Fachwerkhaus - altbewährte Konstruktion

Lesermeinungen:  

(8)

Fachwerkhäuser gehören zu Mitteleuropa, kaum eine deutsche Altstadt, in der sie nicht zu finden sind. Doch die Fachwerkbauweise ist keineswegs eine rein historische oder gar veraltete Bauweise. Auch moderne Häuser werden hin und wieder in der Fachwerkbauweise oder einer modernen Variante davon gebaut. Solche Häuser sind oftmals sehr hochwertig – allerdings auch nicht ganz billig.

Fachwerkhaus, Neubau, Backsteinhaus, Foto: Deutsche Landhaus Klassiker GmbH
Dieses Fachwerkhaus ist ein moderner Neubau, top gedämmt und mit neuester Haustechnik ausgestattet. Wirkt aber wie ein hunderte Jahre altes, hübsch hergerichtetes Bauernhaus. Foto: Deutsche Landhaus Klassiker GmbH

Die Fachwerkbauweise war schon vor hunderten von Jahren beliebt. Nicht umsonst kann man in fast jeder mitteleuropäischen Altstadt Fachwerkhäuser bestaunen. Anders als so manche andere historische Bauweise wie der Sandsteinbau ist das Fachwerk aber auch heute noch aktuell und würde sicherlich noch häufiger gebaut werden – wäre da nicht der Preis.

 

Die Fachwerkbauweise: Skelettbau

Die Fachwerkbauweise zählt zu den Skelettbauweisen und ist mit der Holzständerbauweise verwandt, die häufig bei Fertighäusern zum Einsatz kommt. Wichtigstes Element der Skelettbauweisen ist das Holzskelett, das das gesamte Haus trägt. Beim Fachwerkhaus werden die Zwischenräume ausgefüllt: Früher verwendete man oft Lehm und Stroh, reiche Bauherren aber auch Steine. Heutzutage werden die Zwischenräume üblicherweise mit Mauerwerk gefüllt. Dabei kommen die gleichen Baustoffe zum Einsatz, die bei gemauerten Massivhäusern ohne Fachwerk auch eingesetzt werden. Möglich sind aber auch Glas, Dämmstoffe und theoretische wären sogar weiterhin Lehm und Stroh möglich.

 

Info

„Fachwerkhaus“ ist kein geschützter Begriff. Das heißt, dass auch ein normales Massiv- oder Fertighaus, dessen Fassade in Fachwerkoptik gestaltet ist, als Fachwerkhaus verkauft werden darf.

 

Funktion des Fachwerks

Wie bei anderen Skelettbauweisen auch, dient das Skelett, also in diesem Fall das Fachwerk, der Stabilität. Die unterschiedlichen Hölzer haben allerdings verschiedene Aufgaben:

  • Die senkrechten Hölzer tragen die vertikalen Lasten. Sie bestimmen außerdem die Geschosshöhe und grenzen Fenster und Türen nach links und rechts ab.
  • Die waagrechten Hölzer verteilen die Lasten gleichmäßig auf die senkrechten Hölzer, außerdem schließen Sie Geschosse, Fenster und Türen nach oben und unten ab.
  • Schräge Hölzer dienen der Aussteifung und leiten Lasten nach unten in den Boden beziehungsweise ins Fundament ab. Deswegen sollte das obere Ende von Schräghölzern immer nach außen zeigen. Schräge Hölzer dienen der Aussteifung und leiten Lasten nach unten in den Boden beziehungsweise ins Fundament ab.
  • Schmuckhölzer dienen ausschließlich dem Schmuck. Sie füllen beispielsweise rechteckige Zwischenräume, die durch senkrechte und waagrechte Hölzer entstehen aus. Typische Muster sind das Andreaskreuz, die Raute oder Kreisformen.

 

Fachwerkhaus, Neubau, Baustelle eines Fachwerkhauses im Rohbauzustand, Foto: Das Fuhrberger Fachwerkhaus
Ein Fachwerkhaus wird gebaut. Das Holzskelett steht bereits und es ist auch schon mit Backstein ausgefacht. Es fehlen noch Türen, Fenster, der Innenausbau und die Technik. Foto: Das Fuhrberger Fachwerkhaus

 

 

Vorteile und Nachteile eines Fachwerkhauses

Eine Bauweise setzt sich üblicherweise deswegen durch, weil sie praktisch ist und weil die Baustoffe verfügbar sind. Beim Fachwerkhaus war das nicht anders. Heute gibt es allerdings praktischere Bauweisen und wer ein Fachwerkhaus bauen lässt oder sich eines kauft, tut das oftmals aus optischen Gründen oder aus Liebhaberei. Dennoch gibt es einige spezifische Vorteile:

