Decke streichen: So gelingt’s

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Ob Renovierung oder der Wunsch nach Veränderung: Alle paar Jahre müssen Innenräume neu gestrichen werden. In den meisten Fällen wird der neue Anstrich in Eigenarbeit aufgebracht – und eine der unbeliebtesten Tätigkeiten ist dabei das Streichen der Decke. Viele denken sofort an umständliches Über-Kopf-Arbeiten, Rückenschmerzen und vielleicht sogar unschöne Streifen, sobald die Farbe getrocknet ist. Doch Decke streichen geht auch anders. Wie ein optimales Ergebnis streifenfrei und mit wenig Mühe gelingt.

Decke streichen, Mann streicht Decke mit einem Teleskoprolle, das Zimmer ist zum Teil mit Folie abgedeckt. Foto: Ingo Bartussek / stock.adobe.com
Es kann anstrengend sind, die Decke zu streichen. Mit dem passenden Werkzeug, Material und der richtigen Vorbereitung geht’s besser. Foto: Ingo Bartussek / stock.adobe.com

Bei einem Anstrich stellt sich zuerst die Frage nach der geeigneten Farbe. Als Standard gilt Dispersionsfarbe. Sie kann auf Tapeten und mineralische Untergründe aufgetragen werden, sie ist wasserdampfdurchlässig und alterungsbeständig. Für mineralische Untergründe eignet sich auch Silikatfarbe. Latexfarbe ist abrieb- und wasserfest und empfiehlt sich eher für Bereiche, in denen Feuchtigkeit entsteht, wie Bad oder Küche.

Kosten für Farbe

Die Kosten unterscheiden sich nach Art der Farbe und deren Qualität. Sehr günstige Dispersionsfarbe ist bereits ab 10 Euro für einen 10-Liter-Eimer erhältlich. Je höher die Deckkraft und die Nassabriebklasse, die besagt, wie strapazierfähig eine Farbe ist, steigen auch die Kosten für Dispersionsfarbe. Der Preis von Silikatfarbe liegt, wie bei reinen Naturfarben üblich, etwas höher und richtet sich ebenfalls nach der Qualität.

Grundsätzlich sollte man nicht an der Qualität sparen. Deckenfarben brauchen zwar vielleicht nicht die höchste Nassabriebbeständigkeit, eine gute Deckkraft sollten sie aber besitzen – dann muss man nicht so oft streichen. Spezielle Deckenfarben sind zudem etwas dickflüssiger – so decken sie besser und tropfen weniger.

Stellt sich noch die Frage: Wie viel Farbe wird benötigt? Als Faustregel lässt sich ein Quadratmeter mit etwa 170 ml Farbe decken. In der Praxis hängt die Farbmenge aber auch von Deckkraft, Qualität der Farbe und dem Untergrund ab, denn strukturierte Flächen wie zum Beispiel Raufaser – an der Decke keine Seltenheit – benötigen mehr Farbe als glatte Untergründe. Also lieber etwas mehr Farbe kaufen.

Decke streichen, Farbeimer von oben fotografiert, Foto: Björn Wylezich / stock.adobe.com
Standardausrüstung für alle, die Streichen wollen: Folie, Farbe, Rolle. Foto: Björn Wylezich / stock.adobe.com

Das Werkzeug

Ist die Farbe ausgewählt, benötigt man noch das geeignete Werkzeug. Dazu gehören:

  • Farbrolle: Für weiße Farben empfiehlt sich eine längerflorige Lammfellrolle. Andere Farben sollten mit kurzflorigeren Rollen aufgetragen werden.
  • Pinsel: Die Qualität der Pinsel ist wichtig, damit sich die Borsten nicht lösen und im Farbauftrag hängenbleiben. Für Dispersionsfarbe nimmt man am besten Pinsel mit Chinaborsten.
  • Leiter und Teleskopstange: Um die Decke zu erreichen, kann eine Leiter oder eine Teleskopstange zu Hilfe genommen werden.
  • Abdeckfolie und Klebeband / Malerkrepp

Erster Schritt: Vorbereitung und Kanten streichen

Decke streichen, zu streichendes Zimmer in dessen Mitte ein Soga steht, das mit Folie abgedeckt wurde. Foto: Svenni / stock.adobe.com
Nicht immer kann ein Raum komplett leergeräumt werden, bevor er gestrichen wird. Dann muss er eben gut abgedeckt werden. Foto: Svenni / stock.adobe.com

Nun geht es an die eigentliche Arbeit. Zur Vorbereitung sollte der Raum komplett ausgeräumt werden. Nicht bewegliche Elemente müssen ebenso wie der Boden abgedeckt werden. Grundsätzlich beginnt man beim Streichen immer mit der Decke. Ansonsten drohen unschöne Farbspritzer auf den frisch gestrichenen Wänden. Sollen die Wände eine andere Farbe erhalten als die Decke, ist exaktes Abkleben der Übergänge gefragt. Dazu werden die Kanten zwischen Decke und Wand sauber abgeklebt. Anschließend werden die Kanten mit einem langstieligen Pinsel vorgestrichen.

