Richtig streichen: Malern wie ein Profi

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Wände streichen wie ein Profi? Schneller gesagt als getan. Wer ein optimales Ergebnis erzielen will, muss sich und die Räume perfekt vorbereiten. Wir sagen, worauf es ankommt.

Für den perfekten Wandanstrich reicht es nicht aus, bloß etwas Farbe aufzutragen. Es bedarf neben dem richtigen Arbeitsmaterial, das optimale Werkzeug und gute Planung. Foto: adobe.stock.com/visivasnc

Ist das neue Eigenheim erstmal übergeben, fehlen nur noch letzte Details, bis das Haus auch bezogen werden kann. Wer kein schlüsselfertiges Haus baut, der muss in vielen Fällen beispielsweise selbst streichen.

Auch wenn es sich dabei um eine vermeintlich leichte Übung handelt, gilt es besonders sorgsam zu arbeiten, damit man sich auch lange in den Räumen wohlfühlt. Nichts ist unnötiger, als nach dem Einrichten nochmal die Möbel zu verrücken, um Läufer, Flecken oder vergessene Stellen auszubessern.

Werkzeuge und Material

Noch bevor die Fahrt in dem Baumarkt beginnt, sollte zunächst die Frage beantwortet werden, wieviel Wandfarbe gebraucht wird. Je nach Untergrund und Art der Wandfarbe kann die benötigte Menge deutlich variieren.

Glatte Flächen bedürfen weniger Farbe als grobe Flächen, wie beispielsweise eine Raufasertapete. Als Maßgabe gilt: Ein Liter Farbe reicht für etwa fünf Quadratmeter glatte Wand, beziehungsweise braucht man zwischen 150 und 200 Milliliter pro Quadratmeter Wandfläche. Exakte Angaben stehen üblicherweise auf dem Farbeimer. Bei rauen Flächen schlägt man etwa 30 Prozent auf. 

Um die benötigte Farbmenge zu errechnen, muss die Gesamtfläche der zu streichenden Fläche errechnet werden. 

So rechnet man pro Zimmer: Länge Wand 1 + Wand 2+ Wand 3 + Wand 4 * Höhe des Raumes
Das Ergebnis wird mit dem Faktor 0,2 multipliziert.

Beispiel: 

Das Zimmer ist 5 Meter breit und 3 Meter lang.
Die Höhe beträgt übliche 2,50 Meter.

Rechnung: 5 + 3 + 5 + 3 * 2,5 = 40 Quadratmeter.
40 * 0,2 = 8

Ergebnis: Für diesen Raum sind etwa 8 Liter Farbe nötig.

Türen und Fenster sind in normalen Räumen nicht zwingend notwendig herauszurechnen. Das macht nur Sinn, wenn beispielsweise eine komplette Wand zum Großteil eine Fensterfläche ist. Wer auch die Decke streichen will, muss diese allerdings einrechnen. 

Unterschiedliche Wandfarben

Dispersionsfarbe
Die handelsübliche Wandfarbe ist für alle Räume und alle Untergründe geeignet. Sie besteht aus Wasser, Farbpigmenten sowie einem Bindemittel – den Dispersionen, die der Farbe dem Namen geben. Ihre Anwendungsgebiete sind Gipskartonplatten, Gipsputze, mineralische Putze sowie Beton. Dispersionsfarbe kann mit Vollton- oder Abtönfarben zu jeder beliebigen Wandfarbe angerührt werden. Wer das nicht selbst machen will, fragt im Baumarkt um Hilfe.

Mineral- oder Silikatfarbe 
Vor Allem für Allergiker bietet sich die Mineralfarbe an. Als Bindemittel ist ein natürliches Produkt beigemischt, beispielsweise ein Kaliumsilikat. Die Farben sind besonders wasserdampfdurchlässig, sodass die Feuchtigkeit von Wänden aufgenommen werden und was die Entstehung von Kondenswasser verhindert. Weil die Farbe alkalisch ist, wachsen keine Pilze oder Bakterien auf der Oberfläche. Silikatfarben können in jedem Zimmer im Wohnbereich genutzt werden, allerdings müssen die Untergründe passen: entweder mineralischer Putz, Beton oder Gipskartonplatten. Im Gegensatz zur Dispersionsfarbe kann aber nicht jeder beliebige Farbton angemischt werden.

