Holzfassade: Natürlich, langlebig, individuell

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Holz eignet sich zur Fassadengestaltung, lässt dabei viel Spielraum für unterschiedliche Baustile und kann umweltfreundlich sein. Für Bauherren gibt es einiges zu beachten, vor allem, was die Pflege angeht.

War die Holzfassade früher eher traditionellen und regionalen Bauweisen vorbehalten, ist sie heute auch in der modernen Architektur sehr beliebt. Dazu trägt sicher auch ein wachsendes Bewusstsein für den Umwelt- und Klimaschutz und damit verbunden eine hohe Wertschätzung für den Baustoff Holz bei.

Vorteile einer Holzfassade

Eine ganze Reihe von Vorzügen sprechen für eine Außenverkleidung mit Holz:

  • Nachhaltig: Holz ist ein nachwachsender Rohstoff mit guter Öko- und Klimabilanz – zumindest, wenn es sich um heimische Hölzer mit FSC-Siegel handelt.
  • Langlebig: Je nach Holzart kann eine Holzfassade 80 Jahre und länger halten. Damit liegt ihre Lebensdauer nur wenig unter der einer Fassade aus Klinker oder anderen Steinen.
  • Vielfältig: Verschiedene Holzarten, Verschalungstechniken und Oberflächenbehandlungen bieten eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten für die Holzfassade.

Für Roland Glauner, Referent beim Verband Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister, sprechen vor allem die gestalterischen Möglichkeiten für eine Hausverkleidung aus Holz: „Die Grundfunktionen Witterungsschutz und Dämmung kann und muss jede Fassade erfüllen. Aber Holzfassaden sind immer ein besonderer Blickfang, und jede von ihnen ist ein Unikat.“

Nachteile einer Holzfassade

Im Vergleich mit anderen Fassadenarten hat die Holzfassade aber auch einige Nachteile:

  • Pflegeaufwand: Gestrichene Holzfassaden müssen regelmäßig gewartet und erneuert werden, um ihr attraktives Aussehen zu erhalten. Bei unbehandelten, natürlich vergrauenden Fassaden ist dies allerdings nicht nötig.
  • Höhere Kosten: Während eine Putzfassade schon für etwa 100 Euro pro Quadratmeter machbar ist, muss man bei Fassaden aus Holz eher mit 200 bis 300 Euro rechnen. „Vor allem die Holzart und das System der Verschalung bestimmen die Kosten. Es ist allerdings sehr schwierig, allgemein verbindliche Preisspannen zu nennen“, erklärt Roland Glauner von Holzbau Deutschland. Zudem, so der Holzfachmann, schwanken die Preise am Holzmarkt oft erheblich.

Die richtige Holzart für die Fassade

Für die Fassade geeignet sind alle formstabilen, witterungsfesten und langlebigen Holzarten. Am häufigsten verwendet werden in Deutschland die Nadelhölzer ...

  • Lärche,
  • Douglasie,
  • Tanne
  • oder Fichte.

Letztere ist im Vergleich die preisgünstigste Art. „Das bedeutet aber nicht, dass Fichtenholz minderwertig ist“, erklärt Roland Glauner vom Holzverband Deutschland, „es erfordert lediglich etwas mehr Konstruktionsaufwand.“ Auch Laubholzarten, zum Beispiel ...

  • Robine
  • oder Eiche, ...

eignen sich zur Verschalung der Außenwände, werden aber seltener verwendet. Eiche kommt meist aus Kostengründen nicht in Frage. Die heimische Buche dagegen ist nicht wetterfest genug für den Außenbereich.

Alternativen zu Holz

Wem die Optik gestrichenen Holzes gefällt, aber nicht streichen möchte, kann auf Holzalternativen zurückgreifen. Es gibt verschiedene Fassadensysteme aus Faserzement oder Kunststoff, beziehungsweise WPC, die wie Holz aussehen, aber keine Pflege benötigen und lange haltbar sind.

