Photovoltaik: Eigenverbrauch von Solarstrom lohnt sich

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Für Hausbesitzer rechnet sich der Eigenverbrauch von Solarstrom. Denn die mittels Photovoltaik erzeugte Energie ist viel preiswerter als der vom Energieunternehmen gekaufte Strom. Wer eine Photovoltaikanlage installiert, um zumindest einen Teil des Stroms selbst zu nutzen, muss allerdings auch einige steuerliche Aspekte beachten.

Solarstrom vom Dach ist viel günstiger als gekaufter Strom vom Versorger. Wer in eine Photovoltaikanlage investiert, profitiert also von einem hohen Eigenverbrauchsanteil seines Solarstroms.

Eigenverbrauch von Solarstrom dank Netzparität lohnend

Die Preise für Photovoltaikanlagen sind in den vergangenen Jahren drastisch gesunken und damit auch die Kosten für die Erzeugung von Solarstrom. Schon vor einigen Jahren wurde der Punkt erreicht, an dem für Endverbraucher selbst erzeugter Solarstrom nicht mehr teurer ist, als der Strom, den er vom Stromanbieter erwirbt: Diesen Schnittpunkt nennt man Netzparität. Inzwischen kostet die Kilowattstunde selbst erzeugter Solarstrom für neu errichtete Anlagen sogar deutlich weniger, als der zugekaufte Strom vom Versorger.

Wie viel man mit Eigenverbrauch von Solarstrom einsparen kann

Eigenverbrauch, Solarstrom, Photovoltaik, Foto: jhorrocks/iStock.com
Den Solarstrom vom Dach selbst verbrauchen: das lohnt sich. Foto: jhorrocks/iStock.com

Leider ist eine einhundertprozentige Selbstversorgung mit Solarstrom kaum möglich, denn die Sonne scheint nicht immer dann, wenn der Strom benötigt wird und umgekehrt produziert eine Photovoltaikanlage in sonnenreichen Stunden oft viel mehr, als gerade benötigt wird. Eine Möglichkeit, den Eigenverbrauch zu erhöhen, sind Energiespeicher. Die aber kosten immer noch viel Geld, so dass eine solche Investition oft noch nicht wirtschaftlich lohnend ist. Ohne Energiespeicher können oft nur 20 bis 30 Prozent des eigenen Solarstroms selbst verbraucht werden, der Rest wird ins Netz eingespeist.

Wie viel der selbst produzierte Solarstrom kostet

Wie teuer der selbst produzierte Solarstrom ist, hängt von einer Reihe von Faktoren ab:

  • Wie teuer sind die Anschaffungskosten der Solaranlage pro Kilowatt Nennleistung?
  • Wie hoch ist die Sonneneinstrahlung am Standort? Ist die Anlage optimal gen Süden ausgerichtet, gibt es Verschattungen?
  • Wie hoch sind die laufenden Unterhaltskosten?
  • Welche steuerlichen Aspekte sind zu beachten?
  • Wie hoch sind die Finanzierungskosten (Zinsen), oder: auf wie viel Rendite auf sein eingesetztes Eigenkapital verzichtet der Betreiber einer Photovoltaikanlage?

Im Allgemeinen kann ein Hausbesitzer einer typischen neuen Hausdachanlage bis zehn Kilowatt Nennleistung mit Kosten von weniger als zehn Cent je produzierter Kilowattstunde rechnen.Im Allgemeinen wird bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung davon ausgegangen, dass eine Photovoltaikanlage eine Nutzungsdauer von 20 Jahren hat, zumal es für ins Netz eingespeisten Solarstrom ebenfalls 20 Jahre lang eine Einspeisevergütung gibt. Demzufolge ist die größte Kostenposition die fünfprozentige Abschreibung auf die Anlage. Hat eine Anlage 10.000 Euro gekostet, sind das demzufolge jährlich 500 Euro. Daneben fallen weitere Kosten, meist im unteren dreistelligen Bereich, für Wartung, Reinigung der Paneele und Versicherung an.

Einspeisen oder selbst verbrauchen: Warum sich der Eigenverbrauch von Solarstrom lohnt

Der Strom, der aktuell nicht verbraucht wird, kann ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Der Netzbetreiber ist gesetzlich verpflichtet, für diesen Strom eine Einspeisevergütung zu zahlen. Sie beläuft sich für neu errichtete Anlagen aktuell auf gut zwölf Cent pro Kilowattstunde. Stark vereinfacht gesagt: Kostet den Hausbesitzer eine Kilowattstunde Solarstrom zehn Cent und bekommt er dafür zwölf Cent, verbleibt ihm ein Gewinn von zwei Cent.

Viel interessanter ist aber der Eigenverbrauch. Angenommen, der Strom vom Versorger kostet 30 Cent pro Kilowattstunde, der selbst produzierte nur zehn Cent, so verbleibt ein Überschuss von 20 Cent, wenn der Strom nicht vom Versorger gekauft werden muss.

