Do-it-yourself: Untersparrendämmung

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Wenn aus baulichen Gründen eine ausreichend dicke Zwischensparrendämmung nicht möglich ist, oder die vorhandene Dämmschicht nicht ausreicht, dann können Heimwerker selbst eine zusätzliche Dämmschicht unter den Dachsparren anbringen. Mithilfe dieser Untersparrendämmung verringern sich die durch die Sparren entstehenden Wärmebrücken, der Wärmeschutz wird verbessert.

Untersparrendämmung, Dämmung, Dach, Foto: Alekss/fotolia.com
Mit ein wenig Geduld lässt sich eine Untersparrendämmung ganz leicht selbst anbringen. Foto: Deutsche ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co. OHG Foto: Deutsche ROCKWOOL Mineralwoll GmbH & Co

Die Situation: Das oberste Dachgeschoss, gegebenenfalls auch der Spitzboden, hat bereits vor Jahren eine Wärmedämmschicht zwischen den Sparren erhalten. Sie reicht jedoch nicht mehr aus und soll bei einer Modernisierung erweitert werden: durch eine Untersparrendämmung.

Voraussetzungen für die Untersparrendämmung mit Glaswolle oder Steinwolle

Die Dachhaut – Ziegel und ähnliches – ist noch völlig intakt. Die Räume sind hoch genug, sodass noch genügend Bewegungsfreiheit bleibt. Die Dämmschicht zwischen den Sparren weist keinerlei Schäden auf. Eine Beplankung, beispielsweise aus Gipskartonplatten, kann leicht entfernt werden, denn sie fällt am meisten ins Gewicht. Dabei kann es passieren, dass die bisherige Dampfsperre beschädigt wird. Diese muss dann entfernt werden, was jedoch nichts macht, weil ohnehin eine neue Dampfbremsfolie angebracht werden muss.

Notwendiges Werkzeug und Material

Um einen Untersparrendämmung anzubringen, wird einiges an Werkzeug benötigt:

  • Bohrmaschine
  • Schraubendreher
  • Hammer
  • Maßband oder Zollstock
  • Wasserwaage
  • Säge
  • Messer zum Trennen des Dämmstoffes
  • Richtschnur
  • Schrauben/Nägel
  • Gerät zum Tackern
  • Kartuschenpresse
  • Schutzbrille bei Arbeiten mit Mineralwolle über dem Kopf

Heimwerker sollten sich außerdem mit Latten, Mineralwolle, Dampfbremsfolie und gegebenenfalls Platten zur Verkleidung eindecken. Dabei ist es wichtig, dass die Latten so hoch sind, wie die vorgesehene Dämmschicht. Dachlatten haben das Maß 40 mal 60 Millimeter – folglich müssen Heimwerker bei höherer Dämmstärke zwei Lattenreihen übereinander anbringen. Mineralwolle wird für gewöhnlich im Paket  oder auf Rollen geliefert. Im Paket sind die Platten aus Glaswolle oder Steinwolle 125 mal 62,5 Zentimeter groß, wohingegen Rollen für gewöhnlich 60 Zentimeter breit sind. Die gängigsten Stärken sind 40, 60, 80 sowie 100 Millimeter. Als Verkleidung eignen sich Gipskarton- oder OSB-Platten, Paneele oder Profilhölzer. Viele Systeme zur Untersparrendämmung werden bereits verkleidet angeboten.

Arbeitsschritte bei der Untersparrendämmung

  1. Die Fußleiste (unterste Latte) wird parallel zum Fußboden, also quer zu den Sparren aufgenagelt oder aufgeschraubt. Dabei  kontrolliert man, ob der Abstand zur Decke auf der ganzen Länge gleich ist.
    Wenn das nicht der Fall ist – was bei älteren Dächern durchaus sein kann – ist es ratsam, die einzelnen Reihen der Latten streng maßhaltig anzubringen und den Ausgleich erst mit der letzten Latte vorzunehmen, damit nicht die ganze Konstruktion der Untersparrendämmung versehentlich außer Maß gerät.

