Sichtbeton: Verwendung, Pflege, Kosten

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Sichtbeton ist Teil der modernen Architektur und Innenarchitektur. Allerdings nicht nur aus optischen Gründen, sondern auch, weil der Baustoff viele Vorteile hat. Welche das sind und weitere Infos zum Thema Sichtbeton.

Sichtbeton, Wand einer Wohnküche, Foto: Lindsey Lamont / unsplash.com
Diese Betonwand wurde einfach abgeschliffen – und dann so belassen. Sichtbeton wirkt immer etwas roh, die Oberfläche kann aber homogener gestaltet werden. Foto: Lindsey Lamont / unsplash.com

Schnöde, weiße Wände haben ausgedient. Mausgrau ist jetzt Trend. Doch nicht nur Wände oder Böden aus Sichtbeton geben dem Zuhause eine besondere Note, auch Dekoelemente, Waschbecken, Möbelstücke sowie komplette Küchen und Bäder in Betonoptik ziehen seit einigen Jahren bei uns ein. Was das Steingemisch als Werkstoff so interessant macht und warum es nicht nur bei Interiordesignern immer beliebter wird, erklären wir hier.

Als Sichtbeton werden Betonflächen bezeichnet, die aus gestalterischen Gründen bewusst nicht verputzt und verblendet sind. Beton wirkt puristisch, industriell, roh, modern und edel zugleich. Seine Oberfläche kann glatt oder strukturiert sein, farbig oder pur. In Kombination mit Naturmaterialien wie Holz, Leder oder Marmor kommt Sichtbeton besonders gut zur Geltung. Das Gemisch aus Zement als Bindemittel, Gesteinskörnung als Zuschlagstoff und Wasser ist ein wahrer Alleskönner: Es lässt sich leicht verarbeiten und in jede erdenkliche Form und Farbe bringen. Daher eignet sich der Werkstoff nicht nur für Gartenelemente oder Fassaden, sondern auch für Arbeiten im Haus.

Sichtbeton als Beschichtung

Herr Thiede, Betonexperte vom Berliner Unternehmen Freiraum Handwerk, hat sich auf Beschichtungen mit Sichtbeton spezialisiert. „Ein Vorteil ist, dass sich eine nur wenige Millimeter dicke Beschichtung aus Sichtbeton auch auf bestehende Wände und Fliesenböden aufbringen lässt. Alte Fliesen müssen also vorher nicht entfernt werden“, so der Betonexperte. „Das außergewöhnlichste Projekt, das wir umgesetzt haben, war ein Sitzmöbel aus rundgebogenem Holz und einer Betonbeschichtung für das Foyer eines Hotels.“

Sichtbeton, Küche mit Betonboden von oben fotografiert, Foto: denisismagilov / stock.adobe.com
Auch der Boden kann in Betonoptik gestaltet werden – zum Beispiel mit abgeschliffenem Sichtestrich. Foto: denisismagilov / stock.adobe.com

Sichtbeton in Formen gegossen

Neben der Möglichkeit, Sichtbeton als Beschichtung aufzutragen, kann der Werkstoff traditionell auch gegossen werden. Hierfür sind Schalungen nötig, die der Betonoberfläche je nach gewählter Schalhaut eine individuelle Oberfläche verleihen. Ganz nach Belieben können hier verschiedene Strukturen und Marmorierungen entstehen. Ein wesentlicher Aspekt hierfür ist auch die Wahl des Betons. Hier gibt es unterschiedliche Qualitäts- und Preisklassen.

  • Die Klassen 1 und 2 haben ein eher rustikales Erscheinungsbild mit groben Poren, Fugen und möglichen Farbunterschieden, sind dafür aber mit etwa 200 bis 250 Euro pro Quadratmeter vergleichsweise günstig. Für gewöhnlich kommt Sichtbeton dieser beiden Klassen im Bereich von Kellerwänden oder Treppenhäusern zum Einsatz.
  • Sichtbeton der Klassen 3 und 4 erfüllt höhere und höchste gestalterische Anforderungen, kostet dafür aber auch mehr. Für einen Quadratmeter muss ein Bauherr mit Kosten zwischen 300 und 460 Euro rechnen.

Ist die richtige Klasse gewählt, wird das Farbkonzept erstellt. Denn wem grau zu langweilig ist oder wer einzelne Elemente noch stärker in Szene setzen möchte, kann farbigen Sichtbeton einsetzen. Dem herkömmlichen Gemisch werden hierbei je nach Farbwunsch entsprechend Pigmente beigemengt.

