Die Energieeinsparverordnung (EnEV): Das müssen Bauherren und Hauseigentümer beachten

Die Energieeinsparverordnungen (EnEV) macht Bauherren und Immobilieneigentümern detaillierte Vorschriften zur Energieeffizienz ihres Hauses: von der Nutzung regenerativer Energien über die Fassadendämmung bis hin zum Energieausweis. Diese Vorgaben müssen Bauherren und Hauseigentümer erfüllen. 

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Die Energieeinsparverordnung (EnEV) macht den Energieausweis in den meisten Fällen zur Pflicht. Um ihn zu bekommen, braucht das Haus meist eine nachträgliche Dämmung. Foto: vege – fotolia.com

Bis zum Jahr 2050 strebt die Bundesregierung einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand in Deutschland an. Das bedeutet, dass die Freisetzung von CO2 entweder vollständig vermieden oder kompensiert werden soll. Dazu beitragen soll neben dem Erneuerbare---Gesetz (EEG), in dem die bevorzugte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Quellen ins Stromnetz geregelt ist, auch die Energieeinsparverordnung, kurz EnEV. Der Gesetzgeber sieht in der Verordnung unter anderem bestimmte Pflichten für Hauseigentümer vor – insbesondere im Hinblick auf die Dämmung der Immobilie und auf die eingebaute Heizanlage. Die EnEV wird regelmäßig novelliert und damit weiter verschärft. So legte etwa die EnEV 2009 fest, dass Dachböden eine Wärmedämmung erhalten müssen. Mit der EnEV 2014 wurden dagegen Bußgelder bis zu 50.000 Euro eingeführt, wenn gegen die Verordnung verstoßen wird. Die EnEV 2016 verschärft die Auflagen für Neubauten.

Energieeinsparverordnung: Richt- und Grenzwerte bei Neubauten

Wer ein Haus baut, muss die Richtlinien der EnEV beachten. Dafür steht im Zweifel der Aussteller des Energieausweises gerade. Neue Wohngebäude dürfen bestimmte Richtwerte für Heizung, Warmwasserbereitung, Lüftung und Kühlen nicht überschreiten. Darüber hinaus müssen sie so gebaut oder gedämmt sein, dass auch der Wärmeverlust unter einem bestimmten Grenzwert liegt. Wie hoch diese Werte sind, geht aus Tabellen in der Anlage der EnEV hervor. Die Tabellen können Bauherren auf der Webseite des Bundesjustizministeriums einsehen.

Eigentümer von Neubauten, die eine Nutzfläche von mehr als 50 Quadratmeter haben, sind durch das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz dazu verpflichtet, einen gewissen Teil des Energiebedarfs durch erneuerbare Energien zu decken. Das Gesetz erlaubt allerdings Ersatzmaßnahmen: Wer bei der Energieeffizienz um mindestens 15 Prozent über den Anforderungen der EnEV liegt, etwa durch eine verstärkte Dämmung, muss keine erneuerbaren Energie verwenden und kann so beispielsweise auf Solarkollektoren auf dem Dach verzichten.

Schon ab 2016 gelten verschärfte Bedingungen für Neubauten. Ein Haus, das dann errichtet wird, muss 25 Prozent weniger Primärenergie verbrauchen als eines, das nach den im Jahr 2015 gültigen Mindestwerten gebaut wird. Welche Werte gelten, ist nicht vom Baubeginn abhängig, sondern von dem Zeitpunkt, zu dem der Bauantrag eingereicht wird. Geschieht dies ab 1. Januar 2016, gelten die neuen Richtwerte.

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Lesen Sie hier, worauf Bauherren bei der Einhaltung der EnEV 2014 achten müssen und wie die EnEV künftig  weiter verschärft werden soll.

