Abwasserrohre verlegen: So macht’s der Profi

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Abwasserrohre werden meist von einem Fachmann verlegt. Geübte Heimwerker können jedoch auch selbst anpacken – das gilt auch für Reparaturen und zusätzliche Anschlüsse. Moderne Stecksysteme erleichtern die Arbeit zwar außerordentlich – aber ganz ohne Fachbegriffe und Grundregeln läuft es nicht.

Abwasserohre, Foto: RioPatuca Images/fotolia
Auch Abwasserrohre können Heimwerker selbst verlegen, wenn sie dabei einige Grundregeln beachten. Foto: RioPatuca Images/fotolia

Abwasserleitungen gibt es in Haus und Wohnung häufig: Dusche, Waschbecken, WC, Waschmaschine, Geschirrspüler, Spüle, Badewanne und Brennwertthermen benötigen einen Abfluss, oft auch die Böden von Bad, Sauna oder Waschküche, allerdings in jeweils unterschiedlichen Größen. Ein Überblick über die wichtigsten Kürzel und Bezeichnungen sowie einige Tipps für die Installation.

Abwasserleitungen: Die wichtigsten Bestandteile und Arten

Abwasserrohre können grundsätzlich nach den folgenden Kriterien unterschieden werden:

Nenndurchmesser

Die Industrie produziert Abwasserrohre für den Standardbedarf mit Durchmessern von 32 bis 160 mm. Die gängigen Größen für den Heimwerkerbedarf sind allerdings überschaubar:

  • Waschbecken, Geschirrspüler, Waschmaschine: DN = 40 – 50 mm
  • Duschen, Badewannen: DN = 50 – 75 mm
  • Toiletten: DN = 100 mm
Abwasserohre, Grafik: bauen.de
Abwasserrohre, Grafik: bauen.de
Abwasserrohre, Grafik: bauen.de

Das Kürzel DN (französisch: diamètre nominal, englisch: diameter nominal) bezeichnet die Nennweite eines Rohres. Gemeint ist der Innendurchmesser.

Material

Die in Baumärkten gehandelten grauen Hausabflussrohre bestehen aus Polypropylen (kurz PP). Sie werden auch als HT-Rohre bezeichnet. Das bedeutet, dass sie für hohe Temperaturen, also für heißes Wasser geeignet sind. Ferner sollen HT-Rohre gemäß Norm beständig gegen aggressive Abwässer und schwer entflammbar sein.

Formstücke

Dem Heimwerker stehen durchweg standardisierte Abflussrohre zur Verfügung. So ist es möglich, die Teile verschiedener Hersteller zu kombinieren. In Deutschland stammen die Produkte meist von den Firmen Marley oder Ostendorf. Es gibt raue Mengen an Formstücken, der Heimwerker benötigt in der Regel jedoch vornehmlich:

Gerades Rohr
Gehandelt in Längen von 25, 50, 100 und 200 cm, mit oder ohne aufgedruckter Längenscala

Bögen
mit Neigungswinkeln von 15, 30, 45, 67 und 87 Grad (bisweilen auch Knie genannt)

Gerades Abwasserrohr mit aufgedruckter Längenscala.
Abwasserohre, Foto: Malyszczyk
Gebogene Rohrstücke mit verschiedenen Neigungswinkeln. Foto: Malyszczyk

Abzweige
Sie gibt es im Wesentlichen in drei Ausführungen:

  • Einfachabzweig
  • Dreifachabzweig; er führt drei Leitungen zusammen  (oben, rechts, links), die alle in einer Ebene liegen.
  • Eckabzweig; führt ebenfalls drei Leitungen zusammen, die über Eck liegen)

Muffe
Auch Überschiebemuffe genannt; das Fachwort bezeichnet nichts anderes als einen Rohrverbinder. Er verfügt an beiden Enden über einen Dichtungsgummi und verbindet zwei Rohre, die dann innen liegen. Bei seinem Gegenstück, dem Nippel, werden die zu verbindenden Rohre außen angesetzt.

Schelle
mit ihr werden an der Wand verlaufende Rohre befestigt; es gibt sie mit und ohne Gummiring, der die Übertragung von Spülgeräuschen in die Wand mindert.

Abwasserrohre, Foto: Malyszczyk
Muffe und Nippel. Foto: Malyszczyk
Abwasserrohre, Foto: Malyszczyk
Schelle. Foto: Malyszczyk

So werden Abwasserrohre installiert

Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, Abwasserrohre anzubringen: entweder verborgen in der Wand oder im Fußboden oder aber offen an den Wänden verlaufend.

Installation in Wand oder Fußboden

Wo immer es geht, werden Heimwerker in Bad und Küche die nicht sonderlich ansehnlichen HT-Rohre verbergen wollen. Steht ohnehin eine Sanierung an, ist das meist kein Problem, denn die Leitungen werden später verputzt oder mit neuen Fliesen überdeckt.