Latexfarbe
Latexfarbe besteht zu einem Teil aus dem natürlichen Rohstoff Kautschuk - der Milch des Kautschukbaumes -, wodurch Wasser an der getrockneten Farbe abperlt. Verschmutzte Wände können dadurch leichter mit einem feuchten Tuch gesäubert werden, ohne den Anstrich zu beschädigen. Aufgrund des aufwendigen Herstellungsverfahrens und der damit verbundenen Kosten haben viele Hersteller den Kautschuk durch Kunstharz ersetzt. Der Effekt ist derselbe wie beim Naturprodukt, allerdings gibt es erhebliche Qualitätsunterschiede zwischen einzelnen Produkten.

Doch haben Latexfarben gegenüber einem herkömmlichen Anstrich auch Nachteile. Sie sind nicht atmungsaktiv und können keine Luftfeuchtigkeit aufnehmen. Um kein Schimmelwachstum zu riskieren, muss deswegen besonders darauf geachtet werden, dass ausreichend gelüftet wird. Latexfarbe kann angewendet werden auf mineralischem Putz, Gipsputz, Gipskartonplatten und Beton und kann mit jeder Vollton- beziehungsweise Abtönfarben gemischt werden.

Vorarbeiten

Ist die Arbeitskleidung angezogen, gilt es, sich zunächst dem Schutz der Böden zu widmen. Damit Staub und Farbe Teppich oder Parkett nichts anhaben, sollten sie großflächig abgedeckt werden. Hierzu bieten sich Malerfolien an, die Mithilfe eines Klebestreifens an der Fußbodenkante angebracht werden können. Die Folie selbst lässt sich großflächig bis in das Rauminnere ausklappen und bestens im Raum verlegen, um größtmöglichen Tropfschutz herzustellen. Die Alternative Malervlies ist zwar teurer und hat keine Klebekante, ist aber dafür umweltfreundlich und mehrfach verwendbar.

Übersicht aller Vorarbeiten:

  1.  Arbeitskleidung anziehen
  2. Boden mit Folie oder Vlies auslegen
  3. Risse, Löcher und Unebenheiten verspachteln und schleifen
  4. Wände säubern
  5. Lampen, Steckdosen- und Schalterabdeckungen entfernen oder mit Malerkrepp abkleben
  6. Grundieren

Löcher und Risse im Putz

Kleine oder mittelgroße Flächen können leicht mit etwas Spachtelmasse aufgefüllt und glattgestrichen werden. Nach dem Trocken mit etwas Schleifpapier abschleifen, um die Stellen an das Niveau der Wände anzupassen. Foto: eyjafjallajokull/istock.com

Der nächste Schritt widmet sich bereits den Wänden. Bevor sie aber mit Farbe versehen werden, gilt es zunächst, sich davon zu überzeugen, dass an keiner Stelle Löcher oder Risse im Putz sind. Kleine und mittelgroße Stellen können leicht mit etwas Spachtelmasse gefüllt werden.

Überreste werden mit einem Spachtelmesser glattgezogen. Nach dem Trocknen sollten die Stellen mit Schleifpapier geschliffen werden, sodass sie mit der Wand eine gleichmäßige Fläche bilden. Hierfür genügt Schleifpapier mit der Körnung 100. Mit dem Malerquast oder einem Besen können im letzten Schritt Staub und kleinere Unsauberkeiten von der Wand abgekehrt werden.

Abkleben von Schaltern, Leisten und Co. 

Vor dem Streichen sollten alle Ecken und Kanten sowie Lichtschalter sorgfältig mit Malerband abgeklebt werden. Das garantiert saubere Übergänge. Foto: Marija-Jovovic/istock.com

Beim Malern sind Farbkleckse, Spritzer und Ungenauigkeiten kaum zu vermeiden. Deswegen sollten zuvor sorgsam Flächen, Kanten, Rahmen und Fußleisten abgeklebt werden. Dafür eignet sich Malerkrepp – ein Klebeband mit einer gekräuselten Oberfläche und einer speziellen Kleberschicht an der Unterseite. Die Klebewirkung ist viel schwächer als beim normalen Klebeband, damit beim Abziehen keine Farbreste oder gar Putz von der Wand gerissen werden. Sie sind in 19 Millimeter Standardbreite erhältlich und zusätzlich in 30 und 50 Millimeter Breite. 