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Wer mehr als 10 Prozent der Fassade überarbeitet, sollte sich an die Vorgaben der EnEV halten. Foto: yellowj – fotolia.com

Pflichten der EnEV beim Altbau: Das müssen Hauseigentümer wissen

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Im Fokus der Energieeinsparverordnung: die nachträglich Dachdämmung. Alternativ können Hausbesitzer auch die oberste Geschossdecke dämmen. Foto: KfW

Nicht nur für Neubauten enthält die EnEV Regelungen – auch für alle, die einen Altbau ihr Eigen nennen, ergeben sich Pflichten. Die gute Nachricht vorweg: Altbau-Eigentümer sind nicht gezwungen, ihr Haus umfassend energetisch sanieren zu lassen – mit Ausnahme des Dachs beziehungsweise der obersten Geschossdecke. Eines von beiden Gebäudeteilen muss saniert werden. Die Pflicht zur Dämmung gilt dann als erfüllt, wenn das Dach den Anforderungen an den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2 entspricht. In der Norm ist ein Wärmedurchlasswiderstand von 1,2 m²K/W (Watt pro Quadratmeter und Kelvin) vorgeschrieben. Je größer dieser Widerstand, desto besser die Dämmeigenschaften – der Wert darf also auch darüber liegen, nicht jedoch darunter. Hauseigentümer sollten dies von einem Energieberater überprüfen lassen. Eine Ausnahme gibt es für Wohngebäude mit mehr als zwei Wohnungen, von denen der Eigentümer bereits im Februar 2002 eine selbst bewohnt hat – in diesem Fall ist der Eigentümer von der Dämmpflicht befreit.

Auch andere Arbeiten am Haus müssen den Vorgaben der EnEV entsprechen: Wer beispielsweise mehr als zehn Prozent seiner Hausfassade erneuern lässt, muss diese auch dämmen. Keine umfassende Sanierung ist dagegen nötig, wenn nur ein kleiner Riss ausgebessert wird.

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Wer sich nicht an die Pflichten aus der EnEV hält, riskiert ein Bußgeld. Erfahren Sie in diesem Artikel, wann welcher Betrag fällig wird.

KfW-Fördermittel sichern

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Eine moderne Heizung spart nicht nur Energie, sie erfüllt auch alle Vorgaben von EEG und EnEV. Foto: Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK)

Wer die Förderprogramme der KfW-Bank nutzen möchte, muss die Vorgaben der EnEV nicht nur erfüllen, sondern übertreffen. Das bedeutet auch, dass sich mit jeder Verschärfung der EnEV auch die Hürden für eine KfW-Förderung höher gesteckt werden. Wer etwa ein KfW-Effizienzhaus 40 bauen will, hat in seiner Immobilie einen Jahresprimärenergiebedarf von nur 40 Prozent eines vergleichbaren Neubaus nach der EnEV. Auch wer einen Altbau zum KfW-Effizienzhaus saniert, erhält entsprechende Fördermittel.

Link-Tipp

Informieren Sie sich hier über den Bau eines KfW-Effizienzhauses 40, eines KfW-Effizienzhauses 55 oder eines KfW-Effizienzhauses 70 sowie über die verschiedenen Fördermöglichkeiten.

EnEV: Energieausweis ist Pflicht

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Ein Energieausweis ist meist Pflicht. Foto: vege – fotolia.com

Neben einer verbesserten Energieeffizienz bei Neubauten und im Bestand schreibt die EnEV auch den Energieausweis vor, der dokumentieren soll, wie viel Energie ein Gebäude benötigt. Ausgestellt wird ein Energieausweis beispielsweise von Architekten, Bauingenieuren, Bautechnikern oder ausgebildeten Energieberatern. Eine Datenbank mit Energieberatern stellt die Deutsche Energie-Agentur (dena) unter energie-effizienz-experten.de zur Verfügung. Wird ein Gebäude neu errichtet, muss der Bauherr sicherstellen, dass nach Fertigstellung des Gebäudes ein Energieausweis ausgestellt wird und er diesen erhält. Bei Verkauf oder Vermietung muss der Ausweis dem potenziellen Käufer oder Mieter vorgezeigt werden – und zwar schon beim ersten Besichtigungstermin. Es wird zwischen den Varianten Verbrauchsausweis und Bedarfsausweis unterschieden. Während sich der verbrauchsorientierte Energieausweis am tatsächlich gemessenen Verbrauch in der Vergangenheit orientiert, wird beim bedarfsorientierten Ausweis der theoretische Energiebedarf einer Immobilie durch ein Gutachten ermittelt.

Insgesamt birgt die EnEV zweifellos zahlreiche Hürden und bürokratische Stolpersteine für Häuslebauer und Eigentümer. Wer die Anforderungen erfüllt, kann aber auch profitieren: nicht nur durch Förderprogramme, sondern auch durch einen deutlich geringeren Energieverbrauch. So können sich die Pflichten der EnEV langfristig auch finanziell lohnen.

Markus Grundmann 14.04.2016

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