Estrichaufbau: verschiedene Möglichkeiten, gleicher Zweck

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Das Wort Estrich klingt für den Laien recht abstrakt. Auf den Punkt gebracht, bezeichnet es einen fugenlosen Fußboden, egal ob in Schuppen, Garage, Bad oder Wohnzimmer. Je nach Einsatzort muss der Estrich aber verschiedene Anforderungen erfüllen. Damit ändert sich nicht nur die Art des Estrichs, der in Frage kommt, sondern auch der Estrichaufbau.

Hier wird Estrich in einem Raum gepumpt. Zu sehen sind die Rohre der Fußbodenheizung. Im nächsten Schritt muss der Estrich sauber abgezogen, also begradigt werden. Foto: Dagmara_K / fotolia.com

Die Estricharbeiten beginnen, sobald der Rohbau fertig ist. Die Oberflächen von Bodenplatten und Geschossdecken sind noch uneben und unansehnlich. Und deshalb muss eine Deckschicht her: der Estrich. In einer Garage wird er meist sichtbar bleiben. In Wohnräumen beschließt dagegen üblicherweise ein Belag wie Fliesen, Teppich oder Parkett den Fußbodenaufbau. Der Estrich ist also eine ausgleichende Nutzschicht auf einer tragenden Bodenkonstruktion. Unabhängig davon, ob er selbst in Form eines Nutz- oder Sichtestrichs den Bodenaufbau abschließt oder ob noch ein Bodenbelag folgt.

Schicht für Schicht: Estrichaufbau

Je nach Zweck und Funktion des Estrichs muss der Heimwerker den Bodenaufbau anpassen. Dabei kann er sowohl Trocken- als auch Baustellen- oder Fließestrich einsetzen: Flüssiger Estrichmörtel muss aufgetragen und geglättet werden sofern er sich nicht selbst mit Hilfe der Schwerkraft nivelliert. Beim Baustellenmörtel muss lotrecht abgezogen werden. Trocken- oder Fertigteilestrich wird weder gegossen noch abgezogen, sondern in Form von Platten verlegt. Dazu werden Bauplatten aller Art verwendet, beispielsweise OSB-, Holzspan-, Gipskarton-, Gipsfaser- oder Perlitplatten. Der Estrich kann sowohl schwimmend, also ohne feste Verbindung mit Wand oder Untergrund, als auch im festen Verbund verlegt werden.

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Verschiedene Estricharten und Verlegeweisen

Zement- oder Fließestrich, im Verbund oder schwimmend verlegt? Es gibt viele Estricharten und Weisen, ihn zu verlegen. Eine Übersicht zum Thema Estrich finden Sie hier: Estrich – Estricharten & Verlegeweisen in der Übersicht

Estrich im Keller, der Garage oder auf dem Balkon

Wie der Boden genau aufgebaut wird, ist abhängig von der späteren Nutzung. Denn je nach Einsatz variieren die Anforderungen an einen Estrich. Dabei stellt sich die Frage, welche Schicht sich unter dem Estrich und welche sich darüber befindet. Grundlage für einen funktionierenden Estrichaufbau ist jedoch immer ein fachmännisch hergestellter Boden. Dabei handelt es sich möglicherweise um eine Bodenplatte, die direkt auf dem Erdreich aufliegt. Oder es ist eine Geschossdecke aus Beton oder Holz. Die Frage ist auch, ob der Estrich mit einem weiteren Bodenbelag bedeckt wird oder ob er bleibt, wie er ist. Außerdem ist wichtig zu wissen, wie stark der Boden belastet werden soll. 

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Bodenplatte selbst betonieren

Hier erfahren Sie, wie Sie die Bodenplatte für Ihren Hausbau selbst betonieren können: Die Bodenplatte selbst betonieren: Auf den Fundamentplan kommt es an

Estrichaufbau direkt auf dem Erdreich

Liegt die Bodenplatte direkt auf dem Erdreich und darauf folgt der Estrich, wird unterschieden, ob der Raum darüber zum Wohnen genutzt wird, also gedämmt werden muss oder ob es sich um einen ungedämmten Nutzkeller oder eine Garage handelt.

