Dachgarten oder Parkdeck - auf einem Umkehrdach kein Problem

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Im Prinzip war das einschalige, also nicht belüftete Flachdach, immer so aufgebaut: Tragende Konstruktion - Dämmung - Dachhaut (Abdichtung). Die eigentümlich anmutende Idee: Wir kehren das um und die Dämmschicht kommt nach oben. Das Umkehrdach war erfunden.

Das Umkehrdach: Skizze mit Beschreibung der Schichten von oben nach unten. Grafik: Steffen Malyszczyk

Aber welchen Sinn hat das Umkehrdach? Es ist wie immer bei Erfindungen, der Nutzen macht es. Insbesondere in Großstädten ist der Platz knapp und so kommt jede nutzbare Dachfläche gerade recht. Sie bietet Platz beispielsweise für Dachgärten, Terrassen und Freisitze; befahrbar ausgeführt ist sie sogar für Parkdecks geeignet. Das ist ein klares Plus insbesondere für bewirtschaftete Immobilien. Es liegt nahe, dass Umkehrdächer deshalb vor allem auf öffentlichen Gebäuden und Firmensitzen zu finden sind.

Dachabdichtung ist gut geschützt

Der spezielle Dachaufbau hat auch noch einen konstruktiven Vorteil: Wird die Oberfläche, hier also die Dämmschicht, beschädigt, kann sie leicht ausgewechselt werden. Die Dachabdichtung liegt gut geschützt ganz unten. Bei allen übrigen Dachaufbauten ist das anders: Wird die Dachhaut beschädigt, regnet es rein, die Dämmung wird durchnässt und damit stark beeinträchtigt. Kein Wunder, dass bisweilen auch Reihenhäuser und freistehende Eigenheime ein als Umkehrdach ausgeführtes Flachdach bekommen. Das ist zwar teurer als ein herkömmliches Dach, doch in Lagen mit knappem, also teurem Bauland, kann sich das lohnen.

Dämmung muss wasserunempfindlich sein

Allerdings muss der Bauherr beim Umkehrdach streng auf Qualität achten. Insbesondere für die Dämmschicht kommen nur bauaufsichtlich zugelassene Baustoffe infrage. Sie müssen besonders druckfest, frost- und formbeständig sein und dürfen keine Feuchtigkeit aufnehmen. Zugelassen sind beispielsweise spezielle Schaumstoffe aus Polystyrol und Polyurethan oder auch Schaumglas, meist in Form von Platten, die Stoß auf Stoß verlegt werden.

Bei allen übrigen Dächern muss das Regenwasser wohlweislich von der Dämmschicht fern gehalten werden - nicht so beim Umkehrdach. Ein Regentropfen, der darauf fällt, nimmt folgenden Weg: Zuoberst trifft er auf eine Kies- oder Erdschicht, eine Terrassenplatte oder irgendeinen anderen schweren Oberflächenschutz. Sein Gewicht verhindert hier das Aufschwemmen der Dämmung bei starkem Regen. Unser Wassertropfen rieselt hindurch und wird anschließend von einem verrottungsfesten Vlies, meist einem Geotextil als diffusionsoffene Schicht, von eventuellen Schmutzteilchen gesäubert. Anschließend sickert er durch eine der Fugen der Dämmschicht und landet schließlich auf einer Abdichtung - oft zugleich Dampfsperre -, die, sorgfältig verklebt, auf einer Betondecke liegt. Ein Gefälle sorgt dafür, dass unser Regentropfen wegfließt, sofern er bei Sonnenschein nicht schon verdunstet ist.


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