Förderungen beim Hausbau – der Staat zahlt mit

Ein Hausbau oder auch der Kauf und die Renovierung eines Altbaus ist für die meisten Menschen eine außerordentliche finanzielle Belastung. Doch der Staat fördert zum einen den Immobilienerwerb und zum anderen auch umweltfreundliche Haustechnik. Für den einzelnen Bauherrn gibt es eine Vielzahl an Förderungsmöglichkeiten, die ein wichtiger Baustein der Immobilienfinanzierung sein können.

Förderungen, Zuschüsse, KfW Fördermittel, Foto: tuk69tuk - fotolia.com

Bauherren in Deutschland steht eine größere Zahl von Fördermöglichkeiten zur Verfügung – viele von ihnen für energieeffiziente Technik und erneuerbare Energien. Einige andere fördern Wohneigentum, zum Großteil aber wiederum energieeffizientes Wohneigentum. Damit gleicht der Staat zum Teil immer strengere Normen und Regeln aus, die Bauen teuer machen. Zudem setzt er Marktanreize. Die wichtigsten beiden Förderer sind die KfW-Bank und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa).

Für Bauherren ist das natürlich eine Chance. Es lohnt sich, Förderprogramme zu prüfen und gegebenenfalls zur Finanzierung der eigenen Immobilie zu nutzen.

KfW-Förderprogramme

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau, kurz KfW, fördert Privatpersonen sowie Unternehmen und deren Bauvorhaben. Daneben allerdings auch Existenzgründungen, Weiterbildungen, Unternehmensinvestitionen und ganze Kommunen. Für Bauherren ist natürlich nur ein Teil dieser Programme interessant.

Eigentumsförderung und energieeffizient bauen

Die umfangreichste Förderung für Bauherren gibt es mit dem KfW-Wohneigentumsprogramm und der Fördermaßnahme Energieeffizient Bauen. Das Wohneigentumsprogramm gewährt einen Kredit von maximal 50.000 Euro. Wer energieeffizient baut, erhält sogar bis zu 100.000 Euro. Die beiden Programme lassen sich kombinieren, sodass Bauherren einen Kredit in Gesamthöhe von 150.000 Euro beantragen können. Die Zinsen sind etwas niedriger als auf dem freien Markt.

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, in den ersten Jahren der Kreditlaufzeit nur Zinsen zu bezahlen und den Kredit nicht zu tilgen. Das heißt, dass sie in dieser Zeit eine geringere Belastung haben und mehr Geld zur Verfügung steht, um beispielsweise den Garten anzulegen. Bei besonders energieeffizienten Gebäuden erhält der Kreditnehmer einen kleinen Tilgungszuschuss, muss also nicht die gesamte Kreditsumme zurückzahlen.

Die Bedingungen sind einfach:

  • Das Wohneigentumsprogramm ist für Menschen, die eine Immobilie kaufen, um selbst darin zu wohnen. Auch nahe Angehörige dürfen die Immobilie bewohnen, sofern dies unentgeltlich geschieht. Vermietet werden darf die Immobilie nicht.
  • Energieeffizient bauen fördert die Errichtung von Gebäuden, die weniger Energie brauchen, als es die EnEV vorschreibt.

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Sanierungsförderung

Wer bereits ein Haus hat, dieses aber energieeffizient sanieren möchte, kann ebenfalls einen Kredit beantragen. Für Einzelmaßnahmen gibt es einen Kredit von maximal 50.000 Euro Wird durch die Sanierung ein KfW-Effizienzhausstandard erreicht, beträgt der Kredit maximal 100.000 Euro. Besonders energieeffiziente Gebäude erhalten auch innerhalb dieses Programms einen Tilgungszuschuss. Der Kreditnehmer leiht sich also beispielsweise 100.000 Euro, muss aber nur 95.000 Euro zurückzahlen.

Für bestimmte Maßnahmen, etwa die Wärmedämmung von Hauswänden oder den Einbau von Brennstoffzellen, gibt es alternativ auch die Möglichkeit, einen Zuschuss zu beantragen – ganz ohne Verbindung mit einem Kredit. Der Zuschuss muss nicht zurückgezahlt werden.

