Drechselbank: Erst vergleichen, dann kaufen

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Drechseln gehört zu einem der ältesten Handwerke in Deutschland. Dabei lassen sich nicht nur Rotationskörper wie Kugeln, Tischbeine, Schalen oder Kugelschreiber anfertigen, sondern auch verschiedene Materialien wie Holz, Plexiglas, Acryl oder Polyester verarbeiten. Wer sich eine Drehbank zulegen möchte, sollte sich aber nicht nur über Produkt-Tests informieren, sondern genau hinsehen.

Drechseln ist nicht nur ein Beruf mit einer dreijährigen Ausbildung, sondern für viele auch ein kreatives Hobby. Wie fast jedes Handwerk bietet es viele Verfahrens- und Gestaltungsmöglichkeiten. Ob größere Gegenstände wie Treppenstäbe und verschiedene Säulenarten oder kleinere Knöpfe, Schreibgeräte und Dosen – wie gut ein Ergebnis wird, hängt neben Geduld und handwerklichen Geschick auch vom Fachwissen und der Drechselbank ab.  – aber auch von der Qualität der Drechselbank. Daher lohnt es sich, vor dem Kauf Produkt-Tests zu vergleichen.

Drechselbank: Hier vergleichen

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VergleichssiegerPreis- Leistungssieger
ModellHolzstar DB 450Berlan BHD350Record Power DML 305Proxxon 27020 DB 250
Preis (23.02.17)316,89 €105,95 €419,95 €130,00 €
Leistungsaufnahme370 Watt350 Watt500 Watt100 Watt
max Drehzahl2.800 U/min2.480 U/min3.250 U/min5.000 U/min
max Werkstücklänge450mm1.000mm393mm250mm
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Drechselbank, Produkt, Vergleich, Foto: iStock/CarlosAndreSantos
Damit’s beim Drechseln rundläuft, sollte vor dem Kauf einer Drechselbank ein Produkt-Vergleich stattfinden. Foto: iStock/CarlosAndreSantos

Was ist eine Drechselbank?

Eine Drechselbank, auch Drehbank oder Drehmaschine genannt, ist eine elektrisch betriebene Maschine, mit der sich Rotationskörper herstellen lassen, also Gegenstände, die dadurch entstehen, dass sie sich um die eigene Achse drehen und dabei bearbeitet werden Dabei bewegt sich ausschließlich das Werkstück, das der Drechsler mit dem Drechselmesser oder –eisen in die gewünschte Form bringt. Der Aufbau einer Drechselbank hat sich seit ihrer Entwicklung kaum verändert. Ihre grundlegenden Komponenten  sind

Drechselbank, Maschinenbett, Foto: Stürmer Maschinen GmbH
Die Ständer einer Drechselbank bestehen zumeist aus Gusseisen. Foto: Stürmer Maschinen GmbH
  • Maschinenbett: Das Grundgerüst der Drechselbank, bestehend aus zwei Ständern, auf denen zwei horizontale Wangen liegen. In den meisten Fällen sind die Ständer aus Gusseisen, um einen sicheren Stand zu garantieren. Die Lücke zwischen den beiden Wangen dient dazu, die anderen Komponenten zu befestigen. Die Größe und auch die Länge des Maschinenbetts sind sehr variabel. Somit lassen sich Objekte unterschiedlicher Größe damit bearbeiten.
Drechselbank, Spindelstock, Foto: Stürmer Maschinen GmbH
Das wichtigste Bauteil einer Drehbank: der Spindelstock. Foto: Stürmer Maschinen GmbH
  • Spindelstock: Das wichtigste Bauteil, das aus Lagerbock, einer beidseitigen Horizontallagerung, einer Spindelwelle und den Riemenscheiben besteht. Der Spindelstock befindet sich auf der linken Seite der Drechselbank. Dabei überträgt die Hohlspindel oder -welle die Drehbewegung auf das Werkstück. Dieses wird mitunter mit einem Mitnehmer oder Backenfutter befestigt.
Drechselbank, Reitstock, Foto: Stürmer Maschinen GmbH
Sorgt bei der Drechselbank für einen sicheren Halt des Werkstücks: der Reitstock. Foto: Stürmer Maschinen GmbH
  • Reitstock: Er stützt längere Werkstücke mit einer Zentrierspitze ab und ist meistens auf der rechten Maschinenseite angebracht. Wie das Maschinenbett ist auch er zumeist aus Gusseisen gefertigt. Das Werkstück wird zwischen Reitstück und Spindelstock eingespannt. Hierfür wird zumeist eine Spindel mit Körnerspitze verwendet.
Drechselbank, Handauflage, Foto: Stürmer Maschinen GmbH
Die Handauflage bei einer Drechselbank stützt nicht nur die Hand, sondern auch das Werkzeug ab. Foto: Stürmer Maschinen GmbH
  • Handauflage: eine der wichtigsten Komponenten, die flach auf dem Tischbett aufliegt. Der Drechsler kann sie individuell einstellen und dort seine Hände sowie sein Werkzeug abstützen. Je länger die Handauflage ist, desto mehr neigt sie zu Schwingungen. Ist sie sehr schmal, muss während des Drechselns öfters nachgestellt werden.

