Naturtapeten: Nachhaltige Unikate

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Natürlich, langlebig, nachhaltig und exklusiv: Die Naturtapete liegt im Trend. Ob Gras, Bambus, Schilf oder Kork, handgefertigte Naturtapeten kombinieren einen natürlichen Look mit einem guten ökologischen Gewissen. Doch sind Naturtapeten wirklich unbedenklich? Und was gilt es bei Auswahl und Verarbeitung zu beachten?

Naturtapeten, modernes Wohnzimmer mit hellem Sofa und brauner Tapete aus Bananenblättern, in horizontale Streifen geschnitten. Foto: Arte
Diese Tapete besteht aus Bananenblättern. Ein nicht gerade alltägliches Material für Tapeten. Foto: Arte

Naturtapeten bestehen aus organischen Fasern wie Gras, Schilf oder Bambus, die auf ein Trägermaterial aufgebracht sind. Noch immer werden Naturtapeten meist von Hand gefertigt und bieten damit eine ganz besondere Optik: Die natürlichen Fasern zeigen sich in ihren unterschiedlichen Wachstumsformen und Unregelmäßigkeiten, sodass jede Naturtapete ein echtes Unikat ist.

Eigenschaften von Naturtapeten

Naturtapeten zeichnen sich durch positive Eigenschaften aus: Sie sind atmungsaktiv, bestehen aus natürlichen Rohstoffen und punkten auch in Sachen Schall- und Wärmedämmung. Empfindlich reagieren die Naturmaterialien hingegen auf Feuchtigkeit: Das Obermaterial absorbiert Nässe, weshalb Naturtapeten nicht für den Einsatz in Nassräumen wie Bad oder Küche geeignet sind. Dementsprechend dürfen Naturtapeten auch nicht abgewaschen, sondern lediglich entstaubt werden. Dafür aber sind sie besonders langlebig und können über Jahrzehnte ihre besondere Optik bewahren.

Naturtapeten, Schilf, Foto: matthias dittmann / stock.adobe.com
Schilf. Foto: matthias dittmann / stock.adobe.com
Naturtapeten, Kork, Foto: rh2010 / stock.adobe.com
Kork. Foto: rh2010 / stock.adobe.com
Naturtapeten, Bambus, Foto: Travel Wild / stock.adobe.com
Bambus. Foto: Travel Wild / stock.adobe.com

Welche Materialien werden verwendet?

Naturtapeten werden meist aus Bambus, Schilf, Kork oder Grasfasern gefertigt. Die sogenannte Grastapete besteht aus Grasfasern – zu denen auch Bambusgräser und Schilf gehören – und war bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren in Mode. Die Grasfasern werden getrocknet, gebleicht und nachbehandelt, bevor sie meist von Hand zu langen Fäden verknotet werden. Diese werden anschließend traditionell auf Reisstrohpapier, heute aber auch auf Vlies geklebt. Bambustapeten bestehen aus geschnittenem Bambus, der auf einem Grasuntergrund aufgebracht wird. Schilftapeten sind mit Bambustapeten vergleichbar. Der Unterschied besteht vorrangig in der Anbauregion des Materials: Schilf ist auch in Europa beheimatet, während Bambus aus Asien stammt. Naturkorktapeten werden aus sehr dünnen Korkplättchen gefertigt, die miteinander verklebt sind. Im Gegensatz zu Grastapeten sind Korktapeten robust und unempfindlich.

Vorteile, Nachteile, Kosten

Vorteilhaft bei allen Naturtapeten ist der natürliche, einzigartige Look sowie die Verarbeitung von natürlichen Materialien. Naturtapeten unterstützen das Raumklima, sie sind überaus langlebig und damit besonders nachhaltig. Da natürliche Gräser verarbeitet sind, ist bei Allergikern jedoch Vorsicht geboten.

Nachteilig ist die Feuchteempfindlichkeit der Tapeten, die mitunter schwierigere Verarbeitung sowie die hohen Kosten. Als von Hand gefertigtes Naturprodukt sind Naturtapeten teurer als herkömmliche Tapeten, die günstigsten Varianten beginnen ab rund 150 Euro pro Rolle.

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Verarbeitung und Schadstoffe

Je nach Material gibt es unterschiedliche Verarbeitungsvorgänge. Allen gemein ist jedoch das Aufbringen der Naturfasern auf ein Trägermaterial. Dieses ist im klassischen Sinne Papier, häufig wird auch Vlies – eine Mischung aus Zellulose und Textilfasern – verwendet.

Auch wenn das alles überaus natürlich und ökologisch einwandfrei klingt, kann es auch bei Naturtapeten vorkommen, dass Schadstoffe enthalten sind. So können bereits beim Anbau der Naturmaterialien Pestizide oder Fungizide eingesetzt worden sein. Auch der verarbeitete Klebstoff sollte einer genaueren Prüfung unterzogen werden. Insbesondere bei Korktapeten werden teilweise künstliche Harze verwendet, um die Korkplatten miteinander zu verkleben. Besser sind grundsätzlich natürliche Klebstoffe sowie lösungsmittelfreie Pflanzenfarben und Bindemittel auf natürlicher Basis. Schadstoffarme Naturtapeten erkennt man auch an der Kennzeichnung mit dem „Blauen Engel“.

Oberflächen und Farben

Beliebt sind vor allem unbehandelte Oberflächen, denn so bleibt die Natürlichkeit des Materials mit all seinen Unebenheiten erhalten. Wer aber eine eher ebene Fläche bevorzugt, kann auf Naturtapeten mit geglätteter Oberfläche zurückgreifen.

Mit Naturfarben gefärbte Tapeten sind in Farbtönen wie Gelb, Rot oder Braun erhältlich. Möglich sind auch Muster oder spezielle Motive aus zum Beispiel von Hand aufgeklebten Blättern. Diese kunstvoll verzierten Formen sind absolute Unikate und dementsprechend hochpreisig.

Naturtapete, Foto: greentellect / stock.adobe.com
Leinentapete. Foto: greentellect / stock.adobe.com
Naturtapete, Foto: somchairakin / stock.adobe.com
Korktapete. Foto: somchairakin / stock.adobe.com
Naturtapete, Foto: mumemories / stock.adobe.com
Bambustapete. Foto: mumemories / stock.adobe.com

Naturtapeten tapezieren

Beim tapezieren hängt die Verarbeitung maßgeblich vom Trägermaterial ab. Naturtapeten mit Vlies lassen sich wie herkömmliche Tapeten auf die Wand aufbringen. Das Trägermaterial Papier ist hingegen deutlich empfindlicher, die Tapete wird leicht beschädigt. Wer ungeübt ist, sollte das Tapezieren lieber einem Profi überlassen. Auch das Anpassen der einzelnen Tapetenbahnen mit ihren unterschiedlichen Strukturen und Mustern bei Naturtapeten erfordern einiges an Geschick.

Soll im Zuge einer Renovierung die Naturtapete aufgefrischt werden, lässt sie sich grundsätzlich auch überstreichen. Zu beachten ist aber, dass so der natürliche, einzigartige Look verloren geht. Wer sich dennoch für einen neuen Anstrich entscheidet, sollte die Tapete vorher grundieren, damit die Farbe besser haftet.


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