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Fenster abdichten: alle Methoden – alle Dichtstoffe

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Wenn kalte Zugluft durch die Fenster dringt, müssen die Fenster abgedichtet werden. Wie das geht und worauf Heimwerker achten sollten.

Bevor Sie sich an die Arbeit machen, prüfen Sie bitte zunächst, wo das Fenster abgedichtet werden muss. Das bestimmt, auf welche Weise, beziehungsweise mit welchen Materialien das Fenster am besten abgedichtet werden sollte.

Achtung

Innerhalb der Gewährleistungsfrist sollten Heimwerker ihre Fenster weder abdichten noch nachjustieren. In diesem Fall ist es die Aufgabe des Handwerkers, des Fensterherstellers oder der Hausbaufirma. Manchmal wird die Gewährleistung nur akzeptiert, wenn solche Wartungsarbeiten von Profis erledigt werden. Dafür können Hauseigentümer Wartungsverträge abschließen.

Undichte Stelle erkennen und Methode ermitteln

Um zu prüfen, ob ein Fenster undicht ist, gibt es mehrere Methoden:

  • Im Winter kann man den kalten Luftzug oft mit der bloßen Hand spüren.
  • Die Flamme einer Kerze oder eines Feuerzeugs nah ans Fenster halten, sie beginnt im Luftzug zu tanzen.
  • Ein Blatt Papier zwischen Fensterrahmen und Fensterflügel klemmen. Lässt sich das Papier bei geschlossenem Fenster leicht herausziehen, schließt das Fenster nicht richtig und es besteht Handlungsbedarf.

Auf Basis der gewonnenen Erkenntnis kann die geeignete Methode gewählt werden:

  • Ist das Fenster nur stellenweise undicht, eignet sich am besten Silikon.
  • Sind die Anschlüsse der Fensterbank undicht, eignet sich ebenfalls Silikon.
  • Ist ein Fenster über die gesamte Rahmenbreite undicht, eignet sich Dichtband am besten.
  • Ist das Fenster am Anschluss zur Wand undicht, dichten Heimwerker am besten mit Acryl ab.
  • Bei älteren Holzfenstern ist die Scheibe mit Fensterkitt abgedichtet, der brüchig werden kann. Am besten Fensterkitt erneuern.
  • Schließen Fensterrahmen und -flügel nicht dicht ab, muss das Fenster möglicherweise neu justiert werden.

Fenster mit Silikon abdichten

Arbeitsschritte

  1. Die Bereiche, die abgedichtet werden sollen, gründlich reinigen. Fensterrahmen und -flügel mit starkem Seifenwasser reinigen und gut abtrocknen. Altes Dichtmaterial entfernen; das geht mit dem Cuttermesser.
  2. Die Silikonkartusche in die Kartuschenpresse einsetzen, die aufschraubbare Tülle der Kartusche mit einem Cuttermesser schräg anschneiden. Die Presse im Winkel von etwa 45 Grad ansetzen und einen etwa drei bis fünf Millimeter dicken Silikonstreifen auftragen.
  3. Silikonlinie gegebenenfalls mit nassem Finger, Plastikkarte oder Fugenschablone glatt abziehen.
  4. Nach zwei bis drei Stunden ist das Silikon weitgehend ausgehärtet, genauere Angaben gibt es auf der Verpackung.

Der Dichtstoff

Fenstersilikon ist in Baumärkten in Kartuschen zu 300 Milliliter erhältlich und kostet etwa 10 Euro. Zusätzlich wird eine Kartuschenpresse benötigt.
Fenstersilikon haftet sehr gut auf Kunststoff, Holz, Aluminium und Glas. Nach der Aushärtung bleibt Silikon auf Dauer elastisch, versprödet also nicht. Es ist sehr widerstandsfähig gegen Wasser und trotzt großen Temperaturschwankungen. Allerdings ist Silikon nicht überstreichbar.

Praxis-Tipp

Wer in der Handhabung einer Kartuschenpresse keine Erfahrung hat, übt am besten vorher, um ein Gefühl für den nötigen Druck, die Geschwindigkeit und die richtig Handhaltung zu bekommen.

Sollen innenliegende Bauteile des Fensters abgedichtet werden, also dort, wo Flügel und Rahmen aufeinandertreffen, empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

  1. Mit einem Bleistift markieren, auf welcher Linie Rahmen und Fensterflügel aufeinandertreffen, um die Klebezone für das Silikon zu markieren. Es empfiehlt sich, die markierte Grenze mit Klebeband oder Malerkrepp abzukleben, um überschüssiges Silikon aufzufangen.
  2. Bevor man den Fensterflügel schließen kann, gilt es zu verhindern, dass er beim Aushärten des Silikons mit dem Fensterrahmen verklebt. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:  man legt einen schmalen Streifen Frischhaltefolie oder Papier auf den Silikonstreifen, die beide mit Seifenwasser benetzt wurden. Oder man sprüht das unbehandelte Bauteil mit starkem Seifenwasser ein und schließt dann den Flügel vorsichtig. Ist das Silikon weitgehend ausgehärtet, kann man das Fenster vorsichtig öffnen und die Schutzfolie oder das Papier abziehen.

