Latexfarbe: robuster Anstrich statt Fliesen und Fugen

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Latexfarbe ist abwaschbar und sehr strapazierfähig. Das macht sie zur Alternative zu Fliesen in Küche und Bad. Auch in Treppenhäusern kommt sie zum Einsatz. Und wer eine hochglänzende Wandfarbe will, kommt um Latexfarbe kaum herum. Die Einsatzmöglichkeiten sind also vielfältig. Doch gibt es bei der Verwendung von Latexfarbe auch einige Dinge zu beachten.

Latexfarbe, Badezimmer, keine Fliesen, Foto: Michel Nivelet / fotolia.com
Es geht auch ohne Fliesen. Moderne Bäder setzen immer häufiger auf Beton, Holz – und Latexfarbe. Foto: Michel Nivelet / fotolia.com

Latexfarbe besitzt zwei entscheidende Eigenschaften, die sie für den Einsatz in Küche und Bad prädestiniert: Sie ist abwaschbar und widerstandsfähig. Damit ist Latexfarbe eine Alternative zu Fliesen und überall dort geeignet, wo Farbe besonders widerstandsfähig sein muss.

Info

Latexfarbe beinhaltete früher natürliches Latex, also den Milchsaft des Kautschukbaumes, als Bindemittel. Heutzutage gibt es solche Farben üblicherweise nicht mehr. Unter dem Begriff Latexfarbe werden Dispersionsfarben auf Kunstharzbasis verkauft, deren Eigenschaften denen der natürlichen Latexfarbe entsprechen. 

Vorteilhafte Eigenschaften von Latexfarbe

Wer eine abwaschbare Wandfarbe sucht, wird früher oder später Latexfarbe finden. Wasser perlt an ihr ab, Verunreinigungen nach beispielsweise einem Tomatensoßenunglück können einfach abgewaschen werden. Das heißt aber nicht, dass Latexfarbe komplett wasserdicht ist: Je nach Hersteller und Farbmodell wird Wasserdampf durchgelassen oder aber abgebremst. Latexfarbe, die Wasserdampf komplett abhält, gibt es nicht.

Wie resistent ein Stoff Wasserdampf gegenüber ist, zeigt der sogenannte SD-Wert an. Im Wohnbereich sind möglichst niedrige SD-Werte erstrebenswert, sonst könnte Wasser in den Wänden eingeschlossen werden, wodurch die Schimmelgefahr steigt.

  • Dampfsperrfolien haben beispielsweise einen SD-Wert von mindestens 1.500 m, sie sind also diffusionsdicht.
  • Stoffe mit SD-Werten zwischen 0,5 m und 1.500 m gelten als diffusionshemmend oder dampfbremsend.
  • Manche Latexfarben haben einen SD-Wert von unter 0,5 m und gelten damit als diffusionsoffen.

Latexfarbe ist außerdem sehr strapazierfähig. Wie strapazierfähig, das wird in Scheuerbeständigkeitsklassen angegeben.

  • Klasse 1 bedeutet, dass die Farbe nach 200 Scheuerbewegungen mit einer bestimmten Testbürste maximal fünf Mikrometer Dicke eingebüßt hat. Ein Anstrich von einem Millimeter Dicke wäre dann nach rund 40.000 Scheuerbewegungen abgetragen.
  • Bei der Klasse 3 dagegen kann das bereits nach 3.000 Scheuerbewegungen der Fall sein.

Wer seine Wand matt streichen will, kann so ziemlich jede Wandfarbe verwenden. Wer aber eine Wand in Hochglanz will, wird fast immer bei Latexfarbe landen.  

