Dampfsperre richtig anbringen

Lesermeinungen:  

(106)

Eine Dampfsperre schützt Dämmschicht und Bauteil vor eindringender Feuchtigkeit – und ist dennoch so manches Mal Ursache für weitreichende Feuchteschäden. Schließlich unterlaufen beim Einbau einer solchen diffusionsdichten Folie so manche Fehler.

Ob Geschossdecke oder Dach: Um Folgeschäden zu vermeiden, muss beim Anbringen der Dampfsperre äußerst gewissenhaft gearbeitet werden. Foto: Heinz Waldukat/Fotolia

Eine Dampfsperre ist – vereinfacht gesprochen – die Schutzhülle der Wand- oder Dachdämmung. Richtig angebracht sorgt die Folie aus Aluminium oder Polyethylen dafür, dass kein Wasserdampf in das Dämmmaterial eindringen kann. Nehmen Bauherren oder Renovierer das Dämmen selbst in die Hand, ist dabei eine der großen Fehlerquellen das richtige Anbringen der Dampfsperre: In der Theorie ist dies verhältnismäßig einfach – in der Praxis unterlaufen aber häufig Fehler mit weit reichenden Folgen.

Dampfsperren – wieso, weshalb, warum?

Wohnen, kochen, duschen, baden und selbst atmen, das alles verursacht feuchte, warme Luft. Kann die entstandene Feuchtigkeit nicht entweichen, schlägt sie sich an der kältesten Stelle im Raum nieder und kondensiert dort. Ein Teil der warmen Raumluft strömt durch die Wand nach draußen und kühlt auf ihrem Weg ab. Auch dabei kann sich Tauwasser bilden – das Schimmelbildung oder weitere Feuchteschäden in der Baukonstruktion verursachen kann.

Um diese Luftströmungen einzudämmen oder ganz zu unterbinden, werden diffusionsoffene, diffusionshemmende oder gar diffusionsdichte Folien eingebaut. Vor allem beim Dachausbau, beim Bau eines Holzhauses oder beim Errichten eines Fertighauses in Holzständerbauweise sind diese Folien unerlässlich, um Dämmung und Holzkonstruktion vor eindringender Feuchtigkeit zu schützen.

Eine lückenlose Luftdichtheitsschicht des Hauses wäre dabei wünschenswert. Mit einer korrekt verbauten Dampfsperre lässt sie sich erreichen. Theoretisch müssen bei der Montage einer Dampfsperre, also einer diffusionsdichten Folie, nur zwei Grundregeln beachtet werden:

  1. Die Dampfsperre wird immer auf der warmen Seite eines Bauteils eingezogen, ist also stets dem Innenraum zugewandt.
  2. Die Dampfsperre muss 100-prozentig dicht sein, kleinste Undichtigkeiten können zu gravierenden Schäden führen.

Vor allem der zweite Punkt führt in der Praxis jedoch immer wieder zu Problemen.

Tipp

Nicht jeder Dämmstoff muss mit einer Dampfsperre oder Dampfbremse kombiniert werden. Bei einer Innendämmung mit Kalziumsilikatplatten kann beispielsweise meistens auf eine solche Folie verzichtet werden.

Dampfsperre richtig einbauen

Bei der Aufsparrendämmung wird die Folie direkt auf die Sparren und unter das Dämmmaterial verlegt. Foto: Alterfalter - fotolia.com

Eine Dampfsperre muss zu 100 Prozent dicht sein. Besondere Sorgfalt gilt also den Foliennähten sowie den Anschlussstellen an Fenster oder Steckdosen.

Wo die Dampfsperre eingebaut wird, ist abhängig von der Dämmart. Bei einer umfassenderen Dachsanierung wird meist direkt auf den Sparren gedämmt. In diesem Fall wird die Dampfsperrfolie oberhalb der Sparren direkt auf den Sparren verlegt oder in eine Vollschalung eingebaut. Erfolgt die Dämmung zwischen den Sparren, liegt die Folie raumseitig unterhalb der Sparren. Bei einigen Sanierungsfällen müssen Dampfsperren auch von außen geschlauft über die Sparren verlegt werden. Dann sind meist besondere Systeme zu verbauen – und es sollte in jedem Fall der Profi ran.

Link-Tipp

Hier erfahren Sie mehr über die verschiedenen Dämmweisen – und wie Heimwerker diese selber machen können:

Beim Befestigen der Dampfsperre wird die Folie zwangsläufig beschädigt. Ein Dichtband schließt die kleinen Löcher. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG
Die diffusionsdichte Folie kann ganz einfach am Sparren festgetackert werden. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG
Die Überlappungen zwischen den einzelnen Folienbahnen können mit einem speziellen Klettband verschlossen werden. Foto: SAINT-GOBAIN ISOVER G+H AG

Nachdem das Dämmmaterial aufgebracht wurde, geht es ans Anbringen der Dampfsperre, die in der Regel aus Aluminium oder Polyethylen besteht.