  1. Zunächst ist zu prüfen, ob die in Frage kommenden Wände die notwendigen Rohre aufnehmen können. Leichte Zwischenwände von nur zwölf cm Stärke und tragende Wände eignen sich nicht oder nur bedingt. Im Zweifel sollten Heimwerker einen Statiker konsultieren bevor sie loslegen.
  2. Danach empfiehlt es sich, den gewünschten Verlauf der Rohre mit zwei parallel verlaufenden Strichen an der Wand anzuzeichnen. Für ein Rohr mit DN 40 muss man einen Schlitz von wenigsten 50 mm Breite vorsehen. Alle Aussparungen sollten eine Neigung aufweisen, also niemals ganz waagerecht verlaufen, damit die Rohre später mit einem optimalen Gefälle von zwei Prozent verlegt werden können. Das bedeutet, dass ein Rohr von einem Meter Länge um zwei cm geneigt liegt; die unumgängliche Mindestneigung beträgt einen cm – sonst kann das Abwasser nicht abfließen.
  3. Am Zeichnungsverlauf lässt sich absehen, welche Rohrlängen, Bögen und ggf. Abzweige benötigt werden. Wer sich diese Arbeit erstmals vornimmt, sollte das Material einkaufen und provisorisch zusammenstecken. So kann man leicht prüfen, ob man den geplanten Leitungsverlauf hinbekommt. Ungeübte Heimwerker sollten besser unterschiedliche Bögen einkaufen, um variieren zu können. Überschüssiges (und ungebrauchtes) Material kann man bei Vorlage des Kassenbons den großen Baumärkten meist innerhalb von vier Wochen zurückgeben.
  4. Am leichtesten lassen sich Wände aus Porenbeton bearbeiten. Doch auch einer Betonwand lässt sich per Trennschleifer oder Handkreissäge mit Diamantscheibe beikommen. Sind die Schlitze gesägt, werden die Mittelstücke mit einer Schlagbohrmaschine oder per Hand mit Hammer und Meißel herausgeschlagen. Dann die Rohre in der Wand anbringen.
  5. Erst nach einem Spültest, also einer Prüfung auf Dichtheit, werden die Rohrschlitze verschlossen. Dafür eignen sich Gips- oder Kalkzement-Putze, die es als Fertigmischung im 25-kg-Sack für sechs bis acht Euro zu kaufen gibt.

Installation an den Wänden verlaufend

Abwasserrohre, Foto: Malyszczyk
Hier wurde die Abwasserleitung für das kleine Handwaschbecken im Gäste-WC hinter einer breiten Vorsatzschale versteckt, die mit Fliesen verkleidet wurde. Foto: Malyszczyk

Die Installation von Abwasserrohren vor der Wand ist denkbar einfach. Man muss lediglich zusätzlich genügend Befestigungsschellen einkaufen und die Wände mit Bohrlöchern versehen. Dort werden Dübel gesetzt, um die Schellen (mit oder ohne schalldämmende Gummieinlage) einzuschrauben.

Bei kurzen Strecken können Heimwerker die Rohre oft optisch verschwinden lassen, indem sie Verkleidungen aus Rigips, Faserzement oder Holz davor setzen.

 

Verlege-Regeln und Tipps

Egal ob in der Wand oder außerhalb – diese Tipps helfen Heimwerkern, die Abwasserrohre leichter zu verlegen.

Trennen von Rohren

Es empfiehlt sich, eine Säge mit feiner Zahnung zu verwenden, beispielsweise eine Eisensäge; das zähe PP-Rohr zerfasert dann an der Schnittkante nicht so sehr. Entgraten muss man dennoch: innen mit einem scharfen Messer, außen mit einer feinen Feile.

Zusammenstecken

Rohre und Verbindungsstücke werden nie bis zum Anschlag ineinander gesteckt, um ihre Ausdehnung bei Erwärmung abzufangen. Tipp: Das Rohr in den Bogen schieben, bis es anstößt – das Rohr an der Übergangsstelle mit einem Bleistiftstrich versehen – Rohr wieder herausziehen, bis sich der Strich mindestens 1 cm entfernt hat – fertig.

Schellen setzen

Abwasserrohre, Foto: Malyszczyk
Die Schellen sollten immer kurz hinter der Wulst befestigt werden, in der die Gummidichtung liegt. Foto: Malyszczyk

Damit sich senkrecht verlaufende Abwasserrohre nicht durch ihr Gewicht absenken, befestigt man die Schellen kurz hinter der Wulst, in der die Gummidichtung liegt. Der maximale Abstand zwischen den Schellen beträgt bei senkrechten Leitungen zwei Meter; wurde die Leitung gestückelt, gehört unter jede Wulst eine Schelle. Sicherer ist es natürlich, die Fallrohre im Abstand von einem Meter zu befestigen.

Waagerechte Leitungen sollten stets an den Übergangsstellen befestigt werden, also vor und hinter einer Muffe oder einem Bogen, damit sie stets ihr Gefälle behalten und auch einen gelegentlichen Anrempler vertragen. Für lange, gerade Strecken gilt für den Abstand der Schellen eine Faustformel: Der Abstand entspricht dem zehnfachen Rohrdurchmesser. Rohre DN 50 erhalten also etwa alle 50 cm eine Schelle.