KfW 55 und Co – die Effizienzhaus-Standards

Die Förderbank arbeitet mit dem Begriff KfW-Effizienzhaus in Kombination mit einer Zahl wie 55 oder 70. Die Zahl steht für den prozentualen Anteil der Primärenergie im Vergleich zu einem Referenzgebäude, das die Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) einhält. Ein KfW-Effizienzhaus 55 verbraucht also beispielsweise maximal 55 Prozent der Energie, die ein Standardneubau verbrauchen darf. 

Förderungen, Zuschüsse, Erneuerbare Energien, Photovoltaik, KfW, Bafa, Foto: Marco2811 - fotolia.com
Die Installation einer Photovoltaikanlage zahlt sich oftmals aus - selbst in Deutschland. Dazu kann auch zinsgünstiger Kredit der KfW-Bank beitragen. Foto: Marco2811 - fotolia.com

Erneuerbare Energien: Förderung von Photovoltaikanlagen

Speziell für Photovoltaikanlagen gibt es weitere Förderprogramme, die auch für Investoren interessant sind. Denn pro Vorhaben beträgt der Kredit bis zu 25 Millionen Euro. Diese Summe geht weit über das hinaus, was ein privater Bauherr für die Photovoltaikanlagen auf dem Dach des eigenen Wohnhauses investieren muss.

Weitere Förderprogramme

Für Immobilienbesitzer ist außerdem das Förderprogramm für Einzelmaßnahmen zum Einbruchschutz oder zur Barrierereduzierung Interessant. Wenn Eigenheimbesitzer beispielsweise sichere Haustüren einbauen, Schutzgitter anbringen oder Einbruchmeldeanlagen installieren oder wenn sie das Bad behindertengerecht gestalten oder einen Treppenlift einbauen, erhalten sie dafür einen Kredit von maximal 50.000 Euro.

Fördermittel beantragen

Die Fördermittel können ausschließlich mithilfe eines Finanzierungsberaters, etwa bei einer Sparkasse, Versicherung, einem Baufinanzierer oder der eigenen Bank beantragt werden. Er übernimmt die Formalitäten und weiß auch, welche Programme kombiniert werden können: Beispielsweise das Wohneigentumsprogramm, Energieeffizient Bauen und das Förderprogramm für Photovoltaikanlagen. Sofern ein Kredit oder ein Zuschuss an einen bestimmten Energieeffizienzstandard gebunden ist, muss der Kreditnehmer nach Vollendung der Baumaßnahme eine entsprechende Bestätigung eines Energieberaters oder des beauftragten Fachunternehmens einreichen.

Zuschüsse des BAFA

Die KfW-Bank ist der größte Förderer erneuerbarer Energien und privater Bauherren, daneben spielt das Bafa eine wichtige Rolle. Das Bundesamt fördert Bauherren und Immobilienbesitzer, die in erneuerbare Energien oder energieeffiziente Heizungsanlagen investieren wollen, mit Investitionszuschüssen. Das gilt sowohl für den Neubau als auch für bestehende Immobilien.

Erneuerbare Energien

Das Bafa fördert Bauherren und Immobilienbesitzer, die ihr Haus mit erneuerbaren Energien heizen wollen. Gefördert werden Wärmepumpen sowie Solarthermie- und Biomasseanlagen. Die Bafa vergibt allerdings keine Kredite, sondern Zuschüsse, die sich an der Größe und Leistungsfähigkeit der Anlage orientieren.

Die Höhe des Zuschusses für Solarkollektoranlagen hängt davon ab, ob sie ausschließlich zur Warmwasserbereitung oder auch zur Heizungsunterstützung eingesetzt werden und liegt zwischen 500 und 5.600 Euro.

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Ein Scheitholz Vergaserkessel - Teil einer Biomasseanlage, für die Immobilieneigentümer Zuschüsse vom Bafa kassieren können. Foto: Viessmann

Für Biomasseanlagen, die mit Holzpellets betrieben werden, gibt es 80 Euro pro Kilowatt Nennleistung des Kessels. Für Hackschnitzel- und Scheitholzanlagen gibt es Pauschalzuschüsse zwischen 2.000 und 3.500 Euro.

Auch die Höhe des Zuschusses für Wärmepumpen ist von der Art und Leistungsfähigkeit abhängig, die Mindestfördersummen liegen zwischen 1.300 und 4.500 Euro.