  • Die Montage der Folie erfolgt entweder parallel zu den Sparren oder parallel zur Traufe. Unabhängig von der Laufrichtung sollten sich die Folienbahnen jeweils mindestens zehn Zentimeter überlappen. Dabei darf die Folie nicht unter Spannung stehen, sondern einige Zentimeter durchhängen. Ans Mauerwerk wird die Folie daher durch Materialzugabe angeschlossen.
  • Zur Befestigung wird üblicherweise ein abdichtendes Tackerband auf die Sparren geklebt. Wird die Folie dann mit Tackerklammern oder Breitkopfstiften an den Sparren befestigt, sorgt dieses Band für die nötige Luftdichtigkeit. Beim Übergang der Dachfläche zum Giebel wird die Folie durch ein Dichtband befestigt. Dabei gilt es Falten zu vermeiden. Endgültig fixiert wird die Dampfsperre aber erst durch die Unterkonstruktion der Innenbekleidung.
Bei der Abdichtung der Übergänge zum Mauerwerk sollte man darauf achten, dass die Folie nicht unter Spannung steht. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG
Durchlässe sind stets besonderes sorgfältig abzudichten. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG
Die einzelnen Materialien – wie Folie, Klettband oder Montagekleber – sollten gut aufeinander abgestimmt sein. Foto: tesa SE
  • Abschließend müssen Durchbrüche und Anschlussstellen fixiert und abgedichtet werden. Dies erfolgt entweder durch speziellen Kleber oder durch geeignetes Dichtband. Rohrdurchbrüche werden am besten mit einem separaten Flansch aus dem gleichen Material abgedichtet, Fenster mit separaten Bahnenstreifen angeschlossen. Um die Dampfsperre möglichst selten zu durchstoßen, empfiehlt es sich eine Installationsebene zwischen Folie und Innenbekleidung zu schaffen. Schließlich kann durch jedes Tackerloch und jede Steckdosenöffnung Feuchtigkeit in die Dämmung gelangen und nicht mehr entweichen.
Die Konterlattung fixiert die Dampfbremse endgültig. Beim Verschrauben darauf achten, dass immer nur auf den Sparren geschraubt wird. Foto: DEUTSCHE ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG
  • Zum Abschluss wird die Konterlattung aufgebracht. Diese dient als Abstandshalter zwischen Dampfsperre und Rauminnenwand. Nur so kann eine ausreichende Luftzirkulation gewährleistet werden. Auf der Konterlattung kann nun die Innenwand aufgebracht werden.

Fehlerquellen, Mängel und deren Vorbeugung

Schlechte Anschlüsse: Damit Dampfsperre oder Dampfbrems ihre Funktion erfüllen kann, müssen sie lückenlos verklebt sein. Foto: Verband Privater Bauherren (VPB)

Weist eine Dampfsperre geringste Undichtigkeiten auf, so kann dies gravierende Folgen haben: Schimmelbildung, Herabsetzung der Dämmfunktion und Wärmeverlust durch Zugluft. Und selbst Schäden an tragenden Bauteilen durch die eindringende Feuchtigkeit sind nicht auszuschließen. Um Undichtigkeiten vor Aufbringen der Innenwand aufzuspüren, führen Fachleute einen so genannten Blower-Door-Test durch.

Achtung: Auch wenn die Innenwände angebracht sind, muss in diesen Räumen auf die Dichtigkeit der Dampfsperre geachtet werden. Wer Bilder aufhängt oder Möbel anbringt, kann dabei die Dampfsperre durchlöchern.

Damit Feuchtigkeit erst gar nicht ins Bauteil oder die Dämmung eindringt, müssen undichte Stellen verklebt werden. Besonderes Augenmerk sollte gelegt werden auf:

  • Anschluss der Dampfbremse an das verputzte Mauerwerk.
  • Überlappungen der Dampfbrems- bzw. Dampfsperrbahnen oder Stöße von Holzwerkstoffplatten.
  • Runde und eckige Durchdringungen wie zum Beispiel für Elektrokabel, Rohre, Balken, Ecken und Fenster.
  • Sockel-Anschlüsse.

Dampfbremse vs. Dampfsperre – welche Folie ist besser?

So mancher vermutet, dass eine Dampfsperre Bauteile besser vor eindringender Feuchtigkeit schützt – schließlich dichtet sie die Konstruktion vollständig ab und verhindert eine Durchfeuchtung. Die Krux daran ist: In vielen Fällen ist erst die Dampfsperre die Ursache für massive Feuchteschäden!

Zumeist liegt das an Ausführungsmängeln. Die Problemstellen sind dabei Anschlüsse zum Beispiel an Fenstern oder auch Durchdringungen für Steckdosen oder Rohre. Diese bekommt man selten wieder richtig dicht. In manchen Fällen wird die Wärmedämmung feucht eingebaut und die perfekt angebrachte Dampfsperre verhindert, dass das in den Bauteilen enthaltene Wasser entweichen kann. Eine undichte – oder eben auch eine zu dichte – Dampfsperre gehört daher zu den zehn häufigsten Baumängeln.