  2. Nun werden alle weiteren Reihen von Dachlatten parallel zueinander angebracht, bis man an der Decke angelangt ist. Mineralwollplatten sind 62,5 Zentimeter breit, Rollen haben eine Breite von 60 Zentimetern. Daraus ergibt sich ein Abstand von 61,5 beziehungsweise 59 Zentimetern für alle folgenden Dachlatten, denn es ist empfehlenswert, einen um einen Zentimeter geringeren Abstand zu wählen. Das hat den Vorteil, dass man die Dämmstoffe zwischen die Latten klemmen kann. Sie sind dafür elastisch genug. Andernfalls können die Platten oder Bahnen wegen der Dachschräge leicht herausfallen.
    Muss wegen einer besonderen Beplankung ein bestimmter Lattenabstand von beispielsweise 50 oder 60 Zentimeter eingehalten werden, kann man die verwendeten Dämmstoffe entsprechend kürzen. Ungünstig wäre es dagegen, den Lattenabstand größer als die Breite des Dämmmaterials zu wählen – Verschnitt und Arbeitsaufwand würden sich erheblich erhöhen.

  3. Ist auch die gegenüberliegende Dachseite fertiggestellt, sollten Heimwerker entscheiden, ob sie eine Fußleiste anbringen möchten. Meist stoßen Dachschräge und Fußboden im spitzen Winkel aufeinander. So lassen sich auf der Dachseite keine Teppichschienen anbringen. Deshalb muss eine etwa zehn Zentimeter breite Leiste auf die Dachsparren aufgeschraubt werden. Damit die Leiste im rechten Winkel zum Fußboden steht, legt man Holzkeile unter.

  4. Nun werden die einzelnen Dämmplatten aus Glaswolle oder Steinwolle zwischen die Latten gedrückt. Man achte insbesondere darauf, dass an den Stößen keine Zwischenräume entstehen – diese würden die Untersparrendämmung später undicht machen. Dazu schiebt man die jeweils folgende Platte straff gegen die bereits liegende. Die jeweils letzte Platte in der Reihe ist fast immer zu kürzen; mit dem verbliebenen Stück wird die nächste Reihe begonnen, so vermeidet man Verschnitt.

  5. Ist die Mineralwolle ordnungsgemäß verlegt, prüft man abschließend, ob sich nicht doch noch irgendwo Lücken oder Spalten eingeschlichen haben. Damit keine Wärmebrücken entstehen, muss die Dämmschicht durchgehend und homogen sein.

  6. Nun wird die Dampfbremsfolie (Klimamembran) angebracht. Am leichtesten geht das mit einem Meter breiten Rollen. Oft liegen die Bahnen jedoch eingeschlagen auf den Rollen, so dass die Folie nach dem Entfalten zwei Meter breit ist. Dann ist eine helfende Hand erforderlich, um die erste (oberste) Folienbahn genau auszurichten. An den Firstwänden muss die Folie etwa zehn Zentimeter überstehen, damit sie später mit der Wand richtig abschließt. Dann wird sie an einer Seite an die Latten getackert. Wenn ein Helfer die Folie weiterhin gespannt hält, ist die Klimamembran schnell über die gesamte Länge befestigt. Die nächste Bahn wird mit einem Überstand von etwa zehn Zentimetern angebracht. An der Decke sollte sie ebenfalls überstehen. Sofern es im Dach Durchdringungen gibt, beispielsweise bei einem Abluftrohr, muss eine handelsübliche Manschette verwendet werden; die Folie wird dann an dieser Stelle mit Klebeband luftdicht verklebt.

  7. Jetzt gilt es, alle Übergänge abzudichten. Die Überlappungen der Folie werden mit einem speziell dafür ausgelegten Band abgeklebt. Die Übergänge zu den Wänden und zur Decke lassen sich mit einem Spezialkleber aus der Kartusche oder mit Klebeband abdichten. Es kommt darauf an, die Folie lückenlos dicht an die Wände zu kleben.

  8. Zum Schluss wird die Dachschräge beplankt. Gipskartonplatten eignen sich besonders gut, weil sie an den Stößen leicht zu verspachteln sind. Dadurch haben sie eine so glatte Oberfläche haben, dass sie leicht gestrichen werden können. Vorher müssen die Gipsplatten allerdings mit Tiefengrund imprägniert werden, damit die Wandfarbe hält und nicht auftrocknet.

