Energieeffizient bauen: Die aktuellen Standards

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Wer energieeffizient bauen will, meint damit üblicherweise, Haus zu bauen, das relativ wenig Energie verbraucht. Es geht also darum, möglichst wenig Strom und Heizenergie zu verbrauchen. Das ist mit moderner Architektur möglich, es gibt zahlreiche Konzepte und technische Lösungen. Auch finanziell ist es unter Umständen reizvoll, denn die Bundesregierung fördert das Bauen energieeffizienter Gebäude.

energieeffizient bauen, Holzhaus, Passivhaus, Foto: Omid / stock.adobe.com
Der Baustoff Holz ist bestens geeignet für energieeffizientes Bauen. Das kleine Fenster rechts ist charakteristisch für die Nordseite von Passivhäusern. Foto: Omid / stock.adobe.com

Wer heutzutage ein Haus baut, kann gar nicht anders, als es verhältnismäßig energieeffizient zu bauen. In der Energieeinsparverordnung (EnEV) sind gewisse Vorgaben verankert, die sicherstellen, dass ein Neubau energieeffizienter ist, als beispielsweise ein Haus, das in den 90er-Jahren fertiggestellt wurde. Wem das nicht reicht, kann aber noch viel mehr tun. Sogar Plusenergiehäuser sind möglich, also solche, die mehr Energie produzieren, als sie selbst verbrauchen oder energieautarke Häuser, die nicht an die öffentlichen Strom- oder Gasnetze angeschlossen sind.

Förderstandards und gesetzliche Vorgaben

Um energieeffizientes Bauen voranzutreiben, verwendet die Bundesregierung zwei Werkzeuge: Förderungen über die KfW-Bank oder das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und die gesetzlichen Vorgaben der EnEV. Aus diesen beiden Werkzeugen ergeben sich auch die wichtigsten Standards in Sachen Energieeffizienz:

  • EnEV Mindeststandard: die EnEv schreibt für viele Bauteile Mindestdämmwerte vor, die erreicht werden müssen. Ein Haus, das exakt diese Werte einhält, gilt für die folgenden KfW-Standards als Referenzgebäude.
  • KfW-Effizienzhaus 55: Ein Haus, das höchstens 55 Prozent der Primärenergie des Referenzgebäudes, also eines Hauses, das nach EnEV-Vorgaben gebaut wurde, verbraucht. Ob das der Fall ist, wird rechnerisch ermittelt.
  • KfW-Effizenzhaus 40: Ein Haus, das höchstens 40 Prozent der Primärenergie des Referenzgebäudes verbraucht.
  • KfW-Effizienzhaus 40 Plus: Ein Haus, das den Kfw-40-Standard erfüllt und zusätzlich über eine stromerzeugende Anlage wie eine Photovoltaikanlage verfügt. Es muss ein Stromspeicher vorhanden sein und Stromverbrauch und -erzeugung müssen überprüfbar sein. Außerdem ist eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung vorgeschrieben.

Soviel zu den staatlichen Anreizen für energieeffizientes Bauen. Darüber hinaus gibt es aber noch allerhand weitere Dinge, die ein Bauherr beachten kann, um effizient zu bauen.

Mit regionalen Anbietern bauen

energieeffizient Bauen, ein LKW transportiert Baumstämme über die Autobahn, Foto: Petair / stock.adobe.com
Holz ist zwar ein ökologischer Baustoff. Doch wenn dieser erst tausende Kilometer transportiert werden muss, verliert er seine guten Eigenschaften. Foto: Petair / stock.adobe.com

Energieeffizient bauen fängt schon bei der Planung an. Ein wichtiger Aspekt sind die Fahrtwege. Je näher das Hausbauunternehmen, desto energieeffizienter kann gebaut werden. Auch der Transportweg der Baustoffe sollte beachtet werden, insbesondere was Bauholz angeht, das teilweise aus Russland importiert wird.

