Nachhaltiger Strohballenbau

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Häuser aus Stroh wirken auf den ersten Blick sehr einfach und kurzlebig. Der Strohballenbau ist jedoch eine etablierte, nachhaltige Bauweise, die gerade Bauherren fasziniert, die gerne selbst die eigenen vier Wände aufstellen möchten.

Strohballenbau, Lehm, Foto: baubiologie/Herbert Gruber
Beim Strohballenbau wird auf die Strohballenwand der Lehm im Spritzverfahren aufgetragen. Foto: baubiologie/Herbert Gruber Foto: baubiologie/Herbert Gruber

Stroh ist ein schnell nachwachsender, preiswerter Rohstoff, der fast überall regional und in großen Mengen zu bekommen ist. Außerdem ist es CO2-neutral und die Strohballen benötigen extrem wenig Energie-Input bei der Herstellung. Auch bei der Entsorgung kann der Baustoff punkten, denn die Strohballen sind vollständig abbaubar. Gerade in Kombination mit den Baumaterialien Holz und Lehm, entstehen Gebäude mit einem besonders angenehmen Raumklima. Die auch im gepressten Stroh noch vorhandenen Lufträume sorgen außerdem für eine gute Wärmedämmwirkung des Materials, mit dem sogar Passivhausstandard erreichbar ist.

Strohballenbau: Zwei Konstruktionsvarianten

Stroh in verpressten Ballen kann in zwei verschiedenen Konstruktionsarten verbaut werden. Für ein- bis 1,5-geschossige Bauten ist auch eine selbsttragende Variante möglich, bei der die Strohballen wie Ziegelsteine im Mauerwerk gestapelt werden. Sehr viel häufiger jedoch wird die Last über ein Holzständerwerk abgetragen. Die Strohballen in den Gefachen dienen der Wärmedämmung. Abgesehen davon, dass die erste Variante nur mit einer Genehmigung im Einzelfall zugelassen wird, hat das Holzständerwerk auch einen logistischen Vorteil: So kann zunächst das Gerüst mit Dach fertiggestellt und die Strohballen anschließend gut geschützt eingebaut werden. Zum weiteren Schutz gegen Feuchtigkeit und auch gegen Ungeziefer, müssen die Strohballen anschließend schnell verputzt werden.

Feuchteschutz und Brandschutzklasse

Nicht nur während der Bauphase, auch wenn die Wände stehen, muss ein sehr guter Schutz gegen Feuchte bestehen, um Schimmelbildung zu vermeiden. Zum konstruktiven Schutz zählen ein Dachüberstand oder eine vorgehängte Fassade an der Wetterseite. An den anderen Gebäudeseiten kann ein zusätzlicher Kalkputz ausreichend sein. Zum Schutz gegen Feuchtigkeit aus dem Innenraum sollte der Wandaufbau luftdicht sein, denn im Winter darf keine warme und feuchte Innenluft in die Strohballen gelangen und als Tauwasser austreten. Dies verhindert beispielsweise ein rissfreier, sorgfältig aufgetragener Lehmputz.

Und was ist mit dem Brandschutz? Loses Stroh ist bekanntermaßen leicht entflammbar, gepresstes Stroh brennt dagegen schlecht. Unbehandelte, verpresste Strohballen gehören zur Brandschutzklasse „normal entflammbar“. Mit einer entsprechend dicken Putzschicht wird daraus sogar die Brandschutzklasse F90.

Hohes Selbstbaupotential

Strohballenbau ist einfach und sehr schnell erlernbar. Das macht die Bauweise zu einem beliebten Baustoff für Selbstbauer, da durch Eigenleistung viele Lohnkosten eingespart werden können. Das Bauen mit Strohballen ist aber auch sehr zeitintensiv. Häuslebauer brauchen daher möglichst viele Helfer. Wer selbst loslegen möchte, sollte vorher einen Workshop besuchen oder sich jemanden zur Anleitung dazuholen. Wer nicht selbst bauen möchte, kann über den Fachverband Strohballenbau Deutschland e.V. einen Fachbetrieb finden. Übrigens: In Deutschland gibt es seit 2006 eine bauaufsichtliche Zulassung von Strohballen.


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