Zweischaliges, belüftetes Dach, Kaltdach

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Die meist großen Dachräume alter Häuser waren früher vor allem Abstellflächen; Erben mit nostalgischem Einschlag konnten dort so manchen Schatz heben. Da oben war es im Sommer heiß und im Winter eben kalt, oft war es zugig und ein Luftaustausch erfolgte von selbst. Das Kaltdach hat dazu beigetragen, dass sich das grundlegend geändert hat.

Moderne Häuser sind mit den beliebten Studios oder Dachwohnungen oft bis unter den First ausgebaut. Die Ansprüche an die Wärmedämmung, die Winddichtigkeit und auch an den Schallschutz wurden immer höher. Das herkömmliche Schutzdach wurde zum Nutzdach.

Es lag nahe, insbesondere bei der Sanierung eines Hauses, die Dämmung zunächst in den Gefachen - also dem Raum zwischen den Sparren - anzubringen. Doch mit dem Anbringen einer Dämmschicht kamen auch Probleme: Die Dachhaut, beispielsweise Ziegel, Betondachsteine oder Bitumenschindeln auf Holzschalung, war von der Luft des Dachraumes - und damit von der Belüftung - abgeschnitten und die meist empfindlichen Dämmstoffe mussten vor Durchfeuchtung geschützt werden. Also musste ein Luftspalt zwischen Dachhaut und Dämmung her. Er hilft insbesondere Kondenswasser zu vermeiden.

Das Dach hatte also fortan zwei Schalen, die durch einen mehrere Zentimeter großen Luftspalt getrennt wurden: nämlich die Dachhaut und die Dämmschicht. Daher der Name zweischaliges Dach. Die (Außen-)Luft zirkuliert nun nur noch die Konterlattung entlang von der Traufe bis zum First.

Auf die Dachsparren kam eine Plane (Unterspannbahn); sie schützt die Dämmschicht von oben. Doch damit nicht genug, die Dämmung musste auch auf der Innenseite, also zum Wohnraum hin, geschützt werden: Denn ein warmer, bewohnter Raum enthält erheblich mehr Wasserdampf als Uropas (k)alter Dachboden. Folglich kam unter die Dämmschicht noch eine winddicht verklebte Plane oder Folie als Dampfsperre. Auch hier lässt der Handwerker üblicherweise etwas Luft; nur eine stark diffusionsoffene Unterspannbahn kann eng anliegen.

Das zweischalige Dach oder auch belüftete Dach ging also aus dem herkömmlichen Dachaufbau hervor. Möglicherweise in Erinnerung an Opas stets kalten Dachboden hieß es auch Kaltdach. Heute hat sich die Bezeichnung zweischaliges Dach durchgesetzt.


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