Atriumhäuser: Der Hof im Haus

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Atriumhäuser sind in der Regel um einen Innenhof herum gebaut, weshalb sie auch Hofhäuser heißen. Sie bieten ihren Bewohnern Vorteile, die keine andere Bauform aufweist – und sind deswegen oft für ganz spezifische Wohnsituationen geeignet.

Atriumhäuser, Atrium mit Holzterrasse und Beeten. Foto: Martin Bilinovac / Steinkogler Aigner Architekten
Der innere Hof ist Garten und Terrasse zugleich. Foto: Martin Bilinovac / Steinkogler Aigner Architekten

Das Wichtigste in Kürze

Atriumhäuser …

  • … werden oftmals individuell geplant.
  • … bieten maximale Privatsphäre auf kleiner Fläche.
  • … versorgen die Innenräume mit viel Sonnenlicht.
  • … verursachen höhere Heizkosten wegen größerer Außenfläche.

Häuser mit Innenhof wurden bereits im alten Ägypten errichtet. In der Antike übernahmen die Römer die Bau-Idee von den Etruskern und ergänzten die Höfe um einen Säulengang. Die Idee der Hofhäuser wurde in Spanien und Südamerika zum Patio weiterentwickelt und breitete sich vor allem in heißen Ländern des Südens aus. Das Atriumhaus findet sich auch in vielen Varianten in der arabischen und asiatischen Kultur.

Moderne Atriumhäuser

In der modernen Architektur Westeuropas werden die Hofhäuser ebenfalls wieder aufgegriffen. Vor allem Bungalows werden in diesem Stil gebaut. Auch zweistöckige Stadthäuser, mediterran anmutende Bauten wie Toskanahäuser und japanisch inspirierte Atriumhäuser mit Zen-Garten im Innenhof gibt es in Mitteleuropa. Dieser Innenhof oder eben das Atrium ist dabei üblicherweise nicht überdacht, denn es geht ja üblicherweise darum, eine Außenfläche zu schaffen. Es gibt aber auch Konzepte für private Häuser mit verglastem Atrium. So entsteht ein geschützter heller Raum, ähnlich wie ein Wintergarten mitten im Haus.

Die Gründe für ein Atriumhaus sind oftmals:

  • Nicht einsehbarer Außenbereich,
  • mehr Tageslicht im Haus, insbesondere bei schwierigen architektonischen Bedingungen,
  • reizvolle Gemeinschaftsflächen im Innern des Hauses.

Ein Atriumhaus planen

Atriumhäuser, Atriumhaus in der Morgendämmerung, Foto: Langheinrich + Manke Architektur
Die linke Wand ist die Außenwand des Nachbarn. In das Atrium ragt auch ein Balkon. Foto: Langheinrich + Manke Architektur

„In der Regel handelt es sich bei Atriumhäusern um geplante Häuser, die ganz individuell auf die jeweiligen Flächen zugeschnitten sind“, sagt Marcus Langheinrich von Langheinrich + Manke Architektur in Leipzig. Das Unternehmen hat bereits mehrere Atriumhäuser realisiert. Auf die Idee der Hofhäuser kamen Langheinrich + Manke, als ihnen ein älterer Kollege von Atriumhäusern berichtete, die er in der ehemaligen DDR realisiert hatte.

Neben Atriumhäusern vom Architekten gibt es aber auch Typen- und Fertighäuser. Fertighäuser werden beispielsweise in Form von Bungalows von Bien Zenker oder Okal angeboten.

So oder so: es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Atrium umzusetzen.

Klassischer Grundriss mit Zugang zum Hof

Klassischerweise umschließt das Atriumhaus einen offenen Innenraum von allen vier Seiten, heutzutage meist mit komplett verglasten Flächen. Wo genau dieser Hof seinen Platz im Haus findet, kommt allerdings auf verschieden Faktoren an: „Der Grundriss eines Atriumhauses ist abhängig von der Fläche, auf der ein Hofhaus entstehen soll“, sagt Danny Manke von Langheinrich + Manke Architektur. „Idealerweise wird der Innenhof vom Wohnzimmer und der Küche aus ebenerdig erreicht, so dass man draußen essen kann. Auch andere Zimmer, in denen man viel Licht haben möchte, werden gerne um den Innenhof herum gruppiert. WC, Flur und Bad hingegen müssen nicht zum Innenhof liegen – es sei denn, ein besonderer Wellness-Bereich eventuell sogar mit Sauna wird mit eingeplant.“

Moderne Varianten des Atriumhauses

Es gibt aber auch Grundrisse moderner Hofhäuser, in denen ein Flur oder große Koch-Ess-Wohnflächen um das Atrium herum verlaufen. Diese Form ist in den vergangenen Jahren interessant geworden und geht mit der Auflösung klassischer Grundrisse einher. Hinzu kommen Atriumhäuser, die das Atrium nur andeuten und nicht alle vier Seiten vollständig umschließen. Dennoch bilden Sie durchihren Grundriss eine Art Hof im Innern. Das kann zum Beispiel ein Hausin der Form eines L oder eines U sein, dazu kommt möglicherweise noch eine Garage oder anderes Nebengebäude.

Atriumhäuser, modernes Haus aus Beton und Glas, viele gerade Linien. Foto: Okal
Das Atrium dieses modernen Hauses erstreckt sich über zwei Stockwerke – bietet im Erdgeschoss aber eine Öffnung nach außen. Foto: Okal

Vorteile von Atriumhäusern

Wie alle Bauformen hat auch das Atriumhaus im eigentlichen Sinne - also mit einem vierseitig umschlossenen Hof - Vor- und Nachteile.

