Experten-Interview: Dämmen mit Polyurethan

Lesermeinungen:  

(24)

Rund zwei Drittel der Energie werden in Privathaushalten zum Heizen benötigt. Eine gute Wärmedämmung ist für Immobilieneigentümer die beste Möglichkeit, Energieverluste zu verhindern und damit auch die Heizkosten zu senken. Tobias Schellenberger, Geschäftsführer Industrieverband Polyurethan-Hartschaum e.V., gibt im Interview Auskunft über Polyurethan als Dämmmaterial.

bauen.de: Was ist Polyurethan? 

Tobias Schellenberger: Polyurethan ist ein Kunststoff, der einem überall im Alltag begegnet. Das Besondere ist, dass er als Vollmaterial oder als weicher, harter oder halbharter Schaum hergestellt werden kann und sich so auf jede Anwendung anpassen lässt. Typische Beispiele sind Schuhsohlen, Kunstleder oder auch Polstermöbel. Bei Polyurethan handelt es sich um einen nichtschmelzbaren Kunststoffschaum, der durch ein Zellgas - man verwendet meist Pentan - aufgeschäumt wurde. Dadurch entstehen viele kleine mit Gas gefüllte Zellen. Dieses Zellgas hat eine niedrigere Leitfähigkeit als Luft, sodass der Polyurethanschaum ein sehr gutes Wärmedämmvermögen hat. Polyurethanhartschaum, kurz PUR, dämmt daher auch besser als Styropor, dessen Schaumzellen Luft enthalten. So kommt Polyurethanhartschaum üblicherweise als Dämmplatte mit Deckschichten aus Aluminium- oder Mineralvlies zum Einsatz. Jedoch gibt es auch Polyurethan als Blockschaum, aus dem zum Beispiel Rohrschalen zur Dämmung von Heizungsrohren hergestellt werden.

Welche Bereiche kann man mit Polyurethan dämmen?

Typischerweise wird Polyurethan zur Dämmung von Flach- und Steildächern, Fußböden, obersten Geschossdecken, Kellerdecken oder Außenwänden unter Putz, also im sogenannten Wärmdämmverbundsystem, eingesetzt. Aber auch bei der Kerndämmung von Ziegelfassaden werden Polyurethanplatten verwendet. Die größte Bedeutung kommt Polyurethanhartschaum bei der Sanierung zu, da schon mit einer geringen Materialstärke ein zeitgemäßer U-Wert erreicht werden kann.

Welche Vorteile und Nachteile hat Polyurethan?

Polyurethan ist sehr druckfest, formstabil und leicht im Vergleich zum Volumen. Auf einen Quadratmeter wiegt eine Polyurethanplatte nur ungefähr drei Kilogramm. Außerdem ist Polyurethan wasserabweisend, sodass es sehr dauerhaft ist und eine geringe Schimmelneigung  hat. Polyurethan-Dämmstoffe können sehr vielfältig eingesetzt werden. Allerdings ist Polyurethan nicht zur Hohlraumdämmung geeignet, da es eben sehr formstabil ist. Ausnahme ist die Dämmung von Innenwänden und zwischen Haustrennwänden, die nicht zu den genormten Anwendungen gehört.

Wie dauerhaft und haltbar sind Dämmstoffe aus Polyurethan?

Seit Anfang der 1960er Jahre wird Polyurethan zu Dämmzwecken eingesetzt. Man hat Dämmmaterial aus dieser Zeit untersucht und dabei festgestellt, dass sich die damals deklarierten Dämmeigenschaften nicht verändert haben. Man kann also sagen, solange das Haus hält, hält auch eine PUR Dämmung.

Ist eine Kombination mit anderen Dämmstoffen möglich? 

Man kann Polyurethan durchaus auch mit anderen Dämmmaterialien kombinieren, beispielsweise bei einer Sanierung, um die Dachkonstruktion energetisch aufzuwerten. Bei der Aufsparrendämmung beispielsweise wird die alte Dämmung im Innern belassen. Auf die Sparren werden dann PUR-Dämmplatten montiert und auf diese wiederrum die Ziegeleindeckung.

Wie ist das Preis-Leistungsverhältnis von PUR-Dämmstoffen? 