Bei Baustoffen sind den Bauherren allerdings oftmals die Hände gebunden, weil der Hersteller mit bestimmten Stoffen standardmäßig arbeitet. Wer darauf besteht, kann sein Hausbauunternehmen oder den Dachdecker aber möglicherweise davon überzeugen, zumindest die Dachziegel von einer Fabrik aus der Nähe zu beziehen.

Unsere Hausanbieter

Die besten Baustoffe für energieeffizientes Bauen

Es gibt Baustoffe, die besser dämmen und insofern für mehr Energieeffizienz sorgen. Dazu zählt vor allem Holz. Es gibt außerdem Baustoffe, die weniger Energie bei der Herstellung und beim Transport verbrauchen und insofern auf eine andere Weise energieeffizient sind. Dazu zählen regional hergestellte Leichtbetonbaustoffe. Bauherren dürfte es schwerfallen, sich einen exakten Überblick über alle verfügbaren Baustoffe zu verschaffen. Letztendlich kann aber mit jedem Baustoff energieeffizient gebaut werden, sofern des Gesamtkonzept stimmt.

Experten-Tipp

Bauherren, die sich die verwendeten Baustoffe genauer ansehen wollen, können auf die Informationen des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) zurückgreifen. In der umfangreichen Datenbank ÖKOBAUDAT sind jede Mange Daten zu vielen Baustoffen enthalten. Die umfangreiche Datenbank ist aber nicht ganz einfach zu verstehen.

Bautechnische Konzepte

energieeffizient bauen, versetztes Pultdach mit Photovoltaikflächen, Foto: sandra zuerlein / stock.adobe.com
Zu den meisten bautechnischen Konzepten für Energieeffizienz gehört Photovoltaik. Große Dachfenster können außerdem zu Heizzwecken eingesetzt werden. Foto: sandra zuerlein / stock.adobe.com

Das bautechnische Konzept bestimmt, wie ein Haus beheizt und gedämmt wird, wie es mit Strom versorgt wird und wie viel Energie benötigt wird. Beispielsweise ist es weit verbreitet, mit Wärmedämmverbundsystem (WDVS) zu bauen. Dabei wird ein Haus aus Steinen gemauert und dann von außen mit Dämmstoff eingepackt. Besonders nachhaltig ist dieses Konzept allerdings oft nicht, denn meistens wird dabei Dämmmaterial aus fossilen Rohstoffen verwendet, das oft schon nach wenigen Jahrzehnten entsorgt werden muss.

Bei anderen Konzepten wird das Dämmmaterial in die Wand eingebaut, wodurch es besser geschützt ist. Oder aber der Baustoff selbst sorgt nicht nur für Stabilität, sondern besitzt gleichzeitig gute Dämmeigenschaften. Allerdings werden viele Häuser irgendwann abgerissen. Dann sind Baustoffe im Vorteil, die möglichst naturbelassen sind oder recycelt werden können.

Je kompakter die Bauweise, desto besser. Erker oder Anbauten sorgen für zusätzliche Außenwände, die gedämmt werden müssen. Liegt das Obergeschoss deckungsgleich über dem Untergeschoss, bieten sich beiden Wohnebenen gegenseitige Wärmedämmung. Die Dachfläche sollte möglichst klein sein. Insofern bietet sich beispielsweise eine einfache Toskana- oder Stadtvilla an, auch einfache, kubistische Formen des Bauhauses sind günstig. Dennoch: jede Bauform kann tendenziell so umgesetzt werden, dass das Haus energieeffizient ist.