Zusätzlich zu diesem Grundaufbau kann eine Drechselbank mit zusätzlichen Bauteilen ausgestattet werden:

  • Kugeldreheinrichtung: Diese wird direkt am Maschinenbett befestigt und ist speziell für das Drehen einer Holzkugel vorgesehen.
  • Lünetten: eine zusätzliche Komponente für das Aufstützen langer Werkstücke.
  • Ovaldrehwerk: Zusatzkomponente für das Drehen ovaler Gegenstände.

Die Funktionsweise einer Drechselbank

Bevor es losgehen kann, muss das Werkstück entweder zwischen Reitstock und Spindelstock oder einseitig mit einem Futter am Spindelstock befestigt werden. Von Vorteil ist es dabei, die beiden Enden mit der Säge abzuschneiden, um eine gerade Fläche zu erhalten. Damit das Holz beim Drechseln nicht wegrutscht, sollte die Mitte auf beiden Seiten ermittelt und markiert werden. Auf diese Punkte treffen von links und rechts Reitstock und Spindelstock, auf dem die Mitnehmerspitze aufgesteckt ist. Im Anschluss wird das Werkstück festgedreht – nicht zu fest, da ansonsten das Holz platzen könnte. Ist das Stück platziert, kann die Geschwindigkeit beziehungsweise die Keilriemenstärke eingestellt werden. Bei kleinen Teilen reichen dabei kleinere Stufen – auch weil somit weniger Unwucht entsteht.

Im Anschluss folgt die Einstellung der Handauflage: Die breiteste Seite des Werkstücks sollte dabei parallel gegenüber der Handauflage liegen. Diese sollte sehr nah zum Werkstück eingestellt werden, allerdings darf es keine Berührungspunkte geben. Sollten sich Werkstück und Handauflage berühren, muss der Abstand vergrößert und die Handauflage angezogen werden.

Wer das erste Mal an der Drehbank steht, sollte das Werkstück ein paarmal drehen lassen, bevor das Werkzeug zum Einsatz kommt. Generell wird das Werkzeug mit einer Hand festgehalten und stützt den Unterarm oder Ellbogen gleichzeitig an der Hüfte ab, um das Werkzeug entsprechend führen zu können. Die andere Hand fixiert die Werkzeugspitze. Je mehr Druck ausgeübt wird, desto mehr Material wird abgetragen. Je besser geschärft das Werkzeug ist, desto leichter fällt das Drechseln, dies gilt auch für eine höhere Geschwindigkeit.

Video: Drechseln für Anfänger

Vom Einspannen des Werkstücks über die ersten Handgriffe hin zum Einsatz der unterschiedlichen Drechseleisen - in diesem Video wird der Drechselvorgang Schritt für Schritt erklärt.