Anschlüsse der Fensterbank mit Bausilikon abdichten

Die Vorgehensweise ist so ähnlich, wie bei der Fensterabdichtung mit Silikon. Einige Details sind allerdings erwähnenswert:

Der Dichtstoff

Bausilikon gibt’s im Baumarkt, die Kartusche kostet um die 10 Euro. Der Stoff ist witterungsbeständig.

Arbeitsschritte

  1. Stellen, die abgedichtet werden sollen reinigen und vor allem von losem Material befreien.
  2. Größere Löcher in der Wand zunächst füllen, mit Füllspachtel für Außenbereiche oder Bauschaum. Anschließend muss die Stelle neu verputzt werden.
  3. Wenn alles getrocknet und der Wandanschluss wieder sauber ist, geht’s mit Bausilikon weiter, wie beschrieben unter Fenster mit Silikon abdichten.

Fenster mit Dichtband abdichten

Wer schnell und preiswert arbeiten will, für den gibt es im Baustoffhandel eine Fülle an selbstklebenden Dichtbändern. Sie sind auf einer Seite bereits mit einem Klebstoff versehen; man muss also nur einen isolierenden (Papier-)Streifen abziehen und kann das Band dann sofort anbringen. Als Werkzeug benötigt man nur eine Schere oder ein Teppichmesser.

Beim Kauf gibt es einige Dinge zu beachten:

  • Die benötigte Länge. Dichtbandrollen gibt es in 5, 6, 8 oder 10 Metern Länge.
  • Die benötigte Breite, die je nach Dichtposition beispielsweise dem Überstand des Flügels über den Rahmen entspricht.
  • Welchen Spalt kann das Band maximal abdichten? Auf den meisten Verpackungen ist das angegeben.

Es gibt folgende Dichtbänder:

Schaumstoff

Am gängigsten sind selbstklebende Dichtungsstreifen aus Schaumstoff. Sie werden vornehmlich für ältere Holzkastenfenster oder hölzerne Doppelfenster verwendet. Eine Rolle mit fünf bis zehn Metern kostet meist um die 10 Euro. Mit Schaumstoffdichtband, dass 5 Millimeter dick ist, lassen sich Spalten von 3 bis 4 Millimetern abdichten.

Schaumstoffbänder sind weitgehend temperaturbeständig, widerstehen aber nur bedingt anhaltender Feuchtigkeit. Meist wird von den Herstellern eine Mindesthaltbarkeit von 4 Jahren angegeben. Doch diese Zeitspanne kann auch unterschritten werden; zudem lässt mit der Zeit die Elastizität nach.

Beim Anlegen eines Schaumstoff-Bandes sollte man penibel vorgehen, denn wenn es erst einmal angeklebt ist, lässt es sich meist nicht wieder schadlos abziehen.

Komprimierband

Komprimierband wird auch kurz Kompriband, Quellband oder Anschlagband genannt. Es besteht aus imprägniertem Polyurethan-Schaumstoff und ist regendicht und windstabil. Vor allem hat es eine nützliche Eigenschaft: Sobald man es von der Rolle abwickelt, auf die zu dichtenden Bauteile klebt oder in eine breite Fuge legt, dehnt es sich allmählich aus. Damit füllt es selbst größere Fugen aus.

Man verwendet Kompriband immer dort, wo die üblichen Schaumstoffbänder nicht mehr ausreichen. Als Faustregel kann man annehmen, dass sich Quellband nach dem Abrollen auf rund das Fünffache ausdehnt. Es wird vor allem zwischen Blendrahmen und Mauerwerk sowie zwischen Rahmen und Fensterflügel eingesetzt.

Die Rolle Komprimierband mit fünf bis zehn Metern Länge gibt’s für rund zehn Euro. Auf den Verpackungen ist üblicherweise angegeben, in welcher Stärke das Band geliefert wird und wie weit es sich ausdehnen kann.

Gummidichtungen

Moderne Fenster aus Kunststoff, Metall oder imprägniertem Holz werden standardmäßig mit Profilbändern aus Gummi ausgestattet. Gummi ist deutlich haltbarer als Schaumstoff. Man rechnet mit einer Mindesthaltedauer von etwa 8 bis 10 Jahren. Doch mit der Zeit altert auch er, kann reißen, bröseln und verspröden. Ist das der Fall wird üblicherweise die gesamte Gummidichtung ausgetauscht.

