Fliesen: Die richtige Fliesenart für jeden Wohnbereich

Fliesen sind pflegeleicht und in zahllosen Dekoren und Formaten erhältlich. Doch vor dem Kauf gibt es bei der Auswahl der passenden Fliese einiges zu bedenken, denn nicht jede Fliese ist für jeden Einsatzbereich geeignet. Ob Keramik, Naturstein, Abriebgruppen oder Rutschfestigkeit: Was Sie über Fliesen wissen sollten.

 

 

Ob als pflegeleichter und hygienischer Boden, als Wandbelag in Nassräumen oder im Außenbereich – Fliesen sind wahre Multitalente und enorm vielseitig. Doch die Auswahl einer Fliese sollte nicht nur optischen Kriterien genügen, sondern auf den Einsatzbereich abgestimmt sein. So muss eine Fliese im Außenbereich andere Anforderungen erfüllen als ihr Gegenstück im Bad, selbst Bodenbeläge in Flur und Schlafzimmer unterscheiden sich in ihren Eigenschaften.

 

Fliesen, Fliesen verlegen, Foto: wabeno / iStock
Mit etwas Übung können Heimwerker Fliesen selbst legen – auch, wenn ein Profi natürlich schneller und sauberer arbeitet. Foto: wabeno / iStock

 

Fliesen in Bad und Dusche

In Nassräumen wie Bad und Dusche werden an Fliesen besondere Anforderungen gestellt: Sie müssen dauerhaft der Feuchtigkeit standhalten und möglichst rutschhemmend sein. Deshalb ist es wichtig, vor dem Kauf die Wasseraufnahmefähigkeit der Fliese zu prüfen. Grundsätzlich gilt: Fliesen, die bei hohen Temperaturen gebrannt wurden, besitzen kleinere Porenräume und sind damit weniger wasseraufnahmefähig im Vergleich zu manchen Alternativen: Für Nassbereiche eignen sich daher vor allem Steinzeug- und Feinsteinzeugfliesen.

Beliebt sind auch Natursteinfliesen, wobei hier nicht jedes Material für Nassräume geeignet ist. Travertin oder Granit besitzen beispielsweise eher geschlossene Oberflächen und können relativ wenig Wasser aufnehmen.

Da Natursteinfliesen oft poliert angeboten werden, sollte man auch hier auf die Rutschfestigkeit achten. Bei keramischen Belägen geben Rutschfestigkeitsklassen Orientierung: R9 bedeutet, dass die Fliese geringe Anforderungen an Rutschfestigkeit erfüllt, R13 ist dagegen die höchste Bewertungsstufe. Im privaten Bereich werden Fliesen mit einer Rutschfestigkeit ab R10 empfohlen.

 

Fliesen für den Außenbereich

Damit Fliesen im Außenbereich im Winter nicht auf- und abplatzen, müssen sie frostsicher sein. Ausschlaggebendes Kriterium ist auch hier die Wasseraufnahmefähigkeit des Materials. Liegt sie unter drei Prozent, gilt eine Fliese als frostsicher. Daher sind großporige Fliesen wie zum Beispiel Steingut für den Außenbereich ungeeignet. Gut geeignet sind hingegen Steinzeugfliesen, Spaltplatten oder Fliesen aus Naturstein wie Granit. Fliesen für den Außenbereich gibt es in glasierter und unglasierter Form. Wie in Nassbereichen sollte aber auch hier auf die Rutschfestigkeit geachtet werden.

 

Fliesen im Wohnbereich

Pflegeleicht, hygienisch, geeignet für Fußbodenheizungen und in zahllosen Formaten und Oberflächen erhältlich, erfreuen sich Fliesen im Wohnbereich ungebrochener Beliebtheit. Doch je nach Nutzung müssen Fliesen unterschiedliche Anforderungen erfüllen. Dabei steht vor allem die sogenannte Abriebgruppe im Vordergrund, welche kennzeichnet, wie belastbar und veschleißfest eine Fliese ist. Je höher die Abriebgruppe, desto kratzfester und härter ist das Material. Klasse 1 steht für niedrigste, Klasse 5 für die höchste Abriebbeständigkeit. So eignen sich Fliesen der Klasse 1 für Wandbeläge, während die Klassen 3 bis 5 in häufig frequentierten Räumen eingesetzt werden.

In Bereichen, in denen der Boden eher verschmutzt wird, wie Küche oder Flur, sollten Steinzeug- oder Feinsteinzeugfliesen verlegt werden, die mindestens die Abriebgruppe vier oder fünf besitzen. In weniger frequentierten Bereichen wie im Schlafzimmer eignet sich eine niedrigere Abriebbeständigkeit.

 

Keramik oder Naturstein?

Ob Keramik- oder Natursteinfliesen zum Einsatz kommen, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks und Budgets. Naturstein ist in der Regel hochpreisiger als Keramik, dafür jedoch ein echtes Naturprodukt. Zugleich ist Naturstein pflegeintensiver. Er benötigt eine Imprägnierung und sollte nur mit Spezialmitteln gereinigt werden. Alternativ gibt es auch Keramikfliesen, die in täuschend echter Natursteinoptik gefertigt sind, zugleich aber pflegeleichter und preiswerter sind. Flexibler sind Keramikfliesen auch in den verfügbaren Formaten: Großformatige Fliesen liegen im Trend, Naturstein sind in dieser Hinsicht dagegen Grenzen gesetzt.