Pflege: Sauer macht nicht lustig

Die Optik ist nur ein Argument für Beton. Ein weiterer Grund für seine Beliebtheit ist die leichte Pflege, weiß Betonexperte Thiede: „Sichtbeton lässt sich fugenlos aufbringen – beispielsweise im Bad – und ist dadurch sehr hygienisch und einfach zu reinigen.“ Wer bei der Pflege folgende Tipps beachtet, hat lange Freude an diesem universellen Werkstoff: „Verschmutzungen sollten am besten sofort entfernt werden, und zwar mit Wasser und einem pH-neutralen Reiniger. Was Beton nicht mag, ist Säure.“ Bei Beton im Außenbereich sollte darauf geachtet werden, dass Wasser ungehindert abfließen kann, da die Oberfläche sonst vermoost.

Sichtbeton, dunkelgraues Badezimmer mit großem Fenster zu einem bepflanzten Atrium. Foto: Michael / stock.adobe.com
Sichtbetonoptik im Bad. Die Wände sind dadurch fugenfrei. Auf dem Boden liegen Fliesen in Betonoptik. Foto: Michael / stock.adobe.com

Eher ein grauer statt eines grünen Fußabdrucks?

Aus ökologischer Sicht wären Moospolster auf der Betonfassade zwar positiv zu bewerten, denn Moos reinigt die Luft. Doch ein Moosschicht macht aus Beton noch keinen nachhaltigen Baustoff. Beton ist mineralisch. Fußböden oder Wände aus Sichtbeton werden oft mit Lacken auf Wasserbasis versiegelt. Aber bei der Produktion von Beton wird eine nicht unerhebliche Menge CO2 freigesetzt. Denn zum einen verbraucht das Brennen von Zement, der für die Betonherstellung benötigt wird, sehr viel Energie. Zum anderen löst sich durch den Brennvorgang gebundenes CO2 aus dem verwendeten Kalkstein. Daneben könnte der hohe Verbrauch von Sand bei der Herstellung von Beton bemängelt werden.

Deshalb haben beispielsweise Forscher der Universität Graz ein Verfahren entwickelt, dass Beton nachhaltiger macht. Sie verwenden weniger Zement und setzen dafür sogenannte Eco-Füller ein – das sind regional erhältliche Stoffe wie Gesteinsmehle mit einer besseren Ökobilanz. Der so entstandene umweltfreundlichere Beton besitzt dennoch die gleichen Eigenschaften und ist ebenso Leistungsfähigkeit wie herkömmlicher Beton.

Besser den Profi ranlassen

Welchen Beton man auch verwendet, die herkömmliche oder die umweltfreundlichere Variante – mit dem Werkstoff zu arbeiten, erfordert Know-how. Kleinere DIY-Projekte lassen sich dennoch Umsetzen. Ein Couchtisch beispielsweise ist aus zwei Beton-L-Steinen und einer Eichenplatte mit Baumkante schnell gebaut und Heimwerker können dabei Erfahrung mit Beton sammeln. Eine Esstischplatte aus Beton zu gießen, stellt schon eine größere Herausforderung dar, weil eine Schalung nötig ist, Beton gemischt und gegossen werden muss. Erfahrene Hobbyhandwerker können sich solche Arbeiten sicher zutrauen. Geht es allerdings darum, Böden und Wände mit Sichtbeton zu beschichten oder diese aus Beton zu gießen, sollten sich Bauherren lieber auf das Können von Profis verlassen.

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Sichtbetonoptik auch ohne Beton

Wem Wände aus echtem Beton bzw. Beschichtungen mit Sichtbeton zu teuer sind oder wer zur Miete wohnt, muss nicht auf den puristischen Wohntrend verzichten. Für viele Betonelemente gibt es auch preisgünstige Alternativen. Beispielsweise lassen sich Wände mit Tapeten in Betonoptik oder mit Effektspachtelmasse in Szene setzen, für Böden gibt es Vinylplatten mit Betondekor, die nach Absprache mit dem Vermieter verlegt werden können. Zudem sind im Handel komplette Küchen in Betonoptik erhältlich, die für ein industrielles Design zwischen Herd und Kühlschrank sorgen.

16.07.2021


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