Beim Kauf solcher Dichtungen muss auf das Profil geachtet werden; die gängigsten sind E- und P-Profile; Sonderformen werden mit den Buchstaben V, K oder D bezeichnet. Für den Kauf einer neuen Gummidichtung kann man eine Skizze vom Querschnitt anfertigen oder auch ein abgeschnittenes Stück Dichtung mitnehmen, wenn sie ohnehin unbrauchbar geworden ist. Gummidichtungen laufen bei modernen Fenstern in eigens dafür geschaffenen Profilen.

Abgenutzte Gummis lassen sich herausziehen, neue muss man sorgfältig einfädeln. Silikonspray oder feines Öl sind dafür recht hilfreich.

Silikonbänder

Silikonbänder sind meist transparente, flexible Streifen, die im Baumarkt oft direkt von der Rolle meterweise gekauft werden können. Das Material ist sehr robust und witterungsbeständig, einige Hersteller geben eine Mindestlebensdauer von 15 Jahren an. Noch haltbarer ist Silikonkautschuk, allerdings auch teurer. Wer die Dichtbänder pflegt, etwa mit Grafitpaste oder silikonhaltigem Pflegespray, kann die Haltbarkeit noch erhöhen.

Abdichten mit Acryl

Der Dichtstoff

Acryl ist deutlich preiswerter als Silikon, teilweise aber nur für Innenbereiche geeignet. Dieser Dichtstoff wird vornehmlich angewendet, wenn Bauteile an Putz, Mauerwerk oder Beton stoßen. Acryl ist bei weitem nicht so dehnbar und wasserabweisend wie Silikon, kann aber im ausgehärteten Zustand geschliffen, überklebt, überputzt oder gestrichen werden. Acryl wird vor allem eingesetzt, um den Fensteranschluss, also den Raum zwischen Fensterrahmen und Wand abzudichten.

Arbeitsschritte

  1. Hat man die zu dichtende Stelle identifiziert, gilt es zunächst, lockeres Mauerwerk auszukratzen und Staub zu beseitigen.
  2. Geht das nur unzureichend oder hat man größere Stellen abzudichten, empfiehlt es sich einen Primer zu verwenden. Das ist ein klebriger Haftvermittler für stark saugende oder poröse Untergründe.
  3. Danach werden die entstandenen Hohlräume komplett mit Acryl aus der Kartusche ausgefüllt und mit einem Spachtel geglättet.
  4. Zwar bildet sich beim Acryl bereits nach rund 20 Minuten eine Haut auf der Oberfläche, doch durchgehärtet ist der Stoff erst nach mehreren Stunden.
  5. Es ist ratsam, angrenzende Fensterflächen mit Klebeband zu schützen, das gleich nach dem abschließenden Glätten des Acryls abgezogen werden kann.

Abdichten mit Fensterkitt

Der Dichtstoff

Fensterkitt kommt vor allem bei älteren Holzfenstern zum Einsatz, moderne Fenster werden üblicherweise mit Gummi abgedichtet. Fensterkitt ähnelt Knetgummi und wird in unterschiedlich großen Verpackungen verkauft, das Kilo kostet zwischen fünf und zehn Euro.

Arbeitsschritte

  1. Alten, brüchigen Kitt restlos entfernen. Das geht mit Spezialwerkzeug aber auch mit dem Cuttermesser, Schleifpapier und dem Staubsauger.
  2. Neuen Kitt kneten und dadurch weich machen. Anschließend zwischen Fensterscheibe und Rahmen drücken. Unebenheiten mit dem Messer abschneiden.
  3. Der Kitt muss lange trocknen, genaue Angaben gibt es auf der Verpackung. Bis er überstrichen werden darf, kann es aber sogar Wochen dauern. In diesem Zustand kann er auch geschliffen werden.

Statt abdichten Fenster neu einstellen

Moderne Fenster müssen unter Umständen nicht abgedichtet werden, sondern können neu eingestellt werden. Manchmal hakt es an den Schließstücken oder der Eckumlenkung des Fensters. Im Neubau können sich Fenster oder Haus verziehen oder setzen, insbesondere Holz arbeitet gerade bei wechselnden Wetterbedingungen und Temperaturen. Mit einem Schraubendreher und einem Imbusschlüssel können die Fenster nachjustiert werden. Wo genau sich die Stellschrauben befinden und an welcher Schraube gedreht werden muss, erfährt man vom Hersteller oder aus der Produktdokumentation. Den Verschlussmechanismus anschließend etwas ölen.