Die wichtigsten aktuellen architektonischen Konzepte zum energieeffizienten Bauen sind:

  • Das Passivhaus. Ein solches Haus ist besonders stark gedämmt und kommt fast ohne zusätzliche Heizenergie aus. Das Haus soll sich möglichst passiv, allein durch Sonneneinstrahlung erwärmen, erlaubt ist ein Heizwärmebedarf von 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Das funktioniert durch große Fensterflächen im Süden, durch die die Sonne das Haus wie ein Treibhaus aufwärmen kann. Im Norden gibt’s dagegen keine oder nur wenige kleine Fenster.
  • Das Nullenergiehaus. Das Konzept entspricht dem Passivhaus, entscheidend ist, dass die Energiebilanz ausgeglichen ist. Das heißt, sofern beispielsweise Strom verbraucht wird, dieser vom Haus selbst erzeugt wird. Der Strom, den die Bewohner im Alltag, beispielsweise durch Haushaltsgeräte verbrauchen, wird dabei nicht berücksichtigt.
  • Das energieautarke Haus. Ein Haus, das komplett ohne externe Energieversorgung auskommt und dementsprechend nicht einmal einen Strom- oder beispielsweise Gasanschluss aufweist. Selbst der Strom für Waschmaschine, TV und Elektroauto wird vom Haus selbst produziert.
Link-Tipp

Informationen über das Passivhaus und andere Hausbaukonzepte für energieeffizientes bauen finden Sie in diesen Beiträgen:

Daneben gibt es weitere Konzepte, die teilweise auch nur von einem einzigen Anbieter umgesetzt werden. Interessenten sollten sich solche Konzepte genau anschauen. Hinter schicken Namen verbergen sich teilweise Standardlösungen, die sich nur durch die Art der Dämmung oder die Dicke der Wand von anderen Konzepten unterscheiden. Solche Konzepte sind zwar nicht schlechter, aber auch nicht besser als andere Konzepte – möglicherweise aber teurer.

Energieeffiziente Heizungen

Welche Wärmepumpe, Luftwärmepumpe im Garten, Foto: BWP
Braucht nicht viel Platz und keine Genehmigung. Das Außengerät einer Luftwärmepumpe. Für höhere optische Ansprüche böte sich eine Holzverkleidung an. Foto: BWP

Moderne Öl- und Gasheizungen gelten wegen ihres hohen Wirkungsgrades zwar als energieeffizient. Allerdings verbrennen sie mineralische Rohstoffe. Wem es bei der Energieeffizienz nicht ausschließlich um Kosteneffizienz, sondern auch um die Umwelt geht, dem stehen weitere Möglichkeiten offen. Beispielsweise kann als Brennstoff auch Holz dienen. Je nach Bezugspreis kann diese Heizmethode sogar günstiger sein als Öl- oder Gasheizungen und sich langfristig rechnen.

Neben den Rohstoffheizungen gibt es auch Stromheizungen wie Wärmepumpen. Die lohnen sich vor allem in der Kombination mit Fußbodenheizungen und den dadurch möglichen niedrigen Vorlauftemperaturen. Das heißt, dass das Heizungswasser weniger stark erhitzt wird als bei klassischen Heizkörpern. Wie umweltfreundlich eine Wärmepumpe ist, hängt aber auch davon ab, welcher Strom bezogen wird – oder ob er sogar selbst erzeugt wird. Die hohen Anschaffungskosten im Vergleich zu anderen Heizungen können sich je nach Rohstoffkosten amortisieren.

Info

Jeder Verbraucher, der Strom aus dem öffentlichen Netz bezieht, verbraucht im Endeffekt den gleichen Strom – unabhängig von grünen Tarifen. Wer grünen Strom verkauft, muss aber entsprechend viel Strom aus regenerativen Quellen produzieren und einspeisen. Letztendlich verbraucht jede Wärmepumpe also Kohle- und Atomstrom. Je mehr Kunden grünen Strom kaufen, desto mehr müssen die Versorger allerdings auf entsprechende Quellen umstellen.

Eine Sonnenheizung lässt sich bislang und bei mitteleuropäischem Klima nur mit viel Aufwand umsetzen. Im Sommer lässt sich das Brauchwasser zwar mit Solarthermie erwärmen, um aber selbst im Winter ausschließlich mit der Kraft der Sonne zu heizen, sind riesige Kollektorflächen und Warmwasserspeicher notwendig. Viele Sonnenhäuser besitzen eine Ersatzheizung, sollte die Kollektorfläche nicht ausreichen. Die einfachen, aber wirkungsvollen Solarheizungen aus dem Mittelmeerraum funktionieren nur bei ausreichend Sonne und vor allem nur dann, wenn Minustemperaturen weitgehend ausgeschlossen sind.