Eine Tiefgarage. Nicht jeder Bodenbelag ist hier geeignet. Doch sowohl für diesen als auch für jeden anderen Verwendungszweck gibt es den passenden Estrich. Foto: blas / fotolia.com

Estrich für die Garage und im Nutzkeller

Sofern keine Dämmung benötigt wird, kann der Estrich unmittelbar auf der Bodenplatte aufgebracht werden. Weil Estrich immer in gleichmäßiger Dicke verlegt wird, müssen größere Unebenheiten zunächst nivelliert werden, beispielsweise durch eine Ausgleichsschüttung. Für Garagen und Nutzkeller braucht man einen belastungsfähigen Verbundestrich. Der kann noch gefliest werden, notwendig ist das aber nicht.

Bei Verbundestrich ist der Estrichaufbau recht simpel. Grafik: bauen.de

Der Boden einer Garage wird mechanisch stark beansprucht und muss große Lasten aushalten. Für den Estrich in der Garage eignen sich deswegen Zement- oder Gussasphaltestrich. Fällt die Wahl auf Zementestrich, so muss dieser anschließend noch beschichtet werden – zum Beispiel mit Fliesen oder einem Anstrich mit spezieller Garagenbodenfarbe. Diese ist unempfindlich gegen Salz von winterlichem Schmelzwasser und die Weichmacher von Autoreifen.

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Fundament für die Garage

Wie das Fundament für die Massivgarage selbst hergestellt werden kann, klärt diese Anleitung: Fundament für die Massivgarage selbst herstellen

Wohnraum auf der Bodenplatte

Sofern der Raum allerdings als Wohnraum genutzt wird, müssen Estrichleger auf eine ausreichende Wärmedämmung und eine Feuchtigkeitssperre unter der Dämmschicht achten. Auf der Bodenplatte wird zunächst eine Abdichtung, etwa Bitumenbahnen verlegt. Dann folgt die Dämmung und darauf eine Trennschicht, beispielsweise Estrichpapier. Erst auf diesen Unterbau erfolgt der eigentliche Estrich. Estrich in Wohnräumen wird meist schwimmend verlegt. Das bedeutet, dass der Estrich durch Randdämmstreifen von den Wänden entkoppelt ist. Das sorgt für ausreichenden Schallschutz. 

Soll schwimmender Estrich verlegt werden, ist auf einen gewissen Abstand zur Wand zu achten. Grafik: bauen.de
So sieht der Fußbodenaufbau mit Heizestrich aus. Grafik: bauen.de

Der Estrich kann auch als Heizestrich verlegt werden. Das bedeutet, dass auf der Sperr- oder Trennschicht die Rohre einer Fußbodenheizung verlegt werden. Darauf wird dann der Heizestrich verlegt, der zum einen Wärme leiten soll, zum anderen Spannungen trotzen muss und außerdem um und über die Rohre herum verlegt werden muss. Faser- oder Gussasphaltestrich erfüllen diese Anforderungen.

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Estrich – Estricharten & Verlegeweisen in der Übersicht

Details über die verschiedenen Estricharten und wie sie verlegt werden, erfahren Sie in diesem Artikel: Estrich – Estricharten & Verlegeweisen in der Übersicht

Estrichaufbau auf Geschossdecke

Handelt es sich um eine Geschossdecke, ist der Estrichaufbau im Prinzip ähnlich. Eine Dämmschicht braucht man nur, wenn der Raum darunter ungedämmt ist. Theoretisch kann der Estrich auch im Verbund gelegt werden, was aber Einbußen beim Schallschutz zur Folge hat.

Estrich auf einer Holzbalkendecke

Soll ein Estrich auf einer Holzbalkendecken eingebaut werden, bietet sich meist die Trockenbauweise an – alleine schon, um Gewicht zu sparen. In Neubauten betrifft dies meist nur die oberste Geschossdecke des Dachs, in Altbauten sind oft alle Geschossdecken Holzbalkendecken. Der grundsätzliche Aufbau ist folgender:

  • Rieselschutzflies als Unterlage für die Ausgleichsschüttung auf Holzdielen und Holzbalkendecken
  • Ausgleichsschüttung zur Nivellierung von Unebenheiten
  • Aufbringen einer Trittschalldämmschicht
  • Montage der Trockenestrichplatten – es gibt am Markt übrigens auch Platten, die bereits mit einer aufkaschierten Dämmschicht ausgestattet sind.

Der Vorteil des Trockenestrichs ist neben seinem geringen Gewicht, dass er nicht erst wochenlang austrocknen muss. Demnach kann der Bodenbelag – zum Beispiel Laminat oder Teppichboden – schon am nächsten Tag verlegt werden. Wird Trockenestrich im Nassbereich verlegt, ist eine zusätzliche Isolationsschicht auf den Platten nötig, da diese nicht feuchtefest sind. Erst darauf folgen dann Beispielsweise Fliesen.