  9. Wer stattdessen jetzt Paneele oder Bretter anbringen will, wird sich entscheiden müssen: Wenn sie horizontal verlaufen, also die Länge des Raumes betonen sollen, muss nochmals eine (vergleichsweise dünne) Lattung angebracht werden. Wer dagegen die Raumhöhe optisch „strecken“ will, kann gleich loslegen. Fertig ist die Untersparrendämmung!

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3 Kommentare

Daum Siegfried am 04.04.2018 14:54

ohne Dampfdiffusionsberechnung alles sehr gefährlich.

auf Kommentar antworten

Tino S. am 01.03.2018 08:02

Eine Frage dazu: Sofern die Dampfbremse/Dampfsperre an der Zwischensparrendämmung noch vollständig intakt ist, muss ich für die Untersparrendämmung trotzdem eine zusätzliche Sperrfolie anbringen? Hierzu finde ich nämlich unterschiedliche Angaben.

Konkret habe ich 140mm Zwischensparrendämmung aus Mineralwolle und möchte im Ausbaubereich zusätzliche 60 mm Untersparrendämmung aus Wolle zwischen Gipskarton und Sparren bringen. Die Wolle würde dann auch direkt an der GKB anliegen. Eine weitere Schicht UK-Lattung nimmt mir zuviel Platz in den engen Räumen weg.

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Redaktion bauen.de am 01.03.2018 13:29

Hallo Tino S.

Die Dampfsperre schützt ja das Dämmmaterial vor Feuchtigkeit. Wenn Sie die weglassen, kann sie problemlos in das neue Dämmmaterial eindringen. Eine Lattung brauchen Sie ja ohnehin, an der dann die Gipskartonplatten befestigt werden. Ob Dampfsperre oder nicht brauchen Sie darüberhinaus keine weitere Lattung.

Herzliche Grüße,

die Redaktion von bauen.de


Tino S. am 01.03.2018 23:35

Hallo lebe Redaktion,

ist es aber heute nicht schon üblich, die Installationsebene mit Dämmung auszukleiden? Das wäre ja quasi mein Anliegen gewesen und in diesem Falle die Untersparrendämmung. Die Original Dampfsperre für die Zwischensparrendämmung ist ja erhalten und nicht beeinträchtigt in ihrer Funktionsweise. Zudem ist mir nicht bekannt, wie ich eine Installationsebene "wasserdicht" foliert bekommen könnte. Schließlich soll ja noch eine Gipskartonblende davor und jede Schraube zerstört die Folie.

Hinzu kommt in diesem Falle, dass die Untersparrendämmung somit beidseitig gesperrt wäre und damit der Trocknungsprozess für evtl. eindringende Feuchtigkeit behindert wird. Feuchtigkeit kann sowohl durch Diffusion als auch kapillare Leitfähigkeit oder sonstige Gründe eindringen. Das sollte unbedingt beachtet werden.

VG, Tino Szilos


Redaktion bauen.de am 02.03.2018 15:11

Hallo Tino,

die Dampfsperre muss natürlich so angebrachte werden, dass sie durch Schrauben usw. nicht beschädigt wird. Dazu gibt es beispielsweise abgedichtetes Tackerband. Eine Konterlattung macht das Arbeiten leichter, aber die müssen Sie ja genau wie die Gipsplatten irgendwo festschrauben. Sie müssen also so oder so aufpassen, die Dampfsperre nicht zu beschädigen.

Das Problem, dass Sie schildern tritt ohne Dampfsperre erst recht auf. Feuchtigkeit kann ungehindert eindringen, bei der alten Dampfsperre ist aber schluss. Wenn Ihnen das Sorgen bereitet, sollten Sie die alte Sperre entfernen und raumseitig eine Dampfbremse befestigen - oder Sie packen das neue Dämmmaterial halt so ein, dass keine Feuchtigkeit eindringen kann. Der Aufbau, den Sie wählen, halten wir für riskant.

Weitere Informationen zur Dampfsperre/Dampfbremse finden Sie unter: https://www.bauen.de/a/dampfsperre-richtig-anbringen.html

Am besten wäre es aber, Sie engagieren einen Experten, der Sie vor Ort beraten kann.

Herzliche Grüße,

die Redaktion von bauen.de

Hugo Bartram am 23.01.2018 23:47

sehr informativ und hilfreich; einige Fotos mehr zur Erklärung wären dennoch nützlich.

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