Latexfarbe, Küche, kein Fliesenspiegel, Foto: YakobchukOlena / fotolia.com
Wo gearbeitet wird, da wird auch mal eine Wand dreckig. Gut, wenn sie abwaschbar ist. Bei Latexfarbe ist das der Fall. Foto: YakobchukOlena / fotolia.com

Nachteile von Latexfarbe

Weniger hochwertige Latexfarben besitzen einen hohen SD-Wert und beeinträchtigen dadurch den Austausch von Wasserdampf. Wird mit einer solchen Farbe auch noch ein ganzer Raum gestrichen, steigt die Schimmelgefahr, weil Wasser, das in die Wand eindringt, schlecht an den Raum abgegeben werden kann. Allerdings ist Schimmelbildung nicht von nur einem Faktor abhängig: Lagert sich Feuchtigkeit zwischen Farbe und Wand ab, kann diese nicht mehr entweichen und trägt ebenfalls zum Schimmelrisiko bei. Diese Ablagerungen erkennt man an Blasenbildung an der Oberfläche – sofern die entsprechende Stelle nicht hinter Möbeln versteckt ist.

Besitzt eine Latexfarbe keine gute Deckkraft, müssen Heimwerker unter Umständen eine zweite oder gar dritte Lage streichen. Bei hochwertigen Latexfarben sollte das allerdings nicht nötig sein. Wände, die mit Latexfarbe gestrichen wurden, lassen sich wiederum selbst nicht gut überstreichen. Das gilt insbesondere für Hochglanzfarbe. Die muss dann möglicherweise entfernt werden, beispielsweise, indem die Tapete heruntergerissen oder die Wand abgeschliffen wird. Mieter sollten auf jeden Fall zuerst ihren Vermieter um Erlaubnis fragen, bevor sie die ganze Wohnung in hochglänzender pinker Latexfarbe streichen.
Vor der Verwendung alter Latexfarbenreste sollten Heimwerker auf die Inhaltsstoffe achten. Früher wurde in Latexfarbe das Konservierungsmittel Formaldehyd verwendet. Es ist krebserregend und wird heute nicht mehr eingesetzt. 

Link-Tipp

Weitere Informationen zu Farben und Lacke: Hauptsache bunt: Verschiedene Lacke und Farben machen’s möglich

Alternative zu Fliesen: Latexfarbe in Küche und Bad

Abwaschbar und strapazierfähig – diese Eigenschaften sollte eine Wand in Küche und Bad aufweisen. Latexfarbe erfüllt diese Kriterien und kann deswegen eine Alternative zu Fliesen sein. Um eine wirklich wasserdichte Farbschicht zu erhalten, sollten Heimwerker zwei oder mehr Schichten Farbe auftragen. Dadurch werden auch kleine Löcher in der Farbschicht verschlossen.

Auch in fugenlosen Bädern und Küchen, also Räumen, die ohne Silikonabdichtungen und auch weitgehend ohne Fliesen auskommen, wird Latexfarbe eingesetzt. Allerdings nur sporadisch. Üblicherweise kommen eher speziell behandelte Stein- oder Holzoberflächen zum Einsatz. Kalkputze wirken nässeregulierend, durch spezielle Behandlungen mit Kalkseife werden Oberflächen wasserabweisend, bleiben aber diffusionsoffen. 

Schritt für Schritt zum Latexanstrich

Wer Latexfarbe streichen möchte, sollte folgende Schritte gehen, die sich nicht maßgeblich von Streicharbeiten mit anderen Wandfarben unterscheiden:

Latexfarbe, Putzeimer, Wand putzen, Foto: TR / fotolia.com
Foto: TR / fotolia.com

1. Untergrund vorbereiten: reinigen (Staub, Fette)

Dazu Fliesen mit Allesreiniger abwaschen. Tapeten können an der Wand bleiben, sofern sie noch gut haften. Der Vorteil: muss die Latexfarbe einmal runter, kann man dann einfach die Tapete runterreißen. Klebstreifenreste, Wandtattoos und dergleichen müssen entfernt werden, das gleiche gilt für Schrauben, Nägel und Dübel. Bröslige Stellen und Löcher sollten gesäubert werden.

