Das mobile Haus: Varianten, Ausstattung, Kosten

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Mobile Häuser haben entweder eigene Räder oder können mithilfe eines Krans und LKWs den Standort wechseln. Warum die Stellplatzsuche nicht so einfach ist, was mobile Häuser kosten und worauf man bei der Herstellerwahl achten sollte.

 Mobiles Haus, Tiny House am Waldrand, Foto: ppa5 / stock.adobe.com
Hat schon was, so ein gemütliches Häuschen im Wald. Um einen solchen Stellplatz zu finden, muss man aber großes Glück haben. Foto: ppa5 / stock.adobe.com

Das mobile Haus gehört in die Kategorie der Minihäuser beziehungsweise der Tiny Houses. Denn: Dass sich die Häuser überhaupt bewegen lassen, verdanken sie ihrer geringen Größe und ihrem begrenzten Gewicht. Die aus den USA stammende Bauform fasziniert auch in Deutschland immer mehr Menschen. Rund 400 mobile Häuser werden in Deutschland pro Jahr gebaut, Tendenz steigend.

Info

Mobiles Haus oder Tiny House?

Begriffe für neue Wohnformen und Haustypen müssen sich erst etablieren. So auch in diesem Fall. Ab wann ein Haus als mobil bezeichnet werden kann und was genau ein Tiny House ist, ist nicht ganz trennscharf. Regina Schleyer vom 2019 gegründeten Tiny House Verband schlägt folgende Definition vor: „Ein Tiny House sollte eine Grundfläche von weniger als 50 Quadratmetern haben, es sollte mobil sein und am Standort sollte keine Bodenversiegelung stattfinden.“ Und damit wäre jedes Tiny House im Grunde auch ein mobiles Haus.

Die zwei Varianten des mobilen Hauses

Mehr als 60 Hersteller, in der Mehrzahl kleinere Betriebe mit Wurzeln im Handwerk und Holzbau, bedienen in Deutschland derzeit die Nachfrage nach mobilen Häusern. Stilistisch ist dabei alles vertreten: vom minimalistischen Kubus über das Schwedenhaus bis zum umgebauten Zirkuswagen. Was die Größe und Beweglichkeit der Häuser betrifft, haben sich zwei Varianten durchgesetzt:

Mobiles Haus auf Rädern

mobiles Haus, Haus auf Rädern als Anhänger eines Pick-Ups. Foto: Tiny House Diekmann
Einfach zusammenpacken und woanders hinfahren: Mit einem mobilen Haus ist das grundsätzlich möglich. Foto: Tiny House Diekmann

Dieser Typus des mobilen Hauses wird direkt auf einen Trailer gebaut. Straßenverkehrsrechtlich ist das „Tiny House on Wheels“ (THoW) einem Wohnanhänger gleichgestellt. Für den Transport im Straßenverkehr darf es das Maximalgewicht von 3,5 Tonnen nicht überschreiten, braucht eine gültige TÜV-Zulassung und eine eigene Haftpflichtversicherung. Der Fahrer des Zugfahrzeuges muss über den sogenannten „Anhängerführerschein“ der Klasse BE verfügen. Im Inneren kommen THoWs auf eine Wohnfläche zwischen 12 und 20 Quadratmeter, mit eingezogener Hochebene auf bis zu 25 Quadratmeter. Je nach Bauform lassen sich mehrere dieser Wohnwagen zu einem größeren mobilen Haus verbinden.

Mobil – aber ohne eigene Räder

mobiles Haus, Modulhaus mit Terrasse, Foto: Onoxo Home
Wenn ein solches Haus steht, steht es erstmal. Es kann bewegt werden, dafür wird aber Kran und Tieflader benötigt. Foto: Onoxo Home

Daneben gibt es aber auch mobile Häuser ohne eigene Räder. Diese Häuser können größer gebaut werden als die Variante mit Rädern, bleiben aber dennoch unter 50 Quadratmetern Grundfläche. Zum Bewegen dieser Mobilheime ist ein separates Transportfahrzeug nötig, in der Regel ein Tieflader. Das Haus muss dabei als ordentlich gesicherte Ladung zertifiziert sein, zum Führen des Transportfahrzeugs ist ein LKW-Führerschein erforderlich. Die meisten Hersteller bieten den Transport deswegen als Serviceleistung an. Am Stellplatz angelangt, wird das Haus auf einem Schraub- oder Punktfundament fixiert, es findet also keine Bodenversiegelung statt. Ohne eigene Räder sind diese mobilen Häuser auch für außergewöhnliche Stellplätze geeignet, zum Beispiel auf dem Flachdach eines Mehrfamilienhauses. Auch bei dieser Bauweise und je nach Hersteller sind mehrere Einheiten kombinierbar.

