Der Dachstuhl – selbst Hand anlegen?

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Der Dachstuhl gehört zu den wichtigsten tragenden Bauteilen der Außenhülle eines Gebäudes. Er muss zahlreiche Belastungen aushalten, wie sein Eigengewicht, die Dacheindeckung und vor allem Wind- und Schneelasten. Als Heimwerkerprojekt eines Ausbauhauses eignet sich der Dachstuhl in den meisten Fällen deswegen nicht. Ein paar Ausnahmen gibt es allerdings schon.

Dachstuhl, Dachstuhl selbst bauen, Rohbau mit Dachstuhl, beim Nachbarhaus ist das Dach bereits eingedeckt, Foto: Wellnhofer Designs / stock.adobe.com
Ein Dachstuhl mit Öffnungen für Dachfenster. Eine Arbeit, bei der höchste Präzision gefragt ist. Foto: Wellnhofer Designs / stock.adobe.com

Wenn das Dach beschädigt ist, kann das verheerende Folgen für das gesamte Haus haben. Wasser kann eindringen und den Wohnraum unter Wasser setzen oder das Mauerwerk durchfeuchten. Ein wackliger Dachstuhl ist gar eine Gefahr für Leib und Leben. Entsprechend sorgfältig und fachmännisch sollte dieses Gewerk ausgeführt werden.

Zimmerleute werden drei Jahre lang ausgebildet, danach können sie Dachstühle bauen, aber auch Fertighäuser und Fachwerkbauten errichten und Fenster, Treppen und Türen montieren. Um ein eigenes Unternehmen zu führen, brauchen Zimmerleute allerdings einen Meisterbrief. Diese Fachkenntnisse und den entsprechenden Erfahrungsschatz können selbst die begabtesten Heimwerker nicht wettmachen. Dennoch müssen Sie nicht zwangsläufig nur zuschauen, wenn die Profis einen Dachstuhl zimmern.

Der zimmermannsmäßige Abbund: Wie ein Dachstuhl entsteht

Zimmerleute bauen einen Dachstuhl ganz grob in folgenden Arbeitsschritten auf:

  • Anreißen: An den Rohhölzern anzeichnen, wie die Bauteile des Dachstuhles zurechtgesägt werden sollen – so wie jeder Heimwerker mit einem Bleistift markiert, wo er ein Brett absägen will. Darüber hinaus muss markiert werden, wo beispielsweise gefräst, gebohrt oder abgeschrägt werden muss.
  • Formgebung: Das jeweilige Bauteil millimetergenau aus einem Rohholz sägen und gegebenenfalls Bohrungen setzen oder Schrägen schneiden.
  • Probeweises Zusammensetzen der wichtigsten Bauteile auf dem Abbundplatz. Das ist eine großräumige Halle oder ein Platz im Freien.
  • Markieren der Bauelemente, damit sie auf der Baustelle genau dort montiert werden, wo sie hingehören.
  • Die Arbeitsschritte, die Zimmerleute beim traditionellen Abbund in Handarbeit erledigten, werden heute in den meisten Fällen von Computern und CAD-Maschinen vorgenommen. Das heißt, die Pläne werden mithilfe von Computer Aided Design auf Maschinen übertragen, die die Hölzer dann zuschneiden. Das geht sehr viel schneller, ist absolut genau und hilft, Verschnitt zu reduzieren.
  • Nach dem Transport auf die Baustelle können die Bauteile dann in der richtigen Reihenfolge zusammengesetzt und je nach Technik miteinander verbunden werden. Dabei muss oft nachjustiert werden oder es müssen spontan Lösungen gefunden werden – zum Beispiel, weil die Maurer nicht hundertprozentig nach Bauplan gearbeitet haben.

Eine Übersicht über diese Arbeitsschritte zeigt dieses Video:

Das zeigt: selbst geschickte Heimwerker können Fachkräfte nicht ersetzen. Insbesondere dann nicht, wenn die Sicherheit gewährleistet sein muss, wie beispielsweise bei der Elektro- oder Gasinstallationen oder eben auch im Dachbau.