Aufbau einer Holzfassade

Eine Holzfassade besteht immer aus mehreren Schichten, von denen nur die äußere Verkleidung sichtbar ist. Der Aufbau kann im Detail unterschiedlich aussehen, folgt aber im Prinzip folgendem Schema, von innen nach außen gesehen:

  • Untergrundkonstruktion (Holzbau- oder Mauerwerkswand)
  • Falls erforderlich: Wärmedämmung
  • Lattung zum Befestigen der Verkleidung
  • Luftraum
  • Holzverkleidung

Der etwa zwei bis drei Zentimeter breite Luftraum zwischen Dämmung und Außenschicht sorgt dafür, dass durch Regen, Schnee, Spritzwasser oder Luftfeuchtigkeit verursachte Nässe abziehen kann. So wird verhindert, dass das Holz durch Feuchtigkeit geschädigt wird und sich Schimmel bildet. In Bezug auf die Anlage des Luftraums unterscheidet man zwei Konstruktionsarten:

  • Die belüftete Fassade ist oben geschlossen und nur unten geöffnet.
  • Die hinterlüftete Fassade ist oben und unten geöffnet.

Holzexperte Roland Glauer erklärt die Vor- und Nachteile einer Fassade mit Be- beziehungsweise Hinterlüftung: „Meist ist die Hinterlüftung die bessere Alternative, um Feuchtigkeit abzuleiten. Damit ist auch ein etwas schlankerer Aufbau möglich, denn bei der alternativen Belüftung muss die Öffnung unten größer sein. Für den Brandschutz hat die Belüftung aber einen Vorteil, vor allem bei größeren Häusern: Im Brandfall wird das Feuer nicht nach oben getrieben.“

Bei beiden Systemen, belüftet wie hinterlüftet, ist besonders der Schutz vor Feuchtigkeit im unteren Bereich der Fassade zu beachten. Um Schäden durch Spritzwasser zu vermeiden, sollte ein Abstand zum Boden von 30 Zentimetern eingehalten werden. „Alternativ kann man auch einen Kiesstreifen vor der Fassade anlegen. Oder man bringt ganz unten Verschleißbretter an, die die Feuchtigkeit abhalten und bei Bedarf ausgetauscht werden,“ ergänzt Roland Glauner.

Verschiedene Arten der Holzverschalung

Die Art und Weise, wie die äußere Schale der Holzfassade konstruiert ist, bestimmt ihre optische Wirkung. Sie hat aber auch Konsequenzen für den Schutz der Fassade vor Feuchtigkeit. Es gibt eine Vielzahl von Schalungsarten, die sich unter anderem dadurch unterscheiden, ob die Bretter horizontal oder vertikal angebracht werden und ob die Holzschale komplett geschlossen oder offen ist. Einige Beispiele für Verschalungstechniken aus dem traditionellen Holzbau und Favoriten der modernen Architektur:

Holzfassade, Stülpschalung, Foto: iStock.com / 4nadia
Bei dieser Stülpschalung handelt es sich um Holzimitat aus Kunststoff oder Faserzement. Foto: iStock.com / 4nadia

Stülpschalung: Horizontale Schalung mit leicht schräg stehenden Brettern, die sich ähnlich wie Dachziegel ein Stück überlappen, sodass Regenwasser ablaufen kann. „Dies ist eine sehr alte Technik der Holzverkleidung, eine typische Zimmererkonstruktion“, so Roland Glauner vom Holzverband Deutschland.

Boden-Deckel-Schalung: Eine sehr wetterfeste Fassadenart, die zum Beispiel im Alpenraum häufig zu finden ist. Sie besteht aus zwei Lagen vertikal montierter Bretter. In der ersten Lage, der sogenannten Bodenlage, werden die Bretter einfach nebeneinander montiert. Über die Fugen zwischen den Bodenbrettern werden dann die Deckelbretter geschraubt.