Einrichtung und Ausstattung

Auf kleinstem Raum müssen alle Wohnfunktionen abgedeckt werden: Kochen und Essen, Wohnen, Schlafen und der Sanitärbereich, inklusive der benötigten Technik und aller Anschlüsse. Da sind multifunktionale und intelligente Lösungen gefragt und ein genauer Zuschnitt auf die Bedürfnisse des Bewohners. Bei der Firma Tiny House Diekmann aus Hamm, Deutschlands größtem Hersteller, sind deshalb rund 80 Prozent aller verkauften Häuser Individualplanungen. Inhaber Stefan Diekmann: „Platz ist im Tiny House ein so knappes Gut, dass der Raum die Prioritäten der Bewohner genau abbilden sollte.“

Mobile Häuser sind in der Regel so ausgestattet, dass sie am Stellplatz an das lokale Stromnetz sowie an die Wasserzufuhr und Abwasserentsorgung angeschlossen werden können. „Natürlich ist es auch möglich, so ein Haus komplett autark auszurüsten“, sagt Diekmann. „Bei den meisten Stellplätzen ist der Anschluss ans Abwassernetz allerdings obligatorisch.“ Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach ist bei mobilen Häusern aber weit verbreitet.

mobiles Haus, Igluhut, Foto: iglucamping.com
Große Fenster, Schlafkoje. Der Innenraum einer Igluhut – einer Igluhütte. Foto: iglucamping.com
mobiles Haus, Küche im Tiny House, Foto: Addictive / iStock.com
Die Küche ist gleichzeitig Treppe zum Schlafbereich. Foto: Addictive / iStock.com
mobiles Haus, Innenaufnahme eines Tiny Houses, Foto: Tiny House Diekmann
So hell und geräumig kann das Innere eines mobile Houses aussehen. Foto: Tiny House Diekmann

Das mobile Haus im Winter

Obwohl mobile Häuser praktisch nur aus Außenwänden bestehen, sind die meisten von ihnen so konzipiert, dass sie rund ums Jahr genutzt werden können. Sie sind hocheffizient gedämmt und beheizbar.

Bei der Wahl des Heizungssystems müssen verschiedene Aspekte berücksichtigt werden: Die Wärme sollte schnell zur Verfügung stehen, gut zu regulieren sein und auch den Fußboden wärmen. Außerdem sollte das System wenig Platz beanspruchen, ausreichend Luftaustausch ermöglichen und mit den Regularien des jeweiligen Stellplatzes kompatibel sein. Möglich sind beispielsweise Luftwärmepumpen, elektrische Infrarotheizungen, Gasheizungen oder Holz- beziehungsweise Pelletöfen. Diekmann: „Welches Heizungssystem am besten geeignet ist, hängt auch davon ab, wie das Tiny House später genutzt werden soll und wo es stehen wird. Am besten wird die Heizung deshalb individuell geplant.“

Stellplätze – nicht so leicht zu finden

Die Frage nach dem Standort des mobilen Eigenheims spielt eine größere Rolle, als es jemandem, der eigentlich ortsunabhängig sein möchte, lieb sein kann. Denn anders als es manches Werbebild suggeriert, darf man mobile Häuser in Deutschland nicht auf jede Obstwiese stellen. Selbst wenn Freunde einem bereitwillig ein Stück in ihrem Garten zur Verfügung stellen, heißt das dennoch nicht, dass dieser Stellplatz auch rechtens ist. Dass es in Deutschland noch keine gültige Legaldefinition des Begriffes „Tiny House“ gibt, erschwert die Lage zusätzlich.

„Wo man sein Tiny House in Deutschland abstellen darf, hängt vor allem davon ab, ob man darin ganzjährig wohnen oder sich nur am Wochenende und im Urlaub dort aufhalten möchte,“ erläutert Schleyer vom Tiny House Verband. „In beiden Fällen fällt das Tiny House aber unter das Baurecht der jeweils geltenden Landesbauordnung.“ Das heißt: ein Grundstück muss zur Wohnbebauung vorgesehen sein, damit man dort ein mobiles Haus dauerhaft abstellen und bewohnen darf.

mobiles Haus, Siedlungen mit mehreren Igluhütten, Foto: www.iglucamping.com
So könnte eine Tiny-Siedlung-Aussehen. Abgebildet ist allerdings ein Campingdorf zum Probewohnen im Mobi-le House. Foto: www.iglucamping.com

Mobile Häuser für Wochenende und Freizeit

Für die Wochenend- und Freizeitnutzung kommen als Stellplatz Grundstücke im Außenbereich der Kommunen in Frage, die als Erholungsgebiete und für die Errichtung von Ferienhäusern ausgewiesen und erschlossen sind. Dort dürfen Häuser mit einer Grundfläche von weniger als 50 Quadratmetern in vielen Fällen verfahrens- und genehmigungsfrei aufgestellt werden. Genaue Auskunft erteilt die zuständige Baubehörde. Auch Campingplätze sind eine Möglichkeit, ein mobiles Haus aufzustellen.

