Fassadenkonstruktion: Der Aufbau der sichtbaren Gebäudehülle

Zur Fassade zählen alle von außen sichtbaren Elemente eines Hauses. Also beispielsweise die Türen und Fenster, aber natürlich auch die Außenwand. Und diese Außenwand kann auf unterschiedliche Arten konstruiert sein. Die Art der Fassadenkonstruktion hat Einfluss auf die Wärmedämmung eines Hauses, auf die Optik und auch auf den Preis. Welche Konstruktionsweisen es gibt und welche Eigenschaften diese haben.

 

Unter Fassade verstand man früher die Prachtansicht eines Gebäudes, die beispielsweise der Hauptstraße oder einem Platz zugewandt und aufwändiger gestaltet war als die anderen Gebäudeseiten. Heute meint man die gesamte Außenansicht, auch Elemente wie Fenster oder Türen zählen dazu. Diese Fassadenelemente beeinflussen allerdings die Fassadenkonstruktion kaum. Denn Fenster und Türen braucht ein Haus schließlich ganz unabhängig von der Art der Fassade.

 

Fassadenkonstruktion, Vorhängfassade, Aluminium, Dämmung, Foto: schulzfoto / fotolia.de
Diese Fassade ist vielschichtig: Die Aluminiumelemente sind an einem Trägersystem befestigt und lassen Platz für Elektrokabel, danach folgt die Dämmung und schließlich das Mauerwerk. Foto: schulzfoto / fotolia.de

 

Der Standard: verputzte Wand

Die einfachste und in Deutschland weit verbreitete Art der Fassadenkonstruktion: Die Außenwand ist einfach verputzt. Ob die Wand darunter aus Stein oder Holz ist, ist unerheblich, es handelt sich um die gleiche Konstruktionsart.

 

Die angemörtelte Fassade

Heutzutage werden Fassaden nur noch selten angemörtelt  . Davon spricht man, wenn Fassadenplatten oder Fliesen einzeln mit Mörtel an die Fassade geklebt werden. Verbreitet sind solche angemörtelte Fassaden vor allem im Sockelbereich von Nachkriegshäusern.

 

Vorgemauerte Fassade: Wie eine zweite Mauer

Im Gegensatz zur angemörtelten Fassade tragen sich die Fassadenelemente der vorgemauerten Fassade nicht nur selbst sondern auch gegenseitig. Aus üblicherweise etwas dickeren Platten oder Steinen wird vor die bestehende tragende Wand eine zweite Wand gemauert. Theoretisch kann eine Luftschicht freigelassen werden, stabiler ist eine solche Fassade aber, wenn sie direkt an die Mauer angeschlossen wird.

 

Fassadenkonstruktion, hübsche Häuser in Lissabon mit bunten Fassaden, Foto: Hugo Sousa / unsplash.com
Fassaden in Lissabon mit angemörtelter Fassade. Foto: Hugo Sousa / unsplash.com
Fassadenkonstruktion, Hände eines Handwerkers, der gerade eine Steinplatte an eine Hauswand mauert, Foto: Bogdanhoda / iStock
Ein Handwerker bringt eine vorgemauerte Fassade an. Foto: Bogdanhoda / iStock
Fassadenkonstruktion, verputztes Einfamilienhaus, Foto: js-photo / fotolia.de
In Deutschland sind verputzte Fassaden weit verbreitet. Foto: js-photo / fotolia.de

Vorgehängte und hinterlüftete Fassade

Bei der vorgehängten und hinterlüfteten Fassade werden die Fassadenelemente an einem Trägersystem befestigt, wodurch automatisch eine Luftschicht zwischen Mauer oder Wärmedämmung und Außenhaut entsteht. Eine solche Fassadenkonstruktion wird insbesondere bei Gewerbeimmobilien häufig angewendet.

Ältere Gebäude mit vorgehängten oder vorgemauerten Fassaden besitzen oftmals trotz grundsätzlich dämmender Luftschicht keine ausreichende Wärmedämmung. Werden solche Immobilien energetisch saniert, wird oftmals die Luftschicht mit Dämmmaterial aufgefüllt.

 

Keine geschlossene Fassade: Baguettes

Baguettes sind Keramikhohlelemente und bilden keine geschlossene Fassade. Die Stäbe, die an das französische Weißbrot erinnern, werden wie Zaunelemente als Verschattung von Glasfassaden eingesetzt oder erweitern die Fassade eines Hauses, ohne dass dahinter überdachter Raum sein muss. Im Einfamilienwohnbau werden Baguettes eher selten eingesetzt. Im modernen Mehrfamilienwohnbau werden die Keramikhohlelemente auch durch günstigere Holzstäbe ersetzt.

 

Wärmedämmverbundsysteme (WDVS)

Ein Wärmedämmverbundsystem dient in erster Linie der Wärmedämmung. Das bekannteste Beispiel dürften schlecht gedämmte Häuser der 50er-Jahre sein, die heute im Zuge einer energetischen Sanierung mit EPS gedämmt und dann neu verputzt werden. Aber auch gemauerte Neubauten werden oft mithilfe eines WDVS gedämmt. Der gesamte Aufbau aus Mauerwerk, den darauf geklebten und gedübelten Dämmplatten und dem Putz ist eine fest verbundene Einheit, die einzelnen Elemente lassen sich nicht mehr ohne weiteres trennen.

 

Kombifassade: lockere Verbindung

Eine Kombifassade besteht wie ein WDVS aus verschiedenen Fassadenelementen, also beispielsweise einer Dämmschicht und Elementen, die für die Stabilität der Wand sorgen. Im Gegensatz zum WDVS sind diese Elemente zwar trennbar, aber dennoch eine konstruktive Einheit. Holz- und Fertighäuser besitzen oft Kombifassaden. Theoretisch könnte man also die Abdeckung abmontieren und dann die Dämmung herausnehmen und austauschen. Allerdings werden WDVS und Kombifassade oft synonym verwendet. Ob sich unter dem Putz eine Kombifassade oder eine gemauerte Wand befindet, lässt sich in der Regel nicht erkennen. Ein WDVS zeigt sich üblicherweise durch sehr tief liegende Fenster.

 

 

Fassadenkonstruktion, altes Haus mit verklinkerter Fassade, Foto: Eberhard / fotolia.de
Vor allem im Norden Deutschlands sind vorgehängt Klinkerfassaden nicht unüblich. Foto: Eberhard / fotolia.de
Fassadenkonstruktion, bunte Keramikstäbe, sogenannte Baguettes an der Fassade des Museum Brandhorst in München, Foto: digitalimagination / iStock
Diese Fassade aus Baguette-Elementen kann man am Museum Brandhorst bewundern. Foto: digitalimagination / iStock
Fasadenkonstruktion, WDVS, Foto: Kara / Adobe Stock
An eine Klinkerfassade wird ein WDVS angebracht. Foto: Kara / Adobe Stock

 

 

 

Matthias Dittmann

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1 Kommentar

Lelliman73 am 22.12.2018 20:13

Es wäre schön, wenn die Redaktion bei einem solchen, an sich guten Bericht auch vernünftige Bilder nutzen würde. Und nich sowas, wie dieses Bild mit dem Fachhandwerker, der auf ner Baggerschaufel stehend Dämmplatten anbringt. Sowas ärgert mich.

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Redaktion bauen.de am 08.01.2019 11:40

Hallo Lelliman73,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie haben recht. Wir tauschen das Bild umgehend aus.

Herzliche Grüße,

die Redaktion von bauen.de