Holzfassade, Nut-Feder-Schalung, Foto: artursfoto / stock.adobe.com
Nut-Feder-Schalung. Foto: artursfoto / stock.adobe.com

Nut-Feder-Schalung: Mit Nut und Feder verbundene Holzbretter können sowohl horizontal als auch vertikal an der Fassade verbaut werden. Bei der horizontalen Ausführung muss die Nut nach unten und die Feder nach oben zeigen, sonst kann sich in der Ausfräsung Wasser ansammeln.

Holzfassade, Rhombusschalung, Foto: Pedda / stock.adobe.com
Zwischen den Holzleisten ist die schwarze Schutzfolie sichtbar. Foto: Pedda / stock.adobe.com

Rhombusschalung: Leisten mit abgeschrägten Seiten mit einem Winkel zwischen 15 und 20 Grad werden vertikal auf die Unterkonstruktion montiert. Der Name stammt von der Rauten- beziehungsweise Rhombus-ähnlichen Form des Querschnitts. Durch die Schrägung kann das Wasser außen ablaufen. Zusätzlich wird die offene Konstruktion mit einer schwarzen Unterspannfolie geschützt. „Der Abstand zwischen den Leisten darf deshalb nicht zu groß sein, sonst kann die Folie durch Sonneneinstrahlung beschädigt werden“, so Roland Glauner.

Holzfassade, Trendliner, Foto: Holzprofi24
Trendliner: hochwertige Nut-Feder-Schalung mit optischen Akzenten. Foto: Holzprofi24

Trendliner: Hier handelt es sich um Nut-Feder-Profilbretter, die als Alternative zur Rhombusschalung eingesetzt werden können. Die Feder ist schwarz eingefärbt und wirkt deshalb an der fertigen Fassade ähnlich wie die dunkle Unterspannbahn. „Trendliner sind ein Industrieprodukt, dass die Vorzüge klassischer Zimmererschalung mit der Optik einer offenen Verkleidung vereint,“ fasst Roland Glauner zusammen.

Holzfassade, vertikel, offen, Foto: pixarno / stock.adobe.com
Vertikale Holzfassade mit offenen Fugen. Foto: pixarno / stock.adobe.com

Vertikal offen: Analog zur horizontalen Rhombusschalung sind auch vertikale Holzverkleidungen mit offenen Fugen möglich und bieten ein attraktives Fassadenbild. Was ihre Funktionalität angeht, ist Holzbauexperte Glauner hier eher skeptisch: „Der Wasserablauf funktioniert nicht so gut wie bei den horizontalen Varianten. Es besteht die Gefahr, dass Nässe auf der Tragkonstruktion zu Fäulnisschäden führt.“

Holzfassade, Holzschindeln, Foto: iStock.com / juanmonino
Holzschindeln als Fassadenverkleidung. Foto: iStock.com / juanmonino

Holzschindeln: Vor allem regional verbreitet, etwa in Bayern oder Baden Württhemberg, sind Fassadenverkleidungen mit Holzschindeln. Meist werden die Schindeln nicht wie Bretter gesägt, sondern gespalten. „Weil dabei keine Fasern angeschnitten werden, funktioniert der Wasserablauf bei Holzschindeln sehr gut“, erklärt der Holzbauexperte, „man braucht für die Herstellung und Montage aber entsprechende Erfahrung.“

Die Holzoberfläche: Naturbelassen oder gestrichen

Neben der Schalungsart bestimmt vor allem die Oberfläche der Bretter oder Leisten das Aussehen der Holzfassade. Ob sie einen Anstrich bekommen soll oder nicht, ist meist eine Geschmacksfrage, denn langlebige Holzarten sind auch im Naturzustand gut gegen Witterungseinflüsse und Feuchtigkeit geschützt.