Hauptwohnsitz Tiny House

Wer sein Tiny House ganzjährig bewohnen möchte, hat es schwerer bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück. Die Nutzung als fester Wohnsitz macht aus einem mobilen Haus nämlich ein reguläres Wohngebäude. Als solches darf es nur im Innenbereich der Kommunen auf einem Grundstück stehen, welches im Flächennutzungsplan für die Wohnbebauung vorgesehen ist. Auch hier muss das Grundstück an die Wasser- und Stromversorgung angeschlossen sein. Außerdem hat sich auch ein Tiny House in Form und Gestaltung an die geltenden Bebauungsvorschriften zu halten.

Bei der Baubehörde vor Ort muss für das Tiny House ein Bauantrag gestellt werden, eingereicht von einem Bauvorlageberechtigten und zusammen mit allen erforderlichen Bauvorlagen. Dabei ist auch nachzuweisen, dass das Tiny House gemäß des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) gebaut wurde.

Diverse Hersteller mobiler Häuser bieten ihren Kunden mittlerweile Serviceleistungen rund um das Thema Stellplatzsuche und Bauantrag an. Auch lohnt es sich, am gewünschten Wohnort schon im Vorfeld einmal Kontakt mit der Baubehörde aufzunehmen und sich nach bereits bestehenden alternativen Siedlungsprojekten zu erkundigen, in die man sich mit seinem Tiny House vielleicht einfügen kann.

Einen Überblick über Stellplätze, die ausdrücklich als Tiny-House-Stellplatz ausgewiesen sind, gibt es bei einigen lokal organisierten Tiny-House-Vereinen sowie beim Tiny-House-Verband, der auf seiner Website deutschlandweit ausgeschriebene Stellplatzprojekte publik macht und Informationsmaterial für Kommunen zum Umgang mit dem Thema bereitstellt.

Link-Tipp

Weiter Infos zum Tiny House Verband gibt es direkt auf der Webseite des Verbands.

Kosten für Haus, Transport und Versicherung

Wer ein mobiles Haus kaufen möchte, wird bei den Herstellern je nach Ausstattung zu Preisen zwischen 40.000 und 80.000 Euro fündig. Die Preise sind abhängig von der Größe, der Ausstattung und der Ausbaustufe. Bei größeren Tiny Houses ohne Rädern reicht die Preisspanne bis zu 120.000 Euro.

Für den Transport fallen zusätzliche Kosten an. Dasselbe gilt für Serviceleistungen, die vom Hersteller angeboten werden, wie das Stellen einer Bauvoranfrage oder eines Bauantrags.

Wie bei jedem anderen Wohngebäude empfiehlt sich auch für das Tiny House der Abschluss einer Versicherung. Brand, Einbruch, Wetterschäden, Transportschäden beim Stellplatzwechsel sowie eine Haftpflichtversicherung für Haus und Grund: Zwar gibt es nur wenige Versicherungsanbieter, die speziell zugeschnittene Pakete für mobile Häuser im Programm haben, aber es gibt sie und für einen Betrag um die 20 Euro pro Monat kann man das eigene mobile Haus umfassend absichern.

Ist ein mobiles Haus das Richtige für mich?

„Wer herausfinden will, ob das Leben im Tiny House zu einem passt, sollte einfach mal im Urlaub oder bei einem der Hersteller probewohnen,“ rät Schleyer. Im Internet gibt es zahlreiche Erfahrungsberichte und eine aktive Community. Anregung gibt’s auch auf dem Tiny-House-Festival New Housing, das einmal im Jahr in der Messe Karlsruhe stattfindet. Wer dann ernst machen will mit dem eigenen mobilen Tiny House, sollte sich auf jeden Fall verschiedene Hersteller anschauen. „Menschen, die sich für das Leben in einem mobilen Haus interessieren, legen meist viel Wert auf Freiheit und Selbstbestimmung,“ weiß Diekmann. „Sie sollten auf jeden Fall mehrere Möglichkeiten prüfen, bevor sie sich für ein bestimmtes Haus entscheiden.“

02.03.2021


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