Für die Optimierung von bestehenden Heizungsanlagen, etwa durch den Einbau einer effizienten Umwälzpumpe oder eines Pufferspeichers gibt es einen Zuschuss in Höhe von 30 Prozent der Investitionskosten, maximal jedoch 25.000 Euro. Im privaten Bereich dürfte diese Summe nicht erreicht werden.

Mini-Blockheizkraftwerke

Auch Mini-Blockheizkraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung, also Anlagen, die sowohl Strom als auch Wärme produzieren, werden gefördert. Die Höhe des Zuschusses richtet sich nach der Höhe der elektrischen Leistung und beträgt bei einer Leistung von 20 Kilowatt 3.500 Euro. Besonders effiziente Anlagen erhalten einen Bonus.

Fördermittel beantragen

Die Fördermittel des Bafa müssen über mehrseitige Formulare beantragt werden, die auf der Webseite des Bundesamtes zu finden sind. Die Formulare müssen zum Teil vom Antragssteller, zum Teil vom jeweiligen Installateur ausgefüllt werden. Geht der Antrag nicht innerhalb von neun Monaten nach Inbetriebnahme der Anlage ein, verfällt der Anspruch. Für alle Förderprogramme gibt es Listen, in denen alle förderfähigen Anlagen aufgeführt sind, sortiert nach Hersteller.

Förderprogramme regionaler Förderbanken

Neben der KfW haben die einzelnen Bundesländer jeweils eigene Förderbanken. Die meisten von ihnen fördern den Erwerb von Wohneigentum. Diese Kredite sind oftmals an Bedingungen wie eine bestimmte Wohnungsgröße oder ein Maximaleinkommen geknüpft.

Die NRW.Bank fördert beispielsweise ausschließlich Haushalte mit mindestens einem Kind. Die Netto-Einkommensgrenze bei einem Drei-Personen-Haushalt liegt bei 27.970 Euro pro Jahr. Die Darlehenshöhe beträgt für diesen Haushalt je nach Stadt zwischen 56.000 und 128.000 Euro. Die Familie muss allerdings mindestens 15 Prozent der Gesamtkosten selbst aufbringen und es muss nach Abzug aller Ratenzahlungen ein monatliches Einkommen von mindestens 1.255 Euro aufweisen. Alle Wohn- und Schlafräume müssen außerdem mindestens zehn Quadratmeter groß sein.

Die Sächsische Aufbaubank (SAB) dagegen fördert Bauherren, die eine KfW-Förderung erhalten. Das heißt, sobald ein Bauvorhaben von der KfW-Bank gefördert wird, können Bauherren weitere Kredite ohne maximale Beschränkung bei der SAB beantragen. Die Zinsen werden laut Angaben der SAB individuell und für den Kreditnehmer günstig festgelegt. Einschränkungen oder Bedingungen gibt es hier keine.

Fördermittel beantragen

Die Fördermittel müssen direkt bei der jeweiligen Förderbank beantragt werden. Das geht teilweise über Formulare, teilweise müssen die Antragssteller zu bestimmten Ämtern gehen.

Förderungen als Baustein der Immobilienfinanzierung

Die verschiedenen Fördermittel lassen sich grundsätzlich als Baustein einer Immobilienfinanzierung verwenden, zum Teil auch kombinieren. Allerdings sind bestimmte Kredite an Bedingungen geknüpft, wie es etwa bei der NRW.Bank der Fall ist oder auch bei den KfW-Krediten. Ob ein Förderprodukt sinnvoll in den Finanzierungsplan integriert werden kann, sollten Bauherren mit ihrem Baufinanzierer besprechen. Dabei ist es beispielsweise wichtig, die verschiedenen Kreditlaufzeiten und Ratenzahlungen im Auge zu behalten. So kann beispielsweise ein Bausparkredit, der üblicherweise recht schnell abbezahlt werden muss mit den tilgungsfreien Jahren eines KfW-Kredits abgestimmt werden. Bauherren sollten außerdem gut durchkalkulieren, ob es sich tatsächlich lohnt, einen höheren KfW-Effizienzhausstandard anzustreben, nur weil dadurch höhere Zuschüsse kassiert werden können. 

Matthias Dittmann 21.10.2016

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