Eigenleistungen beim Bau eines Dachstuhles

Wer dennoch den Dachstuhl selbst bauen oder wenigstens mithelfen will, hat dazu zwei Möglichkeiten:

Das Selbstbauhaus

Wer ein Selbstbauhaus erworben hat, erhält alle fertig zugeschnittenen und vorsortierten Bauelemente des Hauses und auch des Dachstuhls auf die Baustelle geliefert. Außerdem sind im Bausatz auch die notwendigen Verbindungselemente enthalten, also beispielsweise Loch- und Nagelplatten sowie Mauerwerksanker und Windrispen. Dazu gibt es eine Anleitung und je nach Hersteller sogar Schulungen. Selbst in diesem Fall sollten der Bauherr und seine Helfer aber sehr erfahren im Holzbau sein und beispielsweise schon mehrere Holzhütten und Carports aufgebaut haben. Eventuell gibt es die Möglichkeit, das Bausatzhaus mit der Hilfe eines erfahrenen Bau- oder Richtmeisters, der vom Hersteller gestellt wird, zu bauen.

Dachstuhl, Sachstuhl selbst bauen, Blick von innen auf den Dachstuhl, ein Zimmermann klettert einen Dachbalken nach oben, mit dem Hammer in der Hand, foto: sculpies / stock.adobe.com
Um einen Dachstuhl aufzubauen, sollte man unter anderem schwindelfrei sein, wie dieser Zimmermann. foto: sculpies / stock.adobe.com

Mithilfe beim Zimmerer

Vergibt der Bauherr die Gewerke einzeln, kann er auch individuell aushandeln, welche Arbeiten der Zimmerer übernimmt und kann beim Aufbau das Dachstuhls möglicherweise zumindest helfen. Auch dann stellt die Zimmerei zumindest einen Richtmeister, der auf der Baustelle die fachliche Verantwortung trägt und dem Bauherrn und seinen Helfern Anweisungen gibt. Je nachdem, wie viele Helfer der Bauherr organisieren kann, kommt der Richtmeister aber auch mit einem oder zwei Gesellen auf die Baustelle.

Auf jeden Fall ist es aus Haftungsgründen sinnvoll, dem Auftragnehmer die Mess- und Sägearbeiten zu überlassen. So muss dieser selbst für Ersatz sorgen, wenn falsch gemessen wurde. Der Bauherr sollte für seine Helfer außerdem eine Bauhelferversicherung abschließen. Informationen gibt’s bei Versicherungsunternehmen oder der Berufsgenossenschaft Bau.

Technische Ausrüstung beim Dachstuhlbau

Ganz ohne technische Ausrüstung geht es in beiden Fällen nicht. Zumindest ein Kran und ein Gerüst sind erforderlich. Genauere Informationen gibt’s bei der Zimmerei beziehungsweise vom Bausatzhaushersteller. Steht das Gerät im öffentlichen Raum, also beispielsweise auf der Straße oder einem Fußweg, ist eine Genehmigung der Gemeinde- oder Stadtverwaltung erforderlich. Bauherr und Auftragnehmer können absprechen, wer sich worum kümmert.

Geeignete Dachformen

Wer beim Dachstuhl selbst mit anpackt, sollte möglichst eine einfache Dachform wählen. Am besten geeignet sind das Pult- und das Sparrendach:

  • Pultdach: Gemessen am baulichen Aufwand und den erforderlichen Fertigkeiten, stellt das Pultdach die geringsten Anforderungen, da es nur eine Neigung aufweist.
  • Sparrendach: Das Sparrendach ist die wohl häufigste und deshalb bekannteste Dachform. Die beiden geneigten Dachflächen machen den Aufbau etwas schwieriger.
  • Pfettendach und Kehldach: Diese Dachformen sind durch zusätzliche Balkenelemtne komplexer und machen dadurch den Aufbau schwieriger.

Fazit

So sinnvoll es sein kann, durch Eigenleistungen Geld zu sparen – der Dachstuhl ist üblicherweise nicht die richtige Aufgabe für Heimwerker und sollte besser an ein Profiunternehmen vergeben werden. Wer allerdings handwerklich geschickt ist, kann zumindest beim Aufbau mithelfen.

Link-Tipp

Für geschickte Heimwerker gibt es beim Hausbau jede Menge Arbeiten, die problemlos übernommen werden können. Eine Übersicht:


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