Link-Tipp

Weitere Informationen zu allen Heizungsarten gibt’s auf unserer Übersichtsseite:

Dämmung & Co.

energieeffizient Bauen, Schafwolle in einem Weidenkorb, Foto: iStock / ideeone
Schafwolle direkt nach der Schur. Ein ökologischer und energieeffizienter Dämmstoff. Foto: iStock / ideeone

Eine gute Dämmung erleichtert es ungemein, energieeffizient zu leben, ganz einfach, weil weniger Heizenergie verbraucht wird. Selbst wer nicht besonders energieeffizient bauen will, kommt um eine Dämmung nicht herum, sie ist bei Neubauten und manchen Renovierungsarbeiten Pflicht. Den Dämmstandard legt die EnEV fest und diese Dämmung reicht üblicherweise auch aus, um ein energieeffizientes Haus zu bauen.

Ein Haus muss aber nicht nur warm eingepackt sein, seine Hülle sollte auch möglichst dicht sein, also keinen Luftaustausch durch das Dach oder die Fenster ermöglichen. Weil dieser Luftaustausch aber wichtig ist, um die Bewohner mit Sauerstoff zu versorgen und Schimmelwachstum zu verhindern, müssen Bewohner ordentlich lüften. Weil dadurch die warme Luft wieder nach draußen gelangt, bauen manche Bauherren Lüftungsanlagen ein, die allerdings nur dann energieeffizient sind, wenn sie mit einer Wärmerückgewinnungsanlage ausgestattet sind.

Ansonsten ließe sich noch die Art des Dämmmaterials thematisieren, interessant wären vor allem Dämmstoffe, die zur Herstellung keine fossilen Rohstoffe und wenig Energie benötigen. Insbesondere der Aspekt der Herstellungs- und Transportenergie ist für Verbraucher leider sehr schwer zu verstehen. Letztendlich lässt sich aber mit jedem Dämmstoff über seine Lebensdauer hinweg mehr Energie einsparen, als zur Produktion nötig war.

Link-Tipp

Infos rund ums Thema ökologisch Dämmen und Graue Energie gibt’s in unserem Ratgeber:

Private Stromerzeugung

Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Backsteinhauses, Foto: ideeone / iStock
Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach versorgt den Haushalt mit Sonnenstrom. Foto: ideeone / iStock

Bei der Energieeffizienz eines Gebäudes geht es in erster Linie um Heizenergie. Aber ein Gebäude kann dazu beitragen, dass sein Bewohner wenig elektrische Energie aus öffentlichen Netzen bezieht. Dazu müsste der Bewohner eigenen Strom produzieren, was insbesondere bei Photovoltaikanlagen effizient sein kann. Strom aus privaten Wind- und Wasserkraftanlagen zu produzieren, rentiert sich dagegen selten und hängt vom Standort ab. Windkraft ist für manche abgelegene Höfe ein Thema, Wasserkraft für manche alten Mühlen, die inzwischen als Wohngebäude genutzt werden. Es gibt eine weitere Möglichkeit, Strom zu erzeugen: Mini- oder Nano-Blockheizkraftwerke. Wie effizient diese Geräte sind, kommt auf den Einzelfall an, außerdem darauf, welcher Brennstoff eingesetzt wird. Potenzial besteht, weil diese kleinen Kraftwerke nicht nur Strom produzieren, sondern auch Wärme zum Heizen.

Experten-Tipp

Alle Infos rund um die Themen Strom, Stromerzeugung und Elektroinstallation im Haushalt unter:


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1 Kommentar

Airan am 31.10.2016 10:23

Danke hat bei der Aufgabe geholfen

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