Gestrichene Fassaden

Farbige Holzfassaden findet man traditionell bei Häusern im amerikanischen oder skandinavischen Stil, letztere in typischen Farbtönen wie „Schwedenrot“ oder „Dalarnablau“. Eine Alternative zu deckenden Anstrichen sind farblose oder pigmentierte Lasuren. Anders als Lacke verschließen sie nicht die Oberfläche des Holzes, sodass es weiterhin Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben kann. Außerdem bleibt die Struktur des Holzes erkennbar.

Alle beschichteten Fassaden müssen regelmäßig inspiziert werden und der Anstrich muss etwas alle fünf bis zehn Jahre erneuert werden.

Welche Holzfarben gibt es?

  • Lacke: dicke Lacke, die die Oberfläche komplett versiegeln, sollten nicht als Fassadenanstrich verwendet werden. Es gibt Lacke für die Fassade, die einen ähnlichen, deckenden Effekt erzielen, aber keinen geschlossenen Film erzeugen. Auch solche Lacke platzen aber mit der Zeit ab, was die Renovierung aufwendiger macht: Zumindest die abgeplatzte Stelle muss zunächst geschliffen werden.
  • Deckende Ölfarben: daneben gibt es deckende Ölfarben, die zumindest aus der Distanz eine ähnliche Wirkung wie Lacke haben. Aus der Nähe ist die Holzstruktur allerdings noch sichtbar – zumindest bei sägerauem Holz.
  • Nichtdeckende Ölanstriche: daneben gibt es auch nichtdeckende Ölanstriche, beispielsweise auf Leinölbasis. Solche Öle schützen das Holz, tönen es leicht, sind aber farblos.
  • Lasuren: Lasuren dringen tief ins Holz ein, bilden aber keinen Oberflächenschutzfilm.

Welcher Anstrich der richtige ist, ist Geschmackssache. Ohne Anstrich graut das Holz aus. Wer das nicht mag, nimmt farblose Ölanstriche oder Lasuren, muss aber häufiger nachstreichen als bei deckenden Farben. Wer keine Holzoptik möchte, nimmt deckende Farben.

Unbeschichtete Fassaden

Eine unbeschichtete Holzfassade braucht keine Pflege. Das unbehandelte Holz entwickelt nach und nach eine silbrig-graue Patina. Roland Glauner erklärt, wie es dazu kommt. „Unter dem Einfluss des Sonnenlichts wird in den oberen Holzschichten Lignin abgebaut. Durch diesen Prozess bildet sich eine natürliche Schutzschicht.“ Den meisten Fassaden steht der auf diese Weise entstandene Grauton ausgesprochen gut und lässt sie mit zunehmendem Alter noch attraktiver erscheinen. Allerdings dauert die Vergrauung etliche Jahre und verläuft nicht immer gleichmäßig. Teile der Fassade, die stärker der Sonne ausgesetzt sind, vergrauen schneller als andere, sodass in der Übergangszeit ein uneinheitliches Bild entstehen kann. Als Lösung bieten einige Hersteller vorvergrautes Fassadenholz an. Dieses hat eine Beschichtung, die sich von alleine abbaut und nicht erneuert werden muss.

Yakisugi: Trend in Schwarz

Die Technik wird in Japan seit Jahrhunderten praktiziert und macht in den letzten Jahren auch bei uns von sich reden: Mit der Yakisugi-Methode werden Holzbretter für kurze Zeit einem Feuer mit sehr hohen Temperaturen ausgesetzt. Durch das Ankohlen bekommt die das Holz eine tiefschwarze, leicht silbrig glänzende Oberfläche. Zudem soll die Karbonisierung einen zusätzlichen Schutz gegen Feuchtigkeit, Fäulnis oder Insekten bieten. „Wissenschaftlich Belege zu funktionalen Vor- oder Nachteilen von Yakisugi sind mir allerdings nicht bekannt,“ kommentiert Roland Glauner, „aber gestalterisch ist so eine Fassade natürlich ein Hingucker.“

Ingrid Lorbach28.10.2021

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