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Keller bauen – ja oder nein? Kosten vs. Komfort

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Bauherren, die ohne Keller bauen, haben dafür oft nur einen Grund: Kostenersparnis. Wer sich dagegen für einen Keller entscheiden, schätzt die Lager- oder auch Wohnfläche. Hausbauer sollten das Kosten-Nutzen-Verhältnis sorgfältig abwägen.

Der Keller eines Doppelhauses. Foto: PixelboxStockFootage / stock.adobe.com

Was kostet ein Keller?

Für die Unterkellerung eines freistehenden Einfamilienhauses muss der Bauherr mit Mehrkosten zwischen rund 180 bis 425 Euro pro Quadratmeter im Vergleich zu einer Bodenplatte rechnen. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Bauforschung in Hannover. Die große Preisspanne liegt an den verschiedenen Ausführungsmöglichkeiten eines Kellers. Das heißt, dass ein Keller zwar 50.000 Euro und mehr kosten kann. Die alternative Bodenplatte kostet aber ebenfalls mindestens 20.000 Euro. Die Höhe des Preises für einen Keller hängt unter anderem von der Bodenbeschaffenheit und dem Grundwasserspiegel ab. Bei einem freistehenden Einfamilienhaus mit einer Wohnfläche von rund 150 Quadratmetern entstehen je nach Beschaffenheit des Kellers folgende Kosten:

  • Gemauerter Hochkeller, also ein Keller, der 50 bis 80 Zentimeter über die Erde hinausragt und nicht im Grundwasser liegt: 51.500 Euro
  • Wasserundurchlässiger Betonkeller im Grundwasser, auch Weiße Wanne genannt: 67.000 Euro
  • Einfache Bodenplatte, die notwendig ist, wenn man auf den Keller verzichtet: 20.400 Euro

Ein Rechenbeispiel

Die Dreiköpfige Familie Meier plant ein einfaches Haus mit 125 Quadratmetern ohne Keller. Küche und Wohnzimmer sind relativ großzügig, im Erdgeschoss befindet sich ansonsten ein kleiner Heizungsraum und eine kleine Toilette. Im Obergeschoss findet neben den beiden Schlafzimmern noch ein Gästezimmer Platz, das auch als Fitnessraum genutzt wird. Die Garage wird auch als Lagerfläche genutzt, sie fällt etwas größer aus und wird vom Bauunternehmen gleich mitgemauert.

Die Alternative wäre ein unterkellertes Haus mit 100 Quadratmetern. Küche und Wohnzimmer fallen etwas kleiner aus. Das Gästezimmer und der Heizungsraum finden im Keller Platz, auch die Lagerfläche ist im Keller. Deswegen verzichtet Familie Meier auf die Garage und baut stattdessen ein Standard-Carport.

Aufgrund des niedrigeren Preises und des zusätzlichen Platzes entscheidet sich Familie Meier dazu, das kleinere Haus mit Keller zu bauen.

125 m²100 m²
Haus (2.000 €/m²)250.000 €200.000 €
Bodenplatte20.000 €/
Keller/50.000 €
Garage / Carport15.000 €5.000 €
Gesamtflächer125 m² + 36 m² Carport150 m² + 18 m² Carport
Gesamtkosten285.000 €255.000 €

Die Fünfköpfige Familie Müller plant ein Haus mit 140 Quadratmetern Wohnfläche mit Keller. Hier findet der Heizungsraum, eine Speisekammer und ein Hobbyraum Platz. Draußen steht eine Doppelgarage.

Die Alternative wäre ein größeres Haus mit 160 Quadratmetern. Heizungsraum und Speisekammer würden im Erdgeschoss untergebracht werden müssen, die Zimmer im Obergeschoss würden etwas größer, der Hobbyraum wird gestrichen. Auf die Doppelgarage will die Familie allerdings nicht verzichtet, sie fließt in die Rechnung deswegen nicht ein.

Das Haus mit Keller ist zwar nur geringfügig teurer, doch würde die Familie den günstigen Wohnraum unter der Erde gar nicht richtig nutzen und fürchten, ihn über die Jahre einfach nur mit Zeug vollzustopfen, den sie eigentlich gar nicht mehr braucht. Sie entscheiden sich für das Haus ohne Keller und freuen sich über den großzügigeren Platz im Obergeschoss.

