Die Muskelhypothek: Anpacken lohnt sich

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Die Muskelhypothek, also Eigenleistungen beim Bauen oder Modernisieren, zahlen sich aus: Ihr Einsatz oder die Unterstützung durch Verwandte und Freunde verringert den Finanzierungsbedarf.

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Malern und Tapezieren, Fußboden- oder Sanitärarbeiten – durch Eigenleistung können Sie bis zu 20 Prozent der Baukosten sparen, so der Verband Privater Bauherren (VPB). Angesichts des Zeitaufwands  und der notwendigen handwerklichen Fähigkeiten sieht der VPB in der Praxis allerdings nur etwa 10 Prozent als realistisch an.

Die Muskelhypothek kommt Ihrer Baufinanzierung zugute: Sparen Sie durch Eigenleistung bares Geld. Foto: Deutsche Postbank AG

So oder so erkennt die Bank aber die Kosten, die Sie durch Eigenleistung sparen, als Eigenkapital an – und zwar bis zu einer Höhe von 20.000 Euro. Das hilft Ihnen, wenn es darum geht, die passende Finanzierung zu finden. Wichtig: Lassen Sie den Wert dieser so genannten „Muskelhypothek“ von einem Experten bestätigen. Das kann zum Beispiel ein Bauunternehmen oder der Architekt sein.

Natürlich hängt das Sparpotenzial auch von Faktoren wie der Größe des Hauses oder dem verwendeten Material ab. Orientierung gibt eine Übersicht des VPB. Die Zahlen beziehen sich auf den Bau eines Reihenhauses mit 140 Quadratmetern.

LeistungErsparnis
Malern und Tapezierenca. 7.800 Euro
Fußböden verlegen1.700 - 3.900 Euro
Fliesen verlegenca. 4.200 Euro
Dach ausbauenca. 4.100 - 5.300 Euro
Garten anlegenca. 1.400 - 2.200 Euro

Ideal für Häuslebauer, die gerne mit anpacken wollen, sind Bausatzhäuser. Vom Hersteller erhalten Sie sämtliche Materialien für den Rohbau sowie Baupläne und Anleitungen – den Rest erledigen Sie selbst. Diese Variante kommt allerdings nur in Frage, wenn Sie viel Zeit und Erfahrung mitbringen.

Weniger aufwendig sind Ausbauhäuser, die es in verschiedenen Ausbaustufen gibt. In der Regel übernimmt der Hersteller den kompletten Rohbau samt Fenstern und Türen. Wie viel Eigenleistung Sie anschließend erbringen möchten, entscheiden Sie selbst. Oft werden auch Ausbaupakete inklusive allen nötigen Materialien angeboten. Ihr Vorteil: Sie bekommen und zahlen nur das, was Sie tatsächlich benötigen.

In jedem Fall sollten Sie sich aber fragen: Kommt eine Muskelhypothek für mich überhaupt in Frage? Die folgenden Punkte spielen dabei eine zentrale Rolle.

Wie viel Zeit können Sie aufwenden?

Selbst wenn Sie handwerklich geschickt sind und einige Erfahrung haben – für manche Aufgaben werden Sie deutlich länger brauchen als die geübten Experten. Für den Ausbau eines 140 Quadratmeter großen Reihenhauses kalkuliert der Verband Privater Bauherren etwa 850 Arbeitsstunden. Rein rechnerisch können Sie also in rund einem Jahr einziehen, sofern Sie jedes Wochenende von morgens bis abends dabei helfen, das Haus zu bauen. Auf diese Weise sparen Sie einerseits natürlich Handwerkerkosten, müssen aber andererseits möglicherweise länger Miete zahlen.

Welche Aufgaben können Sie übernehmen?

Malerarbeiten sind wahrscheinlich für viele Hobby-Heimwerker kein Problem. Aber wie steht es ums Verlegen einer Fußbodenheizung oder Elektroinstallationen? Sollten Sie aus Unkenntnis Fehler machen, kann das teuer werden – und das Einsparpotenzial ist dann schnell dahin. Tipp: Machen Sie eine Liste, auf der Sie vermerken, welche Arbeiten Sie in einer passablen Zeit fachgerecht selbst übernehmen können. Bei der Orientierung hilft Ihnen die Checkliste „Das können Heimwerker selbst erledigen“ am Ende dieses Artikels.

Welche Fälle sind versichert?

