Altlasten beim Grundstückskauf?

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Seit Inkrafttreten des BBSchG (Bundes-Bodenschutzgesetzes) im Jahre 1999 ist genau definiert, was Altlasten im amtlichen Sinne darstellen. Davon betroffen sind meist ehemalige Industriestandorte, Gewerbegebiete, Fabrikgelände, Truppenübungsplätze, Gruben oder Schutthalden. Verantwortlich sind die Bundesländer, die hierüber sogenannte Altlastenkataster führen. Doch was hat das kleine Baugrundstück fürs Eigenheim damit zu tun?

Die meisten Altlasten im Boden sind schon beim Graben zu erkennen. Unsichtbare Verunreinigungen werden spätestens im Labor entlarvt. Foto: Bayerische Landesamt für Umwelt in Augsburg Foto: Bayerische Landesamt für Umwelt in Augs

Im Grunde sind Altlasten früher einmal begangene große oder kleine Umweltsünden; denn nicht immer waren unsere Vorfahren bei der Bewirtschaftung ihres Grundbesitzes ohne Fehl und Tadel. So war es oft nicht unüblich, alten Hausrat, Scherben aus Ton und Glas oder Eisenteile auf dem eigenen Grundstück zu entsorgen.

Wer solche Sachen heute gelegentlich im eigenen Garten ausgräbt, wird das als lästig, aber kaum als gefährlich empfinden. Anders verhält es sich natürlich mit Stoffen, die nicht in den Boden gehören, weil sie die Gesundheit gefährden oder gar giftig sind. Die gängigsten Übel im Erdreich sind Öl, Altreifen, Elektronikschrott, diverse Chemikalien, Hausmüll oder Bauschutt. Sie alle haben den Namen Last verdient, denn sie belasten die Umwelt und die Geldbörse desjenigen, der sie sachgerecht entsorgen muss – der jeweilige Grundstückseigentümer nämlich.

Bodengutachten: Auf Nummer sicher gehen

Käufer von Baugrundstücken sind im Hinblick auf mögliche Altlasten deshalb bisweilen verunsichert. Sie können sich aber mehrfach absichern. Haben sie sich erst einmal für ein bestimmtes Baugrundstück entschieden, ist es ratsam, ein Bodengutachten anfertigen zu lassen. Es kostet bei vier Probebohrungen zwischen 1.000 und 1.500 Euro. Das scheint vergleichsweise wenig, wenn man an die Gesamtkosten des Hausbaus oder an spätere gerichtliche Auseinandersetzungen denkt.

Zudem sollten die Käufer darauf achten, dass der Verkäufer im notariellen Kaufvertrag versichert, dass ihm keine Altlasten bekannt seien. Diese Formulierung soll davor schützen, dass der Vorbesitzer Bodenverunreinigungen böswillig verschweigt, weil er sonst in Regress genommen werden kann. Ist dem Voreigentümer jedoch keine Schuld nachzuweisen, wird es schon schwieriger, einen Schadensersatzanspruch geltend zu machen. In jedem Fall ist den Käufern zu empfehlen, sich vom Notar hierzu ausführlich beraten zu lassen.

Und: Auch verrotteter Hausmüll oder vergleichsweise harmloser Ziegelschutt stellen eine Altlast auf dem Grundstück dar, insbesondere dann, wenn sie großflächig ausgebaggert werden müssen, damit der Untergrund seine Tragfähigkeit für Fundamente wiedergewinnt.

Der Blick ins Altlastenkataster lohnt

Auch eine, meist kostenpflichtige, Anfrage beim zuständigen Altlastenkataster oder beim Bauamt kann nützlich sein, wenn Käufer einen Verdacht hegen oder einfach auf Nummer sicher gehen wollen. Der Gesetzgeber meint nämlich: Die Kenntnis von Verdachtsflächen schützt gutgläubige Bürger vor dem ungewollten Erwerb von Altlasten und damit vor einem hohen finanziellen Risiko.


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