Dachziegel – witterungsfest und lange haltbar

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Ton, Lehm und Wasser – aus diesen Grundstoffen werden Dachziegel seit Jahrtausenden gefertigt. Früher wie heute gehören Ziegel zu den beliebtesten Baumaterialien. Sie können sowohl beim Neubau als auch bei der Dachsanierung eingesetzt werden.

Foto: epr/Eternit Foto: epr/Eternit

Vieles, was landläufig als Dachziegel bezeichnet wird, sind gar keine Dachziegel im technischen Sinne. Denn um einen Dachziegel handelt es sich nur bei solchen flächigen grobkeramischen Bedachungsmitteln für geneigte Dächer, die aus gebranntem Ton oder Lehm hergestellt sind. Dachziegel gehören also, zusammen mit Schieferplatten, Holzschindeln und Co. zu den so genannten natürlichen Bedachungsmitteln. Im Gegensatz dazu gibt es auch die so genannten künstlichen Bedachungswerkstoffe, zu denen die Betondachsteine, Elemente aus Kupfer und Zink oder aus dem zwischenzeitlich in Verruf geratenem Eternit zählen.

Dachziegel – wer hat’s erfunden?

Eines ist klar – die Geschichte der Dachziegel reicht schon lange zurück. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – lässt sich die Frage kaum beantworten, wer die Dachziegel erfunden hat. So gibt es unterschiedliche Quellen, wann und in welcher Region der Erde die Menschen mit der Herstellung und Verwendung der Dachziegel begonnen haben. Laut dem griechischen Schriftsteller Pindar geht die Erfindung der Dachziegel auf das Konto der Korinther in der Zeit um 450 vor Christus. Andere Quellen berichten davon, dass bereits seit etwa 2000 vor Christi bei den Ägyptern und Griechen mit Ziegeln gebaut wurde. Und wieder andere Quellen besagen, dass die Babylonier schon 3000 vor Christi solche Ziegel verwendet haben. 

Produktion war lange Zeit reine Handarbeit

Sicher ist jedoch, dass Dachziegel aus Lehm oder Ton hergestellt werden und wurden. Dabei bestehen Dachziegel bis heute zu 60 Prozent aus Ton oder Lehm und zu 40 Prozent aus mit Wasser gefüllten Poren. Über Jahrhunderte, wenn nicht sogar Jahrtausende, war die Produktion von Dachziegeln reine Handarbeit. Zu den Herstellern von Tondachziegeln zählten früher auch viele Bauern, die die Dachziegelproduktion als zusätzliche Einnahmequelle nutzten, um die langen Wintermonate ohne Einnahmequellen zu überbrücken. In diese Zeit der handgearbeiteten Dachziegel entstanden auch die so genannten Feierabendziegel, die mancherorts auch Glücksziegel oder Sonnenziegel genannt wurden: Den letzten Ziegel, der an einem Tag gefertigt wurde, markierten die Handwerker mit einem Ornament, einer Jahreszahl oder einem Text.

Anfangs waren Dachziegel so teuer, dass sie nur für öffentliche Gebäude und von reichen Bürgern oder Adeligen verwendet werden konnten. Doch nach und nach verbreiteten sie sich immer mehr in den Städten, um in den eng bebauten Gassen den Brandschutz zu erhöhen. Die einsetzende Industrialisierung und die Erfindung der Dampfmaschine läuteten den Beginn der Massenfertigung von Dachziegeln ein.

Farben, Formen und Gestaltung

Die Herstellung der Dachziegel hat sich trotz der Industrialisierung nur kaum verändert. Auch heute unterscheidet man zwischen den einzelnen Produktionsschritten: Abbau von Ton oder Lehm, Aufbereitung, Sumpfen oder Mauken zur Justierung des Feuchtegehaltes, Formgebung, Trocknungsprozess, Brennen und schließlich die Güteprüfung. Die Farbgebung von Dachziegeln wird durch das Ausgangsmaterial und die Veredelung bestimmt. So gibt es naturrote sowie gedämpfte und durchgefärbte, ebenfalls naturrote, Dachziegel. Die engobierten Dachziegel in Erdfarben werden aus Tonschlämmen hergestellt, die durch mineralische Zusätze farbig ausbrennen. Glasierte Dachziegel schließlich erhalten einen transparenten oder farbigen Überzug aus geschmolzenem Glas.

Da Dachziegel bei rund 1000 Grad gebrannt werden, werden sie besonders witterungsfest. Eine Dachdeckung aus Dachziegel hat oft eine Haltbarkeit von 80 bis 100 Jahren, dies kann jedoch je nach Gegebenheiten variieren - starke Witterungseinflüsse oder Umweltbelastungen lassen das Material schneller altern, auch Befall mit Moos verkürzt die Lebenszeit. Eine gute Wartung kann hingegen das Dachleben verlängern. Hierbei ist es wichtig, dass zum Beispiel nach einem Unwetter beschädigte Stellen umgehend repariert und heruntergefallene Ziegel ersetzt werden, denn Undichtigkeiten können schnell teure Folgeschäden verursachen.


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1 Kommentar

Trapezblech ab Werk am 17.07.2015 10:50

Liebe Nicole Ziese,

liebe Bauen.de Redaktion,

eine schöne Übersicht zum Thema Dachziegel und seine Geschichte die ich besonders mit dem geschichtlichen Hintergrund sehr interessiert gelesen habe.

Hinzuzufügen wäre aus meiner Sicht... mehr

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