Einfachverglasung – kostengünstig zu einem hohen Preis

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Alt, charmant aber energetisch bedenklich. Großflächige Fenster mit Einfachglas können für enorm hohe Heizkosten sorgen. Und dennoch gibt es sie noch, auch in Deutschland: Wohnungen und Häuser mit Einfachverglasung.

Einfachverglasung, Einfachglas, Foto: Martina Berg - Fotolia.com
Fenster mit Einfachverglasung entsprechen keinem heutigen energetischen Standard. Foto: Martina Berg - Fotolia.com Foto: Martina Berg - fotolia.com

Wer in einer Immobilienanzeige das Attribut Einfachverglasung liest, wird dieser in der Regel nur dann weitere Aufmerksamkeit widmen, wenn ohnehin eine Komplettsanierung geplant ist. Ansonsten kommen reflexartige folgende Argumente in den Sinn: hohe Heizkosten, klimaschädigend, miserabler Schallschutz, Sicherheitsrisiko und schlechter Einbruchsschutz. Fakt ist: Beim modernen Wohnungsbau und der Altbausanierungen ist Einfachverglasung seit der Energieeinsparverordnung (EnEV) in Deutschland nicht mehr zulässig. Schließlich liegt der U-Wert, also der Wärmedurchgangskoeffizient, der den Wärmeverlust angibt, bei ihr etwa fünfmal höher als bei modernen Wärmeschutzverglasungen. Doch bei all dieser berechtigten Kritik: Es gibt auch Vorteile und Einsatzgebiete, bei denen Fenster mit einfacher Verglasung eine durchaus gute Wahl sind.

Einfachverglasung – Vorteile und Einsatzgebiete

Der erste Vorzug von Einfachverglasung liegt auf der Hand: Der Anschaffungspreis ist unschlagbar günstig. Ein weiterer Vorteil liegt in dem enormen Spektrum an Farben, die möglich werden. Kirchengläser oder dekorative Butzenscheiben, wie man sie auch heute noch teilweise in alten Häusern sehen kann, sind aus einfachen Glasscheiben gefertigt. Und schließlich lassen Fenster mit Einfachverglasung sehr viel Licht und Wärme durch. So werden Räume sehr hell und erwärmen sich leicht.

Daher kommen einfach verglaste Fenster überall dort auch heute noch zum Einsatz, wo ihre Vorteile die Nachteile überwiegen: Kellerfenster werden oftmals mit Einzelverglasung ausgestattet. Auch Gartenhäuser oder Glashäuser, also die Vorstufe zum Wintergarten, werden oftmals mit Einfachverglasung versehen. Und schließlich kommt sieüberall dort zum Einsatz, wo sie rein dekorative Zwecke erfüllen.

Einfachverglasung, deren Nachteile und Lösungsansätze

Die Nachteile von Fenstern mit Einfachverglasung gegenüber Fenstern mit Doppel- oder Isolierverglasung sind enorm: So verglaste Fenster lassen viel mehr Wärme von Innen nach Außen. Experten sprechen davon, dass im Vergleich zu modernen Wärmeschutzverglasungen das Fünffache an Wärme durchgelassen wird. Teure Heizenergie entweicht also einfach ins Freie, statt die Wohnung oder das Haus warm zu halten. Das belastet nicht nur den Geldbeutel der Bewohner, sondern auch die Umwelt. So wie Einfachverglasung Wärme durchlässt, bietet diese auch Schall kaum eine Barriere. Straßenlärm und Alltagsgeräusche dringen fast ungebremst ins Innere des Hauses ein – ebenso wie die Hitze des Sommers. Auch unter Sicherheitsaspekten sind Fenster mit Einfachverglasung nicht mehr zeitgemäß: Geht eine Scheibe zu Bruch, besteht eine hohe Verletzungsgefahr. Einbrechern leistet die simple Glasscheibe nahezu keinen Widerstand.

Dennoch müssen Fenster mit Einfachverglasung nicht immer direkt ausgetauscht werden. Denn es gibt auch preisgünstigere Möglichkeiten, ihre Eigenschaften zu verbessern: Zunächst einmal können Fenster mit Einfachverglasung durch das Anbringen einer Gummidichtung nachgerüstet werden. Das ändert zwar noch nichts an der Wärmedämmung der Scheibe, reduziert jedoch die Zugluft. Spezielle Energiespar- oder Kälteschutzfolien können die Wärmedämmung um bis zu 65 Prozent steigern und damit die Heizkosten senken. Und schließlich besteht die Möglichkeit, Heizkosten durch den Einsatz von Vorsatzscheiben zu reduzieren.

Doch Achtung: Bei allen Sanierungsarbeiten an Fenstern, ganz gleich ob durch Folien und Gummidichtungen oder den Austausch von Fenstern, sollte darauf geachtet werden, dass die neuen Fenster keinen besseren (also keinen niedrigeren) U-Wert aufweisen als die Außenwände. Ansonsten droht Schimmelbildung, da die neuen Fenster nicht nur weniger Wärme, sondern auch weniger Zugluft durchlassen.


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