Kamine & Öfen: Schwedenofen, Kachelofen und andere Varianten

Wärmespender und dekorativer Blickfang: viele Bauherren träumen von einem Kamin im Wohnbereich. Welche Ofentypen es gibt und worauf Eigentümer beim Einbau achten sollten.

Kamin, moderner Ofen im Wohnzimmer, Foto: Wilm Ihlenfeld / stock.adobe.com
Ein Ofen kann in jeden Einrichtungsstil integriert werden. Dann sorgt er entweder für gemütliche Stunden. Oder bei entsprechender Ausführung auch für warmes Wasser. Foto: Wilm Ihlenfeld / stock.adobe.com

Kamin- und Kachelöfen zählen zu den sogenannten Einzelraumfeuerstätten. Rund 11,2 Millionen gibt es davon aktuell in Deutschlands, beheizt werden sie mit Scheitholz, Pellets, Hackschnitzeln oder Holzbriketts, teilweise auch mit Kohle.

Foto: Alexis Gula
Alexis Gula / Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks. Foto: Alexis Gula

Wer sein Haus mit einem holzbefeuerten Ofen ausstatten möchte, hat verschiedene Optionen. Alexis Gula vom Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks rät Bauherren, sich zunächst darüber klar zu werden, ob es ihnen in erster Linie um Optik und Atmosphäre oder um effektive Heizungsleistung geht. „Mit einer Feuerstätte kann man entweder nur einen einzigen Raum beheizen oder mehrere, indem man überschüssige Wärme in das zentrale Heizungssystem einspeist.“

Die verschiedenen Ofen- und Kamintypen

Je nach dem, zu welchem Zweck ein Kamin oder Ofen angeschafft werden soll, eignen sich verschiedene Typen.

Kaminofen & Schwedenofen

Kamin, Schwedenofen im Wohnzimmer, Foto: 4th Life Photography / stock.adobe.com
Ein Kaminofen im Wohnzimmer: bei Kälte draußen sehr gemütlich. Foto: 4th Life Photography / stock.adobe.com

Beliebtester Ofentyp ist der Kaminofen, auch Schwedenofen genannt. Meist ist er kompakt aus Stahl gebaut und verfügt über ein Sichtfenster zum Beobachten des Flammenspiels in der Brennkammer. Geheizt wird mit Scheitholz oder Holzbriketts. Ein Kaminofen kann auch nachträglich aufgestellt werden, wie alle anderen Ofentypen muss er zur Ableitung der Abgase aber an einen Schornstein angeschlossen werden.

Kaminöfen gibt es in einfachen Varianten, die ihre Wärme vor allem während des aktiven Heizens an den Raum abgeben. Etwas teurere Modelle sind mit Keramik oder Naturstein verkleidet oder verfügen in ihrem Inneren über Wärmespeichersteine aus Schamott. Solche Öfen geben auch dann noch Wärme an den Raum ab, wenn das Feuer schon lange erloschen ist.

Kaminöfen mit einem eingebauten wasserführenden System können sogar zum Beheizen des ganzen Hauses beitragen. Durch den Ofen geführtes Wasser wird während des Brennvorgangs erhitzt, diese Wärme wird über einen Wärmetauscher in den Pufferspeicher eingespeist und kann so die Heizung entlasten.

Kaminöfen einfacher Ausstattung gibt es schon für wenige hundert Euro im Baumarkt. Ein wasserführender Kaminofen nach neuestem Stand der Technik kann aber bis zu 4.000 Euro kosten, dazu kommen Installationskosten.

Heizkamin

Optisch ähnelt der Heizkamin dem offenen Kamin, denn der großzügige Blick auf das Feuer steht im Mittelpunkt. Das große Sichtfenster schließt den Brennraum jedoch dicht ab, damit die Heizleistung nicht verpufft.

Heizkamine gibt es in einfachen und aufwändigeren Varianten, die überschüssige Wärme zur Beheizung anderer Räume nutzen. Preislich liegen Heizkamine je nach Ausführung zwischen 3.000 und 8.000 Euro, zuzüglich Montage.