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Gussasphaltestrich für den Altbau

Soll im Altbau auf eine Holzbalkendecke ein Estrich montiert werden, kann ein Gussasphaltestrich eine Alternative zum Trockenestrich sein, da er eine geringe Aufbauhöhe hat.

Estrichaufbau im Außenbereich: Balkon oder Terrasse

Wird im Außenbereich ein Estrich auf dem Balkon oder der Terrasse erstellt, sind einige Besonderheiten zu beachten, damit die Konstruktion später rissfrei bleibt. Denn Unterbau und Oberbelag haben oft ein unterschiedliches Ausdehnungsverhalten. Deswegen empfiehlt es sich, beim Verlegen des Oberbelags elastischen Kleber und Fugenmasse zu verwenden. Wer auf Nummer Sicher gehen will, kann zwischen Estrich und Oberbelag zudem Wabenfolien als Armierung einbringen. Diese nehmen Schiebe- und Schrumpfkräfte auf und verhindern so, dass Terrassenplatten aufplatzen. Grundsätzlich sieht der Bodenaufbau bei einem Balkon oder einer Terrasse folgendermaßen aus:

  1. Rohbeton
  2. Isolierung gegen Feuchtigkeit
  3. Estrich
  4. Plattenbelag
Gilt auch für den Balkon: Unter dem Bodenbelag liegt der Estrich. Hier draußen muss er aber ganz andere Anforderungen erfüllen als drinnen. Foto: alexandre zveiger / fotolia.de

Im Außenbereich eignet sich am besten Zementestrich, weil er widerstandsfähig gegen Einflüsse von Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen ist. Von Nachteil ist, dass er einige Wochen zum Trocknen und Aushärten braucht. Wird der Oberbelag zu früh aufgebracht, sind Schäden wie Risse vorprogrammiert.

Zudem müssen Heimwerker sowohl bei Balkon als auch Terrasse auf ein ausreichendes Gefälle von mindestens zwei Grad achten, damit Regenwasser abfließen kann. Auch ein Drainagesystem erfüllt diesen Zweck und verhindert Schäden. Bleibt das Wasser stehen und fallen die Temperaturen im Winter unter 0 Grad, friert das Wasser und der Belag kann aufplatzen.

Wann der Bodenbelag auf dem Estrich verlegt werden kann

Wann der Bodenbelag auf dem fertigen Estrich montiert werden kann, ist abhängig vom Material. Grundsätzlich gilt, dass Fließestrich in der Regel mehrere Wochen trocknen muss. Die Trocknungszeit ist auch abhängig von der Jahreszeit – im Winter dauert es länger, beziehungsweise der Estrich trocknet gar nicht – dann muss mit einem Bautrockner nachgeholfen werden. Eine gewisse Restfeuchte ist zulässig: Verlegefertig ist der Estrich dann, wenn die Gleichgewichtsfeuchte erreicht ist. Darunter versteht man, dass die Restfeuchte im Estrich im Gleichgewicht mit dem Wassergehalt der Raumluft ist. Gussasphaltestrich ist schon nach dem Abkühlen verlegefertig. Trockenestrich kann einen Tag nach der Montage belegt werden. Trocknen muss nur der Kleber, mit dem die Estrichplatten verbunden wurden.

Das kostet es, Estrich zu verlegen

Während die Kosten für den Estrich beim Neubau kaum ins Gewicht fallen, sollten sie bei Sanierung oder Umbau genau kalkuliert werden. Entscheidend für die Kalkulation sind die Estrichart, die Aufbauhöhe, die Verlegeweise sowie die Größe der Fläche. Hinzu kommen der Dämmstoff und der endgültige Bodenbelag sowie gegebenenfalls die Kosten für Material und Montage der Fußbodenheizung – und natürlich die Stundensätze der hinzugerufenen Handwerker. Überschlägig muss man bei einer größeren Fläche mit knapp 20 Euro pro Quadratmeter für Zementestrich rechnen. Trocken- und Gussasphaltestrich sind etwas teurer.

Wer selber Hand anlegen will: Trockenestrichelemente, auch Fertigteilestrichelemente genannt, kosten ab etwa 15 Euro pro Quadratmeter. Baustellenestrich ist etwas billiger. Größere Flächen sollten Heimwerker aber nur einbauen, wenn sie aufgrund der schieren Estrichmenge, die zügig verarbeitet werden muss, über professionelle Gerätschaften verfügen.


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