Zellulosedämmung: Recyclingprodukt für warme Wände

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Aus Zweitverwertung können erstklassige Produkte entstehen. Ein Beispiel ist die aus Altpapier hergestellte Zellulosedämmung, die in Form von Flocken oder Platten sowohl gegen winterliche Kälte als auch Hitze im Sommer schützt.

Zellulosedämmung, Dämmmaterial, Zellulose, Foto: djd/Climacell
Innendämmung mit Zellulose: Die Zellulosedämmung zum Aufsprühen passt sich auch unebenen Wänden genau an. Foto: djd/Climacell Foto: djd/Climacell

Zellulose als Dämmstoff ist der Klassiker unter den Recyclingprodukten. Schon seit fast 100 Jahren werden die Fasern aus Altpapier in den kalten Gegenden Nordamerikas und in Skandinavien zur Wärmedämmung verwendet. In Deutschland hat die Zellulosedämmung unter den ökologischen Dämmmaterialien 2014 einen Marktanteil von rund 30 Prozent.

Vom Altpapier zum Dämmmaterial

Zellulose ist der Hauptbestandteil von Pflanzenwänden und Rohstoff für die Papierherstellung. Sie kann auch aus gebrauchtem Papier zurückgewonnen und erneut verarbeitet werden, zum Beispiel als Dämmstoff. Dazu wird Altpapier aus Sammlungen oder Druckereiabfällen zunächst mechanisch zerkleinert. Da die reinen Zelluloseflocken brennbar sind, versetzt man sie mit Borsäure oder Ammoniumphosphat und Fungotannin. Diese Zusatzstoffe schützen auch vor Schimmel und Schädlingen und gelten in den eingesetzten geringen Mengen als gesundheitlich unbedenklich. Die Zellulosedämmung wird entweder lose in Flockenform verwendet oder mit Kunststoff verstärkt zu flexiblen Platten gepresst.

Anwendungsgebiete der Zellulosedämmung

Zelluloseflocken werden zur Dämmung in Hohlräume eingebracht, beispielsweise hinter einer Dämmschalung unterm Dach oder in den Fächern einer Holzwandkonstruktion. Es gibt zwei Verarbeitungsmöglichkeiten: Die Flocken können entweder mit einer Spezialmaschine in die Dämmräume eingeblasen oder durch größere Öffnungen von Hand geschüttet werden. Das Einblasverfahren darf nur von lizensierten Fachbetrieben ausgeführt werden, die Schüttung dagegen ist auch in Eigenleistung möglich. Auch Dämmstoffplatten aus Zellulose können Heimwerker selbst verarbeiten, etwa als Zwischensparrendämmung oder auf Geschossdecken.

Zellulose: Dämmmaterial zum Aufsprühen

Eine neuere Entwicklung ist die Zellulosedämmung zum Aufsprühen. Bei diesem Verfahren werden angefeuchtete und mit geringen Mengen Kleber versetzte Flocken mit Hilfe einer speziellen Vorrichtung an die Wand gesprüht. Auf diese Art entsteht eine bis zu 120 Millimeter dicke, plattenartige Dämmschicht, die sich auch bei Unebenheiten exakt der Wand anpasst. Auch schwierige Bauformen können auf diese Weise fugenlos und ohne Verschnitt gedämmt werden. Deshalb eignet sich die Sprühzellulose besonders für die Innendämmung historischer Altbauten. Nach dem Trocknen lässt sich mit Kalk- oder Lehmputz als Abschluss eine ebene Wandoberfläche schaffen.

Schutz vor Kälte und Hitze

Die Zellulosedämmung zeichnet sich durch gute Wärmedämm- und Wärmespeicherfähigkeit aus. Aufgrund ihrer hoher Dichte und ihres hohen Raumgewichts bietet sie auch einen guten sommerlichen Wärmeschutz. Sowohl in Hinblick auf die Dämmeigenschaften wie preislich kommt sie als Alternative zu mineralischen Dämmstoffen in Frage. Als Recyclingprodukte haben Zellulosedämmstoffe eine sehr gute Ökobilanz. Produkte die Borate enthalten, dürfen allerdings nicht kompostiert werden.


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1 Kommentar

Marcel am 30.09.2017 22:36

Alternativ zur Zellulose kann inzwischen auch Stroh kostengünstig eingeblasen werden. Dieses ist dabei 100% von Zusätzen und damit höchst ökologisch.

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Martin am 30.09.2017 22:39

Ja, davon habe ich auch schon gelesen! Ist voll super und gesund.

Kommentar gekürzt. Bitte keine Werbung. Anm. der Red.