Einen Altbau kaufen: Erst prüfen, dann zugreifen

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Wer einen Altbau kaufen möchte, sollte sich nicht auf den ersten Eindruck verlassen. Manche Schwächen und Mängel älterer Häuser zeigen sich erst bei eingehender Prüfung.

Nicht alle Altbaumängel sind so offensichtlich wie dieser Dachschaden. Foto: VPB Foto: VPB

Ob Stadthaus mit eleganter Fassade oder Siedlungshäuschen mit großem Garten – gebrauchte Häuser sind gefragt. Nicht nur, weil sie ein preisgünstiger Weg zum Eigenheim sind, sondern auch, weil sie Flair und Charakter haben, der Neubauten noch fehlt. Doch alte Häuser haben auch ihre Schwächen: Mangelnder Wärmeschutz, veraltete Haustechnik oder gar marode Bausubstanz. Einen Altbau kaufen bedeutet deshalb, sich auf mehr oder weniger umfangreiche Modernisierungsarbeiten einzustellen.

Der Altbau-Check

Um den Sanierungsbedarf festzustellen und die zu erwartenden Kosten abzuschätzen, sollte das Haus von Kopf bis Fuß auf den Prüfstand gestellt werden. Die häufigsten Schwachstellen und Warnzeichen:

Dach
Undichte Dachrinnen und Fallrohre, fehlende oder lockere Dachziegel, Risse am Schornstein, Feuchte auf dem Dachboden, Anzeichen von Fäulnis oder Schädlingsbefall (Holzmehl) an Dachbalken. Bei Flachdächern Risse in der Dachpappe, Wasserpfützen, Rost an der Einfassung.

Fenster und Türen
Verwitterte Stellen an Holztüren und -rahmen, vergilbte Kunststofftüren und -rahmen, Rost an Metalltüren und -rahmen, Fenster ohne Isolierglas.

Außenwände
Risse im Putz und Mauerwerk, schadhafte Fugen, loser Mörtel, bröckelige oder lose Wandziegel, Feuchtigkeit im Sockelbereich, weiße Ablagerungen, Schäden an älterer Wärmedämmung. Im Innenbereich: Risse, feuchte Stellen, Verfärbungen.

Keller
Feuchte Stellen oder Verfärbungen an Wänden und Boden, muffiger Geruch, Risse in den Grundmauern.

Fußböden und Decken
Unebenheiten im Boden, Risse am Boden-Wandanschluss, Schäden an Linoleum, Holzdielen, Fliesen und anderen Belägen, angefaulte oder morsche Deckenbalken.

Balkone
Lose Stellen, bröckeliger Mörtel, defekter Wasserablauf, rostiges Geländer.

Haustechnik
Veraltete Elektroinstallationen, zuwenig Stromkreise und Anschlüsse. Verkalkte Wasserrohre, feuchte Stellen in Bad und Küche. Veraltete Heizungsanlage, Schäden am Öltank, Zuleitungen und Heizkörpern.

Bausünden früherer Jahrzehnte
Je nach Baujahr treten verschiedene Mängel an alten Häusern gehäuft auf. Bis Mitte der 1970er Jahre gab es kaum Wärmedämmung. Häuser aus der Nachkriegszeit ab 1945 sind oft sehr einfach, beengt und mit minderwertigen Materialien gebaut. Mangelnder Brand- und Schallschutz sowie Feuchtigkeit im Sockelbereich gehören zu den gängigen Problemen dieser Baujahre. Bei Bungalows aus den 1960er Jahren ist häufig das Flachdach undicht. Wer einen Altbau kaufen will, der in den 70er oder 80er Jahren entstanden ist, muss mit Schadstoffen wie Asbest oder Formaldehyd rechnen. Selbst bei Häusern aus den 1990er ist die Heizungsanlage oft schon veraltet.

Altbau kaufen mit Expertenhilfe
Hauskäufer sind meist damit überfordert, alle möglichen Schäden am alten Haus zu erkennen. Deshalb ist es ratsam, den Altbau-Check von unabhängigen Sachverständigen durchführen zu lassen, die man zum Beispiel beim Verband Privater Bauherren, beim Bauherrenschutzbund oder den Verbraucherzentralen findet. Die Investition von rund 500 Euro für ein Einfamilienhaus verhindert möglicherweise einen teuren Fehlkauf.


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2 Kommentare

Klauspanter am 09.12.2016 11:57

Eine sicherlich einfache und "nette" Checkliste. Es sollte aber an dieser Stelle natürlich auch gesagt werden, dass die Ursachen für einen möglichen Schaden mit einer einfachen Sichtprüfung meist nicht gefunden werden können. Die... mehr

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Sachverständigenbüro am 09.12.2016 09:01

Neben diesem Gebäudecheck, der aber für 500 € niemals umfasssend sein kann weil der Sachverständige/Architekt nicht hinter die Wände schauen kann, ist es auch sinnvoll, den überschlägigen Marktwert der Immobilie durch einen... mehr

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