Zweiter Schritt: Deckenfläche rollen

Decke Streichen, Foto: SusaZoom / stock.adobe.com
Mit der Teleskoprolle lässt sich die Decke gut streichen. Foto: SusaZoom / stock.adobe.com

Anschließend sollte man die Kanten umgehend mit der Malerrolle überstreichen, damit keine Übergänge sichtbar sind. Profis nennen das „Nass-in-nass“ streichen. Hier lohnt es sich unter Umständen, zu zweit zu arbeiten. Für die großen Flächen mit der Malerrolle empfiehlt sich eine Teleskopstange. Diese wird immer quer nach vorne betätigt. Direkt über dem Kopf zu streichen ist nicht gut für den Rücken und lässt die Farbe ins Gesicht spritzen.

Zu beachten ist auch, dass die Rolle mit ausreichend Farbe getränkt ist, damit sie optimal deckt. Vorsicht aber bei zu viel Farbe: Dann entstehen unschöne Farbnasen. Die Rolle sollte nicht vor Farbe tropfen und die Struktur des Flors erkennbar sein. Überschüssige Farbe lässt sich durch kurzes Auf- und Abrollen an einem Streichgitter entfernen.

Die Anstrichrichtung ergibt sich aus dem Lichteinfall: Man sollte immer am Fenster beginnen und sich zur gegenüberliegenden Wand vorarbeiten. Das verhindert störende Streifenbildung. Auch sollte der Raum kühl sein, damit die Farbe nicht zu schnell trocknet. In der Regel ist für ein optimales Ergebnis ein zweiter Anstrich erforderlich, nachdem der erste Farbauftrag getrocknet ist. Damit keine Streifen entstehen, sollte der Anstrich einmal längs und einmal quer erfolgen.

Raumwirkung durch Deckenfarbe verändern

In den meisten Fällen wird die Decke klassisch weiß gestrichen, denn das vergrößert den Raum und öffnet ihn nach oben. Sind auch die Wände weiß, wirkt der Raum insgesamt größer. Gerade bei hohen Decken oder großen Räumen kann eine farbig gestrichene Decke aber einen schönen Akzent setzen. Eine in dunklerer Farbe gestrichene Decke lässt den Raum niedriger und wohnlicher wirken. Im Gegenzug wirkt ein Raum mit dunkleren Wänden und einer helleren Deckenfarbe höher. Um diese Effekte zu erzielen, müssen gar keine kräftigen Farben zum Einsatz kommen. Schon leichte Nuancen oder Abtönungen sorgen für eine veränderte Optik.

Um individuelle Akzente zu setzen, können Decke und Wände auch mit speziellen Techniken gestaltet werden. Beliebt ist nach wie vor die Wischtechnik, die ein mediterranes Flair erzeugt. Dabei wird die Farbe mithilfe eines Naturschwamms tupfend und wischend aufgetragen. Auch das nachträgliche Anbringen von Stuckelementen kann dem Raum eine stilvolle Wirkung verleihen.

Decke streichen, Küche mit rotem Spanndeckensystem. Foto: CILING
Wer seine Decke nicht streichen will, kann beispielsweise auch ein solchen Deckensystem anbringen. Foto: CILING

Alternativen: Täfelung und Deckensysteme

Wer Decken hingegen nicht mehr streichen will, kann auf Alternativen zurückgreifen. Klassisch ist nach wie vor die Täfelung der Decken. Neben klassischen Holzkassetten gibt es heute auch dezentere und moderne Varianten: Deckenpaneele sind in vielen verschiedenen Materialien, Farben und Oberflächen erhältlich.

Für sehr hohe Räume empfehlen sich Deckensysteme wie zum Beispiel Spanndecken. Damit lässt sich eine Decke ohne größere Bauarbeiten abhängen. Der Raum wirkt wohnlicher und auch Heizwärme kann effizienter genutzt werden. Deckensysteme bieten sich durch Zusatzfunktionen auch für spezielle Anforderungen an. So gibt es Deckensysteme, die gezielt auf Brandschutz, Feuchteschutz oder eine verbesserte Akustik ausgerichtet sind.


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1 Kommentar

Carsten am 01.09.2017 19:34

Zitat: Ist die Farbe an der Decke heller als die Wände, dann wirkt der Raum niedriger. Ist die Decke heller, wirkt der Raum höher." Ja, was den nun? Beide male helle Decke, trotzdem unterschiedliche Wirkung?

auf Kommentar antworten

Redaktion bauen.de am 04.09.2017 17:43

Hallo Carsten,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Wir haben den Fehler ausgebessert. Eine dunkle Decke macht den Raum optisch niedriger, ist die Decke heller als die Wände, wirkt er höher.

Herzliche Grüße,

die Redaktion von bauen.de