Maximale Privatsphäre

Als größten Vorteil sieht Marcus Langheinrich, der vorwiegend in Städten baut, die Privatsphäre. „Atriumhäuser bei uns in Deutschland machen insbesondere dann Sinn, wenn man auf kleiner Fläche die maximale Privatsphäre erzielen möchte. Sie bieten eine gute Alternative zu einem Reihenhaus, in dem Gartenfläche an Gartenfläche grenzt.“ Anstatt also nur einen Teil des kleinen Grundstücks zu überbauen und dann eine kleine Gartenfläche zur Verfügung zu haben, wird so viel Fläche wie möglich überbaut – im Innern gibt es stattdessen ein Atrium.

Ruhe und Windschutz im Außenbereich

Ein weiteres Argument für das Hofhaus ist die Ruhe, die man im Innenhof selbst in der Stadt genießen kann. „Sie können sich gewissermaßen von der Außenwelt abschotten, sowohl akustisch als auch mental“, sagt Danny Manke. Auch vor Wind bietet das Atriumhaus Schutz.

Sicherheit und Helligkeit

Der Innenhof kann durch große Fenster oder Glasfronten zur zusätzlichen Lichtquelle werden. Das ist besonders dort relevant, wo von außen wenig Fensterflächen möglich oder gewünscht sind. Zum Beispiel bei geschlossener Bebauung und hässlichem Hinterhof.
Ein Vorteil ist zudem die Sicherheit, die ein Hofhaus bieten kann. Da das Licht aus dem innen liegenden, oft bodentiefen Fenstern kommt, können die Häuser außen sogar komplett fensterlos sein. Das wird man in unseren Breitengraden kaum machen. Doch auch hier hat man bei der Gestaltung der Außenwände unter Sicherheitsaspekten mehr Freiheit.

Freiraum für Sauna-Fans und Eltern

Das Hofhaus bietet weitere positive Besonderheiten. So kann es für Saunafans, die sich nach dem privaten Saunagang gerne draußen erfrischen möchten, einen speziellen Reiz ausüben: Im Atrium lassen sich Abkühlbecken und Ruheplätze unterbringen. Auch kleinere Kinder können unter Beobachtung bleiben, wenn sie an der frischen Luft – etwa in einem Sandkasten im Atrium – spielen.

Soziale Funktion

Auch die soziale und psychologische Funktion des Atriumhauses wird immer wieder von der Wissenschaft betont. Wie zeitgemäß die Urform des Atriumhauses wieder ist, hat zuletzt der Stardesigner Sebastian Herkner gezeigt. Er entwarf für die Kölner Möbelmesse die idealtypische Wohninstallation eines runden Hauses, das um ein gemeinsames Zentrum herum angeordnet ist. Sebastian Herkner: „Wir wollten mit diesem Haus das Thema Gastfreundschaft, Offenheit, Zeit miteinander verbringen transportieren – das, was ich auch immer auf Reisen erlebe in anderen Kulturen.“

Atriumhäuser, die Wände des Atriums sind weiß gestrichen, der Boden ist auch weiß, ein Naturholzbank bildet einen Kontrast, Foto: iStock.com / runna10
Klare Linie, weiße Eleganz, Atrium mit Pool. Foto: iStock.com / runna10

Nachteile des Atriumhauses

Daneben gibt es natürlich auch einige Nachteile:

Freifläche entfällt im Winter

Die Freifläche im Innenhof kann das Zusammenleben im Sommer bereichern, entfällt aber in unseren Breitengraden im Winter. Viele entscheiden sich deshalb doch lieber für ein klassisches Haus mit großzügigem Wohn- und Essbereich.

Je nach Höhe und Lage des Hauses kann im Außenbereich, also im Atrium, extrem viel Schatten entstehen. Die Ausrichtung des Atriumhauses muss also genau bedacht werden.

Höhere Heizkosten

Da das Atriumhaus über zusätzliche Außenwände verfügt, sind die Heizkosten in der Regel höher als für ein herkömmliches Haus mit ähnlicher Wohnfläche. Dieser Kostenfaktor ist jedoch – zumindest was zweistöckige Stadthäuser in Form von Reihenhäusern betrifft – anders. Marcus Langheinrich: „Wir haben Häuser mit und ohne Atrium in ihrem Verbrauch miteinander verglichen und keine nennenswert höheren Kosten feststellen können.“

Was kostet ein Atriumhaus?

Für ein durchschnittliches Atriumhaus in Massivbauweise muss man zirka 2.000 Euro pro Quadratmeter kalkulieren – so viel, wie für jedes andere Haus auch. Da ein Atriumhaus aber oftmals große Fenster benötigt und auch mit etwas höheren Ansprüchen der Bauherren an die Innenausstattung einhergeht, können die Kosten auch bei 2.500 Euro pro Quadratmeter oder darüber liegen. In der Regel werden Atriumhäuser mit Flachdach konzipiert. Kommen außerordentliche Dachkonstruktionen hinzu, liegen die Kosten höher. Für die Planung eines solchen Hauses inklusive Statik, Haustechnik und Wärmeschutz liegen die Kosten zum Beispiel bei Langheinrich + Manke bei rund 380 Euro pro Quadratmeter.


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