Bautagebuch – wichtige Pflichtaufgabe statt romantischer Kür

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Das Bautagebuch dokumentiert den gesamten Baubablauf inklusive aller Schäden und Mängel. Es ist ein wichtiges Beweismittel. Erstellt wird es durch den Bauleiter.

Bautagebuch, Foto: Gina Sanders/Fotolia.com
Geht beim Hausbau tatsächlich etwas schief, dient das Bautagebuch, das der Bauleiter führen muss, als Beweismittel. Foto: Gina Sanders/Fotolia.com Foto: Gina Sanders/Fotolia.com

Der Begriff Bautagebuch mag sich romantisch verklärt oder nach einer Küraufgabe anhören, ist aber das genaue Gegenteil: Das Führen eines Bautagebuches zählt zu den so genannten HOAI-Grundleistungen eines Bauleiters in der Leistungsphase 8, also der Bauüberwachung. Die HOAI ist die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure, auf deren Grundlage der Architekt für den Bauherrn tätig wird. Das Bautagebuch sollte täglich, mindestens aber bei jedem Baustellenbesuch, geführt werden und den Fortschritt auf der Baustelle dokumentieren. Wichtig: Das Bautagebuch ist ein Beweismittel, das vor Gericht Bestand hat.

Nicht ohne mein Bautagebuch

Der private Häuslebauer baut in der Regel einmal in seinem Leben ein Haus. Damit ist jeder private Bauherr per se ein Anfänger und in der Regel ein Laie. Fehler zu erkennen und später zu beweisen, ist sehr kompliziert. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Hausbau ein Großprojekt ist, das in der Regel ein Großteil der Ersparnisse aufzehrt und den Bauherrn auf Jahre verschuldet. Umso wichtiger ist es, dass der gesamte Prozess des Hausbaus lückenlos dokumentiert wird. Dies geschieht im so genannten Bautagebuch, das der Bauleiter führen muss: Und zwar während der gesamten Bauzeit. Damit kann später noch nachvollzogen werden, was, wann und durch wen auf der Baustelle ausgeführt wurde und welche Mängel oder Schäden aufgetreten sind.

Checkliste – das muss rein

Das Wichtigste zuerst: Das Bautagebuch muss regelmäßig geführt werden. Es dient dazu, später nachzuvollziehen, in welchen Schritten der Hausbau vorangegangen ist. Daher müssen vor allem die folgenden Aspekte in diesem Dokument aufgezeichnet werden:

  • Angaben zum Objekt (Einfamilienhaus Familie XY)
  • Datum des jeweiligen Eintrags
  • Angaben zum allgemeinen Baufortschritt
  • Angaben zum Wetter, insbesondere wenn dieses Auswirkungen auf den Baufortschritt haben kann
  • Gewerke: Welche Unternehmen sind derzeit auf der Baustelle tätig und mit welchen Mitarbeitern?
  • Verwendete Materialien und eingesetzte Baugeräte
  • Dokumentation von (vermuteten) Mängeln und Schäden
  • Ergebnisse von Besprechungen sowie Namen und Unterschriften der Beteiligten
  • Fotos von Gewerken, die später nicht mehr sichtbar sind (z.B. Elektroinstallationen)
  • Anlagen wie Betriebsanleitungen zu den verbauten Elementen (Türen, Fenster, Heizungsanlage etc.)

 

Der Bauherr und das Bautagebuch

Das Bautagebuch ist Bestandteil des Vertrags zwischen Bauherren und seinem Bauleiter. Es dient also nicht allein dem Bauleiter als internes Dokument. Der Bauherr hat einen Anspruch darauf, dieses einzusehen und sich regelmäßig eine Kopie anzufordern. Diese Auszüge aus dem Bautagebuch sollten gesammelt und zu den allgemeinen Bauunterlagen geheftet werden.

Praxistipp: Auch wenn der Bauherr das Bautagebuch nicht selbst führen muss, macht es Sinn, eigene Notizen anzufertigen. Insbesondere wenn Schäden oder Mängel auftreten, sollte der Bauherr auch selbst Fotos anfertigen. Nützlich kann es auch sein, Fotos von Elektroinstallationen und Fußbodenheizungen anzufertigen, die später nicht mehr zu sehen sind. Sollten einmal Reparaturen notwendig werden, leisten diese Dokumentationen wertvolle Dienste.


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1 Kommentar

Redaktion bauen.de am 28.09.2017 11:31

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