Das breitere Klebeband eignet sich beispielsweise für Fußleisten. Mittels eines langen Streifens kann dazu das Malervlies angeklebt werden, damit es nicht mehr von der Wand verrutscht. So wird der Fußboden übergangslos vor Farbspritzern und Klecksen geschützt.

Experten-Tipp

Anstelle eines normalen Malerkrepps kann Goldband verwendet werden. Der Vorteil: Es verhindert beim Streichen noch effizienter, dass flüssige Farbe unter das Band verläuft. Damit sind noch saubere Kanten möglich.
 

Grundieren

Sind diese Vorarbeiten beendet, muss unter Umständen eine Grundierung auf die Wände aufgetragen werden. Viele Untergründe, wie unbeschichteter Putz oder Rigips sind extrem saugfähig. Wandfarbe oder Tapeten halten auf solchen Wänden nicht, weil die Feuchtigkeit zu schnell aufgesogen wird. Ob eine Grundierung nötig ist, lässt sich leicht ermitteln:

  • Mit einem dunklen Tuch über die Wände streichen. Befindet sich sandiger oder kreideähnlicher Abrieb im Tuch, sollte der Untergrund im nächsten Schritt mit Tiefengrund grundiert werden. 
  • Mit einem feuchten Pinsel Wasser auftragen. Färbt sich die Stelle dunkel, nimmt sie das Wasser auf und die Wand sollte grundiert werden. Perlt das Wasser ab, ist eine Grundierung nicht nötig.
     
Info

Tiefengrund besteht zumeist auf Basis von Acrylharz oder Alkydharz und wird auf Gips, Beton und Putz angewendet. Er bindet Staub und vereinheitlicht die Saugfähigkeit des Untergrunds. Dabei optimiert er die Haftung zwischen ihm und dem Farbanstrich. 
 

Im ersten Schritt sollte vor dem Grundieren der Stromkasten überprüft werden. Die Sicherungen müssen ausgeschaltet werden, sonst droht beim Arbeiten mit dem Tiefengrund später Lebensgefahr. Sind alle Sicherungen draußen, sollte im nächsten Schritt geprüft werden, ob alle Steckdosen wirklich keinen Strom mehr abgeben. Dazu dient der Spannungsprüfer. Erst dann geht’s mit dem Malerquast und dem Tiefengrund los.

Tiefengrund gibt es schon ab etwa 11 Euro für 10 Liter, kann aber auch deutlich teurer sein. Für einen Quadratmeter braucht man etwa 0,1 Liter Tiefengrund. Die gesamte Wandfläche sollte gleichmäßig damit eingestrichen werden. Die Wand wird durch die Grundierung etwas dunkler. Je nach Hersteller wird empfohlen, die Grundierung mindestens fünf Stunden trocken zu lassen. Profis lassen die Grundierung meist über Nacht trocknen und beginnen am Tag darauf mit dem nächsten Schritt.

Streichen

Die Wände sind vorbereitet, die Sicherungen raus und alles ist abgeklebt und -gedeckt? Dann kann es mit dem Streichen losgehen. Zuerst die Decke. So können ärgerliche Farbspritzer auf den frisch gestrichenen Wänden vermieden werden. 

Mit den Ecken beginnen

Ecken sollten sorgfältig mit einem Pinsel oder kleinen Farbrolle vorgestrichen werden. So ist garantiert, das jede Stelle mit Farbe bedeckt wird. Foto: Marija-Jovovic/istock.com

Ob Zimmerecken, der Übergang zur Decke, die Flächen rund um Steckdosen, Lichtschalter und um den Heizkörper sind zwar mühseliges Stückwerk. Es erleichtert aber die Arbeit, wenn sie schon vor dem Großanstrich sorgfältig mit Farbe versehen werden. Dafür bietet sich folgendes Werkzeug an:

  • Die kleine Malerrolle, die auch Heizungsrolle, Heizkörperwalze oder regional „Mäusle“ oder „Mäuschen“ bezeichnet wird. 
  • Für kleine Stellen rund um Lichtschalter und Steckdosen genügt auch ein Flachpinsel.
  • Für Ecken bieten sich am besten ein Eckenroller an, ist aber kein Muss. 
     
Info

Vor allem bei weißer Farbe setzen sich die Farbpigmente am Boden des Farbeimers ab. Deswegen sollte die Farbe mittels Rührstab – alternativ mit Akkubohrer und Quirl-Aufsatz – angerührt werden. Dabei werden auch die Bindemittel vermengt.