 

Keramikfliesen

Keramikfliesen bestehen aus Ton, Sand und Feldspat und gehören zu beliebtesten Fliesenarten. Zu den Keramikfliesen zählt man unter anderem Steingut-, Steinzeug- und Feinsteinzeugfliesen. Härtegrad und Porosität unterscheiden sich je nach Brenntemperatur, Zusammensetzung und Beimischungen.

  • Grundsätzlich gelten Steingutfliesen als empfindlicher, zudem sind sie wasseraufnahmefähiger als Steinzeug- und Feinsteinzeugfliesen.
  • Keramikfliesen sind glasiert oder unglasiert erhältlich. Glasierte Fliesen sind pflegeleichter und robuster, unglasierte Fliesen dagegen rutschfester und weniger anfällig für Kratzer.
  • Auch Porzellanfliesen werden zu den keramischen Belägen gezählt. Sie sind robust, nehmen kein Wasser auf und sind damit in fast jedem Bereich einsetzbar.
  • Ein warmes, mediterranes Flair verbreiten Terrakottafliesen mit ihrer charakteristischen, rotbraunen Färbung. Als ökologisches Naturprodukt weisen sie eine große Wärmeleitfähigkeit auf, weshalb Terrakotta gerne in Kombination mit Fußbodenheizungen eingesetzt wird.
  • Einen extravaganten Akzent setzten sogenannte Fayence-Fliesen. Die kunsthandwerklich hergestellten und mit einer speziellen Glasur versehenen Fliesen sind meist blau-weiß oder farbig bemalt.

 

Fliesen, bunte Keramikfliesen, Foto: Comofoto / fotolia.de
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Fliesen, weiße Keramikfliesen im Fliesenbett, Foto: dieter76 / fotolia.de
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Fliesen, Muster aus Keramikfliesen, Foto: anela47 / fotolia.de
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Natursteinfliesen

Natursteinfliesen sind elegant, hochwertig und bei entsprechender Behandlung äußerst langlebig. Grundsätzlich reagieren die meisten Natursteine empfindlich auf aggressive Reinigungsmittel und Säuren. Deshalb sind eine Imprägnierung und die Verwendung von Spezialmitteln unerlässlich, um den Stein vor Beschädigung und Fleckenbildung zu schützen.

  • Ein beliebter Naturstein ist Marmor, dessen natürliche Maserung und Farbvielfalt einen individuellen Charme besitzt.
  • Im Trend liegt auch die dunkle Optik von Schiefer, der mit entsprechender Imprägnierung vielseitig einsetzbar ist. Für Nassräume eignet sich Schiefer jedoch nur bedingt, das Wasser-Kalkablagerungen zu unschönen Flecken führen können.
  • Kalkstein und Sandstein bestechen durch ihre homogene und sanfte Farbgebung. Sandstein gilt zwar als weiches Gestein, für den Bodenbereich sind Fliesen aber mit höheren Quarz-Anteilen gefertigt, sodass sie sich durchaus für den täglichen Gebrauch eignen.

 

Fliesen, Steingutfliesen, Foto: Composer / fotolia.de
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Fliesen, Schieferfliesen, Foto: jo.foto / fotolia.de
Fliesen, Steingutfliesen, Foto: Composer / fotolia.de
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Fliesen selbst verlegen

Mit etwas Geschick lassen sich Fliesen auch selbst verlegen Dabei sollte man jedoch auf einige Dinge achten: Beim Kauf sollte man die Fliesen-Menge großzügig kalkulieren, denn es kann passieren, dass Fliesen zu Bruch gehen. Auch für den eventuell späteren Austausch von beschädigten Fliesen sollte noch Material vorhanden sein.

Bei der Berechnung des benötigten Materials gilt: Quadratmeterzahl der zu fliesenden Fläche plus zehn Prozent für Verschnitt und Ersatz, damit sind Heimwerker auf der sicheren Seite.

Benötigtes Werkzeug:

  • Fliesenschneider, den man sich in einigen Baumärkten ausleihen kann
  • Kleber und Mörtel
  • Fliesenbrechzange
  • Wasserwaage
  • Schwammbrett
  • Zahnspachtel
  • Spitzhammer

Wichtig ist ein sauberer und ebener Untergrund. Putz oder Gipsplatten an Wänden benötigen eine Grundierung. Zum Verlegen wird der Mörtel auf den Untergrund aufgebracht, anschließend werden die Fliesen mit Kleber versehen und können verlegt werden. Dabei sollte ab und zu die Wasserwaage zum Einsatz kommen, damit der Boden eben ist. Nach dem Aushärten des Klebers kann verfugt werden. Nach dem Trocknen Zementschleier entfernen und die Fliesen gegebenenfalls imprägnieren. Wird im Laufe der Jahre eine Fliese beschädigt, kann sie übrigens relativ einfach auswechselt werden: Dazu wird die Fuge um die beschädigte Kachel mit einem Fliesenschneider herausgelöst, die Fliese entfernt und anschließend ersetzt.

 

Katja Neumann

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1 Kommentar

Marcel am 12.02.2019 10:59

Sehr schöner Überblick, über die verschiedenen Arten. Wir beschäftigen uns derzeit mit der Planung der Bevorstehenden Komplettrenovierung eines Hauses. Ich hab schon oft gehört, dass Fliesen nicht auf Holzuntergrund verlegt werden sollten, aber dann bin ich auf den Beitrag hier gestoßen:

Da heißt es, dass es in Ordnung wäre mit einer kleinen Anleitung. Das verunsichert mich jetzt ein wenig. Habt Ihr Tipps für mich?

Danke euch!

LG

[werblichen Link entfernt, d. Red.]

 

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