Latexfarbe, Spachtelmasse, Foto: woe / fotolia.com
Foto: woe / fotolia.com

2. Fugen / Löcher zuspachteln

Im Baumarkt gibt’s fertige Spachtelmasse oder Pulver zum Anrühren. Dazu am besten zuerst etwas Wasser in einen Becher füllen und die Spachtelmasse möglichst klumpenfrei bis knapp unter die Wasseroberfläche rieseln lassen. Dann gut verrühren. Masse mit einem Spachtel in die Löcher schmieren und glatt abstreichen.

Latexfarbe, Grundierung, Foto: ADLER-Werk Lackfabrik
Foto: ADLER-Werk Lackfabrik

3. Grundierung auftragen

Die Grundierung muss auf den Untergrund und die Farbe angepasst sein und wird vor allem bei besonders oder aber gar nicht saugfähigen Untergründen benötigt. Dazu gehören verputzte Wände, Gipswände, nackte Steinwände, Beton oder Fliesen. Wer auf Tapete oder einer vorhandenen Farbschicht streicht, braucht keine Grundierung. 

Latexfarbe, Farbrolle, Farbeimer, Foto: VRD / fotolia.com
Foto: VRD / fotolia.com

4. Grundierung trocknen lassen, dann einfach oder doppelt streichen

Sobald die Grundierung trocken ist, kann die Latexfarbe mit einem Farbroller aufgetragen werden. In Küche und Bad, also dort, wo die Wand abgewaschen werden soll oder besonders strapazierfähig sein soll, am besten eine zweite oder dritte Schicht auftragen. Die einzelnen Schichten müssen trocken sein, bevor eine weitere Schicht folgt.

Praxistipps Latexfarbe

Der Preis für Latexfarbe schwankt stark und ist oftmals eine Qualitätsfrage. Farbe mit Scheuerklasse 1 und niedrigen SD-Werten ist teuer, kostet zum Teil 10 Euro pro Liter. 

Die Farbe sollte frostfrei gelagert werden, also den Winter nicht unbedingt in der Garage verbringen. Die Anwendung erfolgt bei 10 bis 35 Grad. Pinsel und sonstige Geräte sollten bei Streichpausen in der Farbe aufbewahrt werden, damit sie nicht austrocknen. Am Ende müssen sie mit Wasser und Spülmittel oder Waschmittel gereinigt werden.

Achtung

Farbspritzer müssen sofort entfernt werden. Ist die Farbe erstmal trocken, lässt sie sich nicht mehr ohne weiteres entfernen. Deswegen am besten gleich mit einem Lappen oder Schwamm und Wasser mit Waschmittel entfernen.

Tolle Akzente mit Latexfarbe

Wer Latexfarbe richtig einsetzt, kann in Bad und Küche tolle Akzente beispielsweise in Hochglanz setzen und auf Fliesen verzichten. Latexfarbe kann außerdem als Schutz vor Verschmutzung rund um Lichtschalter gestrichen werden. Insbesondere mit Kindern im Haus grauen Wände um Lichtschalter schnell aus. Ist die Wand mit Latexfarbe gestrichen, kann sie ganz einfach gereinigt werden.

Für einen vollflächigen Einsatz ist Latexfarbe aber weniger geeignet. Insbesondere Mieter sollten sich nicht unbedacht Latexfarbe an die Wände streichen. Beim Auszug müssten sie sie womöglich mühsam entfernen.


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2 Kommentare

Bädermax am 01.10.2015 10:27

Danke für die Informationen rund um Latexfarbe. Gerade das Thema Schimmelbildung ist ja, wie man auch im Kommentar auch sehen kann, nicht unumstritten!

auf Kommentar antworten

A.F. Dipl.-Ing. Architekt & Sachverständiger Bremen/München am 19.02.2015 17:01

Leider völliger Unsinn, da Latexfarbe im Bad das Schimmel-

risiko deutlich erhöht, weil keine Absorption möglich ist.

auf Kommentar antworten

Rudi am 28.02.2017 19:36

Falsch


outsideview am 17.11.2016 10:30

Ok, toll! Schön das Sie das anmerken. Was aber ist dann die Lösung, wenn man mit Farbe arbeit wlll und nicht mit Fliesen?