Wenn Privatleute auf der Baustelle zu Schaden kommen, können Sie sich nicht auf die gesetzliche Unfallversicherung verlassen. Melden Sie daher Ihre Helfer bei der Bau-Berufsgenossenschaft (BG-Bau) an und schließen Sie vor Baubeginn eine Bauherren-Haftpflichtversicherung ab. Auf rechtlicher Ebene ist das Thema Mithilfe beim Bau sehr komplex. Eine Beratung durch Experten für Baurecht, Versicherungsfachleute oder die Bezirksniederlassung der BG-Bau ist aus diesem Grund empfehlenswert.

Wer haftet im Schadensfall?

Bei Mängeln an einem Haus, das teilweise in Eigenregie gebaut wurde, ist die Haftungsfrage häufig eine Streitfrage. Damit es nicht so weit kommt, sollten Sie mit dem Bauunternehmen im Vorfeld vertraglich regeln, wer in welchem Fall haftet. Bei speziellen Fragen hilft Ihnen ein Anwalt, der sich mit Baurecht auskennt. Wichtige Informationen dazu liefert die Arbeitsgemeinschaft Bau- und Immobilienrecht (ARGE Baurecht).

Wer trägt die Gesamtverantwortung?

Wer soll z. B. dafür Sorge tragen, dass alle Vorschriften eingehalten werden? Dafür kommt ein qualifizierter Bauleiter, Handwerksmeister oder Architekt in Frage. Diese Person beaufsichtigt dann auch die Eigenleistungen.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Tragen Sie alle Arbeiten ein, die von Ihnen selbst oder Ihren Unterstützern zu erledigen sind. Lassen Sie dabei genügend Spielräume – besonders wenn Ihre Helfer nicht regelmäßig im Einsatz sind. Den Zeitplan sollten Sie unbedingt mit Ihrem Bauunternehmen besprechen, damit alles ins Gesamtkonzept passt.

Welcher Baupartner ist der richtige?

Manche Hersteller von Ausbauhäusern geben an, welche Lohnkosten je Ausbaustufe aufzuwenden sind. Ist das der Fall, können Sie gut einschätzen, welche Eigenleistungen am Ende wirklich Kosten sparen. Tipp: Es kann hilfreich sein, sich für einen Anbieter mit umfangreichem Service zu entscheiden. Darunter fallen kostenlose Beratungsgespräche, ein Kontakt, der auch am Wochenende für Sie erreichbar ist, detaillierte Anleitungen für Arbeitsgänge und Übungstermine für bestimmte handwerkliche Arbeiten, z. B. Verputzen.

Foto: Deutsche Postbank AG

Checkliste: Das können Heimwerker selbst erledigen

Arbeiten für Bauherren mit geringen handwerklichen Kenntnissen:

  • Malern und Tapezieren
  • Gipskartonflächen verspachteln
  • Böden und Wände verkleiden (z. B. mit Gipskarton- oder OSB-Platten)
  • Nicht konstruktiver Wandaufbau (z. B. Dämmmaterial anbringen)
  • Gartenarbeiten (Rasen und Beete anlegen, Gehölze und Stauden pflanzen usw.)
  • Verlegearbeiten im Garten (z. B. Beeteinfassungen)

Arbeiten für handwerklich begabte Bauherren:

  • Einfache Maurerarbeiten (z. B. nicht tragende Trennwände mit Porenbetonsteinen)
  • Innenausbau (z. B. Innenwände in Holz-Leichtbauweise)
  • Böden verlegen
  • Sanitärinstallationen (z. B. Badewanne, Waschtische, Armaturen und Anschlüsse montieren)
  • Anlegen befestigter Wege und Einfassungen im Außenbereich
  • Assistenz bei Handwerkertätigkeiten je nach Fachkenntnissen

Arbeiten, die von erfahrenen Handwerkern ausgeführt werden sollten:

  • Zimmererarbeiten (Tragekonstruktion, Dachstuhl)
  • Dachdeckerarbeiten
  • Maurerarbeiten
  • Spenglerarbeiten
  • Elektroinstallation
  • Heizungsinstallation
  • Komplizierte Sanitärinstallation
  • Anspruchsvolle Schreiner- und Tischlerarbeiten (z. B. Treppenbau und -montage)

 

Lassen Sie sich von uns beraten

 

Bei diesem Text handelt es sich um einen Gastbeitrag unseres Kooperationspartners.

 

12.01.2018


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