Die Einsatzmöglichkeiten einer Drechselbank

Das Drechslerhandwerk ist sehr vielseitig und die Produktpalette entsprechend umfangreich: von Schalen und Kerzenständer über Treppengeländer bis hin zu Kugelschreiber und Vasen – je geübter der Drechsler ist, desto mehr Gestaltungsmöglichkeiten bietet die Drechselbank. Entsprechend sind im Bereich der Rotationskörper kaum Grenzen gesetzt. Weiter lassen sich mit einer Drechselbank präzise Schneidearbeiten ermöglichen und – je nach Modell – auch Harthölzer wie Eiche, Buche oder Stechpalme bearbeiten.

Kaufkriterien einer Drechselbank

Es dauert eine gewisse Zeit, die richtige Drechselbank zu finden. Neben dem Vergleich verschiedener Produkt-Tests lohnt es sich auch, beim Kauf nach folgenden Kriterien vorzugehen:

  1. Preis
    Drechselbänke gibt es innerhalb eines sehr breiten Preisrahmens. Das fängt bei 100 Euro an und endet im vierstelligen Bereich. Käufer sollten dabei genau überlegen, wofür sie die Drechselbank brauchen – für Hobbydrechsler reicht oftmals eine Maschine aus dem günstigeren Segment.

  2. Qualität
    Ein wichtiger Punkt ist die gute Verarbeitung der Drechselmaschine Schlecht verarbeitete Materialen sollten ein Ausschlusskriterium sein, da sich diese schneller abnutzen und entsprechend rasch kaputtgehen können.

  3. Leistung
    Eine passable Leistung einer Drechselbank beginnt bei etwa 350 Watt, während die Spannung circa 230 Volt betragen und die Drehzahl zwischen 500 und 3.000 Umdrehungen pro Minute liegen sollte.

  4. Maschinenbett
    Drechselbänke benötigen eine hohe Standfestigkeit, weshalb das Maschinenbett als Fundament aus Gusseisen bestehen sollte. Zudem sollten sich unter dem Maschinenbett Gummifüße befinden.

  5. Spindelstock
    Im Spindelstock befindet sich der Motor der Drechselbank. Die Drechselbank sollte eine leistungsstarken Motor haben sowie die Möglichkeit, die Geschwindigkeiten zu regulieren. Wichtig sind auch ein Drehstrom-Motor und ein Frequenzumrichter für eine stufenlose Drehzahlregelung.

  6. Reitstock
    Da der Reitstock die Aufgabe hat, das Werkstück mit Gegendruck an den Spindelstock zu befestigen, sollte auch er aus Gusseisen bestehen. Des Weiteren sollte er stabil sein und sich leicht auf dem Maschinenbett verschieben lassen.

  7. Handauflage
    Je nachdem wie lange der Drechsler an seiner Bank arbeitet, kann er überlegen, die Handauflage zu polstern, um Problemen mit dem Handgelenk vorzubeugen.

  8. Preis-/Leistungsverhältnis
    Wie bei vielen Produkten, deren Kauf mit einem gewissen finanziellen Aufwand verbunden ist, sollten Käufer den Fokus auf ein gutes Preis-Leistungsverhältnis legen. Gebrauchte Drechselmaschinen weisen oft einen Defekt auf. Deshalb sollten potenzielle Käufer auf Angebote in ihrer Nähe zurückgreifen, um bei Bedarf einen Blick auf die Maschine zu werfen und somit nochmal ganz genau hinsehen können. Vor allem für Anfänger kann es sich lohnen, eine gebrauchte Drechselmaschine zu kaufen.

Welche Holzarten eignen sich besonders für Anfänger?