140 m²160 m²
Haus (2.500 €/m²)350.000 €400.000 €
Bodenplatte/20.000 €
Keller80.000 €/
Gesamtfläche210 m²160 m²
Gesamtkosten430.000 €420.000 €

Vor- und Nachteile eines Kellers

Vorteile

  • Mehr Wohnfläche auf kleinen Grundstücken

  • Platz für die Haustechnik sowie Stauraum

  • Marktwert des Hauses deutlich höher als bei Häusern ohne Keller

  • Beim Ausbau zur vollwertigen Wohnung kann der Keller zur Miete angeboten werden

Nachteile

  • Höhere Baukosten

  • Barrierefreier Zugang nur durch Zusatzinvestitionen möglich

  • Höherer Zeitaufwand beim Bau

  • Ausreichende Versorgung mit Tageslicht nur im Hochkeller oder durch spezielle Lichtkanäle möglich

Brauche ich wirklich einen Keller?

Sofern ein Keller grundsätzlich machbar wäre, stellt sich die Frage, ob er überhaupt gebraucht wird. Zu Beginn einer Planung sollte deswegen die Frage stehen, wieviel Raum und welche Zimmer benötigt werden. Also beispielsweise eine Sauna oder ein Waschraum oder ein Arbeitszimmer. Außerdem sollten sich Bauherren klar werden, wieviel Lagerraum sie wofür brauchen.

Als nächstes stellt sich die Frage, wo diese Räume im Optimalfall liegen sollten. Der Waschraum wäre beispielsweise nicht im Keller besonders sinnvoll, sondern neben dem Schlafzimmer. Eine Vorratskammer liegt im Optimalfall neben der Küche. Fahrräder, Werkzeug und der Rasenmäher sind in der Garage gut aufgehoben oder aber in einem anderen ebenerdigen Stauraum. Ein Partyraum könnte tatsächlich in den Keller. Auch ein Gästezimmer, ein Fitnessraum oder ein Arbeitszimmer kann gut in den Keller – wenn das Tageslicht ausreicht.

Kleines Grundstück: Ist ein Keller sinnvoll?

Ein Keller ist in erster Linie zusätzlicher Raum. Alternativ können Ersatzräume für den Keller auch überirdisch zum Beispiel als Garage, Schuppen oder Teil des Wohnhauses gebaut werden.

Gerade bei kleineren Grundstücken sind diese Optionen allerdings oftmals beschränkt. Wer mehr Platz braucht muss stattdessen vertikal bauen. Das kann auch dann der Fall sein, wenn das Grundstück zwar groß, das Baufenster aber sehr klein ist. So kann das Randgrundstück eines Reihenhausblocks zwar groß sein – dennoch muss sich der Bauherr aber an die relativ enge Reihenhausbebauung halten.

Wer keinen Keller mag, könnte auf solchen Grundstücken stattdessen auch in die Höhe bauen und mehr oberirdische Stockwerke planen. Genau das ist allerdings in den meisten Wohngegenden aber untersagt. Der Bau in die Tiefe wird vom Bebauungsplan dagegen nicht eingeschränkt. Allerdings sind zwei unterirdische Ebenen in den meisten Fällen nicht wirtschaftlich.

Abgesehen von der Größe des Grundstücks können gewisse Natureinflüsse eine Rolle spielen. Bei einem zu hohen Grundwasserspiegel muss der Keller beispielsweise als weiße Wanne, also absolut wasserdicht, ausgestaltet werden. Das macht den Keller aber teurer. Und im Überschwemmungsgebiet ist der Keller das erste, was vollläuft – und kann deswegen nur eingeschränkt genutzt werden.

Fazit

Die Entscheidung, mit oder ohne Keller zu bauen, ist keine triviale. In der Abwägung geht es darum, unterschiedliche Raumkonzepte gegeneinander aufzuwägen und sich zu überlegen, was man wirklich braucht – und was nicht. Zudem sollte man den möglicherweise höheren Marktwert eines unterkellerten Hauses in seine Überlegungen einbeziehen.