Große Flächen Streichen 

Zimmer werden nass in nass in möglichst in einem Durchgang gestrichen. Wer mit einer Teleskopstange streicht, kann auf eine Leiter komplett verzichten. Foto: photovs/istock.com

Ecken und Kanten sind gestrichen, Fußleisten und Co. abgeklebt? Dann können mit der Malerrolle die großen Flächen in Angriff genommen werden. Bei der Rolle muss zuvor noch zwischen Kurz- und Langflorrolle gewählt werden. Kurzflorrollen bieten sich für glatte Flächen an, die Langflorrollen für raue Untergründe - beispielsweise Raufasertapeten. Langflor benetzt auch die Stellen zwischen der Körnung mit ausreichend Farbe, ohne dass aufwendig darübergestrichen werden muss. Kurzflor stößt da schnell an seine Grenzen. 

Dann geht es los. Für einen gleichmäßigen Farbauftrag sind neben der Rolle ein Abstreifgitter unverzichtbar. Das verhindert Tropfen, Farbläufer und einen zu dicken Farbauftrag. Um später sichtbare Ansätze zu vermeiden, sollte ein Zimmer in einem Durchgang gestrichen werden, also nass in nass. Heimwerker beginnen mit dem Anstrich immer an einem Fenster, und arbeiten sich Bahn für Bahn von dieser natürlichen Lichtquelle weg in den Raum hinein. Dadurch können sie besser erkennen, ob der Anstrich gleichmäßig verteilt ist. Arbeitet man von dunkel nach hell sind solche Fehler schwerer zu erkennen. 

Mittels einer Teleskopstange kann getrost auf eine Leiter verzichtet werden, dafür ist beim Ziehen der Bahnen etwas mehr Kraftaufwand nötig. Für einen gleichmäßigen Anstrich sollte die Rolle immer in langen Bahnen gezogen werden, immer mit einem leichten Versatz zur vorherigen Bahn, um die Farbe optimal zu verteilen. Hier hilft die Vorstellung, ein großes „M“ auf die Wand zu streichen.

Sind alle Wände gestrichen, nicht vergessen das Malerkrepp beziehungsweise Goldband rechtzeitig zu entfernen. Oft wird damit gewartet, bis die Farbe durchgetrocknet ist. Ein Fehler! Ist die Farbe noch leicht feucht, gelingt meist eine nahezu perfekte Kante. Ist die Farbe fest angetrocknet, splittert sie an den Rändern oft ab, mit dem Ergebnis einer unsauberen Kante.

FAQ: Erste Hilfe bei Patzern

Absplitternde Farbe bei Neuanstrich

Damit an der Malerrolle beim ersten Farbauftrag nicht die Splitter der alten Farbe hängen bleiben, kann vorab die Beschaffenheit des Untergrunds mit einem einfachen Trick getestet werden: Dazu wird ein Klebestreifen auf der Mauer befestigt und wieder abgezogen. Bleiben alte Farbsplitter am Streifen kleben, wird der Untergrund die neue Farbe wohl nicht aufnehmen und abbröckeln. In dem Fall gibt es zwei Lösungen.

  • Einlagig, vorsichtig ohne Druck streichen. Beispielsweise mit Isolierfarbe mit geringem Feuchtigkeitsgehalt.
  • Sollte das nicht klappen, hilft nur alle Schichten bis zum Mauerwerk entfernen und neu verputzen.

Ungleichmäßiger Farbauftrag

Die erste Schicht Farbe trocknet, aber die Wand wird fleckig? Da hilft nur ein zweiter Anstrich. Damit die nächste Wand direkt im ersten Anlauf gleichmäßig farbig wird, hilft es, sollte mit ausreichend Farbe auf der Rolle senkrecht, dann quer und zum Schluss wieder in senkrechten, langen Bahnen gearbeitet werden. 
 

Triefende Farbnasen

Läuft die Farbe an der Wand herab, bilden sich sogenannte Farbnasen – auch Läufer genannt. Das liegt an zu viel Farbe auf der Rolle. Bemerkt man die Überschüsse, während die Farbe noch nass ist, können sie einfach mit etwas Küchenrolle oder einem Lappen entfernt werden. Damit keine neuen Nasen entstehen, sollte die überschüssige Farbe von der Rolle am Streichgitter abgestrichen werden.


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