  • Ökologisches Bauen ist möglich. Wie ökologisch ein Fachwerkhaus ist, hängt maßgeblich davon ab, wo das Holz herkommt und wie die Zwischenräume gefüllt werden.
  • Ein Fachwerkhaus vereint die Vorteile der Massiv- mit der der Holzbauweise. So kann ein Fachwerkhaus durch den hohen Holzanteil Feuchtigkeit im Inneren besser regulieren und ist damit weniger anfällig für Schimmel.
  • Ein Fachwerkhaus gilt als hochwertig, weshalb beim Verkauf gute Preise erzielt werden können.
  • Die Vorgaben der EnEV können problemlos erfüllt werden.

Es gibt allerdings auch Nachteile:

  • Die Baupreise sind relativ hoch.
  • Sollte das Dämmniveau irgendwann nicht mehr ausreichen, kann nur schwer nachgerüstet werden, ohne dass der Charakter des Fachwerkhauses verlorengeht.

 

Diese Haustypen sind beim Fachwerkhaus möglich

Grundsätzlich sind bei der Fachwerkbauweise alle möglichen Haustypen möglich. Egal ob Bungalow, Landhaus, Einfamilienhaus, Reihenhaus oder Mehrfamilienhaus – sie alle lassen sich als Fachwerkhaus umsetzen. Ausgeschlossen sind natürlich bestimmte Baustile wie die mediterrane Stadtvilla, das Schwedenhaus oder das amerikanische Holzhaus. Aus Preisgründen wird heutzutage außerdem niemand mehr ein Mehrfamilienhaus in Fachwerkbauweise errichten.

 

Fachwerkaus, moderne Fachwerkhäuser, Reihenhäuser mit viel Glas, modernen Formen, Foto: Ida Friederson / stock.adobe.com
Moderne Fachwerkhäuser, gebaut als Reihenhäuser in Schönebeck. Foto: Ida Friederson / stock.adobe.com

 

 

Kosten eines Fachwerkhauses

Wie bei allen Bauweisen gibt es auch beim Fachwerkhaus ein breites Preisspektrum. Der Quadratmeterpreis hängt einerseits vom Anbieter ab. Diese richten sich jedoch oftmals an ein wohlhabenderes Zielpublikum, bauen hochwertig und oftmals teurer als beispielsweise viele Fertighausanbieter. Grundsätzlich ließen sich die Wände eines Fachwerkhauses auch in der Fabrik als Typenhäuser vorfertigen. Doch genau das geschieht nur selten. Wer ein Fachwerkhaus neu baut, baut üblicherweise individuell. Bauherren sollten mit mindestens 2.000 Euro pro Quadratmeter rechnen, oftmals liegt der Preis aber deutlich darüber.

Der Baupreis, der letztendlich angeboten wird, hängt andererseits aber auch bei einem Fachwerkhaus von vielen Details, wie der Beschaffenheit des Untergrunds, der Komplexität des Baukörpers, der Größe und Ausstattung eines Hauses und den Wünschen des Bauherrn ab.

 

Fachwerkhaus sanieren

Oftmals wird ein Fachwerkhaus nicht neu gebaut, sondern ein altes gekauft und saniert. Die wichtigste Frage hierbei ist, ob das Haus unter Denkmalschutz steht oder nicht und wenn ja, welche Bauteile genau. Auch wenn die wenigsten Käufer ein Fachwerkhaus kaufen, um dann die Fassade mit EPS-Dämmplatten zu bekleben – je weniger Denkmalschutz, desto einfacher ist die Sanierung. Auf jeden Fall bietet sich die Zusammenarbeit mit Experten an, die genau wissen, wie ein Fachwerkhaus modernisiert werden kann.

 

Experten-Tipp

Ausführliche Infos zur Sanierung von Altbauten mit und ohne Denkmalschutz finden Sie in diesen beiden Artikeln:

 


Ihre Meinung zählt

(8)
4.3 von 5 Sternen
5 Sterne
 
5
4 Sterne
 
1
3 Sterne
 
1
2 Sterne
 
1
1 Stern
 
0
Ihre Bewertung:

Diesen Artikel finden Sie auch in folgenden Themengebieten:

MassivhausHolzhaus/Ökohaus
Neuen Kommentar schreiben

1 Kommentar

Peter Gammer am 18.10.2019 11:44

Ich finde die webseite echt cool hat mir echt weiter geholfen

auf Kommentar antworten