Kachelofen

Kamin, Kachelofen mit blauen Kacheln, Foto: Marina Lohrbach / stock.adobe.com
Ein Kachelofen. Die Brennkammer ist von einem anderen Raum bestückbar. Foto: Marina Lohrbach / stock.adobe.com

Auch der Kachelofen muss bereits beim Bau des Hauses eingeplant werden und kann nicht ohne Weiteres ausgetauscht werden. Per Definition fungiert das Ofenmaterial als leistungsstarker Wärmespeicher. Früher war das Feuer im Kachelofen verborgen, heute gibt es Modelle mit Sichtfenster. Je nach Ausstattung können auch Kachelöfen mit der erzeugten Warmluft oder mit gewärmtem Wasser mehrere Räume heizen. Die Preisspanne für Kachelöfen beginnt bei wenigen tausend Euro für kleinere Modelle und ist nach oben hin offen. Individuell geplante große Kachelöfen mit Sitzbänken und gestalterisch anspruchsvollen Keramikfliesen sind regelrechte Kunstwerke.

Pelletofen

Die Pelletheizung hat vor allem als Zentralheizungssystem mit Brennkessel im Keller Bekanntheit erlangt. Es gibt aber auch Pellet-Einzelöfen mit Sichtfenster für den Wohnbereich. Die Pellets werden automatisch aus einem kleinen Vorratsbehälter in die Brennkammer befördert. Zündung, Pelletnachschub und Verbrennungsluftgebläse werden elektronisch geregelt, sogar per Fernbedienung oder App. Das hörbare Gebläse unterscheidet den Pelletofen von anderen Öfen. Preislich kommt man mit Pelletöfen eher günstig weg: selbst komplexere Modelle kosten in der Regel unter 5.000 Euro.

Gaskamin

Wer auf das Verbrennen von Holz verzichten will, kann auf einen Gaskamin zurückgreifen. Dann erleuchtet das Flammenspiel zwar nur ein paar Holzscheitimitate, dafür ist der Feinstaubausstoß deutlich geringer. Praktisch sind Gaskamine vor allem dann, wenn das Haus ohnehin über einen Erdgasanschluss verfügt. Ein Schornstein wird auch beim Gaskamin benötigt, die Abnahme erfolgt ebenfalls durch den bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger.

Ethanol- und Elektrokamine

Kamine, Ethantolkamin, Foto: Olha / stock.adobe.com
Die offene Flamme eines Ethanolkamins. Foto: Olha / stock.adobe.com

Wer in seinem Haus keinen Schornstein einbauen möchte, aber abends im Wohnzimmer trotzdem gern gelegentlich auf das Flammenspiel eines Feuers blickt, kann sich entweder einen Ethanol- oder Elektrokamin zulegen. Bei beiden handelt es sich um dekorative Feuerstellen, bei denen es nur um Wohngefühl und Optik geht, nicht um Heizleistung.

Während des Betriebes von Ethanolkaminen ist es notwendig, für ausreichend Sauerstoffzufuhr, also Belüftung im Raum zu sorgen. Auch unter Sicherheitsaspekten sind Ethanol-Kamine zumindest umstritten. Elektrokamine erwecken das Feuerbild ebenfalls durch Holzscheitimitate, gepaart mit passender Beleuchtung. Beide Kaminalternativen bedürfen keiner Abnahme durch den Schornsteinfeger.

Heizleistung und Wirkungsgrad

Wichtige Kennzahlen für die Auswahl des passenden Ofens sind die Heizleistung und der Wirkungsgrad.

Die Heizleistung wird in Kilowatt (kW) gemessen, sie gibt Auskunft darüber, wie viele Kubikmeter Raumluft mithilfe des Ofens beheizt werden können. Gula: „Bei einer Standardraumhöhe von 2,40 Meter kann man heute im Niedrigenergiehaus davon ausgehen, dass eine Heizleistung von einem Kilowatt etwa zehn bis zwölf Quadratmeter Wohnraum erwärmt, im Passivhaus sind es sogar 14 bis 20 Quadratmeter.“ Ist die Leistung der Feuerstätte zu stark beziehungsweise wird seine überschüssige Wärme nicht an andere Stelle ins Haus oder in die Zentralheizung transportiert, können Räume schnell überhitzen. Gula: „Auf jeden Fall sollte eine Feuerstätte in das Energiekonzept des gesamten Hauses einbezogen werden.“

Die zweite Kennziffer, die Bauherren interessieren sollte, ist der Wirkungsgrad. Er bezeichnet das Verhältnis vom eingesetzten Brennstoff zur freigesetzten Wärme. Je höher der Wirkungsgrad, desto effizienter der Ofen. Je nach Ofentyp liegen die meisten Modelle heute bei einem Wirkungsgrad zwischen 70 und 90 Prozent. Die besten Werte werden von Pelletöfen erreicht.