Polyurethan-Dämmstoffe sind im Verhältnis zur ihrer Dämmleistung und Dauerhaftigkeit kostengünstig. Für Bauherren ist aber nicht der Materialpreis entscheidend, sondern es kommt darauf an, was die Baumaßnahme, also beispielsweise eine Dachrenovierung, als Ganzes kostet. Bei einer energetischen Sanierung entfallen auf die Dämmung vielleicht gerade mal zehn Prozent der Kosten. Geringere Dämmschichtdicken und einfache Montage verringern die Baukosten. Es gibt sehr wirtschaftliche Lösungen mit Polyurethan, zumal man die Dämmplatten auch schon mit einer vorhandenen Dämmung kombinieren kann. Dachdämmelemente aus Polyurethan dämmen nicht nur, sondern erfüllen außerdem noch die Funktion eines regensicheren Unterdachs. Die übliche Holzschalung auf den Sparren kann dann entfallen.

Ist Polyurethan umweltfreundlich und auch für Menschen unbedenklich?

Dämmstoffe aus Polyurethan können recycelt werden. Ähnlich wie bei der Herstellung von Spanplatten werden alte PU-Hartschäume geschreddert und durch ein Bindemittel zu Klebepressplatten verarbeitet. PU-Recyclingprodukte kommen dann überall dort zum Einsatz, wo wärmedämmende, druckfeste und feuchtebeständige Werkstoffe benötigt werden. Sie können beispielsweise zur Fensterprofildämmung verwendet werden. Alte, unverschmutzte Polyurethanplatten werden von manchen Herstellern zurückgenommen und für die Herstellung von Recyclaten verwendet. Die Gesundheit beeinträchtigt Polyurethan nicht, da es keine flüchtigen organischen Stoffe (VOC) emittiert. Dies wurde bei Untersuchungen des Fraunhofer-Instituts nach den Regeln des maßgebenden Ausschusses für die gesundheitliche Bewertung von Bauprodukten (AgBB) festgestellt und ist in der Umweltproduktdeklaration nachzulesen.  Polyurethan kann sogar zur Herstellung von Pflastern verwendet werden, ist also sehr hautverträglich.

Kann man als Laie selbst mit Polyurethan dämmen?

Dämmstoffe aus Polyurethan werden vorwiegend  als Produkte für den Profibereich, aber auch als Do-it-yourself-Produkte angeboten. Der heimische Handwerker kann beispielsweise Böden, Keller oder die oberste Geschossdecke mit Polyurethanhartschaumplatten dämmen. Das Material lässt sich mit handelsüblichen Holzbearbeitungswerkzeugen bearbeiten und zuschneiden. Die Renovierung und Dämmung eines Daches ist eine komplexe Bauaufgabe, bei der vieles, zum Beispiel Luftdichtheit oder Regensicherheit, zu beachten ist. Der Heimwerker stößt hier an seine Grenzen. Das überlässt man besser dem Fachmann, der für eine zuverlässige und dauerhafte Ausführung gewährleistet.

Das Interview führte Marina Novellino von der bauen.de-Redaktion.


Ihre Meinung zählt

(24)
3.5 von 5 Sternen
5 Sterne
 
8
4 Sterne
 
7
3 Sterne
 
2
2 Sterne
 
4
1 Stern
 
3
Ihre Bewertung:

Diesen Artikel finden Sie auch in folgenden Themengebieten:

Dämmstoffe
Neuen Kommentar schreiben

6 Kommentare

bauen.de-Redaktion am 30.03.2016 11:38

Hallo Mulle,

aus der Ferne lässt sich die Situation leider nicht genau beurteilen. In der Regel können auf PUR-Dämmplatten aber sowohl Putz aufgetragen werden als auch Klinker gesetzt werden. Für Letzteres gibt es sogar spezielle... mehr

auf Kommentar antworten

Mulle am 25.03.2016 10:20

Hallo,

kann man auf Alu Pur Platten bedenkenlos Klinker oder Putz auftragen?

Vielen Dank für Ihre Informationen

auf Kommentar antworten

Kion am 15.09.2015 15:59

Nur auf den Sprühschau einzugehen. Es wir auch hier in Deutschland von vielen Firmen angeboten. Einfach Onkel-Google fragen. Nennt sich PU-Ortschaum.

auf Kommentar antworten
3 weitere Kommentare laden