Gewährleistung – So kommen Bauherren zu ihrem Recht

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Auch bei Bauleistungen gibt es eine Gewährleistung. Doch welche Fristen, welche Formanforderungen sind einzuhalten, damit der Bauherr seine Ansprüche auch durchsetzen kann? bauen.de gibt hilfreiche Tipps.

Gewährleitung, Gewährleitungsanspruch, Foto: TAlex/Fotolia.com
Beim Hausbau treten Mängel oft erst nach Fertigstellung auf. Um den Bauherren zu schützen, gibt es das Rechtsinstitut der Gewährleistung. Foto: TAlex/Fotolia.com Foto: TAlex/Fotolia.com

Beim Bau eines Hauses sind viele unterschiedliche Gewerke beteiligt. Architekt, Bauleitung und unterschiedliche Handwerker müssen Hand in Hand arbeiten. Dabei können Fehler auftreten, die sich später, oftmals erst einige Zeit nach Abschluss der Bauarbeiten und damit nach Abnahme des Hauses, als Mängel am Haus herausstellen. Damit der Bauherr trotzdem seinen Anspruch auf ein mangelfreies Haus durchsetzen kann, gibt es das Rechtsinstitut der Gewährleistung auch im Baurecht. Sprich: Auch wenn das Haus fertig ist und die letzten Handwerker abgezogen sind, haben Häuslebauer eine Möglichkeit, von den Handwerkern Nachbesserung, Mängelbeseitigung und Schadensersatz zu fordern.

Gewährleistung: An die Fristen denken

Die so genannte Gewährleistungszeit beginnt nach der Abnahme. Von diesem Zeitpunkt an hat der Bauherr eine Frist von vier beziehungsweise fünf Jahren, um auftretende Mängel von den Handwerkern beheben zu lassen. Die Länge der Gewährleistungszeit hängt davon ab, welche gesetzliche Regelung der Vertragsform zugrunde gelegt wurde: Verträge nach BGB (Bürgerlichem Gesetzbuch) haben eine regelmäßige Verjährungsfrist von fünf Jahren. Bei Verträgen nach VOB (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen) beträgt die Verjährungsfrist vier Jahre. Danach kann der Bauherr nur noch in absoluten Ausnahmefällen - wie einer arglistigen Täuschung - seine Gewährleistungsansprüche durchsetzen.

Die Form: Mängel richtig rügen

Wenn Sie einen Mangel entdecken, sollten Sie zunächst einen Termin mit Ihrem Architekten oder Bauleiter vereinbaren, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Wichtig sind aber vor allem die folgenden Punkt: Dokumentieren Sie den Mangel, das erleichtert im Streitfall den Nachweis und somit die Durchsetzung Ihres Anspruchs aus Gewährleistung. Zudem ist eine Mängelrüge schriftlich zu formulieren und dem betreffenden Unternehmen (Handwerksunternehmen) zuzusenden. Wenn Ihr Architekt dies übernimmt, lassen Sie sich eine Kopie der Mängelrüge aushändigen. In der Mängelrüge muss der Mangel beschrieben werden und eine ausreichende Frist zur Beseitigung gesetzt werden. Bitte achten Sie darauf: Zur Beweissicherung sollte die Mängelrüge per Einschreiben mit Rückschein versendet werden.

Verschulden oder nicht – das ist die Frage

Wenn alles gut läuft, wird danach ein Ortstermin mit dem Architekten beziehungsweise Bauleiter, dem betroffenen Unternehmer und dem Bauherren vereinbart, um den Sachverhalt zu prüfen. Nun kann es sein, dass das Handwerksunternehmen erklärt, dass das Gewerk keinen Mangel aufweist oder aber ihn kein Verschulden an dem Entstehen des Mangels trifft. Kann der Architekt nicht moderierend eingreifen, sollte in jedem Fall die Unterstützung eines Rechtsanwaltes in Anspruch genommen werden. Bitte beachten Sie: Bei einem Bauvertrag nach VOB führt die Mängelrüge zur Aussetzung der Verjährungsfrist. Bei einem Bauvertrag nach BGB ist hiefür die Anerkennung des Mangels durch den Unternehmer beziehungsweise ein selbstständiges Beweissicherungsverfahren notwendig.


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5 Kommentare

Bauenttäuschung am 15.06.2018 09:39

Beim Bau unseres Hauses in Neuenhaus für die Fenster, Türen usw. haben wir der Tischlerei [...] Aufträge von mehr als 20.000 Euro erteilt.

Leider hatten wir mehr Probleme mit der Ausführung des Auftrages als mit anderen Auftragnehmern.... mehr

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Maeddele am 16.05.2018 10:24

Innerhalb von der Gewährleistung würde festgestellt dass durch unwissentlichem falscher Aufbau der Fassade Wasser eingedrungen ist. Allerdings betrifft das nur die Westseite und zum Teil die Südseite (Wetterseiten). Meine Frage: Haben... mehr

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Redaktion bauen.de am 17.05.2018 10:37

Hallo Maeddele,

das können wir Ihnen nicht ohne weiteres beantworten. Grundsätzlich muss ein Bauwerk der Leistungsbeschreibung entsprechen. Allein deswegen müsste nachgebessert werden, wenn es nicht unzumutbar ist. Wenn allerdings... mehr

1998 am 27.04.2018 11:52

Ich habe 1998 ein Fertighaus errichten lassen und wohne seit dem darin. Bei der Sanierung des Gästebad habe ich bemerkt dass im Estrich keine Armierung ist, obwohl in den Bauunterlagen eine Armierung für das gesamte Haus aufgeführt ist.... mehr

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Redaktion bauen.de am 27.04.2018 13:13

Hallo 1998,

theoretisch könnten Sie den Mangel schon noch melden. Gibt es denn die damalige Baufirma noch?

Sie sollten sich aber von einem Anwalt beraten lassen, denn wir dürfen keine Rechtsberatung leisten. Ohne weiteres wird die... mehr

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