Eigenverbrauch von Solarstrom: Steuerliche Aspekte

Eigenverbrauch, Steuern, Foto: Dutko/iStock.com
Wer eine Photovoltaikanlage betreibt, gilt als Unternehmer. Unter Umständen besteht auch eine Umsatzsteuer-Pflicht. Foto: Dutko/iStock.com

Allerdings lässt sich mit einer einfachen Einnahmen-/Ausgaben-Rechnung die Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage und des Eigenverbrauchs nicht vollständig erfassen. Denn wer eine Photovoltaikanlage auf sein Dach montiert, gilt vor dem Finanzamt als Unternehmer. Mit der Folge, dass auch steuerliche Aspekte beachtet werden müssen.

Betreiber von Photovoltaikanlagen sind Unternehmer

Bereits direkt nach Inbetriebnahme der Photovoltaikanlage muss sich der Hausbesitzer entscheiden, ob er ein vorsteuerabzugsberechtigter Unternehmer oder ein Kleinunternehmer sein will. Ersteres bedeutet, dass er die 19 Prozent Mehrwertsteuer, die er auf seine Anlage bezahlt hat, vom Finanzamt zurückerstattet bekommt. Bei einer Photovoltaikanlage, die brutto 11.900 Euro kostet, sind das immerhin 1.900 Euro. Der Nachteil: Der Hausbesitzer muss in den kommenden Jahren sowohl Mehrwertsteuer für den an den Netzbetreiber gelieferten und vergüteten Strom, als auch für den selbst verbrauchten Solarstrom entrichten.

Laut eines Schreibens des Bundesfinanzministeriums muss der Eigenverbrauch bei der Berechnung der Mehrwertsteuer berücksichtigt werden. Grundlage für die Berechnung ist nicht der eigene Herstellungspreis des Solarstroms, sondern der Preis, den der Versorger für gelieferten Strom verlangt. Kostet eine Kilowattstunde Strom vom Versorger also zum Beispiel 25 Cent ohne Mehrwertsteuer und liegt der Eigenverbrauch von Solarstrom bei jährlich 1.000 Kilowattstunden, so sind 19 Prozent Umsatzsteuer auf 250 Euro (1.000 Kilowatt x 0,25 Euro), mithin also 47,50 Euro fällig.

Wer sich für die Option als Kleinunternehmer entscheidet, kann sich die Mehrwertsteuer auf die Anschaffungskosten der Photovoltaikanlage nicht vom Fiskus zurückerstatten lassen, muss aber umgekehrt auch keine Umsatzsteuer auf den eingespeisten und den selbst verbrauchten Solarstrom zahlen. Übrigens: Kleinunternehmer ist, wer weniger als 17.500 Euro Umsatz im Jahr erwirtschaftet. Diese Umsatzgrenze wird bei typischen Einfamilienhausdachanlagen bei weitem nicht erreicht.

Praxis-Tipp

Jährlicher Ertrag einer Photovoltaikanlage

Herr Maier installiert eine Photovoltaikanlage mit einer Nennleistung von 7,5 Kilowatt. Pro Kilowatt Nennleistung kann er an seinem Standort jährlich mit einem Ertrag von 950 Kilowatt rechnen. Pro Jahr erzeugt er also rund 7.100 Kilowattstunden Strom (7,5 x 950 Kilowatt).

Für die 6.000 Kilowattstunden, die er einspeist, erhält er eine Einspeisevergütung in Höhe von rund 720 Euro (rund 12 Cent pro Kilowattstunde)

1.200 Kilowattstunden verbraucht er selbst; diesen Strom muss er nicht für 30 Cent vom Versorger kaufen. Bei eigenen Stromgestehungskosten von zehn Cent spart er 20 Cent, insgesamt pro Jahr 240 Euro.

Für welche Option sich Eigenheimbesitzer entscheiden sollten, muss individuell abgewogen werden. Neben wirtschaftlichen Erwägungen gilt es folgendes zu bedenken: Wer sich für die Variante mit Vorsteuerabzugsberechtigung entscheidet, muss über den gesamten Betriebszeitraum seiner Photovoltaikanlage regelmäßig Umsatzsteuer-Voranmeldungen ans Finanzamt schicken. Diesen erheblichen Verwaltungsaufwand hat der Kleinunternehmer nicht.

Einkommensteuer auf Solarstrom

Neben den umsatzsteuerlichen Aspekten müssen Gewinne aus dem Betrieb von Photovoltaikanlagen als Einkommen versteuert werden. Die Gewinne berechnen sich wie folgt:

Einnahmen aus Einspeisung ins Stromnetz
+ (fiktive) Einnahmen aus Eigenverbrauch

abzüglich:

Abschreibung der Anlage
- Finanzierungskosten
- sonstige Kosten (Wartung, Versicherung, Reparatur und Instandhaltung, anteilige Kosten für den Steuerberater)

Ein Beispiel: Die Einnahmen einer Photovoltaikanlage belaufen sich auf jährlich 960 Euro. Dem stehen folgende Kosten gegenüber: 500 Euro Abschreibungen, 100 Euro Finanzierungskosten und 200 Euro sonstige Kosten. Daraus ergibt sich ein Gewinn in Höhe von 160 Euro, der mit dem individuellen Einkommensteuersatz versteuert werden muss.