Kirschbaum, Birke, Ahorn, Erle, Esche oder Nussbaum eignen sich gut für die ersten Versuche. Anfänger sollten mit günstigen Holz beginnen, denn somit hält sich der finanzielle Aufwand in Grenzen. Nadelhölzer sind schwerer zu drechseln, da Fehler kaum mehr zu beheben sind. Daher sollten sich Anfänger zuerst an Laubbaumhölzern üben. Diese sind feinfaseriger und daher einfacher zu bearbeiten.

Welches Zubehör benötigt eine Drechselbank?

Drechselbank, Backenfutter, Foto: Stürmer Maschinen GmbH
4-Backenfutter werden bei der Drechselbank vor allem beim Schalendrehen eingesetzt. Foto: Stürmer Maschinen GmbH
Drechselbank, Mitnehmer, Foto: Stürmer Maschinen GmbH
Mitnehmer halten das Werkstück sicher in der Drechselbank. Foto: Stürmer Maschinen GmbH

Zum Zubehör gehören unter anderem verschiedene Mitnehmer, die das Werkstück sicher halten. Der Mitnehmer wird am Spindelstock festgemacht. Weiter sollten Drechsler eine mitlaufende Körnerspitze kaufen,  die vor allem bei langen, schlanken Werkstücken genutzt wird und verhindert, dass das Werkstück durch Unwucht hin- und herschlägt. Die Körnerspitze wird am Reitstock befestigt. Außerdem wichtig ist ein auswechselbares Backenfutter, das vor allem beim Schalendrehen eingesetzt wird.

Welche Kriterien sollte das Werkzeug erfüllen?

Drechselbank, Drechseleisen, Beitel, Foto: Stürmer Maschinen GmbH
Keine Drechselbank ohne hochwertige Drechseleisen. Foto: Stürmer Maschinen GmbH

Wer langfristig Freude am Drechseln haben möchte, sollte am Werkzeug nicht sparen und im Baumarkt nicht zu einem günstigen Viererset-Drechselmesser greifen. Die wichtigsten Drechselwerkzeuge sind Schaber, Schupp-, Schalen- und Drehröhren, Meißel, Langholzröhren, Querholzröhren und Abstecher. Entscheidend ist auch, das Werkzeug stets gut zu schleifen, da nur scharfe Messer ein optimales Ergebnis erzielen können.

Welche Gefahren birgt die Arbeit an der Drechselbank?

Anders als bei der Arbeit mit anderen Maschinen kann das Tragen von Arbeitshandschuhen zu Verletzungen führen, da der Handschuh zwischen die Handauflage und dem rotierenden Werkstück gezogen werden könnte. Deshalb empfiehlt sich das Tragen von Sicherheitshandschuhen. Ebenso sollte der Drechsler keine Ringe, Ketten oder Armbanduhren tragen, denn auch hier besteht erhöhte Unfallgefahr. Eine Schutzbrille schützt vor umherfliegenden Spänen sowie eine Schutzmaske vor Grob- und Feinstaub. Auch sollte für ausreichende Beleuchtung gesorgt sein.

Wartung und Reinigung von Drechselbänken

Da beim Drechseln viel Späne und auch Staub anfallen, sollte die Drechselbank nach jedem längeren Einsatz mit einem Asche- oder Nass-Trocken-Sauger abgesaugt werden. Auf keinen Fall sollten Lösungsmittel zur Reinigung verwendet werden.

Fazit: Wann sich der Kauf einer Drechselmaschine lohnt

Wer noch überlegt, hobbymäßig ins Drechslerhandwerk einzusteigen, sollte unter Umständen erst einen Workshop besuchen oder einen Kurs belegen, um ein Gefühl für diese Arbeit zu bekommen. Erst in einem nächsten Schritt kann über die Anschaffung einer eigenen Drechselbank nachgedacht werden. Ob es eine neue Drechselbank sein muss oder es auch eine gebrauchte sein darf, sollte jeder individuell entscheiden. Allerdings gilt für beide Möglichkeiten: Genau hinschauen zahlt sich aus!

27.02.2017


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