Winkel bilden

Abwasserrohre, Foto: Malyszczyk
Wendungen um 90 Grad sollten immer in Form von zwei 45-Grad-Bögen verlegt werden. Foto: Malyszczyk

Für alle Abwasserleitungen gilt das Prinzip, das wegströmende Nass möglichst wenig zu bremsen. Das hat einen triftigen Grund: wenn Abwasser gebremst wird, lagern sich leicht mitgeführte Partikel ab, was aus Dauer zu Verstopfungen führt. Man sorgt also für einen sanften Lauf und vermeidet unnötige Prallpunkte. Deshalb verwendet man für Ecken keine 90-Grad-Winkel, sondern verlegt zwei 45-Grad-Bögen, damit das Wasser keine abrupte Wendung nehmen muss.

Gleitmittel verwenden

Man kann sich die Montage erleichtern, indem man die Rohrenden vor dem Zusammenstecken mit einer reibungsmindernden Paste bestreicht. Solche Gleitmittel sind beispielsweise in Tuben zu 250 g erhältlich und kosten ab vier Euro. Die Paste schont die Gummidichtung, denn bei der Verlegung werden die Formstücke meist mehrfach wieder herausgenommen oder gedreht, bis sie richtig sitzen.

Übergänge setzen

Abwassersysteme werden so aufgebaut, dass die jeweiligen Sammelrohre stets einen größeren Durchmesser haben als ihre einzelnen Zuläufe. In das Sammelrohr eines Bades beispielsweise laufen die Leitungen von Dusche, Wanne und Waschbecken. So kann ein sein, dass man ein Sammelrohr von DN 75 oder gar DN 100 vorfindet, aber für das zusätzliche Waschbecken nur eine Leitung von DN 40 benötigt. Damit der Übergang fachmännisch gerät, verwendet man so genannte Reduzierstücke. Man kann auf diese Weise jede übliche Leitung in die nächst Größere führen, also beispielsweise DN 40 in DN 50.

Fachgerechte Durchbrüche

Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, die neue Abwasserleitung durch eine Wand oder den Fußboden zu führen. Bei Holzbalkendecken muss man streng darauf achten, beim Durchbohren nicht einen tragenden Balken zu treffen; bei einer Betondecke sollte keinesfalls die stählerne Bewehrung beschädigt werden. An geeigneter Stelle schafft man in Wand oder Boden mit Hilfe einer Bohrkrone einen kreisrunden Durchbruch. Er muss so groß sein, dass man ein größeres Rohrstück einschieben und mit Mörtel oder Gips befestigen kann. Durch dieses Futter läuft dann die Abwasserleitung, die ein Spiel von wenigstens fünf mm haben muss und nicht einbetoniert werden darf.

An die Wartung denken

Auch fachmännisch verlegte Abwasserrohre sind nicht für alle Zeit vor Ablagerungen, Verkalkung oder Verstopfung geschützt. Es ist deshalb nützlich, wenn die Leitung an leicht zugänglicher Stelle ein Reinigungsrohr erhält. Das ist nichts anderes als ein Abzweig mit abschraubbarem Deckel. Die Montagestelle sollte vor der Einmündung ins nächstgrößere Rohr und möglichst weit weg von der Einspeisung (dem Abfluss von Dusche, Waschbecken, Wanne und so weiter) liegen. In den verschließbaren Zugang kann man im Notfall eine Reinigungsspirale einführen.

Fazit

Wer alle Tipps beherzigt, kann seine Abwasserleitung ohne große Schwierigkeiten selbst verlegen – treten dennoch Probleme auf, empfiehlt es sich aber wie immer, einen Fachmann zu  konsultieren.


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8 Kommentare

Redaktion bauen.de am 06.05.2016 12:50

Hallo ritchi,

das Fallrohr müssen Sie nicht wärmedämmen, Schallschutz kann unter Umständen notwendig sein. Auch um das Rohr zu schützen schadet es aber nicht, das Rohr einzupacken. Größere Löcher und Schäden in Ihrer Wand können Sie mit... mehr

auf Kommentar antworten

ritchi am 05.05.2016 00:37

Hallo zusammen,

muss ein Abwasserrohr (HT, 40 mm Durchmesser, vom Waschbecken), dass in die Wand verlegt wird, speziell eingebettet werden (z.B. mit Polyurethan) oder wird die Wand zuletzt einfach nur zugespachtelt?

Grüße Ritchi

... mehr
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bauen.de-Redaktion am 19.02.2016 10:31

Hallo Bauherrin,

ein Abwasserrohr sollte nie komplett waagerecht verlegt werden, sondern immer ein Gefälle von mindestens ein bis drei Prozent aufweisen. Der Übergang von Ihrer senkrecht nach unten liegenden Leitung zur fast... mehr

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