Reetdach - Dacheindeckung mit natürlichem Baumaterial

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Das Reetdach prägt vor allem im Norden Deutschlands das Landschaftsbild. Bei der regionaltypischen Dacheindeckung gibt es einiges zu beachten.

Foto: Hiss Reet
Foto: Hiss Reet Foto: Hiss Reet

Schon bei der Montage des organischen Deckwerkstoffes Schilf ist fachmännischer Rat gefragt. Zudem muss das örtliche Bauamt sein Einverständnis geben. Besonders wichtig ist eine regelmäßige Pflege und Wartung: Das Dach muss jährlich von Moos, Algen und Laub befreit werden.

Vorzüge des Reetdachs

Das Naturdach reguliert die Feuchtigkeit des Hauses, ist witterungsbeständig und atmungsaktiv. Zudem wird bei der Herstellung weitestgehend auf eine chemische Behandlung verzichtet. Durch seinen besonderen Aufbau sorgt Schilf für eine gute Dämmung: Das hohle Rohr ist ein schlechter Wärmeleiter und schützt somit vor starken Temperaturschwankungen. Im Sommer ist das reetgedeckte Haus daher angenehm kühl, im Winter dringt wenig Wärme nach außen.

Feuchtigkeit führt zu frühzeitiger Verrottung

Reetdächer benötigen regelmäßige Pflege. Mindestens einmal jährlich muss der so genannte Biofilm, also Algen, Moss und Laub, entfernt werden. Wird er nicht beseitigt, kann das Dach durchfeuchten und vorzeitig verrotten. Feuchtigkeit kann auch durch kleinere Risse am Dach dringen und das Reet beschädigen. Daher sollten Schäden sofort ausgebessert werden. Eine jährliche Begehung des Daches kann durch einen Wartungsvertrag mit dem Reetdachdeckerfachbetrieb festgelegt werden. Denn nur dank richtiger und regelmäßiger Pflege und Wartung kann eine lange Lebensdauer des Reetdachs gewährleistet werden.

Reetdach: leicht entflammbar

Reetdächer sind vor allem im Hochsommer, wenn sie von der Sonne ausgetrocknet sind, leicht entflammbar, aber auch an Silvester stellt jeder einzelne Funken eine Gefahr dar. Daher muss der Reetdach-Besitzer auch mit einer höheren Feuerversicherung rechnen. Außerdem muss aus Gründen des Brandschutzes beim Bau eines Reethauses auf einen Grenzabstand von sechs bis zwölf Metern zu benachbarten Gebäuden geachtet werden. Eine spezielle Imprägnierung verringert zwar die Brandgefahr, das Reetdach ist dann aber nicht mehr frei von Chemie. Positive Nebeneffekte der Imprägnierung: Sie verstärken die wasserabweisende Funktion, verhindern Pilzwachstum und schrecken durch einen bitteren Geschmack Vögel davor ab, sich einzunisten und Schaden anzurichten.

Richtige Konstruktion kann vorzeitige Verrottung verhindern

Durch Konstruktionsfehler am Dach kann erhöhte Feuchtigkeit entstehen. Daher sind folgende Grundsätze zu beachten:

  • Bei Hauptdachflächen darf die Mindestneigung von 45 Grad nicht unterschritten werden. Je steiler das Dach, desto besser kann Regenwasser abfließen. Somit wird nur die oberste Schicht des Daches nass.
  • Bei kleineren Dachflächen, beispielsweise Gauben, darf die Neigung auch etwas weniger als 45 Grad betragen. Gauben sollten aber in einem ausreichenden Abstand zueinander gebaut werden. Dies gewährleistet, dass Wasser abfließen kann und nicht das komplette Dach durchfeuchtet. Meist müssen gerade Gauben häufiger gewartet werden.
  • Der Abstand zwischen Mauerwerk und Dachoberseite muss mindestens 50 Zentimeter betragen. Da beim Reetdach eine Regenrinne fehlt, kann nur so das Wasser in ausreichender Entfernung von der Mauer abfließen.
  • Die Reetschicht sollte mindestens 30 Zentimeter dick sein.
  • Laut Feuerungsverordnung muss der Schornsteinaustritt mindestens 80 Zentimeter über dem First liegen, sonst erhöht sich die Feuergefahr.
  • Eine Hinterlüftung, also ein Spalt, durch den Außenluft strömen kann, transportiert die Feuchtigkeit nach außen. Dies verhindert Schimmelbildung oder vorzeitigen Verfall. Eine Hinterlüftung kann auch nachträglich eingebaut werden.

Die Konstruktion eines Reetdachs sollte immer in die Hände eines speziellen Dachdeckerbetriebes gelegt werden. Nur er kann genau beurteilen, wie das Dach konstruiert werden muss, um eine möglichst lange Lebensdauer zu erreichen.

Alternative Kunstreet?

Wer die Nachteile eines Reetdachs scheut, kann zu Kunstreet greifen. Die künstliche Dacheindeckung ist schwerer entflammbar und resistent gegen Schädlinge. Da es weniger Pflege benötigt, ist es im Gegensatz zu natürlichem Reet in der Instandhaltung preiswerter, in der Anschaffung jedoch teurer.


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1 Kommentar

Heinz Lichter am 12.09.2015 10:22

kennen Sie: www.art-reet.de ??

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