Ofen für Selbstbauer: Kaminbausätze

Kamine, Ofenbausatz, Foto: Franz Pfluegl / stock.adobe.com
Solche Öfen lassen sich auch als Bausatz selbst aufstellen und ummauern. Foto: Franz Pfluegl / stock.adobe.com

Wer handwerklich geschickt ist, die Montagekosten des Ofenbauers sparen will oder unter den angebotenen Modellen nicht das passende findet, hat bei vielen Herstellern die Möglichkeit, einen sogenannten Kaminbausatz oder Systemkamin zu kaufen. Dabei kann er sich das Produkt aus einer Reihe von Modulen zusammenstellen und so Form, Funktion und Material individuell bestimmen.

Frühzeitige Beratung durch den Schornsteinfeger

Weil der Einbau einer Feuerstätte baurechtlich diversen Auflagen unterliegt, empfiehlt Gula Bauherren, sich schon in der Planungsphase von dem zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger beraten zu lassen. Dieser führt nämlich am Ende die baurechtliche Abnahme der Feuerstätte durch. Dabei wird überprüft, ob der Ofen gemäß seiner jeweiligen Zulassung aufgestellt und angeschlossen worden ist, ob alle erforderlichen Brandschutzabstände eingehalten werden und ob die Schornsteintechnik passt.

Abnahmefähig sind Öfen nur dann, wenn das gewählte Modell über eine Zulassung durch eine unabhängige Prüfstelle verfügt. Sie stellt unter anderem sicher, dass der Ofen nur so viel Feinstaub ausstößt, wie es die Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) erlaubt.
Auch für die Wahl der geeigneten Schornsteintechnik sollte der Fachmann konsultiert werden. In modernen Energieeffizienzhäusern mit eingebauten Lüftungsanlagen braucht es auf jeden Fall einen Luft-Abgas-Schornstein (LAS). Durch ihn laufen zwei Leitungen: eine zum Abführen der Abgase und die andere für die Zufuhr von Verbrennungsluft. Gula: „Würde die Verbrennungsluft aus dem Innenraum des Hauses bezogen, entstünde sonst im Zusammenspiel mit der Lüftungsanlage ein Unterdruck.“ In Häusern mit Lüftungsanlage dürfen deshalb ausschließlich Öfen aufgestellt werden, welche vom Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) für den raumluftunabhängigen Betrieb geprüft und zugelassen wurden. Eventuell müssen auch zusätzliche Sicherheitseinrichtungen installiert werden.

Ist Heizen mit Holz ökologisch?

Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der oft als klimaneutral oder gar freundlich gilt. Die Argumentation: Die CO2-Bilanz von Holz ist neutral, weil beim Verbrennungsprozess freigesetzte Gase durch die Aufforstung der Holzwirtschaft wieder aufgenommen werden.

Doch sind bei dieser Argumentation nicht alle Aspekte berücksichtigt. Denn ob das CO2 beim Verbrennen innerhalb weniger Stunden freigesetzt wird oder während der Verrottung über Jahre dem Kohlenstoffspeicher Wald zugeführt wird, macht einen Unterschied. Außerdem entsteht beim Verbrennen von Holz neben klimaschädlichem Methan, Lachgas und Ruß auch vergleichsweise viel Feinstaub. In der Bilanz aller Aspekte rät das Bundesumweltamt aus Klimaschutzgründen sogar von der energetischen Nutzung von Holz ab.

Wer sich trotzdem für eine holzbetriebene Feuerstätte entscheidet, sollte bei der Wahl des Ofens darauf achten, dass dieser möglichst effizient ist und seine Emissionen die gesetzlich geforderten Werte unterschreiten. Käufer von Kaminöfen können seit Ende 2019 zudem auf das Umweltzeichen „Blauer Engel“ achten. Statt der gesetzlich vorgeschriebenen 40 Milligramm Feinstaub pro Kubikmeter stoßen diese Öfen nur 15 Milligramm aus. Weitere Punkte, auf die Betreiber achten sollten, ist die Verwendung von trockenem Brennholz aus nachhaltiger regionaler Forstwirtschaft mit einer maximalen Restfeuchte von 15 bis 20 Prozent sowie auf eine regelmäßige Wartung der Feuerstätte.

Staatliche Fördergelder

Als nachwachsender Rohstoff wird Holz vom Gesetzgeber trotz den genannten klimaunverträglichen Effekten bei seiner Verbrennung als erneuerbare Energiequelle eingestuft. Der Einbau moderner Holzfeueranlagen wird deshalb von Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) als Einzelmaßnahme gefördert. Voraussetzung ist, dass das Haus mindestens den Gebäudeenergiestandard eines Effizienzhauses 55 erreicht.

Andrea Enders-Lagi08.07.2021

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