Aus diesem Grund wird mittlerweile weitestgehend auf Dampfsperren verzichtet und stattdessen eine Dampfbremse eingebaut. Auch wenn die beiden Begriffe umgangssprachlich meist synonym verwendet werden, wird in den entsprechenden Normen und Richtlinien klar zwischen den Materialien getrennt. Dabei dient der sd-Wert als wichtigstes Unterscheidungsmerkmal. Dieser Wert benennt die wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke, die zeigt, wie viel Widerstand ein Baumaterial der Wasserverdunstung leistet. Dieser Sperrwert berechnet sich wie folgt:

sd-Wert
= werkstoffspezifischen Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl μ * Dicke des Werkstoffes s (in m)

[Die µ-Werte für die gebräuchlichsten Baustoffe sind in der DIN EN ISO 12572 Wärme- und feuchtetechnisches Verhalten von Baustoffen und Bauprodukten angegeben. Der Wert spiegelt sich in der Wärmeleitgruppe (WLG) oder auch Wärmeleitfähigkeitsstufe (WLS) wider.]

 

Art der Luftdichtheitsfoliesd-Wert der Folie
Unterspannbahn, diffusionsoffen< 0,5 m
Dampfbremse, diffusionshemmend2 - 1.500 m
Dampfsperre, diffusionsdicht> 1.500 m

 


Ihre Meinung zählt

(106)
4 von 5 Sternen
5 Sterne
 
54
4 Sterne
 
27
3 Sterne
 
7
2 Sterne
 
12
1 Stern
 
6
Ihre Bewertung:

Diesen Artikel finden Sie auch in folgenden Themengebieten:

DämmungDachdämmung
Neuen Kommentar schreiben

69 Kommentare

Elisa_1911 am 13.08.2018 16:23

Ich habe vor einem Jahr in einem Mehrfamlienhaus (BJ 96) Schäden an der Dampfsperre unterm Dach (dort befinden sich Abstellkammern) festgestellt und der Hausverwaltung gemeldet. Diese hat bis heute nichts unternommen. Durch einen... mehr

auf Kommentar antworten

Redaktion bauen.de am 14.08.2018 08:36

Hallo Elisa,

vielen Dank für Ihren Kommentar. Aus der Ferne können wir das leider schlecht beurteilen. Sie können allerdings selbst einen zweiten Gutachter beauftragen, wobei das wieder mit Kosten verbunden sein wird. Vorab können... mehr

Ilka am 13.07.2018 19:50

Hallo,

Wir haben im DG Bad eine gemauerte Duschtrennwand entfernt. Diese ging im Bad durch die Dampfbremse und dann kommt das Dämmmaterial (Mineralwolle). Das entstandene Loch wurde einfach durch den Trockenbauer geschlossen. Direkt... mehr

auf Kommentar antworten

Redaktion bauen.de am 16.07.2018 09:50

Hallo Ilka,

das heißt, das Dämmmaterial wird im Bad durch eine Dampfbremse geschützt, nur dass an der Stelle, an der die Wand war, die Dampfbremse jetzt unterbrochen ist? Wie wurde die Lücke denn geschlossen? Das kann schon gut... mehr


Ilka am 16.07.2018 10:16

Hallo bauen.de Reaktion,

Ja genau, da ist jetzt sowohl in der Dampfbremse als auch im Dämmmaterial eine Lücke von 20x100cm. Das Loch in der Decke wurde mit einer Rigips Platte geschlossen. Direkt darunter ist halt die Dusche....

Da... mehr


Redaktion bauen.de am 16.07.2018 10:32

Hallo Ilka,

ach, es handelt sich um die Dachdämmung und die Decke des Bades, alles klar. Also zum einen ist die Wand dort oben nicht ganz so sehr Spritzwasser ausgesetzt, wie es beispielsweise bei der Wand in der Kabine ist. Das ist... mehr

Jürgen am 25.06.2018 15:10

Ich möchte mein Flachdach bestehend aus OSB Platten und Schweisbahnen von innen zwischen den Sparten dämmen

22 cm Rockwool ist angedacht

Solle ich darunter eine Dampfsperre oder eine Dampfbremse einbauen ?

auf Kommentar antworten

Redaktion bauen.de am 28.06.2018 11:14

Hallo Jürgen,

ohne die örtlichen Begebenheiten und insbesondere den genauen Dachaufbau zu kennen, können wir da nicht viel dazu sagen. Die Steinwolle sollte allerdings auf keinen Fall feucht werden und Feuchtigkeit kann vermutlich... mehr


Jürgen am 28.06.2018 11:29

Der Dachaufbau ist relativ einfach erklärt !

Sparren.... OSB Tafeln.... Schweisbahnen ...

Wie dämme ich das nun von innen zwischen den Sparren am besten?


Redaktion bauen.de am 02.07.2018 12:52

Die örtlichen Begebenheiten kennen wir dennoch nicht. Um sicher zu gehen, müsste jemand den Zustand des Daches prüfen. Sofern aus baulicher Sicht nichts dagegen spricht, es also keine komplizierten Stellen gibt, die eine absolute... mehr

66 weitere Kommentare laden