Info

EEG-Umlage

Wer eine Photovoltaik-Anlage mit Eigenverbrauch und einer Nennleistung von mehr als zehn Kilowatt betreibt, muss eine Abgabe in Höhe  von 40 Prozent der EEG-Umlage für den selbst genutzten Strom zahlen. Typische Einfamilienhausdachanlagen haben allerdings fast immer eine kleinere Nennleistung und sind von dieser Abgabe freigestellt.

So lässt sich der Eigenverbrauch optimieren

Weil der Eigenverbrauch von Solarstrom finanzielle Vorteile verspricht, sollte dieser möglichst hoch sein. Um die Eigenverbrauchsquote zu erhöhen, gibt es mehrere Möglichkeiten:

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Wer seinen Solarstrom in einem Heimspeicher speichert, kann auch nachts Sonnenstrom verbrauchen und so seinen Eigenverbrauch erhöhen. Foto: Kreisel Electric

Solarstrom speichern: Eine deutliche Steigerung des Eigenverbrauchs ist vor allem mit einem Solarstromspeicher möglich, bei ausreichender Größe des Speichers kann der Autarkiegrad im Frühjahr, Sommer und Herbst sogar nahe an 100 Prozent heranreichen. Die Preise für solche Speicher sinken langsam, es kommen immer mehr Speicher auf den Markt, bei denen eine Wirtschaftlichkeit darstellbar ist.

Nur tagsüber Großverbraucher anschalten: Die einfachste Möglichkeit, den Eigenverbrauch zu steigern besteht darin, Geräte mit hohem Stromverbrauch nur dann zu verwenden, wenn die Sonne scheint. Waschmaschine oder Wäschetrockner sollten demzufolge nur tagsüber, nicht nach Sonnenuntergang betrieben werden. Denn dann würde der teure Strom vom Versorger benötigt werden.

Sparen

Für moderne Photovoltaik-Anlagen gibt es Apps, über die man zeitaktuell abrufen kann, wie viel Strom die Anlage gerade produziert. Ein weiterer kurzer Blick auf die Wetter-App kann dann  Auskunft darüber geben, ob es sinnvoll ist, jetzt den Wäschetrockner anzuschalten.

Zeitschaltuhr montieren: Wer tagsüber nicht zuhause ist, kann einen Stecker mit Zeitschaltuhr montieren. Die Waschmaschine startet dann zum Beispiel um 11 Uhr – das ist eine Zeit, in der die Anlage bei gutem Wetter viel Strom produziert.

Verbrauch managen: Intelligente Gerätemanager erkennen automatisch, wann die Anlage viel Strom produziert und starten dann automatisiert Großverbraucher wie Waschmaschine, Trockner oder Geschirrspüler.

70 Prozent-Grenze optimieren: Nur wenn die Sonne sehr kräftig scheint, produzieren Photovoltaikanlage richtig viel Strom. Problem: Bei Leistungsspitzen kann dann schnell durch zu viel eingespeisten Solarstrom das Stromnetz überlastet werden. Deshalb ist eine Begrenzung der Leistungsspitzen gesetzlich geregelt:

  • Harte 70-Prozent-Regelung: Die Leistung der Photovoltaikanlage wird im Wechselrichter auf 70 Prozent der Nennleistung gekappt.
  • Weiche 70-Prozent-Regelung: Maximal 70 Prozent des erzeugten Solarstroms werden eingespeist. Darüber hinaus produzierter Strom steht im Haushalt zum Eigenverbrauch zur Verfügung (geringe Mehrkosten durch zusätzliche Messhardware am Einspeisepunkt).
  • Einspeisemanagement: Es wird vom örtlichen Stromversorger ein Rundsteuerempfänger erworben oder gemietet. Es können dann 100 Prozent der Nennleistung eingespeist werden, allerdings hat der Stromversorger die Möglichkeit, bei Leistungsspitzen die Einspeiseleistung variabel zu drosseln (Nachteil: Hohe Kosten, je nach Versorger bis über 1.000 Euro für Hardware und Montage möglich).

Für Betreiber kleinerer Photovoltaikanlage mit Batteriespeicher bietet sich die weiche 70-Prozent-Regelung an, um den Eigenverbrauch zu optimieren. Denn der die 70 Prozent überschießende Teil des produzierten Stroms kann im Haushalt selbst verbraucht und solange in den Akku eingespeist werden kann, bis dieser voll ist.

Photovoltaikanlagen sind langfristige Investition

Photovoltaikanlagen amortisieren sich oft schon nach zehn bis 15 Jahren, insbesondere wenn der Eigenverbrauch von Solarstrom optimiert wird. Nach Ablauf von 20 Jahren gibt es zwar keine Einspeisevergütung mehr, doch auch danach sind Photovoltaikanlagen meist noch nicht altersschwach: Viele Hersteller von Modulen geben eine Leistungsgarantie von 80 Prozent oder mehr der ursprünglichen Nennleistung für 25 Jahre. Im Zusammenspiel mit einem Energiespeicher kann Photovoltaik die Stromkosten für Jahrzehnte also deutlich senken.

07.06.2017


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