedingungen) Leistung ausgehen - je nach Region, Größe und Qualität der Anlage.

4. Keine Baugenehmigung nötig - trotzdem beim Bauamt nachfragen

Eine Photovoltaikanlage, die auf dem Dach montiert wird, ist zwar im Allgemeinen nicht genehmigungspflichtig. Dennoch sollte man sicherheitshalber bei der örtlichen Baubehörde nachfragen, denn es kann durchaus Fallstricke geben. Dies betrifft vor allem denkmalgeschützte Gebäude, für die oft die Erlaubnis verweigert wird. Auch dann, wenn das Erscheinungsbild eines Gebäudes durch eine Solaranlage ganz erheblich verändert wird, kann es im Einzelfall zu Problemen kommen.

5. Finanzierung durchrechnen

Banken verlangen für eine Photovoltaikanlage oft einen Eigenkapitalanteil von rund 25 Prozent. Günstige Förderkredite gibt es von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Außerdem kann es sich lohnen, bei der Gemeinde nach eventuellen regionalen Förderprogrammen nachzufragen.

Die Zinsen sind außerdem seit längerer Zeit auf einem niedrigen Niveau. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) sieht zudem eine Einspeisevergütung vor, bei der der Solarstromerzeuger gesetzlich garantiert 20 Jahre lang eine bestimmte Summe für jedes eingespeiste Kilowatt Solarstrom erhält.

6. Rentabilität berechnen

Wenn eine Photovoltaikanlage die laufenden Kosten erwirtschaftet, heißt das noch nicht, dass sie auch betriebswirtschaftlich rentabel ist. Eine genaue Rentabilitätsberechnung ist deshalb hilfreich. Rendite-Rechner für die Photovoltaikanlage finden sich auch im Internet. Hier kann man nach Eingabe einer Vielzahl von relevanten Parametern, unter anderem der Erträge aus der maximalen Einspeisevergütung, ausrechnen, wie sich die Photovoltaikanlage rechnet und welcher Überschuss (oder auch Fehlbetrag) sich im Laufe der Jahre aus betriebswirtschaftlicher Sicht ergibt. >> zum Photovoltaik-Renditerechner 

7. Vorbereitungen vor Bau der Photovoltaikanlage

Vor dem Bau der Photovoltaikanlage aufs Dach ist jenes sorgfältig zu überprüfen. Denn die Solaranlage soll mindestens 20 Jahre bestehen. Schadhafte Stellen auf dem Dach müssen deshalb vorher sorgfältig repariert werden. Ist das Dach schon alt und am Ende seiner Nutzungsdauer angelangt, kann es sinnvoll sein, erst das Dach zu sanieren und dann die Photovoltaikanlage zu installieren.

Zudem ist zu bedenken, dass neue Stromkabel von der Anlage bis hin zum Zählerschrank verlegt werden müssen. Sind passende Leerrohre vorhanden, ist das kein Problem. Ansonsten muss die Verkabelung entweder Aufputz erfolgen oder Unterputz. Im Zählerschrank wird mindestens ein weiterer Zähler benötigt, damit man die eingespeisten Kilowattstunden auch abrechnen kann. Will man den selbst erzeugten Solarstrom auch selbst nutzen und trotzdem die Förderung bekommen, ist noch ein dritter Zähler notwendig.

8. Versicherungen und Garantien

Von einer Photovoltaikanlage gehen kaum Risiken aus, ein Versicherungsschutz ist dennoch sinnvoll. Betriebshaftpflichtversicherungen kommen für Schäden auf, wenn sich infolge eines Unwetters Teile der Anlage lösen und beispielsweise Passanten verletzen. Die Photovoltaikanlage selbst lässt sich über die Wohngebäudeversicherung mitversichern.

Doch Vorsicht: Da die Solarzellen an sich einen hohen Wert haben, muss dies explizit mit der Versicherung vereinbart werden. Ansonsten kann es sein, dass die versicherte Schadenssumme nicht ausreicht. Übrigens: Auch Ausfallversicherungen gibt es. Sie zahlen die entgangenen Stromerträge, wenn die Anlage beschädigt oder zerstört wird.

9. Einspeisevertrag mit Netzbetreiber

Die Netzbetreiber sind verpflichtet, den Solarstrom zu festen Vergütungen abzunehmen. Und diese liegen deutlich über den Preisen des Stroms, die Endverbraucher üblicherweise zahlen. Diese Bevorzugungen sind politisch gewollt und im Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) geregelt. Die aktuellen Sätze für die Einspeisevergütung finden sie hier.

Angehende Solarstromerzeuger müssen deshalb einen Einspeisevertrag mit dem Eigentümer des Stromnetzes (der in der Regel auch gleichzeitig der örtliche Platzhirsch unter den Stromanbietern ist) abschließen. Da jedoch Vertragsfreiheit herrscht, sind die Verträge mancher Anbieter in Details wenig vorteilhaft für den Verbraucher. So werden von manchen Netzbetreibern stolze Mieten für den Einspeise-Stromzähler verlangt oder bestimmte Haftungsrisiken sind ungleich verteilt. Ob ein Vertragswerk fair oder unausgeglichen ist, kann man als Laie jedoch oft schwer abschätzen.

Einen Mustervertrag und die Bewertung zahlreicher Vertragswerke unterschiedlicher Anbieter hat die Solarstromzeitschrift Photon im Internet veröffentlicht: Photon: Aktion Einspeisevertrag.

10. Hobby-Stromerzeuger sind Unternehmer: Keine Mehrwertsteuer

Wer sich für eine Photovoltaikanlage entscheidet, wird zum Unternehmer - zumindest vor dem Finanzamt. Vorteil: Die in der Rechnung des Solarteurs enthaltene Mehrwertsteuer bekommen Sie zurück. Der Energieversorger erstattet neben der Einspeisevergütung auch die Mehrwertsteuer für den eingespeisten Strom. Diese muss aber wieder an das Finanzamt abgeführt werden.

Gewinne und Verluste, die im Laufe des 20-jährigen Förderzeitraums anfallen, sind ebenfalls steuerlich relevant - bei Gewinnen zahlt man, bei Verlusten verringert sich die Steuerschuld.

verfasst am: 21.02.2013
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